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leonardo:kapitel_3

Louis Salubre

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

Louis Salubre schaute überrascht auf. Er war völlig in seinen Aufzeichnungen versunken gewesen. Er hatte eine Zeichnung von dem Drachen angefertigt, mit exakten Größenangaben. Das Tier war geradezu winzig und hatte nur eine Länge von ungefähr einen Fuß. Ansonsten war er aber komplett entwickelt mit dem für chinesische Drachen typischen 6 Flügelkrallen. Wenn man ihn aus der Ferne betrachtete fiel einem sofort die ungewöhnliche Färbung des Drachen auf. Ein sehr protzig wirkendes Gelb Gold in dem immer wieder unregelmäßige bunte Zacken auftauchten. In der Sonne des frühen Morgens glänzte und funkelte der Drache und man konnte kaum seinen Blick abwenden. Blickte man ihm in die Augen waren diese auch sehr ungewöhnlich. Eine indigofarbene Iris mit kleinen nur im licht sichtbaren silbernen Sternen. Alles in allem konnte man sagen, dass der Drache äußerst schön aussah, ohne dabei seine von der Statur gegebene Eleganz zu verlieren. Auch das Verhalten des Schlüpflings war genauso ungewöhnlich wie sein Äußeres. Im Gegensatz zu anderen dachte er nämlich nicht nur ans Fressen direkt nach dem anstrengenden Akt des aus der Schale Befreiens, sondern war sogar in der Lage den Hunger zu unterdrücken. Das hatte man gut an der Reaktion auf das grobe Vorgehen von Théo Imbecile sehen können. Auch das Schlüpfen an für sich war außergewöhnlich gewesen. Der Arzt hatte noch von keinem Drachen gehört, der sein Ei regelrecht aufschnitt um es dann mit geringst möglichem Kraftaufwand auseinander zu sprengen. Die Untersuchung, der Schale würde auf jeden Fall sehr aufschlussreich werden. Bisher gab es noch keine so gut wie unbeschädigten Eier. Bei den meisten Drachen blieben von der Schale nur kleine Stücke übrig. Aus diesem Grund war völlig überrumpelt als ihn plötzlich und vollkommen unerwartet der Schlüpfling ansprach. Soweit er wusste, sprach ein neu geschlüpfter Drache nur denjenigen unaufgefordert an, den er interessant und soweit als Gefährten geeignet. Er hob den Blick und schaute direkt in die hellblau glühenden Augen des Drachen. „Dies sind Mitschriften zu ihrem Verhalten bei und nach dem Schlüpf Vorgang. Zusätzlich stehen hier auch Informationen über die Farbe und Struktur ihres Eies.“ Die beiden Flieger sahen ihn äußerst verblüfft an, keiner von ihnen hätte erwartet, dass der Drache sich dem bisher vollkommen passiven Beobachter zuwende. Louis fragte den Drachen mit ruhiger fast emotionsloser Stimme: „Deute ich ihr Verhalten richtig? Sie wollen von mir angeschirrt werden?“ Der Angesprochene nickte zustimmend. „Ja, sie können mir jetzt diese Riemen überziehen, aber beeilen Sie sich, ich habe wirklich Hunger.“ Der Arzt nahm Imbecile das Geschirr ab und wandte sich wieder, dem nun ihn erwartungsvoll anschauenden Drachen zu. „Nur noch eine Förmlichkeit. Mein Name ist …“ „Ja, ich weiß, sie sagten ihn vorhin schon mal: Louis Salubre und sie sind vom Beruf Arzt“, unterbrach ihn der Drache und brachte sich in eine Position in der man ihm einfach das Geschirr überzeihen konnte. Salubre hantierte mit den Riemen und spannte zuerst den breiten Hauptgurt entlang seines Körpers. Danach brachte er noch die kleineren Lederbänder in die richtige Stellung und zog zum Schluss die Schnallen so fest, dass das Geschirr gerade fest genug, ohne dem Drachen weh zu tun. Nun ging er zu einem Stapel Leinen an der Säule in der Nähe und riss einige Stücke ab. Mit diesen umwickelte Louis die metallenen Verschlüsse, damit sie dem Drachen nicht in die weiche Haut schnitten. Als er noch eine Kette am Geschirr befestigen wollte, schüttelte das Tier ablehnend den Kopf. „Ich möchte nicht, dass Sie mich wie jemanden der etwas verbrochen hat, festbinden. Ich verspreche, dass ich auch nicht ohne vorher zu fragen weg fliegen werde.“ Der Arzt nickte zwar etwas verwundert, respektierte aber den Wunsch seines neuen Schützlings. Imbecile mischte sich wieder ein: „Das können Sie doch unmöglich durchgehen lassen, jeder Schlüpfling muss anfangs festgebunden werden. Und dieses ungehorsame Tier auf jeden Fall!“ Salubre wandte sich betont langsam dem Flieger zu und maß ihn mit einem verachtenden Blick: „Ich denke nicht, dass dies hier nötig ist. Der Drache hat gezeigt, dass er klug genug ist, um Sie in die Schranke zu weisen. Zusätzlich gelten bei ihm die normalen Maßstäbe nicht, da er ein chinesischer Drache mit einem äußerst ungewöhnlichen Verhalten ist.“ Imbecile warf ihm einen bösen Blick aufgrund der Beleidigung zu. „Ist ja nicht mein Problem. Sie werden schon sehen, wenn Sie ihre ersten Probleme mit diesem besserwisserischen Tier bekommen. Ich hatte ja eigentlich gehofft diesen Drachen zugeteilt zu bekommen, aber jetzt bin ich froh ihn nicht am Hals zu haben. Ist ja nur ein halber, der sich zusätzlich noch für was Besseres hält.“ Mit diesen Worten wandte er sich um und verließ den Pavillon. Louis wandte sich wieder dem Drachen zu: „Kommen Sie bitte mit. Wir müssen ein paar Schritte gehen, wenn Sie etwas essen wollen.“ Dieser nickte begeistert und rannte mit den Flügeln flatternd Salubre hinterher. Der Arzt ging von dem Pavillon aus zu einem großen Platz auf dem ein großes Gerüst stand, an dem einige Arbeiter fleißig am Bauen waren. Dort gab es auch einige Stände, wo gegrillte und gewürzte Tiere auf riesigen Spießen gebraten wurden. Von diesen tropfte das Fett in die schwelenden Feuer und verbreiteten über den Platz einen überaus leckeren Duft, die den Drachen daran erinnerten, dass er einen schrecklichen Hunger verspürten. Neben dem Lagerfeuer saßen auch schon einige Botendrachen, die genussvoll an ihren Hühnern knabberten. Louis sah sich nach seinem Schützling um und betrachtete ihn wie er sich interessiert umschaute und wie sein Blick an den Ständen hängenblieb. „Was würdest du gerne haben?“, fragte er ihn. „Eins von diesen Hühner mit Kräuterkruste“, meinte der Drache deutet mit einer seiner Klauen auf das entsprechende. Der Arzt näherte sich dem Verkäufer, diskutierte kurz mit ihm und kam dann mit einer diesen Köstlichkeiten wieder. Salubre runzelte dabei seine Stirn. Die Preise waren wirklich horrenden gewesen, aber hatte glücklicherweise genug Geld dabei und auf den Konten seiner Bank lag auch ein kleines Vermögen. Er hatte bisher in seinem Leben viel verdient und davon kaum etwas selber gebrauchte und war so mühelos in der Lage, die Kosten für einen Drachen zu stemmen. Und in kurzer Zeit würde er eh Unterstützung vom französischen Luftkorps bekommen. Er war gespannt darauf, welche Aufträge er und sein Drache bekommen würden. Dieser würden zwar nie wichtig in großen Schlachten sein, aufgrund seiner geringen körperlichen Kraft, aber man merkte ihm jetzt schon seine gewaltige Intelligenz an. Wenn die Regierung nicht komplett dämlich wäre, sollte er Taktiken entwickeln oder Spionage in gegnerischen Ländern betreiben. „Ah endlich Essen“, freute sich der Drache und stürzte sich auf das gerade gekaufte Tier. Fleischfetzen flogen herum und Salubre trat lieber einen Schritt zurück, um ihm mit einer gewissen Faszination bei dabei zuzusehen. Innerhalb weniger Minuten verschwand das Huhn. Er rülpste wohlig und schaute sich dann interessiert um. „Soll ich dich vielleicht durch die Stadt führen?“, fragte Salubre. „Gerne!“, antwortete der Drache und in der nächsten Stunde wanderten die beiden einmal quer durch Paris. Während den Rundganges sagte das Tier: „Könnten Sie mir einen Gefallen tun? Ich hätte gerne einen Namen.“ Louis lächelte erfreut, er war erstaunt darüber, dass der bis jetzt sehr eigenwillige Drache solch eine gewichtige Entscheidung ihm überließ. Mehrere Minuten dachte er nach, bis ihm plötzlich der perfekte Name einfiel. „Du sollst nach einem großen florentinischen Erfinder benannt werden. Ich gebe dir den Namen Leonardo!“

SIMON

leonardo/kapitel_3.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)