User Tools

Site Tools


weihnachtsgeschichte

Differences

This shows you the differences between two versions of the page.

Link to this comparison view

weihnachtsgeschichte [2014/11/30 12:33] (current)
Golol angelegt
Line 1: Line 1:
 +**__Weihnachtsgeschichte__**
 +
 +Sanft rieselte der erste Schnee des Jahres auf die goldgelb beleuchteten Häuser Londons. Obwohl es schon spät Abends war trieb sich die halbe Stadt auf den Straßen herum, die von Weihnachtsmusik,​ dem Geruch Süßgebäcks und, nun, Schnee erfüllt waren.
 +
 +"​Autsch!"​
 +Verärgert runzelte Granby die Stirn. ​
 +"Sowas habe ich noch nie getrunken"​
 +"Was, du kennst keinen Glühwein",​ gab Laurence verwundert zurück. "Warst du noch nie auf Weihnachtsmärkten?"​
 +"Nein, nicht wirklich! Als Flieger... macht man sowas eben nicht."​
 +"Aber zur Weihnachtszeit mandeln gegessen haben sie doch bestimmt schonmal!"​
 +"ja, das schon..."​
 +Sie waren auf der Durchreise von Dover nach Loch Laggan und hatten sich dazu entschieden einen Abstecher nach London zu machen. In gewisser Weise hatten sie "​frei",​ da ihnen die Admiralität nach
 +ihrer letzten Mission und dem nahenden Ende des Krieges eine Auszeit gegönnt hatte. Sie waren pünktlich zur Adventszeit angekommen und nach etwas Diskussion hatte Laurence es geschafft Granby zum Mitkommen zu überreden.
 +Langsam schlenderten sie nun durch den leichten Schnee und versuchten sich wie normale Menschen zu verhalten
 +"Ach Granby, entspannen sie sich doch mal! Der Krieg ist im Prinzip um! Eventuell wird man uns nur noch ein oder zweimal losschicken! Bald können sie alles machen, was sie so machen wollten."​ sagte Laurence, "Sie müssen doch noch irgendetwas vorhaben, oder Iskierka."​
 +"Tja, die ist damit zufrieden zu kämpfen. und ich..."​. Granby schwieg. "Wie ist es denn bei ihnen? Temeraire ist ja voller Ideen, da werden sie wohl genug zu tun haben."​
 +Laurence lachte leise und stimmte Granby zu.  Die beiden durch die Straßen laufenden Männer unbeachtend rieselte der Schnee weiter herab und begann die erst dünne, dann dickere und schließlich Fingertiefe Schneeschicht zu bilden, die lockeres Gehen bald zu knirschendem Stapfen erschwerte.
 +Obwohl die Zeit verging und es auf elf Uhr zuging dünnte sich die fröhliche Menschenmenge kaum aus. Zu den Heimkehrern gehörten jedoch auch Laurence und Granby, die mittlerweile genug von dem Weihnachtstrubel hatten und sich dementsprechend auf den Rückweg gemacht hatten. Sie waren in einer Gaststätte untergekommen,​ die zwar nicht gerade luxoriöse Zimmer bereitstellte,​ jedoch praktischerweise nah am Stadtrand und somit in der Nähe der Drachen war.
 +Laurence trat ein und zog sofort seine Handschuhe aus um sich die eisigen Finger zu reiben. Die Treppe gab ein befriedigendes "​plock"​ von sich als sie sie bis zu ihrem Zimmer hochstiegen. Als sie ankamen fummelte Laurence mit steifen Fingern den Schlüssel aus der Tasche
 +und wollte sie aufschließen als die Tür plötzlich nachgab und sich nach innen öffnete.
 +Ein verdutzter Mann in einem dunkelbraunen Trenchcoat starrte sie an.
 +Nach einem Moment der Überraschung stieß er Laurence beiseite und hastete die Treppe hinauf, Laurence, der sich noch schnell seinen Degen aus dem Zimmer gegriffen hatte, dicht hinter ihm. Granby war von Laurence umgeworfen worden und hatte sich den Hinterkopf gestoßen, wodurch er erst nach kurzer Benommenheit die hatte Verfolgung aufnehmen konnte.
 +"Was zur Hölle hat der in meinem Zimmer gemacht",​ dachte Laurence als er um die nächste Wendung schlitterte und sich gerade noch am Geländer festhalten konnte und das nächste Stockwerk erklomm. Schließlich rannte er um eine letzte Kurve, bloß um den Verfolgten eine Leiter zum Dachboden besteigen zu sehen. Dynamisch sprang Laurence an die oberste Sprosse und zog sich hoch, während sein Ziel durch die Wogen an alten Klamotten und Möbelstücken watete um die einzige Lichtquelle,​ ein Fenster am langen Ende des Raumes zu erreichen.
 +Der Mann blieb kurz stehen und zögerte. Laurence wollte gerade seinen Degen ziehen, als sein Gegenüber, plötzlich entschlossen,​ auf die Fensterbank stieg und sich, an einer Hand am Fensterrahmen festhaltend,​ aus dem Gebäude schwang.
 +"​Verdammt. Der ist rausgeklettert!",​ rief Laurence seinem gerade durch die Luke kommenden Freund zu. "​Bleiben sie hier und sehen sie im Zimmer nach, ich folge ihm!"
 +"Ich bin länger Flieger als sie! Ein bisschen Geklettere kriege ich ja wohl hin", wollte Granby einwerfen, doch Laurence war schon durch das Fenster verschwunden.
 +Kurz erwog er es ihm zu folgen doch nach einem kurzen Blick auf seinen Haken, der bei Gurten, aber nicht besonders an kleinen, vereisten Vorsprüngen effektiv war, entschied er sich Laurence Rat zu folgen und im Zimmer nach Evidenz für des Unbekannten Identität zu suchen.
 +Mit einem letzten Zug war Laurence auf dem Dach, wo ein eisiger Wind bließ sodass Laurence sich einbildete Raureif würde sich auf seinen Augenbrauen bilden. Der Mann im Trenchcoat war bereits ein Haus weiter und bewegte sich, wenn man in Betracht zieht dass überall Schnee lag, mit einem halsbrecherischen Tempo vorwärts.
 +Zur Hälfte verwünschte sich Laurence dafür den Eindringling nicht einfach verpasst zu haben, denn nun musste er über glitschige Schiefern balancieren und dabei versuchen einen läufer einzuholen, der ihm wahrscheinlich schon auf gerader Fläche probleme bereitet hätte.
 +Sie rannten von Haus zu Haus, bis das große Reihengebäude endete und sich das Terrain in eine Mischung aus Schornsteinen,​ Terassen und Vorsprüngen verwandelte. "So krieg ich den nie.Ich hoffe er hat im Zimmer etwas hinterlassen,​ mit dem Granby ihn identifizieren kann.",​
 +dachte Laurence als er merkte wie schwer er atmete, nachdem er sich eine weitere Kante hochgezogen hatte. Zweimal bereits war er gefährlich ausgerutscht und hatte sich gerade noch fangen können.
 +Doch die Verfolgungsjagd über die Dächer endete jäh, als der Mann plötzlich wie von Sinnen die linke Seite des hausdaches herunterschlitterte,​ sich im letzten Moment an der Regenrinne festhielt und auf einem Balkongeländer zum stehen kam.
 +Während der Verfolgte behände vom Balkon sprang und sich abrollte, entschied Laurence sich dazu diese Kapriole nicht nachzumachen und wechselte stattdessen die Seite des Daches. Es brauchte nicht lange bis er einen Erker fand, von dem er nach einer kurzen Klettereinlage auf einen Stapel Kisten springen konnte.
 +"​Okay... los gehts",​ dachte er sich als er den Abstieg bekann. Einem kleinen Teil seines Bewusstseins war klar, dass die spröden Verzierungen auf denen er Stand jeden Moment abbrechen konnten, doch er schaffte es diese Gedanken auszublenden bis er tief genug war und sprang...
 +Sein Fuß traf zwar, doch rutschte er sofort weg. Ein schmerzhaftes Stöhnen entwich laurence als er mit dem Oberkörper gegen die Kisten schlug, sowie ein Fluch als er merkte dass sein Fall noch nicht gebremst war und sein kompletter oberkörper in einem Schneehaufen versenkt wurde.
 +
 +Erstaunt zog Granby den Kopf aus dem Schrank. Auch dort war alles durcheinander. Er hatte sich die letzten Minuten einen Einddruck vom Zustand ihres Zimmers verschafft und es wahr erstaunlich wie säuberlich der Eindringling jede Ecke verwüstet, jede Schublade durchsucht und jedes Möbel umgeworfen hatte.
 +"Und kein einziger Hinweis. Nicht mal eine Haarsträhne",​ dachte Granby und Schritt ans Fenster. Mittlerweile musste es fast Mitternachts sein, denn die Öllampen an den Hauswänden kamen kaum noch gegen den Mantel der Schwärze an der sich über alles legte. Ziellos huschte sein Blick hin und her. Ein Päärchen, dass auf einer Bank saß und mandeln aß, ein älterer Mann der Beutel von einem Wagen ins Haus trug, ein verkratztes Schild.
 +Intuitiv fiel sein Blick auf eine Stelle, wenige Meter von der gegenüberliegenden Hauswand entfernt, an der der Schnee aufgeworfen und zerwühlt schien. Glasig starrte er auf einen Punkt bis ihm plötzlich ein goldenes Glitzern auffiel. "Was solls, hier finde ich eh nichtsmehr heraus.",​ beschloss er und ging die Treppe herunter um die Straße zu betreten.
 +Es war überraschend leise zwischen den Häusern Londons, als er durch den, aufgrund der dicken Kleidung kaum wahrnehmber,​ knirschenden Schnee schritt. Als er an der Stelle angekommen war, an der er das Glitzern gesehen hatte, bückte er sich und wühlte kurz im Schnee herum, bis er ein festes Objekt in der Hand hielt. Es war ein Daumennagel großes solides Plättchen, genau wie die Knöpfe an "​...Laurence Mantel!"​
 +Nachdenklich schaute Granby die Straße auf und verfolgte mit seinem Blick eine Fußspur, die schließlich in einer Figur endete, die mehrere Hundert Meter entfernt gerade um die Ecke bog.
 +Schnell raffte er sich auf und trabte zügig der Figur hinterher.
 +
 +Regelmäßig stampften seine Füße auf den Boden, Tak, Tak, Tak, wie ein Pendel, dass von den Gesetzen der Physik in seiner Bewegung gefesselt war. Nachdem Laurence sich aus dem Schneehaufen befreit hatte, hatte er schnell über eine Gasse die andere Straßenseite erreicht, doch sein Ausrutscher hatte seinem Ziel einen weiteren Vorsprung verpasst. Jetzt waren sie jedoch auf einer breiten ebenen Straße und Laurence war sich sicher, dass er seinem Gegenüber an Kondition überlegen war.
 +Es gab keine Gässchen, keine offenen Türen von Läden oder Bars, bloß zwei Richtungen einer eisigen Straße und keiner der beiden Männer war gewillt seine Richtung zu wechseln. Obwohl der andere professionell lief, Laurence hatte ihn noch kein einziges Mal zurückblicken sehen, verkürzte sich der Abstand zwischen mehr und mehr ihnen bis Laurence schließlich eine Asymmetrie in seiner Laufbewegung erkannte, die auf ein schmerzendes Gelenk schließen lies.
 +Unglücklicherweise endete die lange Straße bevor Laurence die jagd zu Ende bringen konnte und es öffneten sich wieder Seitengassen und andere Wege, auf denen Laurence klar unterlegen war. Sofort hetzte der mann um eine Ecke und war außer Sicht. Als Laurence die Gasse erreichte, konnte er bloß noch den Mantel des Mannes hinter einer Mauer verschwinden sehen. Dieses Mal war er jedoch nicht schnell genug. Niemand war in Sicht, als er von der Mauer sprang und sich umsah. Insgesamt gab es drei Straßen in die sein Ziel hatte fliehen können. Es war hoffnungslos.
 +Er begab sich auf die größte der drei Straßen und begann sie hinabzulaufen,​ während er nach einer verdächtigen Bewegung ausschau hielt.
 +
 +Da! Granby lugte um die Ecke und sah einen auffällig unauffälligen Mann mit dunkelblauem Trenchcoat und einer Mütze mit breiter Krempe die Straße überqueren. Er wartete bis der Mann in einen Durchgang eingebogen war bevor er wieder die Verfolgung aufnahm. Wenn dies der Mann aus ihrem Zimmer war, dann musste er herausfinden wo er hinwollte.
 +Schließlich riskierte er es und trat aus dem Durchgang hinaus. Kein Mann im Trenchcoat. Verdattert suchte er mit seinem Blick die schattigen Stellen ab, doch er konnte ihn nirgendwo sehen. Wo konnte er sein? Es gab keine Gassen oder Ecken die nah genug waren außer... ein die Stille zerfetzendes Scheppern lenkte seine Aufmerksamkeit auf den Eingang zu einem kleinen Hof.
 +
 +Mit zwei großen Schritten hatte Laurence den Weg überwunden und rammte sein ganzes Körpergewicht gegen die Person im dunkelblauen Mantel. Gerade, da er, die Hoffnung schon völlig aufgegeben, den Rückweg zur Gaststätte hatte antreten wollen, war ihm die Person im Trenchcoat ins Auge gefallen, die mit überraschender Ruhe durch den Schnee schritt. Sofort hatte Laurence sich in einer Seitengasse verborgen, wo er auf der Lauer gelegen hatte. Nun schob er seinen Gegner, der völlig das Gleichgewicht verloren hatte, in einen kleinen, dunklen Hof auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es krachte laut als eine Vase die in einer unglückliche Position zwischen dem mann und dem Boden gewesen war zerschmettert wurde.
 +"Was hast du in meiner Wohnung gemacht!",​ fragte Laurence den Mann während er ihn auf den Rücken drehte.
 +"​Mensch Laurence, was..."​
 +"​Tharkay!?​ Sie?"
 +"Ja, ja ich war in ihrer Wohnung",​ antwortete der immer noch benommene Thrakay während er versuchte seinen Hut zu ertasten
 +"Was zum Teufel machen sie in meiner Wohnung!"​
 +"Nun, das kann ich erklären...",​ sein Blick war auf den Hut fixiert der überraschenderweise nach ihrem hartem Kontakt schief auf Laurences Kopf gelandet war.
 +Laurence konnte sich kaum bändigen: "Und wieso zum Teufel rennen sie dann weg?"
 +Tharkay stutzte. "Wieso wegrennen?"​
 +Plötzlich spürte Laurence wie sein Degen aus der Scheide gezogen wurde.
 +"​C'​est termine!",​ sagte eine Stimme hinter Laurence. "​Quelle surprise, wie schön!",​ sagte der Unbekannte mit schwerem französischen Akzent während er den Degen auf Laurences Rücken richtete. "Man ist in London aus.. une raison different, und man fängt sich einen Kapitän. Und dann SO einen Kapitän, ah ah ah..."
 +"Du da! Va! Los in die Ecke!",​ rief er Tharkay zu, der in einer Kampfhaltung vor Laurence stand. Kurz rang er mit sich selbst, doch schließlich flogte er dem Befehl der einzigen anwesenden Person mit einer Waffe.
 +"Es war wirklich nicht schwer nach England zu kommen und es hat sich aufjedenfall gelohnt! C'est incredible! Ihr werdet mir eine große Prise einbringen..."​
 +
 +Als Granby näher war sah er schließlich zwei Figuren im Eingang zum Hof stehen. Anscheinend hatte Laurence den Mann mit dem Hut gestellt, denn der reich verzierte Degen saß mitten im Rücken des Eindringlings.
 +"​Super,​ du hast ihn ge..." - bevor Granby seinen Satz beenden konnte fuhr der vermeintliche Laurence herum und ließ die Klinge aus der Drehung auf ihn niedersausen. Zu überrascht um reagieren zu können, ging Granby zu Boden.
 +
 +Laurence wusste sofort, dass Granby getroffen sein musste, doch jetzt war keine Zeit um nach ihm zu sehen. Er schnellte herum um nach der bewaffneten Hand zu greifen, während er mit der anderen Hand den dunkelbraunen Mantel ergriff und zu sich zog. Trotz seiner instabilen Lage schaffte es der Franzose noch den Degen gefährlich nah an Laurence Hals zu bringen und für einen kurzen Moment konnte Laurence die Spitze vor seinem Auge schweben sehen.
 +Dann war Tharkay zur Stelle und trat dem Franzosen den Degen aus der Hand. Mit zwei Schritten rückwärts zog Laurence ihn zu Boden und blockierte seine Arme. Während Tharkay sich daran machte ihn zu fesseln wandte sich Laurence Granby zu, das Schlimmste erwartend.
 +"​Granby! Alles okay?"
 +Überraschenderweise hörte er Granby kichern und als er in der Dunkelheit genau hinsah erkannte er dass der Degen nicht, wie befürchtet,​ den Hals, sondern bloß eine der schweren Gold Epauletten getroffen hatte, die Granbys Anzug schmückten.
 +Nun fing Granby an zu prusten: "Da muss ich Iskierka wohl dankbar sein! Wenn ich ihr das erzähle wird sie mir nie mehr erlauben ohne Goldgeklimper herumzulaufen!" ​
 +Obwohl Laurence immer noch voller Adrenalin war, konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen.
 +Nachdem sie den Franzosen gefesselt und, mit einem Serum das Tharkay nach einer halben Stunde in den zwielichtigen Bereichen Londons erworben hatte, betäubt hatten, wandte Laurence sich Tharkay mit strengem Blick zu: " Sie haben mir immer noch nicht gesagt, was SIE in meinem Zimmer gemacht haben!"​
 +Überraschenderweise schien Tharkay keineswegs beschämt über seine Antwort zu sein.
 +"Nun, sie wissen ja, bald ist Weihnachten und... da hat sich Temeraire gedacht er schenkt ihnen einen Mantel, damit sie neben Granby nicht so schäbig aussehen müssen. Also hat er mich losgeschickt einen ihrer Mäntel zu messen. Aber sie durften das natürlich nicht wissen, und warten bis ihr außerhalb der Stadt seid wollte er auch nicht."​
 +Laurence musste schmunzeln und nach einiger Zeit sagte er: "Sagen sie ihm nicht, dass ich es weiß. ich will ihm den Spaß an der Überraschung nicht nehmen."​
  
weihnachtsgeschichte.txt · Last modified: 2014/11/30 12:33 by Golol