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leonardo:kapitel_8

Ein Überfall und erstaunliche Nachrichten

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

Weitere Wochen waren ins Land gezogen und das Ende ihrer Ausbildung in Limoges rückte in greifbare Nähe. Imbecile hatte mehrfach versucht ihm oder Jade Fallen zu stellen. Bis jetzt waren sie ihnen zum Glück bis auf einmal immer entkommen, aber ihr erklärter Feind scharte immer mehr Gleichgesinnte ,innerhalb des Stützpunktes, um ihnen aufzulauern und dann zu überfallen. Doch zum Glück waren auch die beiden Reiter nicht allein. Ihre Formation hielt geschlossen zu ihnen und auch ihr Ausbilder Maitre behandelte sie weiterhin mit gerechter Strenge und glich damit die unregelmäßigen Willkürakte von Densens aus. Leider hatte dieser sich mit Imbecile verbündet und ignorierte gekonnt die vielen Beschwerden über ihn. Alle neu ankommenden Reiter musste unter ihm leiden und konnte sich kaum wehren. Da ging es von Erpressungen und Schutzgeldzahlungen über unsittliche Annäherungen bei neuen weiblichen Korpsmitgliedern. Das Lager wurde quasi in zwei Hälften gespalten und nur wenige konnten sich noch alleine raus wagen. Das ganze ging sogar so weit, dass die Drachen sich ebenfalls unter einander bekriegten, wobei es hier aber nicht so ausartete. Nichts desto trotz schafften Louis, Jade, Hope und Leonardo ihre Idee zur Manöverentwicklung umzusetzen. Abends nach dem Training hatten sie spontan begonnen und die Taktiken der Schlacht von Jena weiterentwickelt. Der Sternendrache besaß eine unglaubliche Kreativität darin mehrere Aktion von leicht bis mittelgewichtigen Drachen so abzustimmen, dass die schwerfälligen alten Technik wegen ihrer Langsamkeit einfach auseinander brechen würden. Nach einigen die Tagen, die mit der ersten Planung vergangen waren, fragte Raphael vorsichtig, ob er auch mithelfen konnten. Keiner hatte etwas dagegen und nach einigen Stunden gemeinsamer Arbeit stellte es sich schnell heraus, dass seine Erfahrungen mit allen möglichen europäischen Kriegsdrachen noch weiterhalfen die bereits Entwickelten zu vervollständigen. Eine Woche später arbeitete die ganze Formation mit an dem Projekt und es entstanden nun auch neue Möglichkeiten, die bis jetzt außer Acht gelassenen Schwergewichtigen Drachen sinnvoll mit einzubinden. Bald war es auch schon so weit und Hope und Leonardo erprobten die erste, der bisher nur theoretisch ausgeführten Taktiken. Dabei sollten die beiden kleinen Drachen versuchen den Drachen zu berühren, was im echten Kampf Treffern mit den Klauen gleichkäme. Sobald der Schwergewichler, Chevalier hatte sich angeboten, im Gegenzug einen seiner Gegner erwischen würde, endete das Training. „Seid ihr bereit?“, rief Enzo durch sein Sprachrohr. „Ja, es kann losgehen.“ Leonardo und Hope, die leicht zueinander versetzt flogen, beschleunigten das Tempo und scherten schräg nach oben und nach unten weg. Mit nur wenigen Sekunden unterschied rasten sie auf Chevalier zu, um kurz bevor sie ihn erreichten in einem Zickzackmuster die Postion wechselten und ihren Gegner beinahe spielerisch an den Flanken streiften. Der Versuch Leonardo zu treffen ging in die Lehre und die beiden kleinen wendeten plötzlich wieder um den Drachen von hinten anzugreifen. Wieder zwei Treffer. Das schwere Tier war einfach nicht in der Lage, denen beinahe aus willkürlichen ausgewählten Richtungen kommende Angriffe auszuweichen geschweige denn zu kontern. Nach einer halben Stunde hing Chevalier die Zuge aus dem Hals und Louis hatte unzählige Treffer von den Angreifer gezählt. „Gut, ich denke das genügt für einen ersten Eindruck.“, bestimmte Louis und gab den Drachen ein Zeichen zum Landen. Wenige Minuten später stand das ganze Team zusammen und besprach die Umsetzung ihres entwickelten Angriffsmanövers. „Ich denke, ihr stimmt mir alle zu, wenn ich sage, dass dieser Test ein voller Erfolg war, oder?“, eröffnete Enzo die Besprechung und blickte dabei abwartend in die Runde. Alle nickten und Jade sagte: „Anscheinend funktioniert das komplett neue System, dass wir entwickelt haben sehr gut.“ Louis setzte hinzu: „Durch die Variabilität des Manövers kann sich der Gegner nur schwer anpassen, wie wir eben gesehen haben. Leider bedarf es bei diesem Konzept klügere und besser zusammenarbeitende Drachen als gewöhnlich.“ Leonardo mischte sich in das Gespräch ein. „Ja, dem gebe ich eindeutig Recht, ich denke mit jemand anderes als Hope hätte ich das Ganze nicht so gut hinbekommen.“ „Vielleicht wäre es dann ja sinnvoll, wenn wir uns für die nächsten Abende vornehmen, dass ganze einfacher zu gestalten, also auch für „normale“ leichtgewichtige Drachen.“, schlug Kylian vor. „Klingt gut, wir müssen aber auch die Manöver für ein gesamtes Geschwader diesem System anpassen. Das wäre im Krieg unbezahlbar.“, fügte Jade noch hinzu. „Wann denkt ihr können wir das ganze vorstellen?“ Raphael blickte fragend in die Runde. „Allzu lange dürfte es ja nicht mehr dauern. „Ich und Leonardo müssen eh bald abreisen, deswegen denke ich, dass wir das Ganze übermorgen vorstellen, ich vereinbare gleich schon den Termin mit Maitre. Wenn er das Ganze für gut befindet, nehme ich unsere Aufzeichnungen und schicken sie nach Paris zu Madame Lien.“, antwortete Louis ihm schnell, „gut, ich denke wir können das Ganze für heute beenden. Wirklich hervorragende Arbeit, meine Herren und Dame.“ Er verneigte sich gespielt in Richtung von Jade und Lea.

Auf dem Rückweg lief er noch gerade Maitre über den Weg und fragte bei ihn direkt wegen ihrer Entwicklungen. „Ja, ich habe sie schon beobachtet. Ich denke wir können das Ganze problemlos, während unsere Übungen eingleidern. Übermorgen wäre eh Manövertraining angesetzt und da sich ihr ganzes Geschwader daran beteiligt hat, verliert auch keiner irgendetwas.“ Das Imbecile ebenso in die Gruppe gehörte überging er dabei geflissentlich. Louis nickte dankbar. „Das ist sehr gut, Sir. Wir haben wirklich viel Arbeit in das Ganze investiert.“ „Dann bin ich gespannt, was mich am Samstag erwartet“, beendete Maitre das Gespräch und ging in Richtung seiner privaten Räume davon. Wenig später stand Louis an der Tür zu seinem Zimmer und schloss langsam auf. Er seufzte schon in wenigen Tagen würde er sich auf einer ungewissen und gefährlichen Mission im Feindesland befinden. Vor wenigen Monaten erst hätte ihm das nur wenige Probleme bereitet, aber da war er auch noch alleine gewesen, es gab niemanden, um den er sich sorgen konnte oder auf den er aufpassen musste. Von jetzt auf gleich würden sogar drei Personen bzw. Drachen sich an seiner Mission begleiten. Immerhin so musste er sich keine Gedanken darum machen müssen, wo sie sich gerade auf der Welt befinden könnten. Als er das Zimmer betrat fielen ihm direkt die beiden Briefe ins Auge. Er stutzte. Warum zwei? Mit einem hatte er ja gerechnet, aber wer würde sonst noch an ihn schreiben? Er wollte gerade den ersten in die Hand nehmen als er bemerkte, dass Jade den Raum betrete hatte. Er lächelte versonnen. Ein gutes hatten die Machtkämpfe im Lager durchaus gehabt, durch sie waren er und Jade sich endlich näher gekommen, was sonst noch Jahre gedauert hätte. Ein einziger Angriff, der sie in ihrer Beziehung weiter gebracht hatte als einige Wochen. Leider waren sie immer noch kein Paar, naja was noch nicht ist, konnte ja durch aus noch werden. Louis dachte mit teils gemischten Gefühlen an diese Nacht zurück:

Flashback:

Louis spazierte gedankenverloren im Park herum. Langsam machte er sich Sorgen wegen den Aktivitäten von Imbecile. Sollte ihn niemand aufhalten, hätte er bald das ganze Lager unter Kontrolle. Aber was konnte man schon tun? Vielleicht wäre es sinnvoll eine Gegenpartei zu eröffnen. Es gab genug Leute, die sich gegen Imbecile auflehnen wollten, es alleine leider nicht schafft. Zusammen mit den Leuten aus seiner Formation ergäbe das schon einmal eine ganze Menge Leute. Und dann könnte man gezielt die Aktivitäten von Imbeciles Schläger Freunden unterbinden, neu Ankommende schützen und sich so ihren Respekt sicher. Alles in allem ein guter Plan. Am besten schlug Louis das Ganze bei ihrem nächsten Treffen für die Manöverentwicklung vor. Er wollte sich gerade umwenden, um zurück zu seinem Zimmer zu gehen, als ein starker Stoß ihn unvorbereitet in den Rücken traf und er zu Boden geworfen wurde. Louis rollte sich geschickt ab und sprang auf um zu sehen, wer ihn da angegriffen hatte: Imbecile und seine fünf seiner Schläger. „Wen haben wir denn da? Na, Salubre heutzutage ist es gefährlich nachts alleine herumzulaufen.“ Er schüttelte gespielt traurig den Kopf, „bei den vielen bösen Gestalten die sich hier herumtreiben.“ Louis blieb nach außen hin vollkommen ruhig, sucht innerlich aber verzweifelt nach einem Fluchtweg: „Guten Abend die Herrschaften kann ich Ihnen irgendwie helfen?“ „Sicher kannst du uns helfen, leiste keinen Widerstand und unterstütze mich dabei Rache an Ledoux zu nehmen. Dann vergesse ich auch unsere kleine Auseinandersetzung wegen deines dummen Viehs.“ Louis wurde immer unruhiger, er fand einfach keinen Weg zum Fliehen, mittlerweile hatten sich die fünf, um ihn herum verteilt. Es gab wohl keine andere Lösung, als zu Kämpfen. Er antwortete mit jetzt scharfer Stimme: „Erstens du lässt deine schmutzigen Finger von Jade. Zweitens mein Drache ist nicht dumm, als dasselbe würde ich eher dich und dein unterbelichtetes Tier bezeichnen.“ Imbecile wurde langsam wieder rot. Louis seufzte, mittlerweile hätte er doch wissen müssen wie leicht man seinen Gegenüber provozieren konnte. Na ja, es wäre so oder so zu einem Kampf gekommen. Niemals würde er Jade oder seinen Drachen verraten, alleine der Gedanke daran ließ ihn wütend werden, aber er beherrschte sich, wenn er unverletzt aus dieser Sache herauskommen wollte, musste er vorsichtig sein. Imbecile gab seinen Männern ein Zeichen. „Wie schade Salubre, du hättest nützlich sein können. Aber wenn ich ehrlich bin, es ist eindeutig zufrieden stellender dich gleich im Dreck zu sehen. Freunde, erteilen wir ihm eine Lektion, aber lasst ihn möglichst am Leben.“ Er lachte gehässig auf. Louis sah, wie sie sich von allen Seiten näherten. Er musste aus diesem verdammten Kreis raus. Als der erste Angreifer ihn erreichte, reagierte er blitzschnell: Die heran sausende Faust hielt er mit der Flachen Hand vor seinem Gesicht auf, packte den Mann am Arm und schleuderte ihn auf zwei andere. Dann ging Louis selber zum Angriff über. Nach einem gut gezielten Angriff brach ein weiterer Gegner zusammen und die anderen zogen sich wieder ein Stück zurück. Die nächste Attacke war viel besser koordiniert, denn alle griffen dieses Mal gleichzeitig an. Louis versuchte sich einen Weg über den Körper des Bewusstlosen zu ebnen, als ihn ein Faustschlag am Hinterkopf traf. Kurz taumelte er und das reichte, damit die anderen ihn niederreißen konnten. Behände versuchte er wieder aufzustehen, aber ein Fußtritt schleuderte ihn zu Boden und trieb ihm die Luft aus der Lunge. Bunten Sterne tanzten vor seinen Augen und er schnappte nach Atem. Die nun folgenden Angriffe waren eine Tortur und Louis war schon beinahe froh, als ihn endlich ein Schlag am Kopf erwischte und alles, um ihn herum in Dunkelheit versank.

Ein schwerer Körper fiel über seinen malträtierten Brustkorb und weckte ihn aus seiner Bewusstlosigkeit. Er brauchte einen Moment bis er wieder wusste, wo er war. Rings um ihn herum tobte ein verbissener Kampf. Dumpfe Schläge ertönten in der Dunkelheit und Louis sah einen schnell umher springenden Schatten, der mit blitzschnellen Angriffe die Schläger von Imbecile fällte. Wer auch immer sein Retter war, bewegte sich so schnell, dass er nie länger als ein paar Sekunden an einem Ort verweilte, um dann wieder mit den Schatten zu verschmelzen. Plötzlich sog er scharf die Luft ein, denn sein ganzer Körper begann zu schmerzen und wurden von Schmerzen seiner unzähligen Prellungen und Platzwunden durchzuckt. In diesem Moment fiel der letzte Gegner und Imbecile, der sich bisher zurückgehalten hatte, machte sich aus dem Staub. Er blieb nur kurz stehen, um zu rufen: „Irgendwann bekomme ich dich Salubre, du wirst nicht ewig so ein Glück haben!“ Dann war er endgültig fort. Sein geheimnisvoller Retter machte keine Anstalten Imbecile zu verfolgen, sondern näherte sich ihm langsam. Louis hatte mittlerweile eine Vermutung, wer es sein könnte, denn nur eine Person, die er kannte, kämpfte mit solch einer Schnelligkeit und Präzision. Plötzlich verschwand das Gewicht von seinen Beinen und jemand kniete sich neben ihm nieder. Eine weiche Hand strich über seine Stirn und er hörte die besorgte Stimme von Jade: „Was haben diese verdammten Idioten mit dir gemacht?“ Louis brachte ein schwaches Grinsen zu Stande: „Ach die wollten nur einen Fanclub für mich aufmachen, aber ich war leider dagegen, weshalb sie ein bisschen wütend geworden sind. Du weißt doch ich bin bei so Leuten wahnsinnig beliebt.“ „Ach halt die Klappe“, fauchte sie. Er runzelte fragend die Stirn. Über was regte sich Jade denn so auf. Es war doch alles gut gegangen. Louis selber war nur leicht verletzt worden – nun gut, die ganzen Blessuren taten verdammt weh, aber es war nichts, was nicht innerhalb weniger Wochen heilen konnte – und Imbcile würde es nicht wieder so schnell wagen nachts Leute, speziell ihn, anzugreifen. Doch jetzt blickte er wieder zurück in Jades wütendes Gesicht. Einen Moment lang war er verwirrt. Täuschte er sich oder sah er eine einsame Träne, die an ihrer Wange herab lief? „Weißt du eigentlich, welche Angst ich hatte, als du dort reglos am Boden lagst? Imbecile hat wirklich Glück, dass dir nichts schlimmeres passiert ist, denn sonst wäre er jetzt Hackfleisch.“ Sie seufzte leise auf: „Ich hätte es mir nie verzeihen können, wenn dir etwas geschehen wäre.“ Einen Moment später bemerkte sie, was sie da gerade eben gesagt hatte und errötete. Für einen Moment lang schien es Louis so, als ob sämtlich Schmerzen von ihm genommen wäre, denn endlich hatte diese quälende Ungewissheit ein Ende. Seine Gefühle für Jade wurden erwidert. Leider verlagerte sie im nächsten Moment ihr Gewicht und von neuem wurde sein Körper von Schmerzen durchzogen. Er verzog sein Gesicht zu einer Grimasse und unterdrückte ein Stöhnen. Das bemerkte offensichtlich auch Jade, denn sie erhob sich rasch von ihm und schlang einen Arm um seinen Oberkörper. „Schaffst du es noch bis zu einem der Ärzte?“, fragte sie ihn besorgt. Er nickt mit zusammengepressten Lippen und richtete sich unter einigen Anstrengungen mit der Hilfe von Jade vollständig auf. Die nächsten paar Minuten sprach keiner von ihnen, den Louis musste all seine verbliebene Kraft aufwenden, um nicht zusammenzubrechen und Jade ihre, damit er sich auf seinen Beinen halten konnte.

Flashback Ende

Nach dieser Nacht war ihr Umgang, um einiges vertrauter geworden. Wie bei sehr guten Freunden. Leider nicht mehr, zu Louis Enttäuschung. Aber immerhin er hatte Jade jetzt viel öfter, um sich. Beim Training und auch in ihrer Freizeit. Er dankte indess der Diskretion des Korps. Überall anders hätte es Gerüchte und höchstwahrscheinlich einen Skandal gegeben, hier schenkt man ihnen allerhöchstens einen belustigten Blick. Keiner von den beiden wusste, dass schon Wetten abgeschlossen wurden, wann sie endlich zusammen kämen. Louis indes hatte Jade begrüßt und meinte nun zu ihr: „Wer hat uns wohl den zweiten Brief geschickt? Der erste ist eindeutig von Lien, aber der andere?“ „Vielleicht die offiziellen Befehle oder das Ganze noch einmal für mich.“, schlug sie vor. „Hm, eher unwahrscheinlich, solche Spionageaufträge sind niemals offizieller Natur, weil ja sonst was auf die Regierung zurückfallen könnte. Ich würde sagen, wir schauen am Besten einfach einmal nach.“ Louis ging zum Tisch herüber und nahm den ersten der beiden Umschläge. Rasch schlitzte er ihn mit dem auf dem Tisch liegenden Brieföffner auf und entfaltete das Papier.

Lien an Louis Salubre im Trainingslager Limoges

Paris le 04 juin 1814

Monsieur,

ich hoffe sie erfreuen sich bester Gesundheit. Mir ist vor kurzem zu Ohren gekommen, dass es in ihrem Stützpunkt einige Unruhen gibt. Sehr zu meinem Leidwesen wurde mir ebenfalls zugetragen, dass ,seit ein gewisser Imbecile eingetroffen ist, die Situation eskaliert. Aus diesem Grund wechselt sehe ich mich dazu gezwungen die Führung (wieder einmal) auszuwechseln zu müssen. Admiral Maitre wird bis auf weiteres die Leitung zu gesprochen. Ab zurück zum eigentlichen Thema dieses Schreibens: Ihre Mission in England. Wie bereits in unserem Gespräch erwähnt fällt ihnen und Miss Ledoux die Aufgabe zu, die Widerstands Gruppe um den Drachen Perscitia aufzusuchen und möglichst viele Informationen über deren militärische Stärke und politischen Ziele herauszufinden. Was nun folgt darf unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit dringen: Seit mehrere Monaten halte ich schon eine Korrespondenz mit der Rebellin. Sie müssen unbedingt herausfinden, inwiefern wir uns mit ihr verbünden könnten, bzw. wie gefährlich sie werden kann. Perscitia ist bereits über ihre Ankunft informiert. Für alle außenstehenden werden sie morgen nach Russland abkommandiert.

Viel Erfolg, sie haben ein halbes Jahr Zeit für ihre Aufgabe.

gez. Lung Tien Lien

PS: Zerstören Sie dieses Dokument nach dem Lesen

Schweigend reichte Louis den Brief an Jade weiter und betrachtete ihre Augen dabei, wie sie über das Blatt fuhren. Zuerst zeigten sie einen erfreuten, neugierigen und dann besorgten Ausdruck. Er lächelte sie an: „Toll, dass Maitre das Zepter hier wieder in die Hand bekommt, oder?“ „Ja, eine eindeutige Verbesserung, aber ich glaube nicht, dass Imbecile so schnell aufgibt. Densens wird wahrscheinlich wieder in die Armee versetzt, vielleicht schließt sich unser Freund ja ihm an.“ Louis nickte bedächtig: „Du brauchst dir übrigens keine Sorgen machen, falls wir in England auffliegen sollten, kümmerte sich Lien im Normalfall darum, dass wir uns absetzten können. Man kann ihr ja einiges vorwerfen, aber nicht, dass sie sich nicht, um ihre Leute kümmert.“ Überrascht schaute Jade auf: „Woher wusstest du, dass ich mir deswegen Gedanken mache.“ Schmunzelnd erwiderte er: „Es war offensichtlich für jeden, der dich gut genug kennt, um aus deinen Zügen lesen zu können. „Von wem ist der andere Brief?“ fragte er interessiert. Schweigend öffnete Jade den Brief und riss dann überrascht die Augen auf: „Hier steht, dass er von dieser Perscitia ist. Warum soll sie uns schreiben und wie zum Teufel hat sie es geschafft ihn nach Frankreich zu schicken.“ Louis zuckte nur mit den Schultern. „Keine Ahnung, vielleicht steht es ja im Brief.

Perscitia an Louis Salubre im Trainingslager Limoges

Dover,06th of june 1814

Monsieur,

sicher wundern Sie sich warum sie von mir, einer potenziellen Feindin und auf welchem Wege einen Brief zugestellt bekommen haben. Letzteres ist einfacher zu beantworten: Da ich ebenfalls einen regen Postwechsel mit Lien betreibe, habe ich dieses Dokument über diese Drachin an sie weitergeleitet. Der erste Grund ist nun schon komplizierter zu erklären. Durch meine Gespräche mit Madame Lien ist uns über kurz oder lang eine Ähnlichkeit unserer persönlichen Ziele aufgefallen. Wir treten beide in der Politik für mehr Rechte unserer Spezies ein und treiben gleichzeitig die Entwicklung von sinnvollen Einsätzen jeder Drachenart in Wirtschaft und Militär voran. Kurz: Es gibt eigentlich keinen Grund sich auf dem Schlachtfeld gegenüber stehen zu müssen. Sie haben nun die ehrenvolle Aufgabe, als zuverlässiger Untergebener von Lien, die Situation neutral zu bewerten und uns gegebenenfalls dabei helfen die Admiralität in England zu stürzen. Zur Vorbereitung auf diese Reise, vertiefen Sie und ihren Begleiterin bitte die Kenntnisse unserer Sprache, Politik und Kultur. Da ich nicht damit rechnen kann, dass Ihnen die politische Situation geläufig ist, fasse ich sie kurz zusammen: Die Admiralität richtet ihr Augenmerk auf den Wiederaufbau von England und hat der Gruppe Drachen mit der ich zusammenarbeite so die Möglichkeit gegeben aktiv mitzuhelfen. Dabei spezialisieren wir uns hauptsächlich auf den Transport. Durch die von Temeraire arrangierte Vereinbarung mit Lord Wellington sicherte jedem von uns ein monatliches Einkommen die Existenz, wobei ich persönlich dazu übergegangen bin mit meinem Kapital durch Geschäfte zusätzlichen Gewinn zu machen. Nachdem der Staat unsere Aktivitäten, die sich außerhalb unserer Militärarbeit erstrecken, bemerkt hatte, versuchte er uns erst mit Gesetzten, dann mit anderen Korpsdrachen aufzuhalten. Ersteres haben wir ignoriert und letzteres mit Überzeugung der anderen Drachen von unseren Zielen überwunden. Alles in allem fassen wir mit jedem Tag mehr Fuß im alltäglichen Leben, viele Menschen erschrecken zwar, wenn sie uns sehen, aber die Städte, die schon länger an uns gewöhnt sind, wie zum Beispiel Dover, tolerieren und unterstützen uns sogar. Alleine schon diese Tatsache verdeutlicht noch einmal wie wichtig ein allgemeines Umdenken ist, für den Menschen ist es nicht unmöglich Veränderungen herbeizuführen, sie müssen es nur wollen.

Auf ihre Unterstützung vertrauend

gez. Perscitia

PS: Falls sie auf die Idee kommen sollten uns zu verraten, keiner würde Ihnen glauben…

Jade ließ den Brief sinken. „Das war ja mal aufschlussreich. Mich wundert nur, dass Perscitia und Lien so viel preisgeben.“ „Mich nicht unbedingt, du hast ja den Post Schluss gelesen. Wir können mit den Informationen nichts anfangen, solange wir sie nicht für die Mission brauchen.“, erwiderte Louis. „Was denkst du eigentlich von ihren Zielen?“, er sah sie aufmerksam an. Jade wiegte den Kopf hin und her. „Ich weiß nicht Recht. Hätte ich das Ganze vor einem Jahr gehört, wäre es für mich nur ein verbrecherisches Hirngespinst gewesen. Aber jetzt mit Hope an meiner Seite kann ich ihre Forderung besser verstehen. Ich finde nur die geplanten Methoden etwas extrem.“ Louis nickte zustimmend: „Du musst aber auch die andere Seite sehen. Die Admiralität schenkt den Drachen auch nichts. Sie mussten sich bis jetzt jedes Recht einzeln erkämpfen. Insgesamt unterstütze ich aber ihr allgemeine Anliegen.“ „Ich persönlich bin ja mal auf ihre Organisation und militärische Stärke gespannt. Welche Regeln gelten für die einzelnen Drachen. Besonders bei solchen Wesen ist es ja wichtig, dass das System nicht zu einer Anarchie ausartet, es müssen Regeln aufgestellt, ein Rechtssystem eingeführt werden.“ „Das Problem haben sie wahrscheinlich schon gelöst. Warum sonst wäre Perscitia die Anführerin und Sprecherin der Drachen? Sicher nicht, wenn sie nach Stärke entschieden hätten. Sie hasst es zu kämpfen und ist auch nur ein Mittelgewicht, dafür scheint sie aber übermäßig intelligent zu sein.“ „Die Admiralität hat auf jeden Fall, jetzt ein ziemliches Problem. Wir können das Ganze vielleicht in gewissen Maße mit unseren Ideen lenken, aber darüber können wir uns erst in England Gedanken machen.“

Eine durcheinander gewürfelte Formation stand auf dem Trainingsfeld von Limoges und wartete darauf, dass endlich Maitre und Grenache auftauchten. Denn heute sollte sich endlich die Arbeit mehrere Wochen auszahlen. Die entwickelten Taktiken waren fertiggestellt und die fünf Drachen mit ihren Mannschaften brannten darauf, dass diese vielleicht vom Militär übernommen werden könnten. Keiner ahnte, dass dieselben sich jetzt schon in einem geheimen Kuvert nach Paris bewegten. In diesem Moment näherte sich von den Schlafstätten der Drachen ein riesiger Schatten. Wenige Sekunden später vibrierte der Boden unter ihnen und Grenache landete. Maitre sprang geschickt ab und ging gemächlichen Schrittes auf sie zu. „Entschuldigen Sie bitte, aber für mich ist gerade eben eine wichtige Nachricht eingetroffen. Jetzt stehe ich aber zu ihrer vollen Verfügung. Beginnen Sie also bitte.“ Louis nickte stellvertretend für seine Formation: „Wir beginnen mit den einzeln Manövern, die speziell für die einzelnen Gewichtsklassen zugeschnitten sind, fahren dann mit den Taktiken nur für Leichtgewichtige Drachen fort und beenden diese ganze Präsentation mit einem Flug von uns allen. „Enzo, würdest du bitte beginnen?“ Verletzungen zuzufügen. Bei den Verteidigungsmustern arbeitete man mit der größeren Masse des Drachen, um durch einen schnellen Höhenverlust dem Angreifer auszuweichen. Als nächstes war dann Lea an der Reihe und führte mit ihrem Drachen, einige leicht verbesserte Taktiken vor. Sie hatten sich nicht so sehr mit den mittelgewichtigen Drachen beschäftigt, weshalb diese Vorstellung auch bald durch war. Nachdem seine Leute fertig waren, stiegen Louis und Jade auf Hope und Leonardo auf und benutzten wieder einmal Chevalier für einen kurzen Übungskampf. Sie hatten ihre auf Schnelligkeit basierende Taktik seit den letzten Übungen noch ein wenig ausgefeilt, aber auch Merlot war nicht mehr so wehrlos wie anfangs. Der fast 15-minütige Kampf war sehr eindrucksvoll, ein ständiges Hin- und Her mit einer Menge gewagter Ausweichmanöver. Letztendlich gewannen die beiden kleineren Drachen, da die perfekt aufeinander eingespielten Angriffe einfach nicht gekontert werden konnten. Der Höhepunkt der ganze Vorstellung war dann der Formationsflug von Louis gesamter Gruppe. Im Gegensatz zu jeder anderen Taktik, die aktuell im Krieg benutzt wurde, flogen die Kleinen Drachen an den jeweiligen Flanken, der umgekehrten Pfeil Aufstellung. Wurde der Gegner erst einmal in diesem Kessel gefangen, gab es kein Entkommen mehr. Denn dann griffen die schweren Drachen, die direkt auf den zweiten Postionen waren an und fügten schwere Verluste zu. Dabei schlossen die mittelgewichtigen Drachen Ring und hielten eventuelle Angreifer ab.

„Das war ausgezeichnete Arbeit, meine Herren“, lobte Maitre, als sie alle wieder am Boden waren. „Besonders die Einzelmanöver könnten im Kampf äußerst nützlich sein. Sie haben sicher Aufzeichnung davon?“ Kylian trat einen Schritt vor und reichte ihm ein Bündel loser Blätter: „Hier Sir, alles fein säuberlich aufgelistet.“ Grenache nickte anerkennend: „Diese Manöver werden in Zukunft noch sehr wichtig sein, ich habe schon einige Taktiken gesehen, aber diese ähnelte keiner, die ich bis jetzt betrachten durfte.“ „Das liegt vielleicht daran, dass kleinere Drachen bis jetzt immer unterschätzt wurden und es keine Möglichkeiten gab, sie effektiv einzusetzen. Wir haben die Schlacht von Jena als Beispiel genommen und speziell für unseren leichtgewichtigen Einheiten entwickelt effektiv mitzukämpfen. Gleichzeitig lassen wir die stärkeren Drachen nicht direkt losstürmen und als Kanonenfutter dienen, wofür sie auch viel zu langsam sind. Und wie sehen es funktioniert“, fasste Jade die Absicht hinter dem Unterfangen zusammen. „Hervorragend, wirklich hervorragend. Es gibt nur ein Problem, viel Drachen werden Probleme haben sich umzustellen und besonders die Großen werden sich darüber ärgern nicht mehr die Nummer eins zu sein. Aber wir werden sehen, ich schicke diese Unterlagen gleich nach Paris weiter und erkundige Mich, ob wir sie in unserem Training benutzen dürfen.“ Mit diesen Worten sprang Maitre auf Grenaches Rücken und die beiden verschwanden.

Auf dem Platz vor dem Eingang der Station hatte sich kleine Gruppe gebildet, die immer weiter anwuchs. Louis war erstaunt, wie viele Leute gekommen waren, um sie zu verabschieden. In wenigen Stunden würden sie in Richtung England aufbrechen. Erst nach Paris und dann über Calais nach Dover. Offiziell wurden sie zu einer anderen Station ab kommandiert, aber die meisten der Anwesenden vermutenden, dass mehr da hinter steckte. Es war ein offenes Geheimnis, das Stützpunkte, wie Limoges, alles taten, um solch talentierten Reiter, wie Jade und Hope, zu behalten. Der einzige, der mehr wusste war Chevalier, da er ein Gespräch zwischen Leonardo und Hope mit angehört hatte. Sie hatten es zum Glück bemerkt und ihm das Versprechen abgerungen zu schweigen. Louis verfrachtete noch den Schuhkarton unter den wachsamen Blicken seines Drachen in das Transportnetz und bestieg seinen Drachen. Mittlerweile war Leonardo, um einiges größer geworden, sodass ein Reiter problemlos auf ihm Platz fand. Durch das täglichen Ausdauertraining schaffte er es mittlerweile auch weite Strecke zu fliegen. Louis dachte lächelnd daran zurück, wie sie angekommen waren: Sein Drache musste noch von einem andern getragen werden. Ja, es hatte sich in dem letzten Monat einiges getan. Louis wandte sich zu den vielen Leuten, die vor den beiden Drachen standen um. „Vielen Dank, dass sie alle gekommen sind. Ich kann nur eines sagen: Es war eine Freude mit Ihnen zu arbeiten, trotz der teils widrigen Umstände. Für die Zukunft sollten sie sich dies merken: Auch ohne mich ist der Widerstand gegen Imbecile und Seinesgleichen ungebrochen. Wehren Sie sich und lassen Sie sich nicht einschüchtern. Gentleman, es liegt an Ihnen zu bestimmen, wer das Schicksal der Station lenkt. Außerdem dürfte es eh bald einfacher werden, da nun wieder die Obhut des Stützpunktes bei Admiral Maitre liegt. Ich verabschiede mich jetzt von Ihnen mit der Hoffnung das wir uns wieder sehen. Seien Sie vorsichtig. Wir leben in gefährlichen Zeiten und keiner weiß, was passieren wird.“ Er deute ein Verbeugung an und trat zurück, damit auch Jade noch ein paar Worte zum Abschied sagen konnte. Sie räusperte ich und das Gemurmel nach der Ankündigung, dass Maitre die Station nun leiten sollte legte sich. „Ich habe dem eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Ich wünsche euch noch viel Erfolg und seid bitte vorsichtig. Ach und macht Imbecile das Leben zur Hölle.“ Applaus und ein wenig Gelächter erhob sich aus der Menge und Louis wandte sich noch einmal an seine engeren Freunde. „Ich weiß nicht, ob ich in den nächsten Monaten euch Schreiben kann. Also seid bitte nicht beleidigt.“ Kylian sah sie verwundert an: „Das ist niemals eine normale Versetzung, wenn ihr solche Maßnahmen treffen müsst.“ Jade nickte ihm kurz zu: „Du hast recht, aber das Ganze ist geheim, deshalb tut uns bitte den Gefallen und fragt nicht nach. Sonst kommen wir in Teufels Küche.“, fügte sie mit einem Grinsen hinzu. „Und erzählt eure Vermutungen nicht weiter“, vervollständigte Louis das Ganze. Nach einige Beteuerungen, winkte er ab. „Ich glaube euch“, und schüttelte jedem noch einmal die Hand. Danach stiegen die beiden auf ihre Drachen. Diese hatten schon das nervige Ritual der Sicherung durchgeführt und hoben jetzt mit einem kräftigen Satz ab. Kleiner und kleiner wurde der Platz, nach und nach verschwand die ganze Station hinter den Wolken. Louis war sich nicht sicher, was ihn nun erwarten würde. Früher war er immer alleine auf solchen Missionen gewesen. Keiner er um den er sich Sorgen machen konnte oder auf den er aufpassen musste.

SIMON

leonardo/kapitel_8.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)