User Tools

Site Tools


leonardo:kapitel_4

Ein interessanter Überfall

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

In Paris herrschte tiefe Dunkelheit. Die Stadt wurde nur von den Gaslaternen an den Bürgersteigen und den glühenden Kohlen einzelner Feuer erhellt. Ganz langsam erhellte sich der Himmel im Osten. Und mit einem Mal schob sich langsam eine glühende Scheibe über den Horizont. Ein einzelner Sonnenstrahl fiel durch ein geöffnetes Fenster einer Wohnung genau in das darin liegende Zimmer. Die Person die dort in einem Bett lag blinzelte verschlafen und drehte sich weg. Doch jetzt konnte Louis Salubre nicht mehr an Schlafen denken. Einmal aufgewacht verspürte er das dringende Bedürfnis etwas zu essen. Außerdem fiel ihm mit einem Schlag wieder ein, was heute für ein Tag war. Er musste Leonardo dem Luftkorps vorstellen, die dann einen Trainingsplan für die nächsten paar Monate ausstellen würden. Dafür musste er zuerst nach Limoges reisen und die dortige Ausbildungsstätte für Drachen aufsuchen. Er war gespannt, was Sie dort erwarten würden. Das Training wurde laut Gerüchten von einem ehemaligen Offizier der französischen Armee geleitet. Ihm zur Seite stand ein unangeschirrter Drache. Dessen Reiter war gestorben und das Tier weigerte sich einen neuen Kapitän anzunehmen. Louis räkelte sich, schlug die Bettdecke zur Seite und begann sich fertig zu machen. Dabei betrachtete er mit einem liebevollen Lächeln Leonardo, der zusammengerollt in einem Sessel lag. In der letzten Woche hatte sich sein Gewicht fast verdoppelt und auch seine Flügel waren nun voll entwickelt. Insgesamt war diese Zeit sowieso sehr erfreulich gewesen. Er hatte den Drachen noch am selben Abend nach dem Anschirren zu sich nach Hause gebracht. Der Drache war fasziniert gewesen von den vielen Büchern, die in der Wohnung waren und sie hatten viel Zeit damit verbracht sie gemeinsam zu lesen. Louis kannte sie zwar alle schon, aber es war viel interessanter sie zusammen durchzuarbeiten. Durch das Wissen das Leonardo in China gesammelt hatte, sah er einige Verfahren und Überzeugungen in Europa sehr mit Skepsis entgegen. An einem Abend kamen Sie zu den Rechten von Drachen in Frankreich zu sprechen. „Mir ist aufgefallen, das in den Geschichtsbücher über Frankreich nur selten Drachen erwähnt werden. Woran liegt das?“, fragte Leonardo. Louis lächelte belustigt: „Erstens, die Bücher wurden allesamt von Menschen geschrieben, da dies für Drachen eher schwerer ist. Und zweitens weil die Drachen bis vor kurzem noch keinerlei Rechte hatten.“ Leonardo schaute ich verblüfft an: „Warum das denn? Das ist doch vollkommen unlogisch. Wir besitzen die gleiche Intelligenz wie Menschen, warum sollten wir nicht auch den gleichen Stand in der Gesellschaft haben?“ „Bevor Madame Lien aus China zu uns kam, um Asyl zu ersuchen, hatten die meisten Bürger keine Hohe Meinung vom Fliegerkorps allgemein. Außerdem wussten die meisten Menschen nicht, dass Drachen intelligent sind und fürchteten sie wegen ihrer gigantischen Größe. Aufgrund der Treue der Tiere zu ihren Kapitänen stellte sich keiner der Drachen aktiv gegen die Regierung und versuchte den Zustand zu ändern. Da diese auch nur im Militär eingebunden waren, konnten die wenigen anders denkenden Drachen leicht in Zuchtgehege gesperrt und so mundtot gemacht werden. Lien überzeugte jedoch den Kaiser, welche immensen Vorteile es hat, wenn die Drachen in die Gesellschaft eingegliedert werden. Sie sind motivierter und der Staat hat einen großen Gewinn sowohl im militärischen wie auch im zivilen Bereich. Außerdem steigt dadurch die Anzahl und Loyalität der Drachen deutlich an.“ Leonardo dachte einen Moment nach. Er fand es erschreckend, dass die Drachen sich in Europa Jahrhunderte lang unterdrücken lassen hatten, ohne sich jemals dagegen zu wehren. Wie war wohl die Situation in anderen Ländern der Welt? „Wie sieht es aus in England?“, wollte der Drache wissen. „Wir wissen leider nicht viel über die Situation im Britisch Empire, aber aus den letzten öffentlichen Mitteilungen weiß ich, dass dort die gleiche Entwicklung wie hier von statten geht. Zwar in einem früheren Stadium, aber die Drachen bekommen immerhin schon eine Bezahlung für ihren Dienst.“ „Was war bei ihnen der Auslöser?“ „Ein Tier namens Temeraire hat während der Zeit, wo wir England besetzt hielt eine Gruppe unangeschirrter Drachen gegen Napoleon ins Feld geführt. Mit dieser als Druckmittel konnte einen wichtigen Feldherr, der jetzt in den Adelstand gehoben wurde, überzeugen die Bedingungen zu verbessern. Seitdem Temeraire in Australien ist, führt die Freiheitsbewegung der Drachen, ein überaus kluges Tier namens Perscitia an.“ Leonardo war ehrlich überrascht. Soweit er wusste waren dies alles Informationen, die nicht jeder kannte. England wollte sicher nicht das solche Dinge, die Das Empire schwach erscheinen ließ, denn es war immerhin so, dass die Admiralität sich von den Drachen erpressen ließ, nach außen drangen. Woher wusste also Salubre, der nur ein einfacher Arzt war, solche wichtigen Dinge? Nachdem er ihn darauf angesprochen hatte, schaute dieser ihn leicht nervös an. Er verwünschte sich dafür, dass er sich verplappert hatte. Wie konnte ihm das nur passieren. Bisher wusste es ja auch sonst keiner. Er vermutete einfach, dass Leonardo ihm in den letzten Tagen so vertraut geworden war, dass er bei ihm nicht an Geheimhaltung dachte, sondern einfach er selbst war. Er schaute Leonardo ernst in die dunkelblauen Augen: „Das, was ich dir jetzt anvertrauen werde, darf nicht an die Ohren außenstehender dringen. Es ist ein großes Geheimnis und wenn es an den Feind oder die breite Öffentlichkeit dringen würde, hätte Frankreich einen großen Schaden. Schwörst du mir also nicht davon weiterzuerzählen?“ Der Drache fühlte sich ein winziges bisschen unwohl. Natürlich würde er dieses Versprechen am Ende des Jahres brechen müssen, aber er brauchte jede erdenkliche Information für seinen Auftrag. Leonardo nickte also: „Ich verspreche keiner Menschenseele etwas davon zu sagen.“ Louis lächelte zufrieden: „Die Wahrheit ist, dass ich schon seit einigen Jahren Spionage Arbeit für Madame Lien in England leiste. Daher weiß ich auch all diese Dinge, da mir alle wichtigen Geschehnisse mitgeteilt werden.“ Der Drache schaute überrascht und überlegte sich, wie nützlich dieser Umstand werden könnte. So bekam er sowohl Informationen aus Frankreich und England. Er wusste dabei nicht, wie Recht er damit hatte.

Nachdem sich Louis fertig gemacht hatte, ging er zuerst in den angrenzenden Raum, um sich ein Frühstück zu machen. Aus dem Vorratsschrank, der direkt an die Küche angrenzte holte er sich einen Laib Brot und etwas Butter. Von dem Gebäck schnitt er einige Scheiben, um sie dann mit Marmelade beschmiert auf einen Teller zu legen. Leonardo war ihm indessen in den Raum gefolgt und betrachtete dies alles fasziniert. Er war immer wieder erstaunt und wie oft und wie aufwendig Menschen essen mussten. Hatte er Hunger verspeiste der Drache einfach nur ein Huhn. Louis setzte sich derweilen an den Tisch und begann zu essen. „Heute beginnt ja unsere Ausbildung und Vorstellung in Limoges. Wir reisen auf einem Drachen der extra für dich abkommandiert wurde.“, berichtete er dem Drachen. „Was musst du eigentlich machen, deine Spionageausbildung hat doch eigentlich schon alles Wichtige enthalten?“ „Naja, ich weiß auch noch nicht alles. Ich denke ich muss den Kampf in der Luft üben, bekomme Unterweisungen in geheimen Flaggen-Codes und lerne das Zielen mit einer Schusswaffe bei extremen Bedienungen. Außerdem wird man sich sicher sehr bemühen, dass wir perfekt zusammen arbeiten. Auch wichtig wird sein, dass ich intensivere Nähkampfausbildungen erfahre, da wenn jemand uns entert, ich niemanden habe, der mich verteidigen könnte.“ Nachdem Louis das gerade heiß gemachte Wasser von seinem Herd genommen hatte; löste er darin etwas Schokolade auf. Er würde dies bei der Ausbildung wirklich vermissen. Eigentlich hatte er keine richtigen Schwächen, aber wenn es um Kakao ging, war er auch bereit mal etwas mehr auszugeben. Die meisten anderen die er kannte, tranken Kaffee, aber er fand dieses bittere Zeug einfach nur widerlich. Salubre schaute auf und bemerkte, dass ihnen nur noch wenig Zeit blieb, bis sie zum öffentlichen Landeplatz für mittelgroße bis sehr große Drachen gehen musste. Diese Orte waren in Paris errichtet worden, damit auch die schwergewichtigen Chanson de Guerre problemlos landen konnten, zudem wurden momentan auch die Hauptstraßen so verbreitet, dass die Drachen wie in China dort hindurch gehen konnten. Er begann seine Sache einzupacken. Viel besaß er eigentlich nicht: Drei Sätze seiner schwarzen Kleidung. Ein altes Schachspiel an dem Leonardo großen Gefallen gefunden hatte. Sie saßen sich oft spätabends gegenüber und spielten gegeneinander. Nachdem der Drache erst einmal die Regeln verstanden hatte, stellte sich bald heraus, dass er ein exzellenter Spieler war. Die perfekte Mischung aus schlagfertigem Taktiker und weitsichtigem Strategen. Dank seiner geringen Größe hatte er auch keine Probleme die Figuren mit seinen Klauen zu umfassen und zu bewegen. Als alles erledigt war machte sich mit Leonardo zusammen auf den Weg zum Flugplatz. Louis schloss ab und betrachtete noch einmal wehmütig das Haus. Es stand für ihn als einen Zeichen für einen Lebensabschnitt, den er jetzt gleichermaßen hinter sich ließ. Wenige Minuten später näherten sich der Drache und der Mensch dem Flugfeld. Es lag in einem der weniger bekannten Viertel Paris und dementsprechenden war die hier ansässige Bevölkerung viel ärmlicher. Der ein oder andere Bettler saß herum. Für Leonardo war dies alles sehr erschreckend. Er hatte bisher immer nur die Sonnenseiten von Paris gesehen und war nicht auf ein solches Elend vorbereitet. Er ließ den Kopf hin und her schwenken und betrachtete die heruntergekommenen Gestalten. Plötzlich stürzte sich ein Mann aus einer Häusernische heraus auf Louis. Dieser wurde zu Boden geworfen und landet unsanft auf dem harten Boden. Durch das Gewicht des Mannes wurde ihm die gesamte Luft aus der Lunge gepresst und er rang keuchend nach Atem. Gleichzeitig jagte ein brennender Schmerz seinen Seite hinauf. Schwarze Flecken tauchten vor seinen Augen auf und er musste darum kämpfen nicht das Bewusstsein zu verlieren. Er versuchte verzweifelt den Angreifer von sich zu stoßen, aber der Mann war einfach stärker. Der Angreifer hat derweilen ein Messer gezückt und machte Anstalten auf Louis einzustechen. In diesem Moment griff Leonardo in das Geschehen ein, er rannte auf den Mann zu, packte seinen Arm und verbiss sich in ihm. Der Mann jaulte auf, ließ das Messer fallen und versuchte den Drachen abzuschütteln. In seinem Delirium dachte er nicht daran, dass er die Wunden so nur weiter aufriss. Leonardo spürte, wie seine Zähne in das Fleisch des Mannes eindrangen. Langsam schnitt sie sich durch Gewebe, Muskeln und Sehen, als wären sie aus weichem Wachs. Plötzlich begann der Mann den Arm wild um herzu zu schwingen. Leonardo spürte wie er den Halt verlor und durch die Luft gewirbelt wurde. Natürlich ließ er nicht los, sondern verbiss sich nur noch fester in dem Arm des Mannes. Auf einmal spürte er wie eine Flüssigkeit aus seinen Zähnen in die Wunde des Mannes träufelte und sich dort verteilte. Was zum Teufel war das?

Nachdem Louis sich mit schmerzenden Rippen aufgerappelt hatte, sah er erstaunt dabei zu, wie die Bewegungen des Mannes langsam schleppender wurden. Weshalb sollt dieser Verrückte aufhören sich zu wehren? Verwundert beobachtete, wie dieser stehen blieb und dann ohne ein Geräusch in sich zusammensackte. Leonardo hatte indes wieder einen sicheren Stand bekommen und betrachtete den Angreifer interessiert. „Ist der jetzt tot?“, fragte er und sah bei der Vorstellung nicht im mindesten bekümmert aus. Louis näherte sich dem niedergestreckten und fühlte seien Puls. Ruhig und gleichmäßig. Der Mann wirkte so als würde er schlafen. Er wollte sich gerade die Wunde am Arm anschauen, als ihm auffiel das diese überhaupt nicht mehr blutete, sondern im Gegenteil schon Anzeichen einer ersten Schorfbildung zeigte. Es gab eigentlich nur eine Erklärung für die Bewusstlosigkeit und das schnelle Verschließen der Wunde. „Leonardo ist dir irgendetwas seltsames aufgefallen, als du diesen Mann gebissen hast?“ Dieser schaute schuldbewusst drein und sah auf den Boden. „Ich war so wütend, weil er dir wehgetan hat und da wollte ich nur, dass er endlich Ruhe gibt. Da kam ganz plötzlich irgend so eine komische Flüssigkeit aus meinen Zähnen.“ Louis betrachtete fasziniert den am Boden liegenden. Diese neu Fertigkeit könnte noch von großer Nützlichkeit, sowohl im Kampf, wie auch bei Verletzungen sein. Ein betäubendes Gift, dass zusätzlich auch die Wundheilung beschleunigte.

SIMON

leonardo/kapitel_4.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)