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Kapitel 3 – A Past and Future Secret

Es klopfte mehrmals an der morschen Holztür. Die Frau, die gerade damit beschäftigt war, an ihrem Alchemietisch Pilze und andere Pflanzen zu zerteilen, sah mürrisch zur Lärmquelle. Sie war schon über 220 Jahre alt, sah aber nicht älter aus als 40. Abgesehen von dem langen kastanienbraunen Haar welches recht ungepflegt war und einigen Strähnen die ihr ins Gesicht hingen, war sie alles andere als hässlich. Sie machte sich nicht viel aus Mode, was ihre zerlumpte Kleidung sehr deutlich veranschaulichte. Sie warf einen großen Pilz an die Tür und rief: „Verschwindet! Ich kaufe nichts!“ Kurze Zeit herrschte angenehme Stille, dann klopfte es erneut. Die Frau nahm ihr Hackebeil, stand auf und schlich durch die düstere Hütte Richtung Tür. „Klopf, klopf! Rate, wer da ist!“ rief ein Mann von draußen. Die Frau runzelte die Stirn, beschleunigte ihren Schritt und zog ohne zu zögern die Tür auf, das Hackebeil immer noch erhoben. Vor ihr stand ein Mann mit einer violetten Brille und einer goldgelben Schmetterlingsweste, die im Mondschein glänzte. Er grinste sie an. „Hallöchen, junge Dame. Kennen wir uns nicht irgendwoher?“ Die Frau ließ das Beil sinken, rollte mit den Augen und seufzte. „Du schon wieder… Womit hab ich das wieder verdient?!“ Kanska hörte auf zu grinsen und nahm seine Brille ab. „Tut mir Leid, Wonhala. Jetzt ist wirklich ein schlechter Zeitpunkt um Scherze zu machen. Darf ich reinkommen, bitte?“ Sie betrachtete ihn genauer. Er machte einen recht miserablen Eindruck, wirkte müde und war außer Atem. „Was ist denn los? Ach was… komm erst mal rein…“ Nachdem Kanska eingetreten war schaute sich Wonhala noch kurz im umliegenden Wald um und schloss dann die Tür. Kanska hielt sich ein Taschentuch vor die Nase. „Ich hatte schon fast vergessen, wie angenehm deine kleine Hexenküche riecht. Wie lange ist das schon her? 30? 40 Jahre?“ Sie nahm in einem alten Polstersessel Platz und Kanska setzte sich ihr gegenüber. „41 Jahre seit deinem letzten Besuch. Und damals warst du nur kurz da um Tee zu trinken und um von deinem neuen Job zu berichten, deinen Plänen zur Befreiung der Drachen… Du siehst nicht so aus als seist du wegen des Tees gekommen. Haben Drachenfänger unterwegs Jagd auf dich gemacht, oder was?“ „Gib mir einfach einen Manatrank, dann erzähle ich dir Alles. Aber schnell! Ich hab nicht viel Zeit…“ Er packte seine Reisetasche auf den Boden und öffnete sie. Tiecelle, das Irrlich erschien daraus und flog im Raum herum. Die Frau erschrak und schnappte sich ein Buch, das neben dem Sessel lag. „Ungeziefer! Den mach ich platt!“ „Nein, warte! Das ist doch nur Tiecelle, ein alter Freund von mir. Er tut dir Nichts also sei nett zu ihm. Den Manatrank, bitte…“ Das Irrlicht umkreiste Wonhala ein paar Mal. Dann ließ es sich neben Kanska nieder, welcher gerade ein Buch über Dämonen aus der Tasche hervorkramte. Wonhala holte eine große Flasche aus dem Schrank hinter Kanska und gab sie ihm, woraufhin dieser die bläuliche Flüssigkeit zügig trank, bis die Flasche leer war. Er machte auch sofort einen viel lebendigeren Eindruck. „Wunderbar! Jetzt geht’s mir besser.“ Kanska erzählte ihr kurz von den Vorkommnissen im Palaestra und was er jetzt vorhabe. „Ich glaube, dass dieser Dämon mich verfolgt. Vermutlich hat dieser Dämon mit dem alten Krieg zwischen Licht und Dunkelheit zu tun.“ Er zeigte auf das Buch. „Darum muss ich nach Tolgalen di Guawysvern, so schnell wie möglich. Alle, die ihm im Weg sind, schweben in Gefahr, darum hab ich die Städte und Dörfer umflogen.“ „Und deshalb fliegst du zu mir?!“ Sie grinste hämisch. „Wie rücksichtsvoll von dir.“ „Tut mir Leid, aber mir sind die Manatränke ausgegangen und ich hab seit Tagen keine Pause eingelegt. Du bist hier nicht sicher, verschwinde von hier, heute Nacht noch! Oder du kommst mit mir mit.“ Sie überlegte und sah sich in der Hütte um. „Ich hänge sehr an mein Zuhause… aber ein kleiner Urlaub kann ja nicht schaden. Ich packe nur schnell ein paar Tränke und Zutaten ein, dann kann es losgehn. Und nerv mich nicht unterwegs, wie du es sonst tust! Verstanden?“ Kanska grinste wieder. „In Ordnung.“ Kurze Zeit später waren die beiden auch schon fort und ließen die finstere Hütte im Wald zurück.

Endlich wieder Tageslicht, nicht dass er dies wirklich sehen konnte. Aber der Wille zählte. Und die Wärme auf seinen blutigen Schuppen. Nachdem Keberscu dieses Zimmer, in welchem er seine Beute gewittert und in Schutt und Asche gelegt hatte, war ihm der Geheimgang aufgefallen. Als der Dämon versucht hatte, durch zu kriechen, waren nur der Kopf und der lange Hals durch das Loch in der Wand gekommen, seine Schultern waren stecken geblieben, der Brustkorb zu breit für den Gang. Als Keberscu sich wieder zurückziehen wollte, waren die langen, schwarzen Stacheln, welche links und rechts von seiner Stirn über die Wirbelsäule bis zur Schwanzspitze verliefen, irgendwo hängen geblieben, hatten ein Vorankommen in irgendeiner Art und Weise verhindert, sei es nun nach vorne oder wieder zurück. Es hatte Keberscu mehr als nur einen Nerv gekostet, mit jedem Atemzug, den er da vergeudete, war seine Beute ein Stück weiter von ihm entfernt, nicht dass sie in der Entfernung in Sicherheit wäre, es war nur ärgerlich quer durch dieses verfluchte Land zu hecheln, um die sprichwörtliche Nadel im Heuhaufen zu finden. Die Hinterbeine gegen die Wand gestemmt, schaffte Keberscu es schließlich im einiger Gewalt aus dem Tunnel heraus. Ein Stachel brach ab, ein zweiter hing halb abgebrochen an seinem Hals. Grollend schüttelte Keberscu sich, die Stacheln würden binnen kürzester Zeit nachwachsen, doch was ihn mehr ärgerte als ein wenig abgebrochenes Horn war die Tatsache, dass seine Beute entwischt war, vor erst. Gierig sog er den frischen Wind in die geblähten Nüstern, Keberscu war mit einem Schlag wieder in der Gegenwart. Er roch Menschen, recht weit von hier entfernt, das Blut der Leichen im Inneren des Berges – es begann bereits zu gerinnen und eine schwärzliche Farbe anzunehmen – und den süßlichen Geruch beginnender Verwesung, ausgehend von der beinahe unbeschadeten Leiche, welche er am Kragen ihrer zerrissenen Kleidung trug, wie einen makabren Abklatsch eines Welpen. Doch nirgends, nirgends fing er auch nur den Hauch des bekannten Geruchs auf. als erfahrener Jäger wusste er, dass seine Beute deswegen nicht vollends verloren war, dennoch würde sich das Spiel nur unangenehm in die Länge ziehen, langweilig werden und vor allem die Chance auf einen Misserfolg vergrößern. Wieso nicht noch einen Jagdgesellen ins Boot holen und das Füchschen in die Enge treiben? Keberscu grinste, ließ beinahe die Leiche fallen und schloss die vorderen Zähne fester um den Stoff. Er hatte keine Lust, eine neue Leiche in dieser fremden Welt zu suchen, vor allem da er nur große Städte witterte und irgendwie bezweifelte Keberscu, dass die Bewohner sich ohne Gegenwehr abschlachten ließen. Vorsichtig kletterte der Dämon, zwecks mangelnder Flügel den Hang hinab, seine scharfen Krallen bohrten sich spielend in das Gestein, wie das sprichwörtliche Messer in warme Butter. Die Baumwipfel überragten Keberscu nur knapp, konnten das blutrote Schuppenkleid nur unzureichend verbergen, als sich der Dämon voran bewegte. Lange, starke Muskeln spielten unter der harten Schuppenhaut, Tastorgane peitschten wie Schneidedraht durch die Luft, schnitten Äste sauber durch und kerbten Baumstämme tief ein, stand ihm ein Baum im weg so wurde er einfach entwurzelt und zur Seite geworfen. Immer wieder prüfte er den Wind, filterte jeden einzelnen Geruch heraus und schließlich, da wurde Keberscu stutzig. Nur ein Hauch, kaum vorhanden, doch…unter dem fürchterlichen Gestank nach Pilzen und Moder…war das nicht seine Beute? Ein feiner Geruch wurde leicht von schwereren, unangenehmeren Geruchsnoten übertüncht, eine Garantie gab es nicht, ebenso wenig einen Anhaltspunkt. Wieso also nicht dieser Fährte folgen? Sollte sie erkalten, gäbe es weitere Methoden, die begehrte Beute aufzuspüren. Die kräftigen Beine spannten sich an, die Krallen in den weichen Waldboden gegraben sprang der mächtige Leib voran, in immer größeren, raumgreifenden Sätzen schoss Keberscu davon, seine Krallen fanden guten Halt, der Boden war eben und seine Ausdauer schier unerschöpflich. Der perfekte Jäger und nun hatten dunklere Mächte die Leine gelockert, welche unsichtbar- nicht spürbar – den rotgeschuppten Dämonen zurück hielten. Wehe denen, die sich ihm in den Weg stellten.

zezhuanthia_lorsveki/kapitel_3.txt · Last modified: 2014/02/09 19:53 by indigoryu