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leonardo:kapitel_6

Jade Ledoux und Hope

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

„Kapitän Salubre?“, Louis schreckte auf. Wer wollte den jetzt schon wieder etwas von ihm? Er saß gerade beim Frühstück und überlegte, was Leonardo wohl in dem Test leisten würde müssen, der heute stattfand. Sie hatten sich in der Eingangshalle getrennt, um sich jeweils um ihre Verköstigung zu kümmern. Er blickte auf. Vor ihm stand ein etwas älterer Mann, dem man eigentlich gar nicht zutrauen würde, noch irgendetwas im Militär zu regeln. „Ja, wie kann ich Ihnen helfen, Herr ….? „Maitre ist mein Name und ich bin gleichzeitig derjenige, der für Ihren und Leonardos Ausbildungsplan zuständig ist. Ich arbeite mit dem Drachen Grenache zusammen. Ach, und damit kein Missverständnis aufkommt. Wir sind keine Gefährten. Nur gute Freunde. Und wir arbeiten hervorragend zusammen“ Er setzte eine leicht verächtliche Miene auf. „Bei Fragen wenden Sie sich bitte auch an uns, bloß nicht an Densens, Er kennt sich hier noch nicht so gut aus.“ Louis war klar, was er damit meinte: Der Admiral hatte nicht den geringsten Schimmer und wollte es wahrscheinlich auch nicht wissen, was in der Anlage so los war. „Wann beginnt das Training?“ Sie und ihr Drache haben sich um 8:00 vor dem Trainingsfeld einzufinden.“ Louis nickte und widmete sich wieder seinem Frühstück.

Zeitgleich bei Leonardo: Der Drache flog gerade zu den Feldern mit dem Vieh. Über diesem flogen schon ein paar andere in allen möglichen Farben und Größen. Er schaute sich suchend um, wo war wohl Merlot. Leonardo wollte schon aufgeben, als er ihn in der Ferne herbei flattern sah. „Morgen Leonardo“, grüßte ihn dieser, „und wie gefällt es dir hier so bisher?“ Der Angesprochene machte ein leicht gezwungenes freudiges Gesicht. „Ist echt super“, ließ er wenig überzeugend verlauten. Merlot kicherte „Ich bin nicht beleidigt, wenn du sagst, dass es du auf das hier überhaupt keine Lust hast.“ Leonardo sah ein wenig ertappt aus. „Wie kommst du darauf. „Als ich hier ankam, ging es mir genauso. Ich bin auf einem Schiff ausgeschlüpft und vermisse jetzt noch ab und zu das Meer. Und besonders den Fisch.“ Seine Miene wechselte vom ernsten wieder zu belustigten Ausdruck. „Ich sollte mir jetzt wirklich was zum Essen besorgen.“ Die beiden flogen zu den Gattern. Mit einer eindrucksvollen Bewegung schwang sich Merlot über eine Kuh, um sie mit den Klauen zu packen und dann zu verspeisen. Leonardo versuchte ihn nachzumachen. Allerdings nur bei einem Huhn, dass einsam über das Feld lief. Er beschleunigte, ging in einen schnellen Sinkflug über und versuchte das Tier zu packen. Leider flog er ein wenig zu hoch und streifte das Geflügel nur. Beim nächsten Anlauf ging es schon besser. Leonardo erwischte das Tier und hob es unter kräftigen Flügelschlägen an, um es auf einem Felsvorsprung unter Blutspritzen zu vertilgen. Irgendwie fand er die Methode des „leckeren-Hühnchens-kaufen-und-dann-verspeisen“ einfacher. Warum selber jagen, wenn anderes es besser konnten. Außerdem schmeckte es gebraten und gewürzt viel besser. Er beobachtete die anderen Drachen sie schienen alle kein Problem mit dem Essen zu haben. Naja, sie waren nun mal daran gewöhnt.“ Ein wenig widerwillig aß er dann auch noch den Rest der Tieres. Leonardo schaute sich um, Merlot war offensichtlich auch schon fertig. Er flog zu ihm und fragte: „Kannst du mir vielleicht sagen, was mich im Training erwartet. Ich überlege ehrlich in welche Richtung man mich ausbilden will und vielleicht hast du und dein Reiter schon etwas gehört.“ „Eigentlich weiß noch keiner, wie das letztendlich aussehen wird. Heute unterzieht man dich erst einigen Test zu Ausdauer, Stärke und Intelligenz. Danach bestimmen Maitre und Grenache deinen Trainingsplan. Die beiden sind Spezialisten darin, deine Schwächen zu finden und dich gnadenlos so lange zu trainieren bis du auch in diesen Gebieten gut bist, bzw. deine Schwächen ausgleichen kannst. Jedenfalls erwartet dich, einiges an Arbeit.“ Er schnaufte belustigt: „Zum Glück hab ich das hinter mir! Aber guck mal, da hinten kommt dein Reiter. Er will dich zum wahrscheinlich zum Test mitnehmen. Übrigens, Salubre wird auch ausgebildet und gleich einem Test unterzogen.“ Merlot nickte Leonardo zu und flatterte zu seinem Reiter, um sich mit ihm zu unterhalten. Derweilen war der goldene Drache bei seinem Reiter angekommen. Leonardo stupste Louis liebevoll an und fragte: „Wo finden die Tests statt?“ „Wir müssen zu den Übungsfelder. Ich habe mir eben noch einmal den Weg erklären lassen. Erst wirst du und dann ich von den beiden geprüft.“ Sie machten sich auf den Weg und sahen dabei den riesigen Komplex des Ausbildungszentrums auch einmal am Tageslicht. Umgeben wurden die Gebäude von mehren Weiden, einem großen See und einem riesigen Trainingsfrei, an das eine Art Kaserne angrenzte. Dorthin gingen die beiden, wobei Leonardo aufgeregt auf und ab flatterte. An dem Feld wurden sie schon von einem Mittel-gewichtigen älterem Drache und Maitre, den Louis schon vom Frühstück kannte. „Guten Morgen“, grüßten die beiden, „wir fangen am besten direkt mit den Übungen an würdest du bitte zuerst ein paar Runden fliegen. Als erstes mit höchst Tempo solange du es halten kannst. Sobald du zu erschöpft bist, flieg langsamer weiter. Und jetzt los!“ Widerwillig flog Leonardo los, aus irgendeinem Grund verspürte er eine starke Abneigung gegen jede Aufgabe, wo er sich anstrengen musste. Aber egal! In den nächsten Monaten würde er wohl nicht darum herum kommen. Der Drache beschleunigte und begann den großen Platz zu umfliegen. Von oben sahen diese Menschen wirklich klein aus.

Eine halbe Stunde später konnte Leonardo einfach nicht mehr. Er bremst ab und versuchte schnaufend wieder zu Atem zu kommen. Er hasst dies wirklich. Drache schaute missmutig zu Grenache. Dieser winkte ihm gerade in diesem Moment zu herunterzukommen, was er wohl wollte? Leonardo bremst weiter und blieb dann in der Luft schwebend vor den Ausbildern stehen. Diese betrachteten ihn interessiert. „Konnten Sie schon immer so in der Luft schweben“, fragte Maitre, wobei ihm die Neugier offen ins Gesicht geschrieben stand, „denn dies ist eigentlich eine Fähigkeit die den Himmels- und Kaiserdrachen vorenthalten bleibt.“ „Ja, das konnte ich schon immer. Aber was ist so besonders daran. Ich schlage einfach nur in die andere Richtung mit meinen Flügeln.“ Grenache antwortete ihm: „Das besondere daran ist, dass dies was Sie gerade beschrieben haben, anatomisch für andere Drachen nicht möglich ist. Wir würden uns dabei die Flügel ausrenken. Sie sollte diese Fähigkeit also nicht unterschätzen. In einem Kampf verschafft ihnen dies eine große Wendigkeit.Jetzt zur nächsten Aufgabe. Sehen sie diese Bälle, die dort von unseren Angestellten in die Luft geworfen werden? Sie sind mit Farbe gefüllt Versuchen Sie möglichst viele zum Platzen zu bringen. Und zwar solange bis Sie selber getroffen werden“

Die zwei Menschen und der Drache sahen sahen bewundernd dabei zu wie Leonardo mit beinah unmöglichen Manövern die Bälle zum Explodieren brachten. Kaum wurde einer in die Luft geworfen, war der kleine Drache schon zur Stelle und ließ sie mit einem gezielten Schlag seiner Klauen zum Platzen. Dabei ging er so geschickt vor, dass die Schwellen von Farbe immer wieder an ihm vorbei spritzten.

Maitre wandte sich wieder Louis zu. „Ich denke damit haben wir ihn einer Weile beschäftigt. Es ist ganz erstaunlich wie schnell und wendig Leonardo ist. Ich habe in meinem Leben noch keinen einzigen Drachen gesehen, der so eingeschickter Flieger ist. Und das heißt schon etwas. Ich kenne englische, französische und sogar viel asiatischen Drachenarten. Ein Spezialist sollte ihn einmal auf anatomische Besonderheiten untersuchen. Leider gibt es hier in Frankreich nur sehr wenig gut. Ich würde zwar Sir Edward Howe empfehlen, aber der ist leider Engländer und seit dem aktuellen Krieg nicht mehr hier im Land gewesen. Vielleicht ergibt sich ja etwas, sobald man sie und ihren Drachen nach London schickt.“ Louis horchte auf. „Warum sollte man uns in das Britisch Empire schicken?“ „Ups“ ,sagte der Ausbilder mit heimtückisch funkelnden Augen, „da hab ich mich wohl verplappert. Eigentlich wollte Densens es Ihnen sagen. Ist aber auch egal. Sie hätten es eh in Kürze erfahren. In zwei bis drei Monaten bekommen Sie den Auftrag als unerkannte Spione nach England zu reisen und herauszufinden, wie stabil die politische Situation dort ist. Aber jetzt nichts weiter dazu.“ Misstrauisch betrachtete Louis Maitre. Ihm war das sicher nicht nur so aus Versehen herausgerutscht. Er war sich fast sicher, dass der Ältere ihm das extra gesagt hatte, um Densens die Show zu stehlen, die sicherlich daraus gemacht hätte. Louis lächelte bei dem Gedanken. Maitre war eindeutig kompetenter als der Admiral und auch deutlich freundlicher. Ziemlich dämlich, dass er nicht den Posten von Densens hatte. „Aber jetzt zu etwas anderem“, unterbrach der Ausbilder seine Gedanken, „folgen Sie mir bitte.“ Er wandte sich an Grenache: „Beaufsichtige du bitte Leonardo.“ Maitre wandte sich um, bedeutete Louis ihm zu folgen und ging in Richtung der Kaserne davon. Diese sah von außen eher baufällig aus, hatte eine graue Farbe und sah insgesamt so aus, als ob eine Renovierung dringend nötig wäre. Aus diesem Grund war Louis ziemlich überrascht, als er unter der Führung seines Ausbilders in einen perfekt eingerichteten Trainingsaal kam. Er sah einige Männer und zu seinem Erstaunen auch die ein oder andere Frau, die trainierten oder in heftigen Übungsgefechten verwickelt waren. Auf der anderen Seite des Raumes standen einige Schießstände, wo anscheinend gerade eine Gruppe Kadetten Zielübungen veranstalteten. Maitre winkte einer Frauen zu sich. „Das hier ist Jade Ledoux. Sie ist ebenfalls erst vor kurzem hier angekommen. Ich möchte, dass sie beiden jetzt bitte sich jeweils einen Degen aus der Waffenkammer nehmen und gegeneinander kämpfen. Ich denken sie haben bereits Erfahrungen in diesem Gebiet, oder? Beide nickten synchron.. Louis nutzte die Gelegenheit und betrachtete sie aufmerksam. Jade hatte schokoladenbraune Haare, eine eher schmächtige Figur und sah insgesamt ziemlich harmlos aus. Sie war eigentlich nicht einmal besonders schön. Sie war zu klein und nicht das was die meisten Männer als absolute Traumfrau beschreiben würden. Aber Louis Blick wurde beinahe sofort von ihren hellgrünen Augen eingefangen. Er schaute hastig weg, als er bemerkte das er bei seiner Musterung nicht so unauffällig vorgegangen war, wie er gedacht hätte. Louis wollte ja schließlich nicht das sie ihn für aufdringlich hielt. Jade schien seine Blicke aber nicht bemerkt zu haben und lächelte ihn freundlich an. Dieser wusste einen Moment, was er machen sollte, lächelte, aber als er sich wider halbwegs gefangen hatte schüchtern zurück. Dabei schalte er sich innerlich. Er musste sich wirklich nicht wie ein Schuljunge aufführen. Sie war ja bei weitem nicht die erste Frau, die er kannte. „Sollen wir anfangen“, fragte er deshalb und ging schon einmal zu dem Waffenständer, um sich einen leichten Degen aus dem Sortiment auszusuchen. Seine Partnerin hatte schließlich schon einen. Die beiden gingen gegenüber von einander in Stellung. „Es gewinnt derjenige, der zuerst entwaffnet, verletzt wird oder aufgibt.“, bestimmte Maitre die Regeln. Louis hob seinen Degen vor die Augen verbeugte sich und ging dann in eine lauernde leicht Gebückte Haltung über. Er war zwar seiner Gegnerin in Puncto Kraft und Ausdauer überlegen. Aber er beging nicht den Fehler Jade zu unterschätzen. Deshalb war er vorbereitet als sie mit einem Sprung die Distanz zwischen ihnen überbrückte und mit einer Finte versuchte ihm den Degen aus der Hand zu schlagen. Louis ließ jedoch elegant die Klinge an seiner Schneide abgleiten und ging nun ebenfalls in den Angriff über. Mit einigen schnellen Hieben an verschieden Stellen ihres Körpers versuchte er sich ein Bild von ihren Fähigkeiten zu machen. Sie parierte jeden von ihnen mit beinah beleidigender Leichtigkeit, um dann mit einigen rasend schnellen Hieben zu kontern. Louis sprang zurück, um wieder ein wenig Abstand zwischen sie zu bringen. Die beiden begannen sich lauernd zu umkreisen. Er runzelte die Stirn. Sie war wirklich gut und wenn so weiter ging würde sie auf Grund ihrer Schnelligkeit gewinne. Er musste also seine Vorteile mehr zur Geltung bringen. Mit einigen Schritten verkürzte er wider den Abstand zwischen ihnen und begann mit einigen Wuchtigen Schlägen ihr Schwert zu bearbeiten. Er setzte dabei nicht auf Präzision, sondern einfach nur auf pure Kraft. Jade beging leider nicht den Fehler sich seinen Angriffen entgegen zu stellen, sondern ließ seine Schläge einfache nach links und rechts abgleiten. Dabei wich sie langsam Schritt für Schritt zurück. Louis war klar, was sie bezwecken wollte, er sollte sich auspowern, um wenn sie dann zurückschlug ihr nichts mehr entgegen zu setzten zu können. Sie bemerkte dabei nur leider nicht, dass er sie in eine ganz bestimmte Richtung zurückdrängte Als Jade dann plötzlich mit dem Rücken gegen eine Wand stieß, war sie einen Moment unkonzentriert und Louis nutzt die Gelegenheit, um ihr den Degen aus der Hand zu schlagen. Er trat einen Schritt zurück und zeigte symbolische mit der Spitze seiner Waffe auf ihr Herz. „Besiegt“, brachte er leicht keuchend heraus. Seine Gegnerin lächelte leicht heimtückisch und schlug ihm im nächsten die Beine unterm Körper weg. Louis drehte sich blitzschnell weg und versuchte aus ihrer Reichweite zu kommen. Zu Spät. Einen Moment später spürte er das kalte Eisen eines Dolches an seiner Kehle. In dieser Postion verharrten die beiden bis sich Jade wieder aufrappelte, um ihn danach ebenfalls eine Hand zum Hochziehen anbot. Maitre hatte dies alles aufmerksam beobachtet: „Das war schon ziemlich gut, aber brauchen beide noch Ausdauer und Kraft Training. Und Ledoux kann ihnen Salubre noch einige Tricks beibringen. Das heißt für sie beide Montags Nahkampf und Ausdauertraining, Dienstags Übungen mit Feuerwaffen, Mittwochs Vertiefung von beidem auf ihren Drachen, Donnerstags werden ihnen die Flaggenzeichen beigebracht und Freitags werden sie Manöver mit ihren Drachen üben. Wachende sind für sie frei. Die genaueren Daten bekommen sie heute oder morgen noch plus dem Ausbildungsplan ihrer Drachen zu denen wir jetzt zurückkehren werden“ Die drei machten sich auf den Weg zurück zum Trainingsfeld. Derweilen wandte sich Louis an seine Begleiterin. „Wann ist ihr Drache geschlüpft?“ Jade zögerte einen Moment und schien in Gedanken nach zurechne. Nach einem kurzem Moment antwortete sie: „Hope ist vor etwa zwei Woche geschlüpft. Das besondere an ihr ist, dass sie ein amerikanischer Drache ist.“ Louis sah verwundert auf: „Die Amerikaner haben schon eigene Drachenrassen? Ich dachte sie hätten bis jetzt immer nur englische Drachen gezüchtet.“ Jade nickte zustimmend: „Das habe ich bis vor kurzem auch geglaubt. Aber anscheinend haben sie schon vor Jahren begonnen mit einigen einheimischen Wilddrachen zu arbeiten. Laut aktuellen Berichten beträgt die Stärke ihres Luftkorps mittlerweile fast tausend Drachen von denen ein Drittel Schwergewichtig ist. Auf jeden Fall haben sie uns aus Dankbarkeit für unsere Unterstützung in ihrer Unabhängigkeitsbewegung dieses Ei überlassen. Ihre Diplomaten haben angemerkt, dass es trotz seiner Größe besondere Fähigkeiten hat. Leider weiß bis jetzt noch keiner welche.“ Irgendwie kam dies Louis bekannt vor: „Bei mir war das auch eine interessante Sache.“ Er fasste kurz die Erlebnisse der letzten Woche zusammen. „Ah Gift, das kann im Kampf wirklich nützlich sein.“ Louis nickte „Ich denke aber nicht das er in nächster Zeit so viele Gelegenheiten zum Kämpfen bekommt. Wir bekommen als erstes einen Spionageauftrag in England. Jade wirkte ein wenig verwundert: „Als ersten Auftrag, das ist wirklich ungewöhnlich.“ „Ja, ich glaube Densens hat da seine Finger mit im Spiel. Er kann mich nicht wirklich leiden und versucht so mich vielleicht loszuwerden.“ In diesem Moment kamen sie am Feld an. Nicht mehr nur Leonardo tobte am Himmel herum, sondern etwa größerer giftgrüner Drache mit blauen Punkten und orange glühenden Augen, spielte mit ihm herum. Louis war überrascht zu sehen, dass der andere Drache fast genauso schnell und wendig wie Leonardo war. Das konnte ja noch interessant werden.

Leonardo bemerkte aus den Augenwinkel wie ihm sein Reiter zuwinkte. Er flog in einer eleganten Schleife herum und setzte sanft neben Louis auf. „Hallo“, begrüßte er ihn, „und wie war dein Training?“ Louis grinste: „Ganz gut“ Die Frau neben ihm sagte ein winziges bisschen belustigt: „Vergiss nicht das ich dich besiegt habe“ Louis spielte das Spiel mit und entgegnete: „Aber nur weil du geschummelt hast. Im Kampf habe ich dich besiegt und entwaffnet.“ „Bei einem echten Duell, wärst du aber jetzt tot und ich nicht. Aber wir sind unhöflich. Leonardo, ich bin Jade Ledoux und mein Drache hier heißt Hope.“ „ Ja, ich weiß“, unterbrach er sie, „ich kenne sie schon. Wir haben uns beide eben unterhalten. Grenache hat uns eben übrigens für den restlichen Tag freigegeben. Wir können ja eventuell zusammen zum See gehen.“ Leonardo schaute sich fragend um..

Louis wechselte mit Jade einen kurzen Blick. „Ich hätte nichts dagegen. Aber ich und Louis müssen auch etwas essen. Wir gehen also gerade etwas besorgen, während ihr schon einmal zum See fliegt. Er nickte zustimmend, denn langsam bekam er wirklich Hunger. Louis hatte nämlich beim Frühstück nicht viel herunter bekommen.

Wenige Minuten später irrten die beiden durch den ziemlich unübersichtlichen Komplex des Gebäudes auf der Suche nach einem der Bediensteten. In der Nähe des Speiseraumes wurden sie fündig. Louis hielt den Mann am Arm fest und fragte: „Kannst du uns ein wenig vom Mittagessen zum Mitnehmen zusammen packen. Das wäre sehr freundlich, danke.“ Der Diener nickte: „Kein Problem, warten Sie bitte einen Moment.“ Louis fragte derweilen an Jade gerichtet: „Weißt du eigentlich, wo die Eier ausgebrütet werden? Ich habe bis jetzt noch nichts dementsprechendes gefunden.“ „Ja, das kann ich gut verstehen. Der Komplex hier ist schon oberirdisch ziemlich komplex, aber das eigentlich interessante verbirgt sich unter dem Stützpunkt. Es gibt hier riesige Höhlen und viele beinahe vergessene Stollen, die über die Jahrhunderte angelegt worden sind. Auf jeden Fall in einer der größeren Hohlräume werden die Eier aufbewahrt. Auch wenn gemunkelt wird, das das ein oder andere verschwindet.“ Louis dachte einen Moment nach. „Also können die Stollen auch benutzten werden, um in Falle eines Angriffes alle in Sicherheit zu bringen?“ „Die Möglichkeit besteht, aber wir sind hier immerhin auf einem Militärstützpunkt im Herzen des Landes. Keiner ist so verrückt uns anzugreifen.“ In diesem Moment kam der Dienstbote mit einem großen Korb voll mit Essen und einer Flasche Wein wieder. „Hier ist ihre Bestellung, mein Name ist übrigens Lucas.“ „Danke Lucas“, nickte ihm Louis freundlich zu.

Die beiden Reiter verließen das Gebäude wieder und machten sich auf den Weg zum See. Auf dem Fußweg unterhielt er sich mit Jade und erfuhr einige Dinge über sie. Sie stammte aus einer relativ rechen Botschafterfamilie und hatte das letzte Jahr in Amerika verbracht. Bis plötzlich die Sache mit dem Ei dazwischen gekommen war. Jade war eigentlich genauso wenig wie Louis für den Jungdrachen bestimmt gewesen. Hope hatte sich aber nach dem Schlüpfen für keinen der Anwesenden entschieden. Bis man ihn aus allen Teilnehmern des Botschafterteams einen Reiter auswählen ließ. Louis nickte leicht. Dies erklärte einiges. Aber da war eine Sache, die er sich nicht erklären konnte. „Warum kannst du dann so gut mit dem Degen umgehen. Diplomat ist ja eigentlich kein so gefährlicher Beruf.“ Jade errötete leichte: „Du musst wissen, dass es nicht immer nur friedliche oder verbündete Länder waren, die ich besucht habe. In einigen Ländern gab es auch Anschläge auf uns. Außerdem haben wir manchmal auch einige Schriftstücke eingesehen, die nicht für uns bestimmt waren.“ „Ihr habt also spioniert und Informationen gesammelt.“ „Ja, so kann man es ausdrücken“, bestätigte Jade seine Vermutung, „aber ich gebe die Frage gerne zurück. Warum ist ein einfacher Arzt so kampferprobt.“ Louis warf ihr einen langen prüfend Blick. Konnte er ihr vertrauten. Aber sie hatte ihm ja auch ehrlich geantwortet, also wollte er dasselbe tun. „Ich habe bis vor kurzem Aufträge von Madame Lien bekommen, die mich tief in das Land von Feinden, wie Preußen oder Russland, geführt haben. Warum denkst sind diese so einfach besiegt worden? Ich habe hunderte Dokumente zu ihrer Kriegstaktik entwendet. Ich bin zwar auch ein ziemlich guter Mediziner. Aber dieser Beruf war hauptsächlich Tarnung.“

Die nächsten paar Minuten dachten die beiden über das Gesagte nach. Louis schimpfte gedanklich mit sich, da er einfach so sein Geheimnis ausgeplaudert hatte. Er hätte sich irgendeine plausible Geschichte, wie Erfahrungen in einer Berufsarmee ausdenken sollen .Wenn er weiter so unvorsichtig wäre, wüsste bald jeder von seinem zweiten Beruf. Aber Jade hatte eine unglaublich starke Anziehungskraft auf ihn. Aus irgendeinem Grund konnte er ihr nur vertrauen.

Nun kam der See in Sicht und mit ihm ihre beiden Gefährten, die fröhlich im See herumtollten. Aber sie waren nicht allein dort. Mehrere andere Drachen schwammen ebenfalls im See herum und fast 30 oder 40 Menschen standen am Ufer und sahen ihnen zu oder unterhielten sich. Louis näherte sich seinem Drachen und rief: „Leonardo!“ Dieser wandte sich um und kam halb schwimmend halb fliegend wieder zum Ufer. „Hallo“, sagte er freudig und stupste seinen Reiter an, „ich muss euch unbedingt ein paar Leute vorstellen.“ Er bedeutete Jade und ihm mitzukommen und führte sie zu den anderen Menschen am See. Diese betrachteten die beiden Neuankömmlinge neugierig. Ein der Männer trat vor und streckte die Hand aus, um die beiden zu begrüßen. „Guten Tag, mein Name ist Kylian Legrand und das dort drüben ist meine kleine“, er grinste spöttisch, „Drachin Muscadelle.“ Louis schaute in die Richtung, in die er zeigte und sah eine prächtige noch ziemlich junge Grand Chevalier. „Freut mich ebenfalls“, sagte er freundlich.

Nach und nach stellten sich auch noch die anderen Kapitäne vor. Da waren Lea Bellier mit ihrem mittel-gewichtigen Sauvignon und ein schon relativ alter Mann mit einem kleine Papillon Noir namens Animus. In der nächsten Stunde unterhielten sich die vier angeregt und tauschte Erfahrungen aus, die sie bisher in Limoges gemacht hatten. Dabei erfuhr Louis auch, dass er mit diesen drei Kapitänen wahrscheinlich vorerst in einer Staffel fliegen sollte. Lea erklärte ihm, das man eine vollkommen neue Art Kampfstrategie, die Madame Lien entwickelt hatte, ausprobieren sollte.Dabei bemerkten er und Jade recht schnell, dass diese drei Flieger dem typischen Klischee entsprachen. Sie legte alle nicht viel wert auf Förmlichkeiten, sprachen aus, was sie dachten und hatten einen ansteckenden Humor, der leicht verleitete mitzumachen. Trotz allem war Louis klar, dass besonders Lea nicht dumm war. Sie erweckte zwar nicht den Anschein. Aber als er mit ihr ein Streitgespräch über Taktiken im Krieg sprach, zog er rasch den Kürzeren.

„Ab morgen beginnt dann unser Training. Weiß eigentlich schon jemand wer uns ausbildet, Maitre oder Grenache?“ „Bodenübungen macht unser menschlicher Ausbilder mit uns und den Rest der drachische.”, antwortete Louis, „wie lange seit ihr eigentlich schon hier?” “Auch noch nicht so lange. So um die zwei bis drei Wochen”, antwortet ihm Papillion ihm. „Ist das bei euch eigentlich auch so ? Mein Drache hat ziemlich ungewöhnliche Hobbys. Er spielt gerne Poker und besteht seit ich ihm es gezeigt habe täglich auf ein Spiel. Er ist richtig gut.“ Mit solchen angenehmen Themen verbrachten sie den Nachmittag. Nach einiger Zeit ging Louis zu Leonardo herüber. Dabei nahm er einige Handtücher mit und begann ihn abzurubbeln. Dabei arbeitete er besonders vorsichtig an den feinen Gesichtsfalten seines Drachen. Die anderen Reiter und ihre Mannschaften schlossen sich ihnen an und im warmen Sommer. Schwammen sie im See herum.

Es begann schon zu dämmern, als die Reiter mit ihren Drachen zum Stützpunkt zurückkehrten. Louis schlenderte langsam neben Leonardo her, da dieser noch einmal etwas essen wollte. Angekommen am Gatter blieb der Reiter stehen und betrachtete, wie sich Leonardo gierig auf ein Huhn stürzte. Diesmal sah es wirklich eleganter aus und Leonardo schaffte es sich nicht wieder mit Blut und Innereien vollzuspritzen. Louis studierte eingehend, wie sich die Muskeln unter der Haut seines Drachen verschoben. Für sein Gewicht waren sie wirklich ausgeprägt. „Sollen wir zurückkehren?“, sprach ihn Leonardo unvermittelt an. „Ja gerne, der Tag war anstrengend und ich bin wirklich müde.“ Auf dem Weg durch die Gänge zu seiner Unterkunft lief ihnen plötzlich Jade mit Hope im Schlepptau entgegen. Als die Drachin Leonardo erblickte hüpfte sie direkt zu Leonardo, um ihn aufgeregt zu begrüßen. Leise seufzend wandte sich Jade an ihn: „Diese Kleinen haben wirklich zu viel Energie. Hope scheucht mich den halben Tag herum und es sieht nicht so aus, als wäre sie irgendwie erschöpft.“ Louis brauchte einen Moment, um ihre Worte zu begreifen. Wie immer hatte ihn ihre Anwesenheit aus der Bahn geworfen, Bei ohne nachzudenken fragte er: „Wollen Sie nicht mit mir und Leonardo auf mein Zimmer kommen. Unsere Drachen können sich dann mit einer Partie Schach abreagieren und Sie können eventuell ein Glas Rotwein mit mir trinken.“ In Gedanken verfluchte er sich. Wie sollt das denn für ihn aussehen. Zu seinem Erstaunen lächelte sie aber und stimmte zu.

Leonardo war sich derweilen aufgeregt mit Hope am unterhalten. „Und wie war dein Training heute?“ „Eigentlich ganz gut, aber ich hasse dieses nervige Ausdauerfliegen.“ Er nickte zustimmend: „Ja,aber da müssen wir eben durch. Es gibt ja auch so etwas wie die Geschicklichkeits und Schnelligkeitsübungen. Du spielst doch gerne Schach, oder?“,, warf er plötzlich in die Diskussion ein. „Ja. Warum fragst du?“ „Wir können ja gleich eine Partie spielen.“, schlug er begeistert vor. „Ja, würde sicherlich Spaß machen. Nach einem Tag, wo es man sich nur anstrengen musste ist eine Partie zum Entspannen und Nachdenken genau das Richtige.“

In diesem Moment erreichte die kleine Gruppe die Zimmertür von Leonardos und Louis zu Hause. Der Reiter schloss auf und ließ die beiden Drachen und Jade in den Raum treten. Mittlerweile war dieser nicht mehr ganz so karg eingerichtet, die Bücherregale waren besser gefüllt und eine schöne Lampe erhellte das Zimmer.

Louis bot Jade einen Platz in einem der Sessel an und holte eine Flasche Wein und zwei Gläser. Eines gab er an Hopes Gefährtin weiter und schenkte ihnen jeweils ein Glas voll ein. Jade betrachte derweilen teils amüsiert teils neugierig wie Hope die Büchersammlung Leonardos bestaunte. Sie würde ihr wahrscheinlich die gesamte nächste Zeit in den Ohren liegen, weil sie auch neue wollte.

„Könnt ihr vielleicht rüber kommen? Wir würden gerne eine Partie Schach spielen und ihr müsst für uns die Figuren bewegen. Louis warf Jade einen fragenden Blick zu. Diese nickte und sie setzen sich mit ihren Weingläsern zu den beiden Drachen an den kleineren Tisch. Leonardo hatte in dieser Zeit schon das Spiel an den Tisch herangeschleppt. Louis baute schnell die Figuren auf und wandte sich wieder den anderen drei zu.

Die beiden Drachen setzten sich jeweils gegenüber, was ziemlich lustig aussah, da sie eigentlich für so eine Körperstellung anatomisch nicht ausgelegt waren. Louis und Jade nahmen wieder ihren Gesprächsfaden auf und wurden nur ab und zu von den Zwischenrufe für Züge der beiden Drachen unterbrochen. Er erfuhr auch noch einiges über sie. Jade wurde anscheinend von ihrem Vater schon sehr früh in allen möglichen Gebieten ausgebildet und hatte dadurch ein ziemlich breitgefächertes Wissen. Da Louis sich in seinem Leben eigentlich immer für alle möglichen Sachen interessiert hatte, waren beide gleichwertige Gesprächspartner.

Später am Abend als Leonardo und Hope ihr Spiel beendet hatten und jetzt friedlich auf einer Decke schleifen, sprachen Louis und Jade immer noch. Er erinnerte sich kaum an einen Menschen mit dem er so problemlos stundenlang ohne Langeweile unterhalten konnte. „Es ist spät. Willst du zurück in deine Zimmer oder bei mir schlafen?“, Louis errötet bei diesem etwas zweideutigem Angebot und sagte rasch: „Ich übernachte dann auf der Couch und du bekommst mein Bett.“ „Ja, ich würde gerne hier bleiben. Ich bin so müde, ich kann keinen Schritt mehr vor den anderen setzten.“ Jade verschwand kurz darauf im Bad und Louis machte es sich auf der Couch bequem. Das war wirklich ein angenehmer Abend gewesen. Bevor er noch an irgendetwas anders denken konnte, war er auch schon eingeschlafen.

SIMON

leonardo/kapitel_6.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)