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lucid_dream_dragon:kapitel_2

Kapitel 2 - Ein Spiel Beginnt

Das erste was ich sah, war meine Uhr. Sie zeigte Halb 8. Am Morgen. Schnell sprang ich aus dem Bett, dachte, ich wäre spät dran und müsse augenblicklich los. Doch dann verstand ich, dass ich noch immer Ferien hatte, also seufzte ich, schaute zum Fenster. Und letztendlich betrachtete ich meine Hände. Der Anblick meiner weißen Klauen ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Ich war einfach nur verwirrt, stürmte ins Badezimmer und schaute in den Spiegel. Und war mir völlig sicher, dies war kein Traum. In ihnen sahen schlitzförmige Augen, scharfe Zähne und Hörner nie so realistisch aus. Und die Erinnerungen vom Vortag kehrten wieder. Aber wenn das alles real war, was habe ich dann geträumt? Nichts, schwarze Leere, ein mentales Vakuum!

Ehrlich gesagt träumt man jedes Mal, wenn man schläft, doch in so vielen Fällen vergisst man schlicht alles. Dies war so ein typischer Fall. “Verdammt!” Ich sah wieder auf meine Hände… Ich meinte selbstverständlich Klauen. Sinnlos. Finde dich damit ab. Iss etwas und relax besser. Ich versuchte, mich zu beruhigen.

Einige Dinge ändern sich wohl nie. Wie Nutella zum Frühstück. Und die seltsame Angewohnheit, zu singen, wenn niemand zuhört. “…all you ever desired, you wanted to be…” Ich konnte nicht wissen, dass das zu der Zeit er großer Fehler war! Den Teller mit bestrichenem Brot stellte ich auf den Tisch, schaltete den PC an. “…but only a dream.” Meine geliebte Spielekonsolensammlung so zu sehen, machte es schwer, zu widerstehen. Ein gutes altes Spiel inder Zwischenzeit…? Genau in diesem Moment klingelte es an der Tür, ich erschrak bei diesem Geräusch. Und ich fluchte leise. Zu der Zeit rechnete ich nicht mit Besuch. Ohne ein Geräusch von mir zu geben, näherte ich mich der Tür. Um sonst hoffte ich, er - oder sie - würden denken, es sei keiner hier. “Bitte, öffnen sie dir Tür, ich weiß, dass sie zu Haus sind.” Ich verfluchte mich. Was soll ich jetzt tun? Improvisiere! “Ich kann nicht. Ich habe zurzeit nichts an, wissen sie?!” Großartige Idee! Ich sah an mir runter und überrascht stellte ich fest, dass ich sogar richtig lag. Es ist mir nicht mal aufgefallen, aber wen kümmert's. Ich bin ja nicht allzu menschlich. Dann sah ich durch den Türspion. In der Tat, es war mein Vermieter. Nicht gut! “5 Minuten.” Sagte er und ging. Das kann nicht sein Ernst sein. Was soll so dringend sein? Mir wurde schlecht. Möglicherweise schmeißt er mich raus. Warum, ich habe stets meine Miete gezahlt, nicht vandaliert… Immerhin hatte ich ein paar Minuten. Das ist keine Lösung, aber wenigstens etwas. Darauf kehrte ich ins Wohnzimmer zurück, nahm ein Brot und biss ab. Wo kriege ich die passende Lösung her? Er kommt wieder, wie also meistere ich das? Und warum muss er mich gerade heute stören? Eine schreckliche Angst wuchs in mir. Ich schmiss den Fernseher an. Die News teilten von angeblichen Drachensichtungen mit. Unmöglich! Ich wechselte den Sender. Sie alle berichteten das Gleiche. Einsatzfahrzeuge der Polizei rückten bereits an, als ich aus dem Fenster starrte. Lähmung. Wie dämlich war ich nur?! Es klopfte stark, erschrocken drehte ich mich um. “Kommen Sie heraus, sofort!” Die können doch nicht ernsthaft an solche Märchen glauben?! Lächerlich! “Nein!” Was denken die sich?! Ich war mir unsicher, doch erneut besah ich mir wieder meine Klauen. Ich konnte schwören, einen Gedanken zu verschwenden, zu töten! “Nein!” Und schon wieder. Ich sprach es laut aus. “Ergeben Sie sich!” “Niemals!” Was zur Hölle tu ich da?!

Die folgenden Ereignisse schienen unausweichlich. Sie schmetterten die Tür auf. “Keine Bewegung!” Aber ich hatte das Fenster bereits geöffnet und war bereit. Die Menge dort draußen verunsicherte mich zutiefst. Ich sprang und versuchte schleunigst an Höhe zu gewinnen. Gottverdammt, wohin? Weil ich momentan planlos war, umkreiste ich das 11-stöckige Gebäude und landete auf dem Dach. Außer Gefahr… für's Erste. Es muss doch irgendeinen besseren Ort geben! Denk! “Du bist umstellt!” Einer von denen rief per Megaphon. Denk schneller! Die Klappe hinter mir öffnete sich plötzlich. Welch eine Scham, den Ausgang hab ich völlig verschwitzt. “Gib auf!” Dieser Typ hielt ein Gewehr, ein besonders gutes Modell, musste ich feststellen. Ich lief rückwärts bis zum Rand des Daches. “Keine Bewegung!” Er zielte auf mich. Ein total seltsames und paralysierendes Gefühl. Beweg dich! Ich ließ mich fallen und der Schuss ging ins Leere. Durch das Ausbreiten meiner Flügel rotierte ich zunächst und sah zu, dass ich schleunigst Land gewann. Die Gaffer erstarrten, jeder japste nach Luft. Sie sahen ein Biest. Ich verstand, Ich gehöre wohl nicht hierher. Ich muss verschwinden. Noch immer hatte ich keine Idee, wo ich hin könnte. Immer geradeaus, der noch tief liegenden Sonne entgegen. Gezielt wählte ich diese Richtung, um ihnen die Verfolgung zu erschweren. Ich hab's total vergeigt. In dieser Welt bin ich eine Beute. Sehen sie eine Gefahr in mir? Möglich. Und mit denen kann ich nicht normal kommunizieren. Was für ein Segen, dass die Stadt quasi von Natur umgeben war. Große Gebiete von Wiesen und Wäldern. Ein exzellenter Ort, um sich zu verstecken. Ich überflog ein Feld und kam zusehends den Wäldern näher. Bloß verstecken, irgendwo! Und schnell fand ich eine passable Buche, hervorragend, um dort hineinklettern zu können. Genau das tat ich auch ohne groß zu zögern. Wie amüsant. Als Kind bin ich wirklich nie auf Bäume gekraxelt. Welch eine Ironie. Kaum dass ich eine akzeptable Höhe erreicht hatte, legte ich mich auf einen größeren Ast und beruhigte mich wieder.. Sonderbar, Gott für einen einfachen Baum zu danken. Doch eventuell bekam ich etwas Ruhe und Zeit, weitere Plane zu schmieden. Ich könnte in der Wildnis leben. Wo es in lausigen Jahreszeiten wärmer ist. Vielleicht weiter im Süden Europas… Ich schüttelte den Kopf. Sehe ich etwa aus wie ein Zugvogel?! Hmm… sagte ich mir erst gestern nicht, ich könnte Hilfe gebrauchen?! Genauso lächerlich! Ich kann keinem einzigen Menschen trauen. Zu riskant!

An diesem Punkt war ich planlos. Wieder sah ich auf meine Klauen, bestaunte meine Schwingen vor Faszination. Wie wahr, etwas was ich nicht wusste, dass ich das wollte. Was ich wollte verhindern, einzudösen. Aber ich konnte während des Faulenzens und der frische Luft zu genießen einfach nicht widerstehen.

Ich wachte auf, langsam. Das Licht blendete, was es sonst immer macht. Wie spät ist es? Keine Uhr in der Nähe. Fummelnd versuchte ich irgendetwas zu finden, und fand nicht einmal einen Grund. Ich erwachte und fand mich selbst immer noch in der Buche sitzend. Wegen des Schocks verlor ich beinahe die Balance. Nach kurzer Zeit wagte ich es wieder, zu atmen. Automatisch sah ich auf meine Klauen und registrierte, dass ich keine hatte. Ich hatte Hände. Menschliche Hände! Ich war normal, wie zuvor. Wie hab ich das angestellt? Unmöglich. Natürlich begutachtete ich meinen gesamten Körper. Ich lächelte, letztendlich passiert mir so etwas ungewöhnliches. Alles schien gut zu sein… Nicht wirklich. Die Blätter färbten sich schwarz, pechschwarz. Langsam schwand das Licht. Ich war definitiv vom Pech verfolgt, ohne Vorwarnung brach der Ast und ich stürzte. Der Grund kam näher und ich…

Ich schreckte auf, drehte mich und schlug meine Klauen sofort in die Borke des Baumes, verhinderte so meinen Fall. “Ein Albtraum…” Da hing ich, komplett geschockt. Ich atmete. Und schrie meine Wut durch den gesamten Wald. “WIE ICH DAS HASSE!!!” Ich mühte mich auf den Ast zurück. “Immer passiert das in Albträumen!” sagte ich mir. Gleich darauf brach der Ast. Zum Glück bewahrten meine Schwingen mich vor dem Sturz.. Ein paar Schläge und ich saß auf einem anderen. Nicht einfach im Inneren einer Buche, wirklich! Ich grollte. Der Tag kann nicht noch schlimmer werden! Die Sonne tendierte schon, zu sinken. Und der kalte Wind wehte unangenehm.

“Oh mein Gott.” Ein Mädchen bei den Wurzeln hatte mich entdeckt! Das schlug alles! Ich grollte erneut. Aber sie schien keine Angst zu haben. Shit! Sie bleibt. Vielleicht verschwindet sie aus Langeweile, solange ich nichts tue. “Ich werde dir nichts tun.” Das war mir klar. “Du kannst runterkommen.” Hmm… Was zum Henker will die von mir?! Sicherlich kein Dinner mit mir, um sogleich als Dessert zu enden. Ich sah sie mir genauer an. Dieses Mädchen war genauer gesagt eine junge Frau, süß, aber kein Kind. Sie hatte braunes Haar und ein schmales Gesicht. Außerdem trug sie eine alte Steppdecke oder so, ein guter Schutz vor dem Wind. “Bitte!” Sie fing an, zu nerven. “Ich weiß, dass du sprechen kannst.” Genug! “Geh!” rief ich ihr zu. Jetzt war sie wirklich überrascht. “Lass mich einfach allein, in Ordnung?!” “Ich weiß, sie werden dich kriegen, bald sind sie hier!” schrie sie. Damit hatte sie mich, sie setzte fort. “Komm runter, bitte!” Sie will mir helfen?! Ich war durcheinander. Schätze, ich hatte keine anderen Chancen. So ging ich das Risiko ein und sprang. Sie war wie versteinert. “Warum?” “Ich sah es in den Nachrichten. Wer weiß, was sie vorhaben, dir anzutun. Ich will das nicht!” “Du bringst dich selbst in Gefahr! Was sagst du dazu?!” “Idas ist mir egal. Nimm das hier” Sie warf mir die Decke über den Kopf, irgendwie verfing ich mich. Sie gedachte wirklich, mich mit diesem verlausten Stofffetzen zu maskieren?! “Und jetzt folge mir!” Leider konnte ich nicht das Geringste sehen.

lucid_dream_dragon/kapitel_2.txt · Last modified: 2013/08/15 14:23 by Vehementis ea Veritas