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lucid_dream_dragon:kapitel_1

Kapitel 1 - Wenn Träume Enden

Kennt ihr euch mit Klarträumen, bzw. luziden Träumen aus? Ihr solltet es versuchen! Eine Methode um die Kontrolle innerhalb eines Traumes zu erlangen. Ganz, als würden Traum und Realität sich vereinen. Aber sind Klarträume wirklich das, was sie zu sein scheinen?!

Ich trat in einen kleinen Raum, ging zügig zu der Tür gegenüber. Kleine Boxen mit metallischem Abfall, zur Rechten. Einige Zangen und andere Werkzeuge auf zwei Tischen zur Linken. Alles unwichtig! So fand ich mich draußen, umgeben von mehr Containern wieder. Es gab keine Erinnerungen, was ich tun sollte oder wie ich hierher kam. Und jetzt? Ich brauch etwas! Plötzlich erinnerte ich mich an den Reality Check und schaute auf meine Hände. Die Linke war in Ordnung. Die Rechte verschwamm, bekam ein oder zwei Finger mehr, als dass es normal ist. Ich hab's sofort verstanden! Ich schlafe! Alles ist nur ein Traum! Also hab ich nicht viel Zeit. Das letzte Mal, dass es ein luzider Traum war, bekam ich es hin, einen schwarzen Drachen aus mir zu machen. Es war faszinierend. Aber der Traum war bei Leibe zu kurz. Dieses Mal entschied ich mich, weiße Schuppen zu haben. Ein weiteres Mal schaute ich auf meine Hände und konzentrierte mich. Glücklicherweise hatte ich nicht lange zu warten und meine Hände wurden zu weißen Klauen. Dann bemerkte ich die weißen Schwingen, als ich über meine Schultern sah. Alles wie geplant. Ich hob meinen linken Arm und zielte auf den Container direkt vor mir. Seltsam, auf einmal wirkte er leerer. Mit bloßem Willen ließ ich ihn bersten, ließ ihn meine Macht in dieser Welt spüren. Zweifel… Wollte ich das wirklich tun? War das geplant? Und was brauchte ich bloß? Alles um mich herum fing an, in ein Weiß zu verblassen, mich zu blenden. Eine wundervolle Stimme rief nach mir. Zu dumm…

Ich wachte auf, geblendet vom Licht meines Handys und noch immer Tarja Turunen den Song 'I Feel Immortal' singend. In meinem Bett lag ich, in dem Raum, den ich so gut kannte. Schnell schaltete ich den Wecker ab und schaute auf die Uhr. 4:00 AM. Immer noch etwas Zeit für einen Versuch? Yeah, aber ich war so aufgeregt. Konnte ich da wirklich noch schlafen?! Es hatte wieder funktioniert. Erst der Reality Check! Meine Hände waren Okay. Die Uhrzeit sollte korrekt sein. Etwas aufzusetzen gab mir einen guten Blick auf das Bild neben meinem Bett. Bei genauerem Hinsehen erkannte ich das Spiegelbild im Glas. Kein Traum. Ich erinnerte mich an das, was ich träumte. Überraschenderweise blieb erstaunlich viel hängen, so schrieb ich automatisch alles was ich im Traum erlebte in allen Details in mein Traumtagebuch. Es ist wichtig, um sein Erinnerungsvermögen über das Geträumte zu maximieren. Genug, ich muss es erneut versuchen. Dachte ich. Aufzuwachen und nach 10 bis 15 Minuten wieder einzuschlafen erhöht die Chancen. Unmöglich, dann mehr Zeit zu vergeuden. Aber es hatte keinen Sinn. Ich was an diesem Morgen überhaupt nicht mehr in der Lage, auch nur eine Minute zu pennen.. Sicher, es ist nur ein Traum. Warum der ganze Stress?! Ich will einfach noch einmal fliegen, das ist alles!

Nur gut, dass noch immer Ferien waren.. Die Zeit vergeht schneller. Ehrlich gesagt bestand meine Zeit nur daraus, Arena zu spielen… und regelmäßig zu fluchen. Ich bin ganz schön faul geworden, das ist wahr. Was ich so oft vergaß, als ich mit dem Experiment begann, wurde allmählich zur Normalität. Immer wieder musste ich auf meine Hände schauen, der Realitätstest, den ich definitiv bevorzugte, da dieser für mich am effektivsten erschien.

00:45. Also gut! Eine weitere Runde. Nun versuchte ich im Traum aufzuwachen, als würde ich in den Traum einfließen, während ich im Bett still liege. Es hört sich sicherlich einfacher an, als es ist. Irgendie wurde es langweilig, fühlte sich an, als könne ich nicht im Geringsten schlafen. Erste Sache: Die Zeit checken. 00:59. Immer noch dunkel draußen. Nun… Ich rieb mir die Augen. Dann der Schock. Es passiert immer so plötzlich. Meine Hände flackerten, beide hatten sieben Finger! Ich wiederholte zweimal, hinzusehen.. Unmöglich, das kann kein Traum sein! So simpel ist das nicht. Komm runter. Du hast wieder mal Glück. Erlaube dir bloß nicht, jetzt aufzuwachen. Ich rieb meine Hände, nahm die Wärme wahr, inspizierte den Raum, realisierte, dass ich auch tief genug schlief. Und alles kehrte in meinen Erinnerungen zurück, all das an was ich versuchen wollte, mich in solchen Fällen zu erinnern. Werde zu einem weißen Drachen! Vorsichtig, erst die Klauen. Meine Hände, mal wider. Die gewünschten Klauen erschienen, die Haut färbte sich weiß, formte Schuppen. Exzellent! Die Flügel, die ich misste, waren bereits, wo sie hingehörten. Großartig! Mein gesamter Körper passte sich meiner Vorstellung an, schneller, als ich es richtig mitbekam. Geschafft! Sofort stand ich auf. Zum ersten Mal in diesem Traum sah ich nun meinen Schwanz. Er gab mir sogar eine gute Balance.

Nächster Schritt. Flugstunden. Wirklich?! Endlich. Ich sah durch das Fenster in die Nacht hinaus. Urplötzlich breitete ich meine Flügel aus. Und ich wusste, ich würde das hinkriegen. Natürlich konnte ich nicht länger widerstehen, öffnete es und saß auch schon auf der Fensterbank. Der kalte, aber auch irgendwie hypnotisierende Wind schien mich nach draußen ziehen zu wollen. Die Stadt schrie nach mir, am nächtlichen Himmel nun segeln zu müssen. Eine klare Nacht voll Sterne, perfektioniert durch eine Wolken, beschienen von einer grellen Sichel. Gott! Einfach nur perfekt! Sogleich breitete ich meine Schwingen aus, flog. Ich flog und hatte keine Probleme, keine Schwierigkeiten, als wäre es schon immer ein Teil meiner Selbst gewesen. Dort herrschten keine zweifel mehr. Und definitiv keine Furcht. Die Euphorie reinigte meinen Verstand. Ist dies Glück, Freiheit? Ein Traum… Nach einigen Minuten der Praxis und dem Erfreuen der Aussicht, beleuchteten Straßen und Dächern, erinnerte ich mich an den RC. Aber war das in diesem Augenblick wirklich relevant? Wie könnte ich es kontrollieren? Eigentlich ist es völlig gleich. Ich hab's so weit geschafft, letztendlich…

Der Traum schwand und ich wusste nicht einmal, wann es geschah. Ich schätze, die Müdigkeit war das erste Indiz. Licht, die Mühe, meine Augen zu öffnen. Was für eine Plage… Warte! Die Luft roch so angenehm. Der Verkehrslärm störte total. Langsam begann ich alles klar wahrzunehmen und ich lag auf hartem Grund. Keine Matratze, keine Bettdecke, nichts! Meine Flügel schützten mich so gut es eben ging. Flügel?! Immer noch ein Traum? Ich besah mir die in der Sonne scheinenden Klauen. Meine Brust und Bauch, welche mit massiven Schuppen bedeckt waren. So real, aber das muss ein Traum sein! Mein protestierender Rücken teilte mir permanent das Gegenteil mit. Sicher, an solch merkwürdigen Orten zu nächtigen enden doch immer auf so schmerzhafte Art. Aber meine Träume verursachen kein Solches Leid. Niemals! Was zum Henker ist hier los? Ich konnte so viel ich wollte auf meine Hände starren, es änderte wirklich nichts. Traurigerweise hatte ich nicht die geringste Ahnung, was ich jetzt tun sollte. Der Ort, an dem ich erwachte, war ein ebenes Dach. Es handelte sich um eine Art Mall, nur nicht so groß. Die Straßen waren belebt. Ein Entkommen, ohne eine Spur zu hinterlassen, war nicht möglich. Ich war in dieser Misere gefangen. Und mir war nicht klar, wie spät es ist. Die Position der Sonne deutete einen frühen Morgen an. “Ich bin verdammt!”

Ich erreichte, was ich wollte, oder etwas ähnliches… Ein Klartraum, der Gestalt annimmt, wie hab ich das getan? Wie kann sowas nur passieren? Niemand kann mir das sagen. Es hat keinen Zweck. Mein Schweif strich über den Stein, drückte meine Anspannung aus. Komm zur Ruhe und Versuch eine Weile zu schlafen! Schwierig, das in solchen Momenten zu tun. Aber es gab ein Mangel an Optionen. Bei einem solchen Publikum einfach abzureisen, wäre Wahnsinn.

Wieder zu Haus. Ich stand in der Küche. Alles schien normal. Dann lief ich ins Wohnzimmer. Aber während ich durch den Türrahmen schritt, öffnete sich der Boden wie eine Falltür, ließ mich in eine endlose schwarze Tiefe fallen. Panik! Ich werde sterben!

Das tat ich nicht, aber ich schreckte auf und war sofort hellwach. Seufzen… Der letzte Traum muss immer ein verdammter Albtraum sein. Und immer ein solch kurzer und klassischer. Noch immer lag ich auf dem Dach. Und Klauen, Schweif und Schwingen waren noch immer präsent. “Ich gib's auf!” Meine Glieder zu strecken schien mir nun die deutlich dringenste Aktivität. Selbst die Flügel, was irgendwie etwas amüsantes an sich hatte… Und ich betrachtete sie. Wie Arme, ähnlich zu steuern Besonders ein starker Eindruck blieb. Wunderschön. Bis auf Kunst in unterschiedlicher Form, denke nur selten so. Für den Rest des Tages bevorzugte ich es, wach zu bleiben, die Sonne zu genießen und mir Gedanken über diese Bedeutungen zu machen. Nie wäre ich in der Lage, anderen dieses Phänomen erklären zu können. Könnte ich Hilfe gebrauchen? Ich war hilflos… aber auch irgendwie erleichtert.

Warum es nicht schon früher passierte, wunderte ich mich. Am frühen Abend überraschten mich aus heiterem Himmel zwei Besucher. “Was zum…” riefen sie. Was wollt ihr denn hier? Ich schie es fast und dachte es zum Glück nur. Also bereitete ich mich schleunigst auf meinen Abgang vor. Gut, dass mein Zuhause nur einige Minuten entfernt lag. Die Richtung kannte ich jedenfalls. Die ungewollten Besucher bewegten keinen Finger, völlig versteinert waren sie.

Während ich heim flog hoffte ich nur, dass sich der Ärger bis zu meiner Ankunft in Grenzen halten werden. Ein schlechtes Gefühl verriet mir, dass eine Menge Leute heut Nacht nicht wirklich viel Schlaf finden werden…

Der nächste Triumph musste eine Bruchlandung darstellen. Natürlich… Das Fenster meines Wohnzimmers im 5ten Stock stand noch immer offen. Besser, ich vermassle es nicht. Oh Shit! Ich erwischte das Fenster, aber schlug auf dem Boden auf und überschlug mich dazu, zertrümmerte beinahe meinen schwarzen Glastisch. Aber den verfehlte ich, genauso wie ich meinen Schrank verfehlte. Ich erlaubte mir ein wenig Ruhe, lag dort und fing an, ruhig zu lachen. Für etwa eine Minute bewegte ich mich nicht, doch mir war bewusst, dass an mir nichts zu Bruch ging. Nach dem Aufstehen musste ich unbedingt sichergehen, ob ich auch nicht wirklich irgendetwas beschädigt habe. Ein Glück, habe ich nur die Alduin-Statue und die Speaker vom Tisch gefegt. Ich seufzte. Nachdem alles wieder an seinem Platz stand, griff ich nach der Fernbedienung, aber verharrte. Besser kein Fernsehen. Ich war geschafft, richtig erschöpft durch all den Stress. Ja, ruh dich aus! So begab ich mich in mein Schlafzimmer, warf mich auf mein Bett und schlief augenblicklich ein. Aber ich vergaß den RC, mal wieder…

lucid_dream_dragon/kapitel_1.txt · Last modified: 2013/08/15 14:21 by Vehementis ea Veritas