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leonardo:prolog

Flucht über den Kanal

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

Ein leichter Wind blies über dem Kanal zwischen England und Frankreich und ließ die dort ankernden Linienschiffe und riesigen Kriegsgaleonen sanft im Wasser schaukeln. Von weit oben betrachtet, sah man nur unschuldig wirkende weiße Segel. Nichts wies auf die erbitterten Kämpfe hin, die hier schon getobt hatten, um die riesige Blockade des Britischen Empires zu durchbrechen. Die Flotte wurde zwar bei der Invasion von Napoleons Streitmacht zersplittert und von den französischen Drachen tagelang gnadenlos gejagt. Aber nachdem das Heer auf englischen Boden von Lord Wellington in der Schlacht von Shoeburyness durch einen genialen Doppelangriff entscheidend geschlagen worden war, baut die Admiralität zusammen mit der unabhängigen Drachenmiliz den wichtigsten Schutz Englands auf der Seeseite wieder auf. Die fehlenden Schiffe ersetzte man teilweise durch einige Neue, aber hauptsächlich durch eine Größere Gruppe freie Drachen. Eine große schwimmende Plattform, die mit mehreren Kriegsgaleonen durch Seile verbunden war, schwamm leicht schaukelnden zwischen der großen Schiffen. Auf dieser lagen mehrere Drachen in verschieden Größen und Farben übereinander und schliefen tief und fest. Nur Ab und Zu räkelte sich einer der Gelben Schnitter oder der riesige Königskupfer, in dessen Schuppen sich das Mondlicht brach, stieß schnaubend die Luft aus. Einzig ein kleiner schieferfarbener Grauling mit weißen Streifen auf den Flanken und einem unruhig umherzuckenden Schwanz blickte mit glühenden Augen aufmerksam in die Dunkelheit.

Nur wenige Meilen entfernt schwebte ein dunkelblauer leichtgewichtiger Drache mit violetten Streifen auf den Flügeln durch die Nacht und versuchte so unauffällig wie möglich an der Blockade vorbei ins sichere Frankreich zu gelangen. Der Reiter des Drachen Mathis Coursier lehnt sich zu seinem Drachen herab und fragte: „Hat uns die Wache der verflixten Engländer entdeckt, Voltiger?“ „Ich glaube nicht, denn sonst wäre dort unten nicht so ruhig.“, flüsterte der kleine Drache nervös zurück. Erleichtert lehnte sich der Franzose zurück. Er mochte lieber nicht daran denken, was mit ihnen passieren würde, sollten sie, während sie in Reichweite der großen Kanonen waren, entdeckt werden. Denn dann würde der Schatz den sie bei sich trugen für immer in den schwarzen Fluten versinken. Eben jener war sicher und unauffällig zwischen dem restlichen Gepäcke und der Standartausrüstung eines jeden französischen Drachens im Bauchnetz verstaut. Es handelt sich dabei um eine kleine rechteckige Holz-Kiste. Mathis hatte keine Ahnung, was sich in ihrem Inneren verbarg. Als er sie auf einem Linienschiff abgeholt hatte, wurde ihm nur gesagt dass sie innerhalb 3 Tage in Paris ankommen müsse. Aus diesem Grund nahm Mathis auch nur die gefährliche Rute vorbei an der britischen Flotte. Wenn es nach ihm gegangen, hätte er viel lieber die längere, aber sichere Rute über einige verbündete Transportschiffe genommen. “Kannst du vielleicht noch ein wenig schneller fliegen?”, versuchte Mathis seinen Drachen anzuspornen. Es tat ihm zwar in der Seele weh zu sehen wie sein kleiner Drachen sich abmühte, aber das Bild wie eine Kanonen Kugel den Köper seines Freundes und Gefährten durchschlug, war so grausig, dass er ihn lieber antrieb um möglichst schnell die sichere französische Küste zu erreichen. Bald hatten sie es geschafft nur noch wenige Meilen. Doch plötzlich rückte der Kopf des Wachdrachen herum, da er ein silbriges Funkeln in der Dunkelheit wahrgenommen hatte. Ein Mondstrahl hatte sich in dem Schuppenkleid des vorbeifliegenden Drachen verfangen und so den fast perfekt an die Nacht angepassten und im Dunkeln sehen könnenden Nuit-Ombre verraten. Der Grauling brüllt laut und rief zu den Schiffen herauf: „Backbord versucht sich ein Franzose vorbei zu schleichen.“ Sofort brach hektische Aktivität auf den Schiffen aus. Die Wachmannschaft richtete eine der langen Schrapnell Waffen in die ungefähre Richtung des Zieles aus und zwei Matrosen begannen sie mit rasender Geschwindigkeit zu laden. Gleichzeitig wurden zwei Leuchtraketen entzündet, die zischenden starteten und ein grelles weißes Licht verbreiteten. Mehrere der Mittel- und Leichtgewichtigen Drachen wachten auf und erhoben sich in die Luft um die Verfolgung aufzunehmen Im hellen Licht der Raketen konnte nun jeder den Drachen erkennen, der nun da er entdeckt worden war mit wahnwitziger Geschwindigkeit davon zu flattern versuchte. Panisch versuchte Mathis seinen Freund zu noch schnellerer Geschwindigkeit anzutreiben: „Wir haben es fast geschafft! Es sind nur noch 2 Meilen zur französischen Küste.“ Plötzlich donnerte es laut und man hörte ein leises Zischen. Anschneiden hatten es die Engländer geschafft die Kanone abzufeuern. Geistesgegenwärtig schwenkte der Drache seien Kopf nach rechts, sodass die Schrapnell Hülse knapp an seinem Gesicht vorbeischoss. „Fichtre!“, fluchte Mathis. Das war zu knapp gewesen. Ein Treffer von solch einer Waffe und sein Gefährte könnte für längere Zeit nichts mehr sehen. Der Drache erlaubte sich etwas langsamer zu werden. „Zum Glück sind wir jetzt aus der Reichweite der Waffe!“ „Nicht nachlassen mein Kleiner“, warnte sein Reiter, „die englischen Drachen verfolgen uns noch immer.“ Der Nuit-Ombre warf einen Blick über die Schulter. Es stimmte die Drachen schlossen immer weiter auf. Aber Voltiger konnte nicht schneller, er war den ganzen Tag durchgeflogen und hundemüde. Immer näher und näher kamen die Verfolger. 300 Fuß … 200 Fuß … 100 Fuß. Der erste gelbe Schnitter hatte schon beinahe Voltigers Schwanz erreicht und schnappte danach. Der Drache mobilisierte noch einmal all seine Kräfte und warf sich ein Stück nach vorne und konnte so dem zusammen schnappenden Kiefer knapp entkommen. Nacheinander umzingelten die feindlichen Drachen Voltiger und versuchten ihn so vom Weiterfliegen abzuhalten. Einer der Kapitäne rief zu ihnen rüber: „Befehlen Sie sofort ihrem Drachen anzuhalten! Ansonsten werden Sie geentert“ Voltiger ignorierte disen Befehl vollständig und als einer der gelben Schnitter Anstalten machte neben seine Flanke zu fliegen, faltete er die Flügel zusammen und ließ sich wie ein Stein fallen. Kurz über dem Wasser öffnete er seine Flügel wieder fing den Sturz geschickt ab. Plötzlich ertönte ein lautes Donner und mehrere metallene Kugel zischten zwischen den noch immer über ihnen schwebenden Drachen hindurch. Mathis seufzte erleichtert auf. Sie waren offensichtlich in Reichweite der Küsten Abwehr Frankreichs. Den Verfolgern blieb nichts anderes übrig, als sich wieder zu den Schiffen zurückzuziehen. „Ich glaub wir bekommen Unterstützung“, rief Mathis seinem Drachen zu. Zwei französische Mittelegewichte flogen zu ihnen um dem vollkommen entkräfteten Voltiger auf ihren Schultern zu tragen. Erleichtert begrüßte Mathis die Verbündeten. Endlich hatten sie es geschafft! Das Ei, denn genau darum handelte es sich bei dem Schatz, hatten unbeschadet und rechtzeitig vorm Schlüpfen das französische Festland erreicht.

SIMON

leonardo/prolog.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)