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skalli:kapitel_14

Erwachen in Gefangenschaft

Disclaimer: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von NN und entstammen dem Temeraire-Universum


Erwachen in Gefangenschaft

Es krachte, als Skallis stachelbewehrter Schwanz zum wiederholten Mal gegen das eiserne Tor peitschte, genau an der Stelle, wo sich vor einigen Minuten die Luke geschlossen hatte, durch die der kleine Mann mit dem fiesen Grinsen ihr das Essen gebracht hatte. Es verärgerte sie zutiefst, dass Menschen sie gefangen hielten, wo sie doch so klein und zerbrechlich waren, im Vergleich zu Drachen. Insbesondere, dass dieser Fouché, der Williams beleidigt hatte, sie nun fütterte.

Unter normalen Umständen würde sie das wenige Fleisch, was der hinterhältige Spionageminister ihr gebracht hatte, nicht anrühren, doch sie war fest entschlossen, hier auszubrechen und Williams zu retten und dazu brauchte sie jede Kraft, die sie aufbringen konnte. Mit einem frustrierten Fauchen würgte Skalli den letzten Fleischbissen herunter und verzog sich in die hinterste Ecke ihres Gefängnisses.

Sie befand sich in einem für Menschenverhältnisse ziemlich großen Raum, der grob in den Fels gehauen war. Der einzige Ausgang und gleichzeitige Lichtquelle, war das Stahltor mit der vergitterten Luke, das aus dem Höhlengefängnis in irgendeinen Stützpunkt führte, wie sie vermutete, genau wusste sie es jedoch nicht, denn sie war in der Zelle aufgewacht, mit fürchterlichen Schmerzen am ganzen Körper. Krampfhaft versuchte Skalli zum wiederholten Mal sich daran zu erinnern, was passiert war. Sie waren mit Temeraire, Tenebra, Kouhei und Invictus auf dieser Mission gewesen. Zuerst hatte sie nicht viel von Invictus und seinem Kapitän gehalten, doch er hatte ihren Respekt gewonnen, als er so freundlich zu dem verletzten Kouhei gewesen war.

Danach waren sie fast bis zur Bewusstlosigkeit geflogen, so langsam, dass sie enorm schnell mit den Flügeln schlagen musste, um nicht abzustürzen, damit Kouhei mitkam. Schließlich waren sie vor irgendeiner französischen Stadt angekommen, wo sie dann ihr Lager aufschlugen und fast augenblicklich einschliefen. Und dann… Skalli erinnerte sich an Flammen. Alles hatte lichterloh gebrannt und überall um sie herum schwirrten Drachen, die auf sie einhackten. Sie erinnerte sich vage an einen Kampf, einen Kampf gegen Feuerspucker, denen sie hoffnungslos unterlegen waren. Sie hatte um sich geschlagen und alle getötet, um Kouhei zu beschützen, während alles brannte, während überall Schmerzensschreie laut wurden. Sie erinnerte sich an den Hieb eines Drachen, sie war ausgewichen und dann… dann… Ein Kloß bildete sich in ihrem Hals und Verzweiflung und Hass wallten in ihr hoch, als sie die Bilder sah. Williams, wie er fiel, das durchgetrennte Geschirr in der Hand, unter ihm ein Meer aus Flammen, Rauch, Geschrei und Schüssen. Sie hatte ihn fallen sehen, ihren Gefährten. Sie hatte nach ihm suchen wollen, brüllend hatte sie den französischen Drachen in Stücke gerissen, dass das Blut vom Himmel regnete und war dann zur Erde gestürzt, doch sie hatte Williams nicht gefunden… Und dann… Hier endete ihre Erinnerung. Sie erinnerte sich nur noch an einen Schmerz, an Verzweiflung und daran, wie die tröstliche Schwärze sie umfing.

Sie war hier aufgewacht, in dieser Zelle. Sie stieß einen Laut der Verzweiflung aus, ein Heulen tiefster Trauer, während sie ihren Kopf gegen die Zellentür stieß. Williams konnte nicht tot sein. Er musste einfach leben und es war ihre Aufgabe, ihn zu finden. Wahrscheinlich war er hier irgendwo in diesem unterirdischen Menschenbau, zusammen mit ihren anderen Freunden. Skalli würde ihn ausräuchern und zerstören. Wieder rammte sie ihren Kopf gegen die Tür. Wie durch einen Schleier aus Verzweiflung nahm sie draußen Schritte wahr. Die Luke öffnete sich und ein Mann spähte herein. Skalli erkannte das höhnische Grinsen. Mit einem Klacken öffneten sich ihre Kiefer, als sie fauchte. “Hier kommst du nicht…”, begann der Mann, bevor er hastig die Luke schloss, als Skallis rechte Klaue an dem Ort vorbeizischte, an dem eine Sekunde zuvor noch sein Gesicht gewesen war. Sein Gesicht, Fouchés Gesicht, das Gesicht des Mannes, den sie für all das verantwortlich machte. Sie wusste, was er hatte sagen wollen, genauso wie sie wusste, dass er sich irrte. Sie würde hier rauskommen und er würde es bereuen, geboren zu sein. Vielleicht würde sie nicht durch die Tür kommen, aber durch den Fels… Skalli kannte die Wirkung, die Eis auf Stein hatten.

Sie öffnete wieder das Maul und badete die Felswand in einem Eisstrahl, der die ganze Höhle in einem silbrig weißen Licht erstrahlen ließ. Dann stürzte sie sich auf ihre Zellenwand, entschlossen sie in Stücke zu reißen. Unter ihren Klauenhieben bebte die ganze Höhle, doch nichts passierte. Sie schlug immer weiter auf die Felsen ein, stundenlang, wie es ihr vorkam. Währenddessen kamen keine weiteren Besucher mehr. Sie hatte Fouché wohl vertrieben, stellte sie mit grimmiger Befriedigung fest. Wieder überzog sie die Wand mit einer Eisschicht. Nach einigen weiteren Schlägen stellte sie fest, dass die Felsen bröckelten. Sie packte einen Felsblock und zog daran, stemmte sich von der Wand weg und auf einmal gab er nach und sie riss ein ganzes Stück Fels heraus. Dahinter war wieder Fels, doch bestärkt von diesem ersten Erfolg, arbeitete sie weiter unermüdlich. Als sie gerade Luft holte, um die Felswand abermals gefrieren zu lassen, hörte sie draußen Schritte.

Offensichtlich näherten sich mehrere Menschen. Mit Schrecken wurde Skalli klar, dass man sie vermutlich in eine andere Zelle stecken würde, wenn jemand ihr Werk hier sähe. Panisch überlegte sie, was sie tun konnte, während die Schritte näher kamen. Schließlich packte sie einen schweren Felsblock mit ihren beiden Klauen, trug ihn zur Tür und hieb ihn dann so hart gegen die Klappe vor der Luke, dass diese verbog. Das gleiche machte sie mit dem Tor und anschließend stellte sie den Fels noch davor. Zufrieden stellte sie fest, dass die Schließmechanismen jetzt so verbogen waren, dass keiner mehr hereinkommen konnte. Dann wandte sie sich wieder der Wand zu. Sie wollte gerade wieder ihre Klauen in den Fels versenken, als ihr ein kleiner Spalt auffiel, durch den Licht fiel. Skalli konnte kaum glauben, was sie sah. Sie streckte eine Klaue in den dünnen Spalt und stieß ein wildes Triumphbrüllen aus, als dieser sich vergrößerte. Dann verstummte sie genauso abrupt als ihr klar wurde, dass ihre Feinde vor der Tür waren. Sie lauschte und zu ihrem Schrecken vernahm sie von draußen Rufe. Wenn ihre Feinde nicht blöd waren, würden sie Verstärkung holen, Skalli musste sich also beeilen.

Während sie sich für ihre Dummheit schalt, riss sie weitere Stücke aus der Wand. Inzwischen konnte sie die Landschaft draußen gut sehen. Ihre Zelle war anscheinend in den Hang eines Berges gehauen. Draußen wütete ein Schneesturm, der alles durcheinanderwirbelte und durch die Öffnung schneite es herein. Doch Skalli hatte keine Zeit, den Schnee zu genießen. Mit einem kräftigen Ruck brach sie das letzte Stück Wand heraus und nun war die Öffnung endlich groß genug, dass sie hindurch schlüpfen konnte.

Skalli blickte noch einmal zurück auf die Tür und sah, das sie wackelte, als schlüge von draußen etwas Mächtiges dagegen. Wollten sie die Tür etwa einrammen, als ob Menschen nur die geringste Chance hatten, das zu schaffen? Dann streckte sie ihren Kopf durch den Eingang. Ihre Klauen griffen tief in den Schnee, bis sie festen Boden zu fassen bekamen und sie zog sich hinaus in die Freiheit. Draußen stand sie erst mal keuchend im Schnee, während der Sturm um sie tobte. Ihre Augen passten sich dem kräftigen Schneefall an und sie konnte ihre Umgebung in Augenschein nehmen. Überall um sie herum durchschnitten verschneite Berge den Himmel, an den Hängen wuchsen große majestätische Nadelbäume und Felsspitzen ragten überall aus dem tiefen Schnee. Skalli legte ihren Kopf in den Nacken, während der Sturm ihre Stacheln umspielte und brüllte der ganzen Welt ihre Herausforderung entgegen. Ihre Feinde würden ihr Williams zurückgeben, oder sie würden wie trockenes Laub fallen.

eure saphira

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skalli/kapitel_14.txt · Last modified: 2013/11/01 10:21 by Terminator