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lucid_dream_dragon:kapitel_5

Kapitel 5 - Die Verdrehte Wahrheit

Das war unangenehm. Verängstigt sprang ich beinahe von der Couch. Die Kugel brachte mich nicht um! Der Schock tat es ebenfalls nicht. Aber der Schock fühlte sich wie die Hölle an. Glücklicherweise nur für eine kurze Zeit. Ich starrte auf den Grund und atmete. Atemtechniken um mich wieder zu beruhigen.. Meine Klauen hatten sich in den Sitz gebohrt. So muss das eine normale Reaktion sein, sofern ich mich erschrecke? Interessant… Meine Schwingen hatten heftig gezittert. I atmete langsamer. Die Luft schien unnatürlich stark aufgewärmt. Produzierte ich Feuer oder hatte ich das mir nur eingebildet? Und wenn ich schon ans Einbilden denke… Was ist nach Allem eigentlich noch wahr??? Meine Klauen! Ich betrachtete sie behutsam. Ei zweites Mal. Ein drittes Mal. So viel ist passiert. Ich stellte fest, dies war ein Traum. Jetzt nicht mehr. Die letzten zwei 'Erfahrungen' waren Träume. Und überraschenderweise war der letzte so realistisch. Extrem! Ich konnte mich nicht entsinnen, wann ich das letzte Mal einen solch atemberaubenden, realistischen Traum hatte. Es war verwirrend. Es war unheimlich. Es gab keine verräterischen Zeichen, die zeigen, dass es sich nur um eine unechte Welt handelt, geschaffen von meinem gestörten Verstand. Falsch, dort waren Zeichen! Nicht die fehlenden Uhren, nicht die nie endende Nacht. Aber dort war kein Blut… Die Welt färbte sich schwarz, wie ordinär. Und dieser irritierende Zweifel, wie konnte ich das alles nur übersehen? Die Musik fehlte! Aber dennoch. War es normal, sich an so vieles zu erinnern, während man schlief? Meiner Meinung nach nicht. Es ist vorbei, komm runter! Belass es einfach dabei. Licht schien durch das Fenster. Also war es schon Morgen. Endlich. Aber das hat auch Nachteile!

Die Tür öffnete sich, während ich dabei war, aufzustehen. Der schlechteste Moment, dass so etwas passieren konnte. Aufgrund der Panik fiel ich stattdessen auf den Boden. Das konnte jeder sein. Gut, die Person, welche dort stand, war nur Amy. Und ich hatte nichts besseres zu tun, als leise zu grollen. Seufzen wäre doch so viel besser gewesen, nur wieso konnte ich dies nicht einfach. Ich sank nieder, sagte kein Wort, schlussfolgerte, ich bin einfach unglaublich. Unglaublich unhöflich! Sie betrog mich nicht. Sie kam nicht in der Absicht, mich erschrecken zu wollen. Sie versprach einfach, zurückzukehren und mir etwas Essen zu geben. Und Trinken, so hoffte ich. Warte, hatte sie überhaupt was mitgebracht? Ich sah nun genauer hin. Sie tat es! Das Mädchen trug einen klassischen, alten Korb, gefüllt mit… keine Ahnung was. Amy hat's hinbekommen und ich spiel mich auf, wie ein Monster. Ich sollte mich schämen! Sie zögerte. Natürlich. Wer erschreckt denn hier wen?! Wird Zeit, das mal wieder gutzumachen. Versuch das zu regeln! Amy tat zwei Schritte, dann fragte sie. “Du bleibst wirklich auf dem Boden liegen? Das sieht ungemütlich aus” “Äh… Nun, es geht, sagte ich… Hast du etwas?” Sofort stellte Amy den Proviant auf den Grund, präsentierte ihre Waren. “Ich war nicht mal sicher, was du überhaupt isst.” Das erklärte das rohe Fleisch, noch in Plastik eingeschlossen. Die zweite Option waren Waffeln. Klasse! “Das sit nicht viel, ich weiß.” Sagte sie mir. “Irgendetwas essbar für dich?“ “…Oh, yeah. Die Waffeln schon. Aber Steak und ähnliches Fleisch bevorzuge ich well done, oder zumindest medium rare.” Das dritte Objekt war eine Thermoskanne. “Das ist Wasser. Ich meine, jedes Wesen trinkt doch Wasser!” “Nun ja… stimmt. Ganz nebenbei, hatte irgendwer deine Operation bemerkt? Oder etwas, was hier vorgeht?” “Nein, niemand. Ich sagte, du kannst mir vertrauen. Oder hast du das vergessen?!” “Yeah… Noch eine Sache. Wie spät ist es?” Ich musste es jetzt wissen. Ich musste das wirklich! Amy wunderte sich. Drachen müssen die exakte Zeit wissen?! Ich tue das! Sie sah auf ihre Armbanduhr. Himmel, sie hatte eine Uhr! “Es ist einige Minuten nach 8. Warum fragst du? “ Eine intakte Uhr! Sollte ich sie fragen, ob sie mir die geben könnte?! Aber sie fragte zuerst. “Sag mir nicht, du musst jetzt verschwinden!” Verdammt! Sie hat mich! Wollte ich das nicht die ganze Zeit? Unhöflich, völlig unhöflich! “Wa… Was, nein, muss ich nicht…” Sie beruhigte sich wieder. Meine Götter, War ich ihr so wichtig? Es erschien so. Was für eine Frage. Warum sonst sollte sie all die Dinge tun.. Mein Herz setzte aus. Ihr wichtig? Könnte dieses Mädchen sehen, wie ich erröte? “Du weißt, 'Sie' befinden sich noch immer irgendwo da draußen?! Zu solch einer Zeit würden sie dich im Nu finden!” Touché! Aber beim Anstreichen dieses Themas, Sie… Da war noch eine Frage. Wage ich es, sie darüber zu befragen? Ich war hilflos. Mal wieder “Amy…” “Ja?” Das ist hart. Ist es eine gute Idee, zu sprechen? Ist es ein guter Moment? Wir sahen uns gegenseitig an. Für eine ganze Weile. Ich weiß nicht, wie lange dieser Moment andauerte. Oh, komm schon, spuck's aus! “Em…” Amy wartete auf die Antwort. Ich sah es in ihren Augen. Peinlich… “…glaubst du…” Sie wartete. “…glaubst du, dies könnte ein Traum sein?” Ihr überraschter Gesichtsausdruck war so vorhersehbar. Ich wusste, sie würde auf diese Weise reagieren. Sie erwartete, ich würde sie sonst was fragen, doch nicht eine solch lächerliche Frage. Ich bereute, was ich tat. Sollte ich es ihr wirklich so schwer machen?! Sie wird auf eine solch seltsame Frage nicht antworten. Amy wird sicherlich mit einer anderen Frage blocken. Welche Frage?! Das ist jetzt ihr Problem. Wart's ab… “Was???” Klassiker... “Was meinst du damit?” Ich wusste nicht, wie ich es erklären konnte. Nicht dann. Da ich doch eine weitere Variable vergaß. Meine Frage ließ zu viel Raum für Vorstellungen. Fuck! Sie könnte sonst was denken. Was würde sie denken, was ich mit dem Wort 'Traum' meinen könnte? Ich sah zu Boden. Dieses Verhältnis zwischen uns ist so zerbrechlich… Und ich beabsichtige auch, es derart zerbrechlich zu lassen, Dieses Verhältnis soll soll keinen falschen Weg einschlagen! Sie musste das Gespräch fortführen. “Du hattest einen schrecklichen Albtraum, oder nicht?” Ich sah auf, direkt in ihre Augen. Erstaunlich! Dieses Mädchen war sogar noch cleverer, als ich vorerst dachte. Sie hat mich ertappt! “Wie hast du… Wie kannst du das wissen?” “Ich sah es einfach. Die Art, wie du zuvor reagiert hast…Und du siehst immer noch müde und erschöpft aus. Oh, und solche Verfolger im Nacken zu haben, würde doch generell zu Albträumen führen, nicht?!” “Richtig.” Aber sie hatte nicht genug, in der Tat. “Also träumen auch Lebewesen wie du?!” Jetzt fängt der schöne Teil wieder an… Erfolgreich verhinderte ich, mit den Augen zu rollen. “Wovon träumst du?” Jetzt ist es zu spät für Auswege. “Sagen wir… normale Dinge. Momente, wie in der Realität, hauptsächlich. Und manchmal Fantasien…” “Aber dieser Albtraum, was war das? Was ist passiert?” Das war der Satz, von dem ich fürchtete, dass sie ihn fragen würde. Nach all ihrer Unterstützung und Sorgen kann ich ihr nicht sagen, was mich beschäftigt. Die Tatsache, dass sie die Macht besitzt, mich zu hintergehen. Oder sogar den Willen. Garantien gab es noch immer nicht. Fast vergaß ich's, fast. “Sie fanden mich…” “Oh…” Amy war schon wieder besorgt, doch merkte schnell, dass dies ich nur weiter stört und fügte schnell hinzu “Nun, wenigstens war es schon ein Traum, weißt du. Du Glücklicher.” Das war unheimlich. Dieser Satz. Es war wohl besser, keine weiteren Gedanken daran zu vergeuden. Ich seufzte, stand schließlich auf und setzte mich auf die Couch. Viel angenehmer, als auf dem dreckigen, hölzernen Grund zu liegen.. Amy tat es mir gleich. Noch etwas… Sie hatte ein Geheimnis, ein kleines. “Du hast mich beobachtest, während ich schlief, oder nicht?” “Äh…” Sie musste sich ein Lächeln verkneifen.”Em, ja…” “Es ist okay, verständlich.” Sagte ich kühl. Und langsam begann sie zu kichern. “Ja. Schätze, ich konnte nicht widerstehen.” Ihr Kichern wuchs zu einem Lachen an. Ich schaute verzweifelt. “Du sahst so niedlich aus.” Das kann nicht ihr Ernst sein! Was stimmt mit diesem Mädchen nicht?!? Ehrlich gesagt, ich fand's witzig, ein wenig. Aber ich gab mein bestes, es nicht zu zeigen. Es wäre nicht hilfreich. “Gut, das war's schon.” Sie lachte nicht mehr. Wenn ich doch nur mit all dem fertig werden könnte… Noch eine Sache. Wann werde ich letztendlich ein letztes Thema finden?! “Amy.” “Ja?” Ich war schon daran, ihr etwas mitzuteilen, als sie mir zuvorkam. “Isst du das nicht?!” Und deutete auf die Waffel in meinen Klauen. Oh, verdammt! Wann hab ich die genommen? Keine Ahnung. Und vergaß all die Zeit, mich zu stärken. Sie hält mich so zerstreut! “Ah, das, ja!” Erst gedachte ich, einen Bissen zu nehmen, doch stoppte sofort. “Amy…” Keine Zeit mehr. Meine Geduld war am Ende. Ich erlaubte mir einen guten Blick in ihre Augen. “Ich möchte die Wahrheit wissen!” Sie erbleichte eine Nuance. “Die Wahrheit?” “Deine Intention, dein Ziel. Deine Natur und Motivation…” Sie war sprachlos. “Deine Liebe für Drachen ist echt, da gibt es keinen Zweifell. Du findest mich interessant? Oder sogar süß? Du fürchtest mich nicht, nie. Jeder ordinäre Mensch würde das wahrscheinlich tun, würde nicht zögern, mich zu verkaufen, mich zu betrügen und aus dieser Welt zu tilgen. Du Nicht!” Ich stand vor ihr, mir viel nicht auf, wenn ich überhaupt aufstand. “Du bist nicht ordinär. Du hast mich gefunden, bevor irgendein schädliches Subjekt es schaffte.. Du Glückliche. Oder war ich der Glückliche?! Möglicherweise wäre ich geliefert, keinen Schutz in so einer schäbigen, dreckigen, kleinen Hütte zu haben. Möglicherweise kann ich hier für Monate leben, für Jahre, wer weiß das schon. Ich weiß es nicht. Was denkst Du?” Amy sah zu Boden. War das nicht sonst mein Akt?! “Was dachtest du, als ich noch im Baum saß, Über deinem Haupt? Über deinen Vorstellungen. Und du, nichts in Händen als Vertrauen und Faszination.” Ich hab's getan, auch wenn ich's nie wollte. Amy war so verzweifelt. “War ich vielleicht der Traum den Du immer hattest?!” Das war schon ein sehr abstrakter Gedanke, den ich sogleich bereute. Meine Stimme klang kalt, ein Bisschen vorwurfsvoll. Das lief völlig falsch! Meine Schwingen faltete ich wieder zusammen. Warte, wann hab ich die überhaupt ausgebreitet? Autsch! Das muss wirklich sehr einschüchternd auf sie wirken. Ruhig endete ich. “Verstehe, ich bin dankbar. Aber ebenso verwirrt. Und fühle mich nach Allem noch immer hilflos.” Während ich zum Fenster schlenderte, besah ich mir meine Klauen. “Albtraum…” Eine klare Sicht, keine falsche Anzahl an Fingern. Das war schön real. Amy sollte nicht erfahren, was dies bedeuten mag. Weiterhin sollte ich geheim halten, wie mir das alles passieren konnte. Das ist weit zerstörerischer. Sie sprach. “Es ist die Wahrheit…” Ich drehte herum und sie setzte hinzu. “Du hast recht, ich mag Drachen. Ich hatte so großes Glück, dich zu finden. Um ehrlich zu sein, ich hatte keine konkrete Idee, was ich tun sollte. Das hier schien die beste Lösung zu sein.” “Daran zweifel ich nicht…” “Du hast recht, das hier verdienst du nicht, inmitten von Staub und Müll zu leben. Ich würde so viel mehr geben, wenn ich nur könnte…” “Du tatest, wozu du in der Lage warst. Und das schätze ich.” “Dieser Platz ist nicht so sicher, wie ich ständig behauptete, das ist wahr. Sie werden dich finden, wenn sie nur gut genug suchen. Ich war so naiv.” “Dieses Risiko wird einfach weiterhin bestehen.” Wir nahmen eine kleine Pause. Fast schon wisperte ich den nächsten Satz. “Dein Risiko ist es, das mich ebenso verunsichert. Du bist auch in Gefahr, siehst du das nicht?” “Ich seh das… und es kümmert mich nicht! Ich werde dir beistehen.” Ich sagte kein Wort mehr. Es war ihre Entscheidung. Amy war aufrichtig. Und sie nahm die Pflicht, ihr Leben für meine Sicherheit zu geben. Denke ich an meinen letzten Traum zurück, verursachte es mir Bauchschmerzen. Das musste ich nun überstehen. Ich saß mich wieder nieder und atmete tief durch. “Vielen Dank, Amy.” Jetzt begann ich die Waffel zu essen. Amy stand auf. Es schien, als könnte sie fliegen. Ihre Motivation kehrte schnell wieder. Sie überraschte mich mal wieder, was mich zum Lächeln brachte. “Was tust du nun?” “Mehr Essen besorgen.Ich werde sehen, was ich tun kann.” Sie lächelte ebenso. Keine Antwort von mir. Sie sagte auch leise “Ich habe noch immer ein paar Fragen…” Wie wahr. Ich bin das Mysterium hier und das sollte ich im Hinterkopf bewahren. Das nächste Interview wird umso schwerer. Welch ein Vergnügen! “… aber später.” Amy wollte keine Antwort. Sie stürmte zur Tür und ging. Das war energetisch. Das war gut. So hatte sie keine großen Probleme, es zu verdauen. Ich musste ihre Augen öffnen, dies so realistisch zu halten, wie es ist. Dies war immer noch eine ernste Aktion. Ich konnte ihr vertrauen.

Die Waffel war großartig, ein süßes, simples Mahl war genau das richtige für mich, gerade jetzt. Aber auch etwas trocken. Ein wenig Marmelade oder Nutella wäre in Ergänzung schon besser gewesen. Warum ich danach nicht gefragt hatte. Aber ich hatte auch kaum die Chance dazu gekriegt, so schnell, wie sie ging. Und sonst etwas, außer Wasser… Genug gesessen. Während ich eine weitere Melodie summte, gab ich's bereits auf, in dieser Unordnung Unterhaltung zu finden, bevor ich mit dem Suchen begann. Ich griff nach der Kanne und trank einen Schluck edlen Leitungswassers. Als ich einen Blick aus dem Fenster warf, viel mir die Kanne aus den Klauen, schlug auf den hölzernen Boden. Das kann nicht wahr sein! Amy stand draußen, eine Diskussion mit zwei weiteren Personen haltend.

lucid_dream_dragon/kapitel_5.txt · Last modified: 2013/09/24 18:42 by Vehementis ea Veritas