User Tools

Site Tools


lucid_dream_dragon:kapitel_3

Kapitel 3 - Ein Gewisser Pfad

Hastig riss ich diesen mistigen Lumpen herunter, glücklicherweise ohne es zu zerreißen. Das Mädchen ging bereits einige Meter aber sah mit dann mit einem fragenden Ausdruck an. “Worauf wartest du? Und nutze besser diese Tarnung.” “Das hier nennst du Tarnung? Zwecklos!” “Das ist besser als nichts. Hör zu, willst du wirklich, dass sie dich finden?” Für eine Weile sahen wir uns nur gegenseitig an. Und ich gab zuerst auf. Ich seufzte. “Na gut, wie du wünschst…” Stimmt schon, dass wenn sie, wer auch immer sie sind, mich finden, wäre dieses Stück Stoff ohnehin nicht ausreichend, sie abzulenken. Wie blind sollten die schon sein?

Eine halbe Ewigkeit passierten wir den dichten Wald. Es schien so seltsam. Wo bringt sie mich nur hin? Wonach hatte sie überhaupt gesucht? Was weiß sie alles? In der Tat ist sie wirklich eigenartig. Und ich seufzte wieder. Zumindest ist ihr klar, wo wir hingehen müssen… na ja, ich hoffte es. In Gedanken gefangen und durch die Pracht der Nacht erstaunt, begann ich leise eine Melody zu summen… Der ganze Tag war bereits ein Albtraum. Bewaffnete Einheiten verfolgen mich. Aber dieses Mädchen? Wie ist überhaupt ihr Name? Ich sah sie an. Sie sah mich schon die ganze Zeit an und ich merkte es nicht. Ich hielt aufgeregt an. “Dieses Lied, was ist das?” fragte sie. Die zweite Sache, die ich in diesem kurzen Augenblick nicht mitbekam. So dachte ich eine Sekunde lang scharf nach. Es war ein orchestraler Teil aus… 'Beauty of the Beast'! Unangenehm! “Äh… Den kennst du wahrscheinlich nicht. Aber sag mal, wer bist du eigentlich? Ehrlich gesagt weiß ich überhaupt nichts über dich.” Sofort japste sie, geschockt. “Oh, Tschuldigung! Natürlich. Nenn mich Amy… Aber du hast dich genauso wenig vorgestellt…” So unangenehm! Ich bin einfach unglaublich! Die Pause zog sich immer weiter hin. Ich kann ihr einfach nicht meinen wahren Namen erzählen. Spitznamen? Welchen Spitznamen??? “Ich bin Ventus. So ist es.” Und ihre nächste Reaktion hatte ich nicht erwartet.. Für Stunden wurde mein Leben immer ernster, dass ich mich wundern musste, wie ich das nur überstehen kann. Mit Stress umzugehen hatte mir schon des Öfteren Probleme bereitet. Mehr als anderen Leuten. Aber jetzt, wo das hörte, fing sie auf einmal an zu lachen und ließ mich richtig konfus dort stehen. “Das ist ein… seltsamer Name!” Ich schätze, sie wollte es blöd oder beschissen nennen. Sie setzte fort. “Wer um alles in der Welt gab dir solch einen Namen?” Wenn ich erröten könnte, hätte ich das vermutlich. Vielleicht tat ich das sogar wirklich… “Das war ich.” Sie lachte aber immer noch! “Ach komm schon, das ist kein so schlechter Name.” So wartete ich, bis sie letztendlich mal wieder zur Ruhe kam.

Richtig, das habe ich nicht kommen sehen. Aber eine Sache war klar. Durch diese belanglose belanglose Reaktion tat sie mir doch etwas wertvolles. Sie nahm mir einen Teil der Anspannung. Wir setzten die Reise fort. Wenigstens war der Schutz, den ich noch immer trug, nicht mehr so nervig. Ich hatte meine Meinung nicht geändert, für mich war es noch immer nutzlos. Es kümmerte mich nicht. Wir passierten nichts als unberührte Wälder. Der Mond ersetzte schon längst die Sonne, immerhin ein Vorteil. Wie der Himmel ausschaute, genauso tat er es nun auch in dieser Nacht. Eine gute Anzahl an Wolken, ein klarer Himmel und ein zur Sichel geformter Mond. Wage ich dies, ein Zeichen zu nennen? Für was nur? Und jedes Mal, wenn ich abgelenkt schien, betrachtete sie mich aufmerksam, verwundert, sich fragend, was wohl dieses seltsame Biest denken mag? Manchmal ist sie okay, manchmal nervt sie einfach… “Du… Du kannst wirklich fliegen?!” Das war ein bisschen zu viel. Aber ruhig sagte ich “Hast du das nicht im Fernsehen gesehen oder so?! Die die hier sind nicht einfach zur Dekoration da.” Amy war beeindruckt. Ich konnte das gut verstehen, aber hoffte zudem doch, dass sie es dabei belassen würde. Falsch gedacht! “Darf ich sie berühren?” Das war ja noch härter! Ich hielt und schaute verzweifelt drein. Sie sah es. Dann atmete ich einmal tief durch, marschierte weiter und sagte gefasst schlicht “Nein.” Amy braucht Grenzen. Oder besser gesagt, wir brauchen welche. “Nun…” sprach ich “Wo gehen wir eigentlich hin? Ist es dort wirklich sicher?” “Keine Sorge, es ist so sicher wie Fort Knox.” Und sie grinste. Was für ein mieser Scherz…

Der Wald fand bald ein Ende, also stoppten wir und versteckten uns hinter den letzten Bäumen. Wir konnten schon einige Häuser erkennen, welche zu einem Dorf, jenseits einer größeren Wiese gehörten. Keine Ahnung, wie es hieß. Ich besaß kein großes Interesse, die Namen benachbarter Dörfer zu wissen . Licht schien aus manchen Fenstern. Zumindest einige von ihnen. Die Gesellschaft ist also noch wach. Keiner außerhalb für einen kleinen Spaziergang. Es schien friedlich. Ich traute dem Frieden nicht, konnte nicht sagen, warum. All mein Vertrauen lag auf Amy. Sie betrachtete das Dorf vor uns genau so vorsichtig, wie ich es tat. Alles, was ich hoffte war, dass sie wusste, was sie tat. Und wie umsichtig sie plante. Das ist ernst! “Gut, komm!” flüsterte sie. Dieser Fakt, dass sie bereits flüsterte, verstörte mich, gab mir das Gefühl, nahe einer Gefahr zu sein. “Es ist nicht weit.” versicherte sie. Natürlich unterließen wir es, die Straßen zu nutzen und wanderten in den Schatten der Rückseiten der Häuser. Mein Herz schlug wie verrückt, ich konnte es hören. Mit Angst sah ich mich permanent nach Beobachtern um. Ich werd' noch wahnsinnig! So dachte ich. Auf einmal griff sie meinen rechten Arm, ließ mich hochfahren. Ich war beschämt, die Sorgen in ihrem Gesicht zu sehen. Sorgen um mich. Verstörend. In diesem kurzen Moment vergaß ich jeden nicht sichtbaren Beobachter. Alles, was ich wahrnahm, waren ihre Sorgen. Nur für einen kurzen Moment doch. Yeah, ich war beschämt. Wieder konnte sie mir einiges an Stress nehmen. Mein Herz hämmerte noch immer, aber ich fühlte, es würde sich schon bald wieder normalisieren. Amy sagte kein Wort, kein Wunder, wo ich doch im Begriff war, panisch zu werden. Jetzt mussten wir aber wirklich vorankommen. Bloß weiter! So flüsterte ich “Es geht schon…” Sie war nicht überzeugt, noch immer blieb sie still. “Mir geht’s gut. Bitte, führ mich weiter!” Letztlich tat sie, was ich verlangte.

Nur ein paar Minuten schlichen wir, dann erreichten wir unser Ziel. Es war nur ein weiteres Apartment wie jedes andere auch in diesem Dorf. Wir befanden uns auf der hinteren Seite und saßen im Gras. Dies ist nicht Fort Knox. Aber das war nicht der Punkt. Ich glaubte, all das war ein schrecklicher Fehler von mir. Was hab ich mir denn die ganze Zeit gedacht? Jetzt musste ich's erfahren! “Hier lebst du.” Sie nickte. Dann fragte ich “Allein?” Überrumpelt sah sie mich an. Ich wusste es! Amy war nicht so derartig jung, aber die Wahrscheinlichkeit war dennoch hoch, sie lebe noch immer mit ihren Eltern. Junge Frauen besitzen für gewöhnlich keine eigenen Häuser, wie dieses. Und jetzt plante sie, mich in dem Heim zu halten, gemeinsam mit Verwandten und Freunden. Und ich fürchtete, sie alle wären so vorbereitet, wie einen Einbrecher in einer der weltweit best geschützten Einrichtungen vorzufinden. Fort Knox ist nichts, diese Unachtsamkeit formt den wahren Witz.

Unglaublich, wie ruhig das Mädchen noch immer blieb. “Vertrau mir, niemand wird überhaupt nichts herausfinden.” “Wünschte, ich könnte auch so optimistisch sein…” Das Mädchen zeigte sich nachdenklich. Sie wählte ihre Wörter mit Bedacht, drehte herum und ging, wollte, dass ich folge. “Richtig, es wird nicht einfach. Aber höre, du musst dich nicht fürchten. Hier bist du sicher.” Langsam hasste ich dieses Wort. 'Sicher'. Eine Lüge an sich. Oder bin ich einfach pessimistisch?! Eine Anzahl an Metern und wir hielten erneut. Sie zeigte mir mein neues Zuhause, was allerdings unnötig war. Ich schätze korrekt, nachdem ich es entdeckt hatte. Gleich neben dem Haus lag eine kleiner hölzerner Schuppen. Irgendwie sah ich so etwas kommen, irgendwie wollte ich es nicht wahrhaben. Das kleine Biest fand mich und ich folgte. Jetzt hatte sie ihr Hündchen, passend zu der verrotteten Hütte. Warum bin ich nicht in meiner geliebten Buche geblieben?!? Veto! Aber auf der anderen Hand hatte ich mich doch entschieden, also müsste ich mein Schicksal akzeptieren.. Ich blieb höflich genug, nicht zu protestieren. Und ich hätte das jederzeit tun können…

Jetzt sah Amy ein Stück glücklicher aus. Sie hat's geschafft. Ich schätzte, sie dachte so, und das war wohl alles, was zählte. Sie öffnete den nie verschlossenen Schuppen. Ich konnte schwören, dass die Tür fast auseinanderfiel. Alles Holz war alt und schäbig, alles Eisen verrostet. Und die Nägel wirkten, als könnten selbst leichte Kräfte sie lösen. Eine Kraft wie… keine Ahnung. Sowieso wollte ich das nicht herausfinden. Was um alles in der Welt dachte sie sich? An der offen stehenden Tür wartete sie auf mich, dass ich eintrete. “Keiner war für die letzten..” Ich sah sie an, Sicherlich hätte keine Antwort mich sonderlich überzeugt “…4 Monate hier, schätze ich.” “Gut” Sagte ich. Ich war nicht überzeugt. Alles in der Hütte sah aus, wie ich mir's vorgestellt habe. Ein kleines Fenster ließ ein wenig Licht herein. Möbel, bedeckt von endlosen Schichten von Staub. Spinnweben blockierten jeden Weg. Müll, überall. In der Tat lagen mit Müll gefüllte Säcke in den Ecken, gepaart mit metallischem Schrott. So eine Unordnung. Und mein Verlangen, an sauberen und geordneten Orten zu leben schreite förmlich, schnellstmöglich abzuhauen. Ich wartete nur da drauf, dass sie sagte “Das ist dein neues Zuhause.” Das tat sie! Plötzlich bekam ich Zahnscherzen. Sollte ich rennen?! Nein, sei einfach anständig und steh das durch! Mir viel auf, dass ich für eine zu lange Zeit kein Wort mehr von mir gab. Amy würde sich nur wieder Sorgen machen. Doch besser was sagen… Aber mir viel nichts ein. Ich war dankbar, dass sie anfing. “Brauchst du etwas? Ich kann mich nicht so oft hier blicken lassen, weißt du.” Lustig, Amy musste mich daran erinnern, wie hungrig und durstig ich mittlerweile war.. “Etwas Essbares, ganz gleich was.” “Okay, ich kom so schnell es geht zurück.” sagte sie, während ich wieder den Raum inspizierte und grübelte, wo ich pennen könnte. Ich schauderte. Amy schloss die Tür hinter mir und ich brüllte kurz auf. Die Tür hatte meinen Schwanz eingeklemmt. Selbst der ist mir die ganze Zeit nich aufgefallen. Bei all dem täglichen Stress hab ich doch so vieles vergessen. Meine geschuppten Hände zum Beispiel. Nie entschied ich mich, dieses Experiment aufzugeben. Ses war immer noch alles, wie es zu sein hatte. Kein Traum. Aber ich fürchtete, alles würde sich immer mehr einem Traum angleichen. Dieses kleine Abenteuer ist noch lange nicht vorbei, doch die letzten Stunden erschienen irgendwie unrealistisch. Das Leben verläuft nicht so hastig, rasant. Oder ich hatte diese Erfahrung nie von anderen teilen können. Ich rieb meine Augen. Obendrein vergaß ich, wie müde ich doch war. Mein Blick streifte ein abgewracktes Sofa. Viel besser als nichts. Meine Angewohnheit, mich vorerst für einige Zeit zu setzen ignorierte ich gekonnt und schmiss mich gleich hin, ich hatte es nötig. Wie spät ist es? Schrecklich, ich hab nicht mal eine Uhr. Ach, scheiß drauf! Warte einfach, bis sie mit Proviant zurückkehrt. Aber wie lange wird sie wohl fortbleiben? Kein Ahnung. Warte einfach! So tat ich auch. Ich lag, gebrauchte ein Flügel als Bettdecke. Überraschenderweise war es sogar ganz gemütlich. Nicht jedoch die Situation. Amy betrachtet mich nun als ihr Haustier, oder wie soll ich das deuten? Auf diese Weise kann das ganz bestimmt nicht weitergehen. Es muss einen anderen Weg geben! Und dieses Pfad muss ich allein beschreiten! Aber im Moment war das noch nicht so gravierend. Einfach mit ansehen, wie gut sie sich macht. Immerhin sah sie nicht danach aus, als wolle sie mich hintergehen. Warum sollte sie… Bevor ich eine Antwort erhielt, fiel ich auch schon in einen tiefen Schlaf. Ich hab das nicht beabsichtigt, aber so sind die Kosten für zu viel Stress und Anstrengung. Dieser Weg, zu ruhen scheint immer gewiss. Und manchmal fatal.

lucid_dream_dragon/kapitel_3.txt · Last modified: 2013/08/16 10:59 by Vehementis ea Veritas