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Ankunft in Limoges

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

Als Leonardo und Louis endlich am Flugfeld angekommen waren, wurden sie schon ungeduldig erwartet. Wegen dem Vorfall auf dem Hinweg hatten sich die Beiden fast, ziemlich verspätet. Schon von weitem sah man den schwergewichtigen Chanson de Guerre. Mit seiner auffälligen orange gelben Farbe konnte man ihm im frühen Morgenlicht fast nicht übersehen. Vor seiner imposanten Gestalten, stand eine im Vergleich winzig kleine Person, die ihnen entgegen geeilt kam. „Warum kommen Sie erst jetzt wir haben Sie schon um 8 Uhr erwarten. Es ist jetzt schon fast 9, obwohl es ihnen ausdrücklich mitgeteilt wurde, dass Sie pünktlich erscheinen sollen.“ Louis verhielt sich ruhig und ließ sich nicht vom groben Ton des Drachenreiters verunsichern. Er deutete eine höfliche Verbeugung an und sagte in freundlichem Tonfall zu ihm: „Bonjour monsieur! Mir tut es natürlich sehr Leid zu spät zu kommen. Aber ich kann natürlich erklären, warum wir so spät sind. Wie wurden auf dem Hinweg angefallen und mein Drache hat den Angreifer, so außer Gefecht gesetzt, dass wir ihn zuerst verarzten und dann in ein Hospital bringen mussten.“ „Wie hat der Winzling es denn geschafft einen Mann kampfunfähig zu machen?“, fragte der Offizier offensichtlich erstaunt. Louis schaute seinen Drachen stolz an und gab ihm eine Wink, die Geschichte selber zu erzählen. „Als ich den Mann gebissen haben, wurde offensichtlich ein betäubendes Gift in seinen Blutkreislauf gebracht, dass ihn außer Gefecht gesetzt hat.“ „Ah das erklärt einiges und wir werden diese besondere Fähigkeit sicher in ihrem Training berücksichtigen. Aber zuerst-einmal entschuldige ich mich für die unfreundliche Begrüßung. Mein Name ist Enzo Chevalier und das hier“, er deutete auf seinen Drachen, „ist mein Gefährte Merlot. Ich denke Sie sind Louis Salubre und der chinesische Drache Leonardo.“ Louis nickte zustimmend und nahm sich einen Moment Zeit, um den Mann vor sich anzusehen. Er war von etwas kleinere Gestalt, aber er besaß breite Schultern und man sah ihm an, dass es besser war sich nicht mit ihm anzulegen. Mit seiner braun gebrannten Haut und den für Flieger typischem Ledermantel, sah er exakt so aus wie man sich einen Drachenreiter vorstellte. In seinen fast schwarzen Augen konnte man eine gewisse Strenge, aber auch Humor heraus funkeln sehen. Chevalier hielt seinem prüfenden Blick ohne zu blinzeln stand und wedelte dann ungeduldig mit seinen Händen. „Genug Zeit vertrödelt. Wir müssen los, wenn wir bis heute Abend in Limoges ankommen wollen. Merlot wärst du bitte so lieb“, fügte er an seinen Drachen gewandt hinzu. Dieser streckte eine seiner Klauen auf und hob seinen Kapitän vorsichtig in die Kule zwischen seinen Schultern. Als nächstes kam Louis an die Reihe. Er musst sich ziemlich zusammenreißen, um nicht panisch davonzulaufen, als sich die riesigen Krallen um ihn herum wie ein Gitterkäfig schlossen. Ihm war jederzeit bewusst, dass dieser Drache ihn jederzeit ohne größeren Kraftaufwand wie ein lästiges Insekt zerquetschen konnte. Im nächsten Moment war es vorüber und er saß sicher auf der geschuppten Haut des Riesen. Er blickte sich vorsichtig um. Louis war nun gut zehn Meter über dem Standpunkt, wo bis vor wenigen Momenten gestanden hatte. „Ziemlich beeindrucken, oder?“, fragte ihn Chevalier mit glänzenden Augen. Louis nickte nur stumm. Die letzten Eindrücke waren so beeindruckend gewesen, dass es ihm die Sprache verschlagen hatte. Er war bisher immer nur auf dem Pferd, zu Fuß oder manchmal mit dem Schiff unterwegs gewesen. In diesem Moment kam Leonardo an geflattert. Er ließ sich neben ihnen nieder und betrachtete seine Umgebung ebenso aufmerksam und interessiert, nur ohne die Spur Angst, wie sein Reiter zuvor. „Wir starten jetzt.“, teilte ihnen Chevalier mit.

Leonardo betrachtete aufgeregt, wie sich die mächtigen Muskeln unter den orangen Schuppengeflecht anspannten, um dann den Drachen mit einem einzigen Satz in die Luft katapultierten. Er fragte sich nur, wie das physikalisch möglich sein sollte. Merlot war eigentlich viel zu schwer, um mit solch einem Satz direkt mehrere Meter in die Luft zu kommen. Seine Gedanken wurden unterbrochen, als der Drache wild mit den Flügeln zu schlagen begann und erhob sich über die Dächer von Paris, die im hellen Morgenlicht hell erstrahlten. Sie überflogen die Kirche Notre Dame , um dann in die äußeren Stadtgebiete vorzustoßen. Nach und nach wurden die Gebäude immer schlichter, um sich nach einer guten halben Stunde zu lichten und dann bis auf ein paar vereinzelte Bauernhöfe ganz zu verschwinden. Leonardo fühlte sich absolut wohl und genoss den gemächlichen Flug. Was würde ihn wohl in Limoges erwarten? Durch die Bücher, die er über Drachenrassen gelesen hatte, wusste er, dass er im Vergleich zu anderen Drachen winzig sein musste. Würde man ihn so überhaupt ernst oder würde er von seinen Artgenossen geschnitten? Er schüttelte die düsteren Gedanken ab. Und wenn schon. Leonardo würde sich schon den Respekt verdienen, denn er hat einige Geheimwaffen, die er zu seinem Nutzen ausspielen konnte. „Sollen wir noch etwas lesen?“ fragte Louis ihn von der Seite her. Leonardo überlegte einen Moment, sagte dann aber freudig zu. „Auf was hast du Lust? Tausend und eine Nacht? Oder eher etwas wissenschaftlicheres wie die Principia Mathematika?“ „Lieber den Geschichtsband sagte der Drache, wonach Louis aus seinem Gepäck das Buch kramte, um es aufzuschlagen und bis zur zu letzt gelesenen Seite zurück zu blättern. Er begann mit leiser Stimme vorzulesen und Leonardo ließ sich von der so vertrauten Stimme und dem beruhigend gleichmäßigen Flügelschlägen des großen Drachen in den Schlaf wiegen.

Chevalier betrachtete die Beiden. Reiter und Drachen pflegten zwar oft eine enge Beziehung, aber selten sah man so eine große Hingabe zueinander wie bei diesem Paar. Man merkte schon nach kurzer Zeit wie viel sie sich gegenseitig bedeuteten und wie beide fast die Gedanken des anderen zu lesen schienen. Er wusste zwar nur bruchstückhaft, was sie für eine Aufgabe erledigen werden müssten. Aber nach allem was er mit angehört und sich zusammengereimt hatte würde man sie nach England schicken, um in den engsten Kreisen von der Drachen Rebbelin und Anführerin Perscitia zu wandeln. Und das konnte verdammt gefährlich werden, denn diese Drachin war verdammt gerissen und hatte bisher in jeder politischen Situation als überlegen erwiesen. Leonardo und Salubre würden ihr gesamtes Geschick aufbieten müssen, um heil aus dem britischen Empire wieder herauszukommen.

Nach einigen Stunden begann sich die Wolkendecke zu lichten und Merlot ging in einen leichten Sinkflug über. Plötzlich erstrahlte ein Licht, wie von einer Gaslaterne auf und nachdem weitere aufgeflammt waren, bildete sich ein Landeplatz aus dem undurchdringlichem Nebel, der vor kurzer Zeit aufgezogen war. Der Flug war ab diesem Zeitpunkt zu einer wahren Qual geworden, denn die feinen Wassertröpfchen krochen langsam unter Haut und Schuppen und man konnte fühlen, wie man langsam durchweichte. Merlot setzte mit einem mächtigen Ruck auf und die Passagiere wurden alle kräftig durchgeschüttelt. Wäre Louis nicht festgeschnallt gewesen, hätte ihn der Ruck beinahe vom Drachen geworfen. Neben ihm flatterte Leonardo von Merlot herunter und wartete ungeduldig darauf, dass sein Gefährte und Chevalier endlich nachkamen. Diese waren gerade dabei sich zu strecken, um den seifen Muskeln wenigstens ein bisschen Linderung zu verschaffen. Einige Sekunden später waren sie schon dabei herunter zu klettern, Warum konnten Menschen nicht auch fliegen? Das war doch viel einfacher, als immer auf zwei Beinen herum zu staksen. Endlich kamen die beiden Reiter neben ihm zu stehen. „Macht doch endlich mal weiter“, forderte Merlot die drei auf. „Ich will zu den warmen Steinen und mich ein wenig aufwärmen.“ „Hört sich gut an“, bekam er Unterstützung von Leonardo. Die Gruppe näherte sich dem Gebäudekomplex, der nach und nach aus dem Nebel auftauchte. Leonardo sah ein großes Hauptgebäude, wahrscheinlich der Verwaltungsbereich, an den sich viele kleinere Häuser anschlossen, die für die Dienstboten, Angestellten und als Unterkünfte für die Offiziere. Im Eingasbereich der Anlage flammte Licht auf und zwei Personen warteten darauf, dass sie zu ihnen kamen. Beim Herangehen betrachtete Leonardo die beiden. Einer von ihnen war nur ein Dienstbote, denn er hielt eine Laterne in der Hand, trug einfache Leinenkleidung und ging in leicht gebückter unterwürfiger Haltung, Der andere bekleidete offensichtlich einen höheren Rang, denn er stand selbstbewusst dar, wippte ungeduldig auf den blank polierten Lederschuhen und seine edle Kleidung war mit Rang- und Ehrenabzeichen übersät. Louis ging bis zur Tür vor, um zu salutieren und sich vorzustellen. Für ihn war klar wer hier der Ranghöhere war, er musste die nächsten Monate hier verbringen, weshalb es unklug gewesen wäre es sich mit ihm zu verscherzen. Der Offizier trat einen Schritt vor, um dem Arzt die Hand zu geben. Dabei betrachtete er ihn mit einem abschätzenden Blick. Louis kam es aus irgendeinem als würde der andere ihn nicht leiden können. „Ah, wen haben wir den da. Unseren verehrten Stadtarzt Salubre und dessen chinesischer Drache. Was für ein prächtiges Paar“, schnarrte der Mann offensichtlich ironisch. Louis ignorierte dies geflissentlich. „Da Sie meinen Namen offensichtlich schon kennen, hätte sie vielleicht auch die Freundlichkeit mir zu verraten, wie der Ihre lautet?“, Die Augen des Mannes verengten sich ein winziges bisschen. „Noah Desens, Admiral dieser Ausbildungsanlage und Leiter sämtlicher von hier aus gestarteten Unternehmen.“ In diesem Moment trat Chevalier vor, um Desens auch zu begrüßen. „Morgen Sir, wo können unsere Drachen schlafen. Wieder der Platz vom letzten Mal?“ „Ja ja, bei Ihnen schon, Salubre muss in Unterkunft B10. Sein Drachen kann Ihrem folgen.“ Mittlerweile war Louis richtig wütend. Der Admiral behandelte ihn, als wäre er nicht anwesend und wollte ihn nun auch noch zu allem Überfluss von seinem Drachen trennen. Er trat einen Schritt vor, holte einmal ´tief Luft, um diesem eingebildeten Idioten einmal gehörig die Meinung zu sagen. Er wollte gerade den Mund aufmachen als sich Chevalier einschaltete: „Lassen Sie den Drachen besser mit seinem Kapitän gehen.“ Warum sollte ich?“, schnappte Desens. „mein Drache schläft lieber allein und ich möchte nicht, dass er die ganze Nacht querlegt, dass er nicht einschlafen kann.“ Dabei zwinkerte er heimlich seinem Drachen zu. Dieser spielte das Spiel mit. „Und das behauptet derjenige, der nach jedem Kampf erst einmal zum mir kommen muss, um sich auszuheueln.“ Die beiden begannen einen lautstarken Streit bis Desens entnervt mit den Augen rollte und verschwand ohne etwas gegen den Vorschlag zu sagen. Sobald er weg war, hörten die beiden schlagartig auf und wandten sich grinsend, soweit man das bei einem 30t Drachen feststellen konnte wieder zu ihnen um. „Ah hat mal wieder gut getan so ein kleiner Streit“, sagte Chevalier und klopfte Merlot auf die Flanke. „Machen Sie nicht so ein verwundertes Gesicht. Die meisten Flieger können den Admiral nicht leiden. Er wurde weil er eine Schlacht verloren hat, hierhin versetzt und hat eigentlich keine Ahnung. Sie haben mit Leonardo, ohne es zu wollen einen Sprung auf der Karriereleiter gemacht. Es erinnert ihn daran, wie viel Glück man haben kann, denn er hat es sich erfolgreich eingeredet, dass er einfach schreckliches Pech bei der Schlacht hatte. Er kommt nicht einmal auf die Idee, dass es an seiner unglaublichen Selbstüberschätzung gelegen haben könnte.“ Merlot schnaufte verächtlich: „Als er hier ankam, wollte er zuerst durchsetzen, dass hier Taktiken von der Arme benutzt werden. Er hat es erst aufgegeben, als sich ausnahmslos alle Offiziere und Drachen quergestellt haben.“ Louis lächelte ihnen freundlich zu: „Ja ich hab von diesem Mann auch schon gelesen. Wegen ihm haben wir ja die Schlacht in England verloren. Ich wusste aber nicht, dass er hierher versetzt wurde.“ Leonardo, der sich mittlerweile auf dem Boden zusammengerollt hatte, fragte: „An wen kann man sich den wenden, wenn man wirklich Probleme hat?“ Merlot schnaubte: „Um so was kümmert sich normalerweise unser Ausbilder Grenache. Bevor Densens kam, hatte er auch noch die Führung, aber dies sahen die Generäle, die Napoleon unterstützen, gar nicht gern und wir haben diesen Idioten vor die Nase gesetzt bekommen.“ Louis nickte leicht: „Vielen Dank für die Informationen. Ich denke sie haben mir einigen Stoff zum nachdenken gegeben. Aber erst mal werden wir unser Quartier beziehen, denn Leonardo ist müde und ehrlich gesagt ich auch.“ „Kein Problem“, sagte Enzo, „ich denke ich sollte Merlot jetzt auch mal ins Bettchen bringen.“ Er grinste, Merlot schnaubte empört und schubste ihn so hart an, dass er stolperte und zu Boden fiel. Louis lachte leise und verschwand mit den müden Leonardo im Schlepptau durch das Eingangsportal.Hinter diesem befand sich ein großer Raum, wo eine Art Rezeption, die um die Uhrzeit unbesetzt war , sich befand. Auch befand sich hier ein Treppenhaus, von dem jeweils ein Weg in die Keller und ein Weg zu den Unterkünften befand. Zumindest stand dies auf den Schildern, die an der Trepper angebracht waren. Der Reiter nahm letzteren und kam in einen Gang von dem mehrere Türen abzweigten, die mit Nummern und Buchstaben bezeichnet waren. Zu einer von ihnen steuerte Louis, die mit der Bezeichnung B10, diejenige war, die ihm und Leonardo von Densens zugeteilt worden war. Er öffnete Sie und zog den innen steckenden Schlüssel ab. Der Raum war relativ karg eingerichtet. Es gab jedoch einen Schönen Lehnstuhl und ein Regal, indem sie neue Bücher verstauen konnten. Leonardos Lieblingsbücher befanden sich jedoch in einem einfachen mit Wachstuch ausgeschlagenem Karton. Er hütete die Principia Mathematika, ein Schachbuch, mehrere Romane und eine Originalversion, der Brüder Grimm, wie ein Schatz. Sobald er morgen aufwachen würde, wäre seine erste Handlung zu Merlot zu eilen und ihn solange zu nerven bis er sie von seinem Kapitän aus dem Transportnetz holen lassen würde und ihm aushändigen. Louis nahm seine Reisetasche, holte ein paar seiner privaten Sachen heraus, legte eine gemütliche Decke auf das Bett und den Sessel , zog sich um und krabbelte kurz darauf in sein Bett. Leonardo lag schon zusammengerollt auf dem Sessel und schnarchte leise. Der Reiter spürte, wie er auch langsam weg dämmerte. Die letzten Stunden waren hoch interessant gewesen. Aber leider auch sehr anstrengend. Er würde in den nächsten Tage verdammt aufpassen müssen. Densens hatte wahrscheinlich schon geplant, wie er ihm am einfachsten schaden konnte. Aber wenn er Glück hatte und sich klug anstelle, würden ihn die anderen Flieger unterstützen, allen voran Enzo Chevalier und Merlot. Mit diesen teils beunruhigenden Gedanken schlief er ein.

SIMON

leonardo/kapitel_5.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)