User Tools

Site Tools


ran_ghor:prolog

Ran Ghor; Provinz Doran 613 n. Ghr. Zr.

Die beiden Drachenarmeen flogen aufeinander zu. Ihre Flügel schlugen im Gleichtakt die Sekunden, die es noch dauern würde, bis die ersten Reihen aufeinanderprallen würden. Silberne und weiße Rüstungen glänzten im Sonnenlicht, und verliehen der Szene eine Schönheit, die sie nicht verdiente. Über den Drachen schien die Sonne vom Wolkenfreien Himmel, unter ihnen erstreckte sich die bergige Waldlandschaft der Provinz Doran, mitten drinnen die Stadt Fenghal, mit ihren großen Holzhütten im typischen Stil der Walddrachen… Ein Ort des Friedens, dem dieser Frieden in kurzer Zeit grausam entrissen werden würde…

Die einfache Bevölkerung dieser Gegend hatte die Drachenarmeen längst bemerkt. Obwohl Keiner überrascht über eine erneute Schlacht war, brachen die meisten der Drachen doch in Panik aus… Zu oft waren ihre Dörfer und Städte schon im Laufe dieses Krieges in Mitleidenschaft worden, einfach niedergebrannt von den feindlichen Drachen.

Sie konnten sich nicht wehren. Sie waren nur eine kleine Stadt in einem kleinen Land, eingequetscht zwischen zwei Großmächten, die schon seit Jahren einen Krieg führten, dessen Auslöser Keiner so richtig kannte. Jetzt krachten die ersten Reihen der Drachen ineinander. Ein Durcheinander aus Flammen, die aus weit geöffneten Rachen schossen, aus Klauen, Zähnen und peitschenden Schwänzen entstand. Dazwischen die Schreie der Verwundeten. Die Drachen unten flohen panisch aus der Stadt, schon stand das erste Haus in Flammen, als ein Drache in weißer Rüstung kreischend und Feuerspuckend vom Himmel stürzte. Seine Rüstung war zerfetzt und er hatte eine schlimme Wunde an der Brust… Der linke Flügel war ihm offensichtlich gewaltsam ausgerissen worden, denn es hingen noch Reste einer Membran an dem Stummel, der einmal ein prächtiger weißer Flügel gewesen war… Er stürzte mitten in die Hütte eines kleinen Drachens, der nicht schnell genug hatte fliehen können, und mit einem verzweifelten Aufschrei zusammen mit seiner Hütte unter dem großen Drachen begraben wurde. Dieser holte noch ein letztes Mal rasselnd Luft und bäumte sich gegen den Tod auf, dann regte er sich nicht mehr.

Eine kleine Gruppe der Drachen in silberner Rüstung war geschlossen um den Pulk geflogen und griff jetzt von hinten an. Sie flogen ihren Feinden einfach in den Rücken und verbissen sich in alles, was sie zu beißen bekamen, während es Klauenhiebe auf die Flügel der überrumpelten Feinde hagelte. Im Nuh sahen sich die weißen Drachen umzingelt

Viele versuchten ihr Heil in einer Landung, doch sie wurden gnadenlos verfolgt und getötet. Feuerstrahlen trafen viele der Holzhütten, die sofort in Flammen aufgingen und den Bewohnern, sofern sie noch nicht über alle Berge waren einen grausamen Tod in den Flammen bescherten. Da viele der Drachen nicht mehr fliegen konnten, verlagerte sich der Kampf jetzt mehr und mehr auf den Boden. Eine Gruppe von Drachen versuchte, sich hinter den Mauern von Fenghal zu verschanzen. Einige Wachdrachen der Stadt griffen tapfer die Eindringlinge an. Doch sie hatten keine Chance. Beinahe nebenbei packte einer der Kriegsdrachen zwei Wachdrachen am Genick und drückte seine riesigen Klauen in ihre Hälse, bis Blut hervorquoll… Die Wachdrachen zappelten noch einige Sekunden hilflos, und gaben erstickte Laute von sich, dann bewegten sie sich nicht mehr.

Der Kriegsdrache schleuderte die beiden Wachen ihren Gefährten vor die Füße, die nach kurzem Zögern flohen… Der Boden war inzwischen übersät von toten Kriegsdrachen beider Parteien, dazwischen immer wieder unschuldige Stadtbewohner, die nicht rechtzeitig entkommen und irgendwie zwischen die Kämpfenden geraten waren. Die vorher so schöne Stadt, glitzerte jetzt rot vor Blut, Flammen und den zerfetzten Körpern toter oder sterbender Drachen, grausamer, als es der Palast des Blutfürsten Kerbescu es jemals könnte. Die letzten weißen Drachen hatten sich auf den Hauptplatz Fenghals zurückgezogen und wehrten sich, Rücken an Rücken verzweifelt gegen den Ansturm ihrer Feinde, die sie jetzt umzingelten und ihren Feueratem auf den Platz bliesen. Die weißen Drachen wurden bei lebendigem Leibe geröstet, ihre Todesschreie waren selbst durch das Getöse der Flammen zu hören, während sie in einer riesigen Wolke aus Rauch und Flammen verzweifelt um ihr Leben kämpften. Als die letzten Schreie schon lange verklungen waren, schlossen die silbernen Drachen ihre Kiefer und das Inferno brach ab.

Zurück blieb nur ein gigantischer, rauchender Scheiterhaufen mitten in einer Stadt, die selbst nicht mehr viel mehr war, als ein gigantischer rauchender Scheiterhaufen… Die Überreste der siegreichen silbernen Armee brachen in Triumphgeheul aus, während sie sich in die Luft erhoben und nach Norden in Richtung Keizaal davonflogen. Ihre verstorbenen und Kameraden und die Feinde ließen sie zurück, genauso wie die ehemalige Stadt, eine rauchende, zerfallene Ruine. Als die Silhouette des letzten Drachen hinter den Bergen verschwunden waren wagten sich die überlebenden Dorfbewohner wieder aus dem Wald, verzweifelt darüber, dass sie alles verloren hatten. So schlimm war es noch nie gewesen. Das manche Drachen keinen ihrer Angehörigen tot vorfanden lag einzig und alleine daran, dass die meisten der Leichen zu entstellt waren, als das man sie widererkennen könnte. Denn da war keiner, der nicht jemanden vermisste - seine Mutter, sein Kind, seinen Partner - für immer verschwunden, das unnötige Opfer eines sinnlosen Krieges…

ran_ghor/prolog.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)