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leonardo:kapitel_7

Training und Zwischenmenschliche Entwicklungen

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

In der nächsten Woche begann das Training für Louis und Leonardo erst richtig. Morgens halb schlafend aus dem Bett kriechen. Schnell das Frühstück herunter schlingen bzw. sich mit mörderischem Tempo auf ein Huhn in den Gehegen stürzen. Danach entweder bei Maitre oder Grenache antreten und sich von ihnen bis zum Mittag quälen lassen. Die beiden hatten es nämlich zum Leidwesen ihrer Schüler zur Perfektion gebracht, dieselben solange zu quälen bis sie alle möglichen Techniken im Schlaf beherrschten. Der einzige Lichtblick war, dass sie nicht alleine in ihrem Leid waren. Jade und Hope wurden ebenso hart ran genommen und so konnten sich die vier gegenseitig Leid tun. Nach dem Mittagessen ging es dann gleich weiter. Luftkampf auf den beiden Drachen, wobei es entweder darum ging dem Gegner so lange auszuweichen bis einer der beiden nicht mehr konnte und mit heraushängender Zunge sich wieder zu erholen versuchte. Als sie wieder bei so einem Training waren, wurden plötzlich Leonardo und Hope von Grenache herunter gewunken. Die beiden sahen ein bisschen erstaunt aus und fragten: „Was genau sollen wir jetzt tun. Sie haben uns sicher nicht herunter gerufen für ein gemütliches Beisammensein bei Plätzchen und Kuchen.“ Maitre antwortete für den Drachen: „Wir wollen, dass du dein Gift einsetzt Leonardo dazu haben wir einen Freiwilligen eingeladen, der gleich zu uns stoßen wird, und den Stationsarzt gerufen, damit die Erkenntnisse festgehalten werden..“ Louis mischte sich aufgeregt ein: „Bei allem Respekt, Sir. Das können Sie nicht tun. Wir wissen nicht, ob sich die Wirkung des Giftes nicht noch verstärkt hat bzw. ob der Organismus eines Drachen anders auf den Stoff reagiert. Wir müssen höllisch aufpassen wenn Sie nicht einen Jungdrachen verlieren wollen. Am Besten probieren wir das ganze erst Mal aus, an einer Kuh oder einem Schwein.“ Maitre nickte langsam: „Ich habe darüber auch schon nachgedacht und weiß um die Gefahr. Es ist aber höchstwahrscheinlich ungefährlich, da der Drache ein viel größeres Körpergewicht hat, als der Dieb, den Leonardo attackiert hat. Trotzdem sollten wir ihren Vorschlag umsetzen. Sehen Sie da kommen schon Lea und Sauvignon. Wir können also sofort zu den Gehegen aufbrechen. Die Beiden landeten und die 3 Drachen und 3 Menschen machten sich zu den Tier Gattern auf. Als sie kamen warteten schon einige Kühe auf sie. Grenache wandte sich an Leonardo: „Sie können jetzt beginnen.“ Der Sternendrache stürzte sich auf eines der Rinder und schlug seine Zähne in dessen Seite.

Leonardo setzt zum Sprung an und flatterte auf den Rücken von dem Tier. Als seine Zähen durch das weiche Fleisch schnitten, fing die Kuh panisch an herum zu rennen und laute Schreie auszustoßen. Nach einigen Sekunden drang wieder das Gift durch seine Zähne und die Kuh erschlaffte langsam. Mittlerweile war auch der Stationsarzt eingetroffen und überprüfte den Puls und die Atmung des Tiers: „Es schläft nur. Ich denke in diesem Fall, dass die Menge des Giftes nur bestimmt wie lange das betreffende Opfer ausgeschaltet ist“ „Gut“, sagte Maitre zufrieden, dann können wir ja jetzt zu den Tests am Drachen übergehen. Die Gruppe wieder zurück und Sauvignon baute sich vor Leonardo auf. „Soll ich“, fragte der Drache erwartungsvoll. „Ja, aber seien Sie vorsichtig die Schuppen eines Drachen sind deutlich widerstandsfähiger als die Haut einer Kuh. Sie sollten also die schwächer gepanzerten Stellen angreifen. Flanken, Bauch Unterkiefer.“ Leonardo nickte, sah erwartungsvoll zu Sauvignon auf. „Seien Sie bloß sanfter als bei der Kuh“, richtete Lea das Wort an ihn. Der Sternendrache nickt und flatterte blitzschnell auf den anderen Drachen zu. Bevor dieser irgendetwas tun konnte biss er ihn in die Flanke und injizierte das Gift.Sekunden später war er wieder zurückgewichen und betrachtete erwartungsvoll Sauvignon. Dieser sah einen Moment überrascht aus um dann mit leicht lallender Stimme zu sagen: „Ich bemerke überhaupt nix. Das Gift scheint nicht zu wirken….“ Plötzlich fing er an zu torkeln, sank langsam zu Boden und verdrehte dabei die Augen. Nach einigen Sekunden lag er still.

Louis und der Stationsarzt eilten zu dem Drachen und überprüften Atmung und Pulsschlag. Der Reiter wandte sich um: „Lea, du brauchst dir keine Sorgen zu machen Sauvignon schläft nur.“ Mit einem kritischen Seitenblick auf den Drachen fügte er noch hinzu: „Und er schnarcht schrecklich.“ „Er sollte eigentlich gleich wieder aufwachen. Leonardo hat ihm nicht genug Gift für eine längere Bewusstlosigkeit ins Blut gebracht.“ Maitre mischte sich wieder in das Gespräch ein: „Das ist auf jeden Fall gut. Glückwunsch Salubre, Das macht ihren Drachen zu einer sehr mächtigen Spezies. Besonders weil die großen ihn als wirkliche Gefahr ansehen werden.“ Leonardo sah unglaublich stolz aus und Louis tätschelte ihm den Kopf: „Du bist wirklich etwas ganz besonderes.“ „Sie können sich darauf einstellen, dass ihr Trainingsplan so geändert wird, dass Leonardo speziell in Geschicklichkeit und Schnelligkeit ausgebildet wird. Er muss schnell wie eine Viper zustoßen können.“ Der Sternendrache freute sich, er hatte die Kraft und Ausdauerübungen immer gehasst, seine Körper war vor Natur aus viel besser dazu geeignet plötzlich und schnell zuzustoßen. Louis wandte sich nun mit entschuldigenden Blick zu Maitre und Grenache: „Sie müssen jetzt leider ohne uns weitermachen, denn Madame Lien gewährt uns heute eine Audienz.“ „Keine Problem, wenn die Chefin sie sprechen will, sind Sie natürlich freigestellt.“ Louis meinte einen leicht ironischen Unterton aus seiner Stimme heraus hören zu können. Er schien wegen irgendetwas nicht gut auf Lien zu sprechen sein. Reiter und Drache verabschiedeten sich und machten sich auf den Weg nach Paris. Diesmal per Kutsche. Leonardo blickte sich wieder einmal staunend um und bewunderte die riesigen Herrenhäuser, den Palast, die vielen prunkvollen Pavillons und den riesigen Obelisken, der erst vor kurzem aus Ägypten hergebracht worden war. Nach einigen Minuten Fahrt durch die Stadt kamen sie an der Residenz von Napoleon und Lien an. Deren Schlafplatz war noch prunkvoller als die übrigen Drachenunterkünfte und überall waren Gold und wertvolle Bücher verteilt. Leonardo bewunderte, nachdem sie ausgestiegen und von einem Diener dazu aufgefordert noch einen Moment zu warten, diese. Louis hatte zwar bisher immer gelesen, dass Edelmetalle von Drachen besonders geliebt würden, aber Leonardo zeigte viel mehr Interesse an geschriebenen Schätzen. War anscheinend eine Eigenart der etwas klügeren Drachen. Genauso wie ausgefallenen Hobbys. Er schmunzelte als er riesige Spielkarte in einer Ecke sah. Hope hätte ihre helle Freude daran. Bei dem Gedanken an sie, dachte er auch automatisch an Jade und ihn durch kam ein warmes Gefühl. Er schüttelte hastig den Kopf, er brauchte einen klaren Geist für das Gespräch nachher.

Leonardo betrachtete derweilen mit interessiertem Gesichtsausdruck die Behältnisse mit Sand , in die seltsame Zeichen geritzt worden waren, die jeden Buchstaben fremd waren, die er bisher gesehen hatte. Er vermutete aber stark, dass es sich um chinesische Schrift handelte. In diesem Moment betrat Lien den Hof. Leonardo betrachtete ehrfurchtsvoll die imposante Erscheinung: Mehrere Meter hoch, schneeweiße Haut und blutrote Augen. Den kleinen Sternendrachen durchlief ein Zittern. Tief in ihren Augen war ein Schmerz vergraben und ein Zorn zu sehen, den er sich nicht einmal vorstellen konnte geschweige den wollte. Leonardo wandte hastig den Blick ab. Trotz ihrer massigen Gestalt bewegte Lien sich mit einer natürlichen Eleganz, bevor sie vor Leonardo und Louis zum Stehen kam. Die beiden verneigten sich. „Seinen Sie gegrüßt Sternendrache und ehrwürdiger Arzt.“ Die beiden Angesprochenen erhoben sich wieder und Louis entgegnete: „Grüße zurück Madame. Aus welchen Gründen wünschen Sie uns zu sprechen.“ Der Reiter kannte dieses Ritual schon. Lien legte viel wert auf Höflichkeit, wollte dann aber auch schnell zur Sache kommen. Die Drachin wandte sich zu Leonardo: „Ich wollte mit ihnen ein wenig Tee trinken und etwas plaudern.“ Sie gab einem Diener ein Zeichen und ein riesiger Bottich voll heißem Wasser und Teeblättern auf dem Boden wurde herangerollt. Man reichte Louis eine normale Tasse. Lien schlürfte einen Schluck, um dann wieder diesen so beängstigenden Blick auf Leonardo zu richten „Es ist lange her, dass ich das letzte Mal einem Drachen aus meiner Heimat begegnet bin.“ Dabei leuchteten ihre Augen kurz vor Zorn auf. „Besser lange her, wie nie.“, erwiderte der Sternendrache. „Wie wahr“, seufzte der Himmelsdrachen „an was erinnern Sie sich denn noch?“ Leonardo wurde sofort hellhörig. Jetzt musste er aufpassen, wenn er nicht versehentlich etwas ausplaudern wollte. „Nicht viel. Überall war nur der allgegenwärtige Lärm von Peking. Aber ab und zu haben sich Forscher in meiner Nähe über mich unterhalten. Es fiel mehrfach das chinesische Wort für Sternendrache.“ Lien nickte langsam. „Ich habe in meinen Studien über sie gelesen.“, sie warf ihm einen langen Blick zu, „ausgesprochen klug und mit mächtigen Werkzeugen ausgestattet.“ Plötzlich wandte sie mit einem Ruck ihren Kopf zu Louis und sagte in geschäftsmäßigen Ton: „Ich habe einen Auftrag für sie: In zwei Monaten wenn Leonardo gerade ausgewachsen ist, sollen sie und Miss Ledoux einen Spionageauftrag in England bekommen. Ziel ist es dabei möglichst viel über eine Art Drachen Revolutionärin namens Perscitia herauszufinden. Genauere Informationen werden Sie in einem Brief von mir erhalten.“ Ihr Blick sprang wieder auf den Sternendrachen zurück. „Ach und seien Sie gewarnt Leonardo, derjenigen den Sie abgewiesen haben ist auf dem Weg zu ihrem Ausbildungsplatz.“ Eine bedeutungsvolle Stille. „Und er ist nicht mehr allein.“ Mit diesen mysteriösen Worten verschwand Lien wieder und ließ die beiden im Hof zurück. Louis zuckte mit den den Schultern. „Sie meint wahrscheinlich Imbecile. Ich frag mich nur warum sie so was nicht normal sagen kann . Wäre auch mal nett.“ Leonardo schnaubte: „Ich denke, dass das einfach zu ihrem Image gehört. Der geheimnisvolle Drache aus China.“ Die beiden lachten. Leonardo wurde plötzlich wieder ernst und schüttelte sich. „Außerdem denke ich, dass sie es verlernt hat, nett zu sein. Man muss ihr nur in die Augen blicken, um das zu bemerken.“ Louis nickt. Er hatte die Fassade von Lien schon seit langem durchblickt. Seine Gedanken wanderten wieder zu ihren Worten zurück. „Ich denke nicht das der Idiot Imbecile uns schaden kann. So dämlich, wie der war, wird sein Drache ihm auch nicht viel weiterhelfen können.“ „Aber darüber sollten wir uns jetzt keine Gedanken machen. Komm lass uns ein wenig durch Paris wandern“, schlug Louis vor. Der Drache nickte und die beiden machten sich auf den Weg.

Mehrere Stunden später war Louis Geldbeutel um einige schwere Silbermünzen ärmer, dafür stapelte sich aber neue Lektüre für die nächsten paar Ausbildungsmonate in ihrer Kutsche. Er erinnerte sich amüsiert daran, wie Leonardo ein Streitgespräch mit einem Priester mitten während einer Messe im Notre Dame angefangen hatte. Die beiden hatten lautstark miteinander diskutiert bis Louis seinen störrischen Drachen davon überzeugte mit ihm die Kirche zu verlassen, bevor sie wegen der Ketzerei von dem betreffenden Priester gevierteilt würden. Eigentlich stimmte er seinem Drachen mit dessen kritischen Gedanken ja zu, aber man musste ja nicht überall das letzte Wort behalten. Die nächsten Stunden waren wieder entspannter gewesen. Sie waren durch das Künstler Viertel spaziert, hatten die verschiedenen Artisten, Maler, angeblichen Zauberer (Leonardo hattet sich einen Spaß daraus gemacht laut in die Menge zu brüllen und dabei die Tricks aufzudecken) und auch einige Drachen, die ihr Können vorführten, betrachtet und waren anschließend noch etwas essen gegangen.

Nun saßen sie wieder in der Kutsche und befanden sich auf dem Weg zurück nach Limoges. Leonardo döste vor sich hin, auf seinem Sitz zusammengerollt und Louis betrachtete mit nachdenklichem Blick die Landschaft. Überall waren die Spuren des Krieges zu erkennen. Selbst hier im eigentlich nicht umkämpften Hinterland. Riesige Koppel mit angrenzenden Bauernhöfen, um die Drachen versorgen zu können. Industrieanlagen, die Stahl herstellten und die man aufgrund der schmutzigen schwarzen Abgase aus den Schornsteinen schon von weitem sah. Was tat dieser sinnlose Krieg dem Land nur an. Auf der einen Seite eine rücksichtslose Admiralität und hier in Frankreich ein Diktator und eine von Rachsucht innerlich zerfressene Drachin. Und beiden Seiten spielten mit ihren Untertanen, wie mit Bauern auf dem internationalen Schachfeld. Wie sollte das nur Ende. Er, Louis Salubre, kannte beide Seiten und er konnte nicht sagen welche von beiden im Recht war. Um den Krieg zu beenden bedurfte es weitreichende Veränderungen und vielleicht war Perscitia in England ein Weg, den Krieg zu beenden.

Die Kutsche holperte und polterte und nach einer mit Schlaglöchern übersäten Straße kam das Ausbildungszentrum wieder in Sicht. Mittlerweile dämmerte es schon und Louis rüttelte sanft den Drachen sich wach. „Komm, Leonardo, wir sind da.“ Der Angesprochene regte sich langsam und mit einem verschlafenen Gähnen stieg er aus der Kutsche. Louis bedankte sich noch kurz beim Fahrer, steckte ihm ein wenig Trinkgeld zu und machte sich zusammen mit seinem Gefährten auf dem Weg zu ihrem Raum. „Können wir nicht noch einmal kurz bei Hope vorbeischauen. Sie will sicher wissen, dass wir zurück sind. Außerdem ist auch Jade dort“, schlug ihm Leonardo mit einem verschwörerischen Blick vor. Louis zuckte ertappt zusammen. Waren seine Gefühle so offensichtlich? Aber er konnte nicht widerstehen und nickte deshalb Leonardo nur wortlos zu.

Als sie an der Tür von ihr angekommen waren, klopfte er vorsichtig. Nach einigen Sekunden wurde die Tür aufgerissen und Jade stand vor ihnen. Sie sah einen Moment überrascht aus, bevor sich auf ihrem Gesicht ein freundliches Lächeln ausbreitete, das bis in die Augen reichte. Sie trat einen Schritt vor, um ihn eine fast schon vertraut wirkende Umarmung zu ziehen. Louis war einen Moment überrascht bis er vorsichtig seinen Arm um sie legte. Es kostete ihn seine ganze Selbstbeherrschung sie wieder los zu lassen und nicht seinen Kopf in ihren herrlich weichen Haaren zu betten. Louis konnte ja nicht wissen, dass es Jade ähnlich ging. Die beiden Drachen betrachteten das ganze ziemlich amüsiert. Leonardo flüsterte Hope zu: „Wer denkst du traut sich zuerst. Ich setze auf Jade, Louis ist viel zu ängstlich.“ „Die Wette halte ich“, grinste Hope, „was ist dein Einsatz?“ „Ich denke mal die Princeps Mathematika ist es mir wert“, erwiderte er.

Der restliche Abend verlief insgesamt ziemlich gemütlich. Die vier hatten einen Heidenspaß und Louis erzählte von seiner Audienz bei Lien. „Ich frage mich, was sie zu bezwecken versucht. Es hätte auch gereicht mich und Leonardo nach England zu schicken. Nicht das ich etwas dagegen hätte das ihr mitkommt.“, fügte er noch hinzu und wurde rot. Innerlich verfluchte er sich. Musst er sich wirklich immer so ungeschickt anstellen. „Ich vermute einfach einmal, dass sie uns testen möchte und zwar in doppelter Hinsicht.“, sagte Jade leise. „Sie will sich unsere Loyalität und unseren Fähigkeiten versichern. Außerdem möchte sie wahrscheinlich unsere Arbeit im Team verbessern.“, fügte Hope noch hinzu. „Was ist jetzt eigentlich mit Imbecile? Weiß irgendjemand von euch beiden, was es mit ihm auf sich hat“, wollte Leonardo wissen. „Mir ist nicht viel über ihn bekannt. Aber er stammt aus einer alten französischen Familie, die immer sehr konservativ war. Sie gehören auch zu denjenigen, die immer noch der Meinung sind, dass Drachen dumm sind und keine Rechte verdienen.“ „Und so jemand wird Flieger?“ fragte Louis entsetzt. „Wie konnte er nur als Reiter für einen so wertvollen Drachen, wie Leonardo in Frage kommen?“ „Ich weiß es nicht genau, aber ich denke seine Familie hat Druck gemacht, weil er schon Ewigkeiten am Boden festhängt. Und das zu Recht.“ „Ja, Das kann ich mir vorstellen. Auf jeden Fall reichen diese Informationen, um mir ein ungefähres Bild von ihm zu machen. Aber viel interessanter ist: Welchen Charakter hat sein Drache. Ordnet er sich zwangsläufig unter oder glaubt und unterstützt er seinen Reiter?“ „Genau diese Frage wird ausschlaggebend sein. Ob er gefährlich werden kann oder nicht…

Der nächste Morgen kam für die beiden Drachen und Menschen viel zu früh. Sie hatte noch bis spät in Nacht sich unterhalten, Pläne für ihren Aufenthalt in England geschmiedet und sich überlegt, was sie gegen Imbecile und seinen Gefährten tun konnten. Louis brauchte einen Moment, um sich zu orientieren. Ah ja, er war in der Wohnung von Jade und Hope. Gestern war es so spät geworden, dass er wahrscheinlich auf der Couch eingeschlafen war. Er stand rasch auf, zog sich an, um dann Jade wecken zu gehen. Es wäre nicht gut, wenn sie zu spät zum Training kämen, die Wutanfälle von Maitre waren berüchtigt. An der Tür zum Schlafzimmer zögerte er einen Moment. Hoffentlich hielt Jade ihn nicht für aufdringlich. Er gab sich einen Ruck und betrat das Zimmer. Die Reiterin hatte sich aus ihren Laken los gestrampelt und lag nur leicht bekleidet. Louis spürte, wie eine Hitze durch seinen Körper schoss und er wurde prompt rot. So wie sie dort lag, mit zu einem Fächer ausgebreiteten Haaren und eng zusammengerollt, empfand er das unglaublich Bedürfnis sie zu beschützen. Er wusste, dass es blödsinnig war, denn Jade konnte sich mindestens genauso gut wehren, wie er, dennoch schwor er sich alles zu tun, um sie in der ungewissen Zukunft zu schützen. Louis seufzte leise und beugte sich zu ihr herab, strich mit einem Finger an ihrer Wangen entlang und rüttelte sanft an ihren Schultern, um sie aufzuwecken. Ihre Augenlider begannen langsam zu zucken und nach einigen Momenten öffnete sie ihre Augen. Louis fixierte diese einen Moment so ein strahlendes Grün hatte er noch nie gesehen und er musste sich zwingen nicht darin zu versinken. Er schüttelte kurz den Kopf. „Guten Morgen“, flüsterte er leise. Jade lächelte warm und begann sich langsam aus den Laken zu schälen. Louis ging derweilen schon einmal aus dem Raum, um ihr genug Zeit zu geben sich fertig zu machen. Die beiden Drachen lagen zu einem grün, goldenem Haufen verhedderten Gewirr aus Gliedmaßen auf dem Boden. Louis fand es immer wieder lustig die Schlafgewohnheiten von seinem Drachen zu beobachten. In einem langwierigen Prozess begann er die beiden aufzuwecken und machte sich, als er es endlich geschafft, daran selber wie ein Mensch auszusehen. Fast gleichzeitig mit Jade wurde er fertig und das Quartett machte sich auf den Weg zum Frühstück. Nach kurzer Zeit trennten sich die beiden Drachen von ihnen, um sich ihr eigenes Essen zu fangen. Den restlichen Weg in die Halle unterhielten Louis und Jade sich noch ein bisschen und grüßten vorbeikommende Kollegen. Keiner schien es zu interessieren, dass die beiden gemeinsam kamen. Louis schmunzelte: In der Marine oder in der Universität wäre er jetzt schon von dem ein oder anderen Gerücht verfolgt worden. Fast automatisch reichte er die Kaffeekanne an Jade weiter. Seit wann wusste er so gut, was sie morgens trank? Selbst Enzo Chevalier, der neben ihnen saß, fiel auf, dass die beiden ohne es zu merken Hand in Hand arbeiteten. Er schmunzelte. Aber Louis und Jade passten auch einfach zu gut zusammen. „Wusstet ihr eigentlich schon, dass wir heute noch ein neues Gespann dazu bekommen“, fragte er die beiden. Louis nickte. „Ja, wir wurden schon vorgewarnt.“ „Warum vorgewarnt?“, fragte Enzo verwundert nach. Jade antwortete für ihren Freund. „Drücken wir es so aus. Imbecile, der Reiter, wurde von Leonardo zurückgewiesen, da der selbige sich ein wenig grob verhalten hat.“ Louis schnaubte: „Ein wenig grob?“, fragte er ungläubig, „er wollte meinen Drachen überzeugen sich an ihn zu binden, indem er versucht ihn zu erpressen. Verständlich, dass er abgewiesen wurde.“ Enzo grinste: „Ja, das kann ich mir bei unserem Leonardo gut vorstellen.“ „Naja, auf jeden Fall kann ich mir nicht vorstellen, dass Imbecile allzu gut auf uns zu sprechen ist. Und ihm ist zuzutrauen, dass er auch Densens noch weiter gegen meine Person aufwiegelt.“, stellte Louis pessimistisch fest. „Eins muss man dir echt lassen. Du hast es, seitdem Leonardo geschlüpft ist, sehr schnell geschafft, dich wirklich beliebt zu machen“, sagte Enzo trocken, „aber mach dir keine Sorgen die meisten deiner Kameraden mögen es nicht wenn jemand sich aufbläst und demnach wird unsere Freund Probleme bekommen sich einzugliedern.“ Sie redeten noch ein wenig über das spezialisierte Training bis es auch wieder so weit war aufzubrechen und vorher noch die Drachen abzuholen. Eine gute viertel Stunde später standen die vier wieder am Feld und warteten, dass ihre vorläufige Formation auftauchte. Louis blickte sich suchend um. Wenn sie das Pech hätten zu Spät zu kommen, würden Maitre und Grenache die sechs noch bis spät in die Nacht ums Feld jagen. Ah, da kamen sie ja schon. Sahen zwar insgesamt ziemlich abgehetzt aus, aber immerhin noch nicht zu spät. Wenige Momente später erbebte dreimal kurz hintereinander und die drei Drachen samt Reiter landeten. „Morgen“, rief ihnen Kylian zu, „wir doch noch rechtzeitig angekommen, oder?“ „Nein, unsere Ausbilder sind noch nicht da. Ihr habt Glück das ausgerechnet heute Imbecile kommt. Sonst würde ich euch jetzt schon um den Platz rennen bzw. fliegen sehen.“, erwiderte Jade. „Wer ist Imbecile?“, fragte Lea interessiert nach. Louis seufzte: „Wenn ich von jedem der das fragt eine Silbermünze bekäme, wäre ich ein reicher Mann. Aber für euch die Kurzfassung: Imbecile ist ein Reiter, der heute angekommen ist und in unser Geschwader eingebunden werden soll. Er mag mich und Leonardo nicht besonders, da mein Drache ihn einmal abgewiesen hat .“ Die Gruppe um die beiden kleineren Drachen und ihre Gefährten gab sich mit dieser Erklärung zufrieden und wartet entspannt mit ihnen redend auf die Neuankömmlinge. Wenige Minuten später sah Leonardo wie Grenache und ein anderer Drache ihnen sich langsam näherte. Er kniff kurz die Augen zusammen und versuchte den anderen zu identifizieren. Anscheinend ein Grand Chevalier. Und ein ziemlich großer für sein noch ziemlich junges Alter. Er überragte schon fast den mittelgewichtigen Grenache. Kurz darauf erbebte die Erde und die Neuankömmlinge traten ihnen entgegen. Aus irgendeinem Grund sah Maitre ziemlich verstimmt aus. „Morgen“, knurrte er, „entschuldigen sie die Verspätung ich musste noch etwas erledigen unser Training beginnt unverzüglich, Hope, Leonardo, Muscadelle, Sauvignon, Animus ihr übt Formationsflüge. Die müssen bis ins kleinste Detail sitzen, wenn sie wirklich für unsere Armee nützlich sein wollen“ Die Drachen erhoben sich und nur der Neue blieb sitzen. „Gentleman, für sie ist heute ein Geländetraining anberaumt. Sie marschieren einmal durch den an unser Lager grenzenden Wald und kommen danach zurück. Dafür teile ich sie gleich in 2er Teams ein. Das letzte Team das ankommt, macht das selbe morgen noch einmal“ Er wies mit einer lässigen Handbewegung auf das Paar neben sich: „Das hier sind übrigens Theo Imbecile und sein Drache Angustius. Auf ausdrücklichen Wunsch von Densens sollen sie unserer Formation angeschlossen werden. Deshalb“, er grinste gehässig, „nimmt Imbecile natürlich sofort an unserem Training teil und ich teste den Drachen auf seine Fähigkeiten.“ Wenig später waren die Gruppen eingeteilt und Louis war ehrlich froh nicht mit Imbecile zusammen arbeiten zu müssen. Lea hatte ihn jetzt am Hals und er und Jade waren in einem Team. „Können wir schon losgehen?“, erkundigte er sich, „ja ich denke schon“, sie lächelte ihm leicht zu. Die beiden begannen schon loszugehen, als sie plötzlich von einem verärgerten Ausruf aufgehalten wurden. „Was wird das denn? Warten sie schön bis alle losgehen“, Louis und Jade wirbelten herum. Es war nicht schwer herauszufinden von wem dieser Kommentar kam: Imbecile. Missmutig verzog er das Gesicht. Was wollte dieser Idiot denn? Louis lag schon eine scharfe Entgegnung auf der Zunge, aber Jade war schneller. „Falls Sie es nicht bemerkt haben sollten, bei Maitre geht es los, sobald er seine Anweisungen gegeben hat. Also trödeln sie nicht Rum!“ Sie warf ihm noch einen verächtlichen Blick zu und wandte sich dann mit einer raschen Bewegung zu Louis um und zog ihn am Arm mit in Richtung Wald. Louis warf ihr einen bewundernd Blick zu, der Gesichtsausdruck von Imbecile war wirklich unbezahlbar gewesen. Die nächsten paar Stunden verliefen für die beiden relativ angenehmen. Louis hatte schon deutlich Anstrengenderes erlebt, als einen Langstrecken Marsch und im warmen Sonnenlicht mit einer netten Begleitung zum Unterhalten war dies wirklich keine Aufgabe die einem das Leben schwer machte. Wenn er so einen Blick auf Jade warf, sah sie auch nicht gerade danach aus als ob sie groß Probleme hätte. Jade ging mit kräftigen Schritten voran und war nicht im mindesten außer Atem. Der Arzt warf hin und wieder Blicke auf den Kompass den er mitgenommen hatte und achtete darauf immer schnurgrade in Richtung Nord-Ost zu laufen. „Was hältst du eigentlich davon, dass man dich auch auf den Auftrag nach England schickt?“, erkundigte Louis sich, nachdem sie einige Zeit schweigend nebeneinander hergelaufen waren. „Ehrlich gesagt freue ich mich wieder auf ein bisschen Aktion. Seitdem ich hier in dieser Ausbildung bin, ist eigentlich nichts besonders spannendes passiert.“ „Ja, ich weiß Formationsflüge, Waffentraining und die Standard Taktik-Theorie sind wirklich langweilig. Ich hab bei meinen Spionageaufträgen so viel gelernt, da kommt einem das jetzt wirklich weltfremd vor.“, pflichtete er ihr bei. Jade nickte langsam. „Wir könnten uns ja abends nach den Übungen am See treffen und unseren Drachen ein paar bessere Tricks lehren und vielleicht entwickeln wir ja auch noch ein paar Manöver für leichtgewichtige Drachen.“ Louis überlegte einen Moment: „Von Lien weiß ich, dass bei der Schlacht von Jena einige Formationen der Preußen durch schnelle Angriffe unsererseits besiegt wurden. Ich denke ich könnte diese Strategien besorgen und wir könnten sie dann ja als Basis für unsere Arbeit benutzen.“ Jade lächelte ein wenig gehässig: „Es ist garantiert interessant zu sehen, wie Imbecile reagiert, wenn wir ein paar Taktiken einführen, die schwergewichtige Drachen überflüssig machen…“ Louis warf ihr einen prüfenden Blick zu: „Du magst ihn wirklich nicht, oder?“ „Ja, ich hege eine gewisse Antipathie gegen Imbecile. Eine Minute seiner Anwesenheit hat vollkommen gereicht, damit er mich gegen sich aufgebracht hat. Ein besserwisserischer Nichtskönner.“ Nach einem Zwischenzeitlichem Essen kamen sie nach einigen Stunden wieder an der Basis an. Dort warteten schon Kylian und und - zu ihrer Überraschung auch – Imbecile auf sie. Bei Raphael und Kylian wunderte es Louis nicht besonders. Er und Jade hatten sich nicht wirklich beeilt und wenn man durchmarschierte, konnte man ohne Probleme vor ihnen da sein. Aber Imbecile… Und außerdem wo hatte er Lea gelassen? Nach einem kurzen Gruß ließ sich Louis bei den beiden Kapitänen nieder und fragte mit gesenkter Stimme: „Wo ist eigentlich Lea, sie müsste doch eigentlich mit Imbecile hier angekommen sein?“ Raphael schnaubte leise: „Fragen sie besser nicht, der Typ ist umgekehrt, nachdem sie sich verlaufen haben, aber Lea wollte weitergehen und das Ganze zu Ende bringen. Laut ihm war sie es zwar schuld, aber das glaube ich nicht wirklich. Maitre ist mittlerweile richtig wütend, ich würde also aufpassen.“ „Ja, kann ich mir vorstellen.“, mischte sich Jade in das Gespräch ein, „Imbecile bricht wirklich alle Rekorde. Erst einen Tag hier und er hat sich schon bei 2 Personen unbeliebt gemacht.“ „Nur zwei?“, fragte Kylian gespielt erstaunt nach. „Nur zwei“, bestätigte Louis, „ bei den anderen war er vorher schon ungeliebt“, fügte er mit einem gemeinen Grinsen hinzu. Eine weitere Stunde später waren alle angekommen, auch Lea, obwohl sie ziemlich abgekämpft wirkte. Louis wartete darauf, dass Maitre endlich kam, denn für den Nachmittag waren Waffenübungen und geplant. Und hier konnte er sich wenigstens noch verbessern, mit Jade hatte er eine gleichwertige, wenn sogar bessere Trainingspartnerin gefunden. Unbewusst hörte er auf das Gespräch der anderen Kapitäne. Louis wurde aus seinen Gedanken gerissen, als er hörte wie Imbecile vor allen anderen über Lea herzog. „Ja, wir mussten leider umkehren, weil Bellier mich im Kreis geführt hat. Hat sie wahrscheinlich extra gemacht, um sich vor dem Marsch zu drücken. Tja, typisch Frau.“, sagte mit einen herablassenden Blick auf Jade und Lea. Louis grinste vor sich. Schwerer Fehler. Das hätte Imbecile besser nicht sagen sollen. Denn nun mischte sich Jade in das Gespräch ein: „Da ist mir, aber etwas anderes zu Ohren gekommen“, sagte sie mit einem gemeinen Lächeln. „Ach, und das wäre?“, fragte Imbecile gelangweilt. „Du hast sie alleine im Wald sitzen gelassen und bist wieder zurück zur Basis gekrochen. Und Lea hat die Strecke alleine anscheinend geschafft.“, fügte Jade mit einem süffisanten Grinsen hinzu. „Wer kann sich also im Wald nicht orientieren.?“ Louis betrachtete amüsiert, wie Imbecile langsam rot anlief. Der Mann ließ sich eindeutig zu leicht provozieren. Er lehnte sich zurück und wartete auf das weitere Schauspiel. „Halt die Schnauze“, brüllt er nach wenigen Sekunden in Richtung Jade. „Und wenn nicht?“, fragte sie provozierend. „Was willst du dann tun, mich zum Duell fordern? Oder hast du Angst die Hände schmutzig zu machen?“, reizte sie ihn weiter. „Sicher, dass du dich das traust, ich hab mehrere Pokalen fürs Fechten gewonnen. Ich denke nicht, du reißt wahrscheinlich nur den Mund auf, um jetzt zu kneifen.“ „Das werden wir ja sehen: Ich ,Jade Ledoux, fordere dich, Theo Imbecile, zum Duell. Als Waffen ist nur der Degen erlaubt. Kampf bis zur Aufgabe oder Kampfunfähigkeit einer der Kontrahenten.“ Imbecile sah einen Moment überrascht aus, um dann ein selbstgefälliges Grinsen aufzusetzen. Louis hingegen war überhaupt nicht erstaunt. Der Idiot hatte es beinahe darauf angelegt. Leider hatte er nicht das Übungsgefecht zwischen ihm und Jade betrachteten können. Tja, Pech gehabt. Denn dann wäre er nun eindeutig unentspannter. In den nächsten paar Minuten wurde eine Feld abgetrennt, zwei Schiedsrichter bestimmt und Jade und Imbecile traten auf den Kampfplatz. Louis merkt, wie Lea neben ihm leicht zitterte, er wandte sich zu ihr: „Du brauchst dir keine Sorgen machen, Jade ist verdammt gut, das weiß ich aus eigener Erfahrung.“ „Hoffentlich gut genug. Imbecile kann nicht vieles und ist ziemlich eingebildet, aber seinem Kampfstil können nur wenige etwas entgegen setzten.“ Einen Moment lang machte sich Louis auch sorgen, erinnerte sich dann aber an seinen Kampf mit ihr zurück. In diesem Moment begann der Kampf und er wandte sich wieder dem Geschehen vor ihnen zu. Wie bei ihrem Kampf begann Jade auch hier, den Gegner mit ein paar schnellen Schlägen aus der Reserve zu locken. Imbecile erwartete sie bereits und konterte mit Schlägen, die ihr beinahe die Waffe aus der Hand rissen. Sie wich wieder zurück und Imbecile brüllte: „Hast du jetzt schon genug. Komm her, dann zeig ich dir wie man richtig kämpft.“ Louis schüttelte den Kopf. So konnte Imbecile nicht gewinnen, er war zwar gut, aber er bemerkte nicht einmal, wie Jade ihre Taktik anpasste. Die ersten Schläge waren nur ein Scharmützel gewesen, um herauszufinden, wie ihr Gegner kämpfte. Plötzlich griff Imbecile an und versuchte mit einem starken, aber voreilig ausgeführtem Angriff ihr den Degen aus der Hand zu schlagen. Jade wich mit einer geschmeidigen Bewegung zurück, um ihm beim Zurückschlagen die Waffe über die Seite zu ziehen. Ihr Gegner zuckte kurz zusammen und wich zurück. Den nun folgende Kampf wogte hin und her, aber keiner schaffte es den anderen zu besiegen. Dennoch war Jade klar überlegen und nach einer viertel Stunde überzogen eine große Anzahl von harmlosen, aber schmerzhaften Wunden den Körper von Imbecile. Louis hatte nichts anderes erwartet. Genauso wie bei ihrem Kampf lenkte sie die Schläge ihres Gegners ab, um dann schnell zu kontern. Im Gegensatz zu ihm war Imbecile aber leider nicht klug genug seine Taktik dementsprechend zu ändern und zog sich wieder und wieder Verletzungen zu. Amüsiert betrachtete Louis wie seine Bewegungen immer schleppender wurde bis er plötzlich den Degen wegwarf. Jade ging davon aus ihn besiegt zu haben, Louis hätte ihr gerne eine Warnung zu gerufen, aber dafür war es leider zu spät. Mit bloßen Händen stürzte Imbecile sich auf seine deutlich kleinere Gegnerin und stieß ihren Degen einfach beiseite. Er begann ihr Gesicht mit den Fäusten zu bearbeiten und Louis keuchte erschrocken auf. Der Typ wollte sie umbringen. Er wollte schon dazwischen gehen, aber bis dahin hatte Jade ihren Schrecken überwunden, wich einem der Schläge aus, ließ Imbecile an ihr vorbei stürmen, stellte ihm dabei ein Bein und griff wieder nach ihrem Degen. Als sich ihr Gegner gerade aufrappelte und auf sie stürzen wollte, zuckte er zurück, weil sich genau vor seiner Nase ein spitzes Stück Metall befand. „Gibts du jetzt auf?“, verlangte Jade mit einem verächtlichen Funkeln in den Augen von ihm zu wissen. Man sah beinahe wie es in Imbeciles Kopf ratterte, als er nach einer Lösung aus dieser schier ausweglosen Situation suchte. Offensichtlich gab es keine und sackte sichtlich zusammen. „Ich kapituliere, ihr habt das Duell gewonnen.“, seufzte und hielt ihr seinen Degen. Jade wartete einen Moment, musterte ihn noch einmal aufmerksam, um die Waffe danach entgegen zu nehmen. „Ich akzeptiere“, sagte sie schließlich. Kurz nach diesen Worten löste sich die kleine Gruppe von Zuschauern auf. Louis war sich hundertprozentig sicher, dass bis zum Abend der ganze Stützpunkt von dem Kampf wusste. Das gleiche dachte offensichtlich auch Imbecile, denn er schlurfte weg wie ein geprügelter Hund. Keiner bemerkte, dass schon seit einer ganzen Weile Maitre dem Schauspiel zu gesehen hatte. Nun betrat er gemessenen Schrittes den Ort des Geschehens. „Guten Tag die Damen und Herren, haben sie sich gut amüsiert?“ Natürlich war der einzige der diesen versteckten Hinweis auf den Kampf nicht bemerkte Imbecile. „Sir, Ledoux hat mich angegriffen und sehen Sie wie sie mich zugerichtet hat.“ Jade stand nun wieder an seiner Seite und zischte leise. Sie wollte offensichtlich schon etwas sagen, aber Louis berührte sanft ihren Arm, um sie zurückzuhalten. „Warte ab was Maitre sagte. Ich denke er hat einiges mitbekommen.“ Louis wandte sich wieder zu ihrem Ausbilder. „Ich denke, dass eine kleine Strafe angemessen wäre, denn Ledoux hat eigentlich keine Regeln des Korps gebrochen. Laut Absatz 14 sind Duelle mit nicht tödlichem Ausgang erlaubt. Leider fand dieses während der Trainingszeit statt. Also sie müssen morgen früh beim Frühstück helfen. Stehen sie also eine Stunde früher auf.“ Louis sah wie Imbecile triumphierend auf grinste. Maitre offensichtlich auch: „Das selbe gilt natürlich für alle beteiligten des Kampfes. Ach und bevor ich es vergesse. Imbecile, sie haben sich vor dem Marsch gedrückt, eine Woche Latrinen dienst.“ Louis konnte ein süffisantes Lächeln nicht unterdrücken. Tja Pech gehabt. Maitre meldete sich noch einmal zu Wort. „Das Waffentraining fällt für heute aus. Miss Ledoux hat ja eben eindrucksvoll demonstriert wie man einen körperlich stärkeren Gegner besiegt.“ Er schenkte ihr einen anerkennend Blick. „Genießen sie also den freien Tag!“ Auf dem Weg zurück zum Stützpunkt klopfte Louis Jade anerkennend auf die Schulter. „Das war wirklich eine Glanzleistung, wie du Imbecile besiegt hast. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich einen Moment Angst, um dich hatte. Ich hoffe du hast keine Blessuren von seinem nuja sagen wir etwas groben Angriffes.“ Er musterte sie prüfend. Keine erkennbaren Verwundungen am Körper, eine leicht angeschlagene Lippe, aber ansonsten war sie vollkommen unverletzt aus dem Kampf heraus gekommen. „Nichts ernstes. Und dafür hat es sich echt gelohnt gegen diesen aufgeblasenen Wichtigtuer zu kämpfen. Ich muss zwar eine Stunde morgen helfen, hab aber für alle einen freien Nachmittag gewonnen. Also gute Quote. Ach und bevor ich es vergesse. Ich hab Imbecile eindeutig gezeigt, wer von uns der Stärkere ist.“ „Und du hast jetzt einen neuen erbitterten Feind.“ Louis seufzte; Imbecile würde es irgendwie schaffen ihnen zu schaden. Keine guten Aussichten für die Zukunft. Aber diesen Gedanken verdrängte er erfolgreich aus einem Kopf und freute sich lieber über den gewonnen Kampf. Die erste Schlacht in einer langen Reihe, die sie in der Zukunft ereilen würde.

SIMON

leonardo/kapitel_7.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)