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leonardo:kapitel_17

Grüße aus China

Louis wusste, dass irgendetwas nicht stimmte, als er am nächsten Morgen aufwachte und Leonardo nicht an seinem gewöhnlichen Platz. Darüber hätte er sich zwar wahrscheinlich normalerweise keine Gedanken gemacht, doch an diesem Tag, deuteten alle Spuren auf einen hastigen und gehetzten Aufbruch hin: Der Boden war aufgewühlt, die Abdrücke seiner Pranken tief ins Gras gerückt. Richtig Sorgen machte er sich allerdings erst, als eine müde Hope zu ihm geschlurft kam und fragte: „Weißt du wo Leonardo hin ist, ich hab ihn gerade eben weg fliegen gesehen und irgendwie sah er ziemlich gehetzt aus.“ Tief in Gedanken ermahnte Louis sich ruhig zu bleiben und antwortete: „Ich bin grade erst aufgewacht und hab keine Ahnung, was passiert sein könnte. Er hat auch gestern überhaupt nichts davon gesagt, dass er weg wollen würde.“ Hope nickte mit einem sehr ernsten Gesichtsausdruck: „Dann müssen wir Maitre alarmieren. Er hat die Macht hier herauszufinden, wo Leonardo ist. Irgendetwas muss seine Aufbruch ausgelöst haben. Er würde so etwas niemals ohne Grund machen. Man kann ihm zwar viel vorwerfen, aber nicht das er unbedacht handeln würde.“ Die beiden hetzten in Richtung des Hauptgebäudes davon und sammelten auf ihrem noch Jade, die aber leider genauso wenig wusste wie sie. Bis sie dann irgendeinen Angestellten gefunden hatte, der den Admiral aufwecken wollen, verstrichen für Louis weitere quälende Minuten. Konnte das nicht schneller gehen? Als sie endlich einen gefunden hatten, sprang er diesen beinahe an und jagte ihn zum Zimmer vom Maitre. Einige Minuten später kam der Admiral in einem einfachem weißen Morgengewand aus seiner Tür gestapft und sah sich ziemlich mürrisch um: „Was ist los? Der Junge, der mich eben geweckt hat, sah aus als ob er dem Teufel persönlich begegnet wäre und dieser ihn dann zu mir geschickt hat.“ „Admiral, Leonardo ist verschwunden.“ Die Augen des älteren Mannes nahmen plötzlich einen wachsamen Glanz an: „Was ist passiert. Er hat sich sicherlich nicht einfach so in Luft aufgelöst, oder?“ Louis antwortete hastig: „Nein,SIr, das ist ja genau das Problem. Man hat ihn zwar weg fliegen sehen, aber niemand weiß warum, geschweige denn wohin.“ „Warten sie bitte einen Moment“, sagte Maitre und verschwand wieder in sein Zimmer. Eine Minuten späher erschien er wieder, nur diesmal in offiziell wirkender Dienstkleidung. „Folgen sie mir bitte, meine Herren“, raschen Schrittes führte der General in einen eher abgelegen Teil des Hauptgebäudes. Er stieß eine Tür auf und winkte sie hinter sich her: „Herzlich Willkommen zur Brutstätte der Bürokratie hierin Limoges.“ Er machte eine schweifende Handbewegung: „der Verwaltungsbezirk.“ Er wandte sich an etwas müde wirkenden jungen Mann: „Mr. Overall, können sie mir bitte sagen, was für Briefe heute weitergeleitet wurden.“ Der Angesprochene überlegte einen Moment, nahm sich sogar die Zeit gemütlich einen Schluck aus seiner Kaffeetasse zu nehmen und begann dann eine schier endlose Liste herunterzuratte: „Deppchen aus Paris, der neue Dienstplan, Verwaltungspapiere zur Genehmigung Anträge für neue Dracheneimer, die jährlich Subvention:“ Maitre schnitt ihm genervt das Wort ab: „Entschuldigen sie, ich habe mich falsch ausgedrückt, alle Briefe die an Privatpersonen geschickt wurden.“ Mit gelangweilter Stimme antwortete der Mann: „Tut mir Leid, darf ich leider nicht. Sie wissen schon Briefgeheimnis und so.“ Luis sah wie Maitre tief einatmete und dann gefährlich leise erwiderte: „Sie wissen schon, wer hier vor ihnen steht oder? Ein Wort von mir genügt und sie werden aus Limoges rausgeschmissen. Also kein Kaffee mehr und keine Genehmigungen auf Anträge für Verträgen. Also rücken sie gefälligst die Listen raus. Ich weiß, dass es sie gibt ich habe extra . Mr Koobecaf angewiesen so etwas zu dokumentieren.“ Mr. Overall erbleichte sichtlich und kramte einige Sekunden auf seinem Schreibtisch und drückte dann Maitre eine Liste in die Hand. „War doch gar nicht so schwer“, grinste er und überflog rasch die Liste: „Ah wusste ich es doch sagte er triumphierend. Wenn niemand im Lager Leonardos plötzlichen Aufbruch verursacht hat, dann konnte es doch nur jemand von außen sein.“

Louis schien einen Moment, wie erstarrt, in seinem Kopf flogen die Gedanken hin und her. Er erinnerte sich an die Zeit vor Limoges, als Leonardo ihn in eine Teile des Geheimnisses seiner Herkunft eingeweiht hatte. Dann sprang sein Fokus weiter zu dem Gespräch, dass sie in England geführt hatten, wie sein Drache ihm ausgewichen war, als er vorgeschlagen hatte nach China weiterzureisen. Ihm fielen noch zahlreiche andere Gelegenheiten ein , wo Leonardo Andeutungen gemacht hatte und plötzlich machte auch der wissende Blick von Lien bei ihrem Treffen einen Sinn. Es gab einfach keine andere logische Erklärung: Leonardo war nach Europa geschickt worden, um sie auszuspionieren.

Ein kalter Klumpen der Angst bildete sich in seinem Magen. Forderten die Chinesen jetzt die Treue von Leonardo zu ihrem Land? Wie würde er wohl reagieren, wenn er vor die Wahl gestellt wurde? Wem galt seine Treue? Louis wollte wahrlich nicht in der Haut seines Freundes stecken. Und das schlimmste dabei war, dass sein Drache diese Sache alleine ausstehen musste. Er konnte ihm nicht helfen, von dieser Entscheidung würde das Gesamte Leben Leonardos abhängen. Es war ein Wendepunkt, der irgendwann kommen musste. Er hoffte und fürchtete sich vor der Entscheidung, die sein Freund treffen würde. „Ich glaub ich weiß, wo Leonardo ist.“, teilte er den anderen mit, „aber wir können nichts machen, um ihm zu helfen. Wir müssen abwarten bis er diese Angelegenheit selber geregelt hat. Maitre sah ihn skeptisch an: „Gibt es irgendetwas, dass ich wissen sollte? Irgendetwas, dass uns in Gefahr bringen könnte?“ Louis zuckte die Schultern: „Vielleicht. Aber es ist wirklich nicht meine Aufgabe Sie darüber aufzuklären. Ich bin mir sicher, dass er die richtige Entscheidung treffen wird“, fügte er noch ein wenig geheimnisvoll hinzu. Der Admiral nickte knapp: „Ich vertraue Ihnen in dieser Angelegenheit. Außerdem sind Sie beiden eh nicht mehr meine Untergebenen.“ Zurück an ihrem Lagerplatz berichtete Louis Jade und Hope von seinen Vermutungen. Jade schüttelte traurig den Kopf: „Warum müssen eigentlich alle schlimmen Dingen gleichzeitig passieren. Wir bleiben auch von nichts verschont.“

Indessen einige Kilometer vom Lager entfernt saß Leonardo auf einem Hügel und war tief in Gedanken versunken. Neben ihm lag der aus China eingetroffene Brief. Er fragte sich, warum dieser ihn eigentlich so geschockt hatte. Er wusste, dass dieser Punkt irgendwann kommen müsste. Die alles entscheidende Wahl: Pflicht oder Gewissen? Er hob einen weiteres Mal das Blattt hoch und las es zum gefühlten hundertsten Mal.

Sehr geehrter Leonardo,

oder wie Sie sich in den europäischen Gefilden selber nennen. Sicherlich erinnern Sie sich noch an den Auftrag den sie von der ehrwürdigen Lung Tien Quian erhalten haben. Dieser ist hiermit beendet. Sie bekommen die neue Verfügung nach China zurückzukehren und dort den Bericht über ihre Erlebnisse und Erkenntnisse in Europa vorzulegen. Dabei ist es Ihnen nicht erlaubt irgend wen mitzunehmen. Im Falle, dass Sie sich dieser Anweisung widersetzen sollten, wird ein offizieler Bann vom Kaiser über sie ausgesprochen und ihre Person als Verräter am Kaiser öffentlich geächtet. Überlegen Sie also gut, bei wem ihre Loyalitäten liegen. Wir wären nicht erfreut einen so fähigen, mit vielen Möglichkeiten in der Zukunft gesegneten Mitarbeiter zu verlieren.

Möge es Ihnen wohl ergehen

Kaiserliches Außenministerium

Er verharrte einige Sekunden in dieser Position, eigentlich war seine Entscheidung doch sowieso klar. Er würde niemals seine Freunde verraten können. Sie hatten soviel zusammen er- und überlebt. Vor langer Zeit, als sie noch nicht einmal in Limoges gewesen waren, hatte er bereits seine Entscheidung getroffen. Louis hatte ihn ohne jeden Hintergedanken bei sich aufgenommen und wen Leonardo ehrlich war, dann hatten sie die meisten Probleme auch wegen ihm bekommen. Kein Imbecile, wenn Louis sich nicht seiner angenommen hätte, keine Ausbildung, kein Densens, wenn sie nicht wegen ihm nach Limoges gekommen wären.

Entschlossen zerriss er den Brief in hunderte winzige Fetzen. Seine Freunde standen zu ihm, er stand zu ihnen. Er war zwar in China gebrütet worden, aber in Europa aufgewachsen und erzogen worden. Der Kaiser war für ihn nur irgendeine nicht nachvollziehende Macht, die keine Recht hatte sein Leben auch nur Mindesten zu beeinflussen. Er hatte so schon Probleme und Leonardo war sich ziemlich sicher, dass der Schutz aus Asien nicht für seine Gefährten galt. Pah, er schüttelte sich, er solle seine Gefährten wie irgendeinen Ballast am Wegesrand zurücklassen. Was für eine Selbstherrlichkeit. Er schüttelte den Kopf, dieser Lebensabschnitt würde spätestens dann enden, wenn sein Fuß das Schiff nach Amerika berührte. Dass er sich über diese Angelegenheit wirklich Gedanken gemacht hatte, als ob er im Moment nicht besseres zu tun. Plötzlich durchzuckte ihn der Gedanke an Louis; die anderen wussten gar nichts von dem Brief . Innerlich verpasste er sich einen mentalen Fußtritt, wie rücksichtslos von ihm. Geschwind stieß er sich vom Boden ab und flog zurück in Richtung Lager. Zurück ließ er nur einige kleine Fetzen Papier, die vom Wind erfasst und weggeweht wurden. Louis fühlte sich den ganzen Morgen über unwohl und konnte sich auf nichts vernüftig konzentrieren. Letztendlich ließ er es einfach bleiben und wartete ungeduldig auf eine Nachricht von Leonardo. Immer wieder erwischte er sich dabei, wie er den Horizont absuchte und schon bei der kleinsten Reflexion hoffnungslos aufschreckte. Es war zwar nicht seine ENtscheidung, aber trotzdem hoffte er, dass Leonardo sich richtig entscheiden. Er schnaubte unwillig. Richtig entscheiden? Wie sich das schon anhörte, als ob er selber der Herr über Gut und Falsch wäre. In diesem Moment blitze wieder etwas Golden auf. Sein Blick sprang sofort auf den funkelnden Punkt. Diesmal war es keine Täuschung. Hoffte er zumindest. Doch es sah gut aus. Der Punkte wuchs und langsam konnte man auch Flügel und die funkelnden Schuppen eines Drachen erkennen. Ja, es war eindeutig Leonardo. Jetzt wallte plötzlich wieder die Nervosität in ihm hoch, wie hatte sich sein Freund entschieden. Dass er zurückgekommen war, hieß überhaupt nichts. Vielleicht wollte er sich nur von Ihnen verabschieden. Entschlossen drängte er diese Gedanken zurück. Vollkommen zwecklos sich darüber Gedanken zu machen. Er würde die Entscheidung von Leonardo akzeptieren und sich damit arrangieren müssen. Aber irgendwie hatte er das untergründig Gefühl, dass Leonardo nicht entgegen seiner üblichen Überzeugungen handeln würde. Er war immer überaus treu und beschützerisch gegenüber seinen Freunden gewesen, ein einfacher Brief aus Asien würde diese Charakterzüge sicherlich nicht von hier auf jetzt ändern. Wenige Sekunden später landete Leonardo vor ihm auf der Wiese. Louis unterdrückte das Verlangen aufzuspringen und ihm entgegen zu stürzen, sondern versuchte den Blick seines Drachen aufzufangen. Er schluckte unwohl, da war sie wieder: Dieser bohrende Furcht. Leonardo wich seinem Blick aus und schaute unbehaglich an ihm vorbei. Louis räusperte sich, das Geräusch hörte sich seltsam falsch an. “Weshalb warst du fort, Leonardo.” Dieser wandte sich unangenehm. “Es tut mir Leid…”. Er zuckte zusammen; Leonardo würde sie doch nicht im Ernst verlassen? Ein weiteres Mal stoppte er sich und wartete ab, was sein Drache zu sagen hatte. “Ich wollte dich nicht ängstigen, aber dieser Brief kam vollkommend überraschend. Louis schaute jetzt nur noch verwirrt. Das hörte sich jetzt irgendwie nicht wie eine Verabschiedung an. Langsam reichte es mit diesem Versteckspiel wirklich. Er konnte und wollte sich nicht mehr länger zurückhalten. Jetzt sollten wirklich alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden. Er straffte sich und trat einen weiteren Schritt auf seinen Freund zu. “Wie hast du dich entschieden? Bleibst du bei uns oder ist das hier nur ein letztes Verabschieden. Und sprich bitte offen. Ich werde dir sicherlich keine Vorwürfe mache..” Leonardo war ihm einen empörten Blick zu. “Natürlich bleibe ich hier. Was hast du denn gedacht? Als ob ich euch einfach so im Stich lassen würde. Ich hab es dir doch schon in England gesagt: Der Kaiser ist viel zu, von sich selbst eingenommen. Eine Abfuhr wird ihm sicherlich mal gut tun. Ihr braucht mich im Moment eindeutig mehr. Außerdem hab ich euch den Schlamassel mir Imbecile ja auch eingebrockt.” Er stutze einen Moment: “Woher wisst ihr überhaupt von dem Brief. Ich habe ihn erst heute morgen bekommen und vor mir hatte ihn niemand geöffnet.” Louis zuckte mit den Schultern: “Als ich aufgewacht bin, und du nicht da warst, habe ich den Admiral um Hilfe gebeten und wir haben rausbekommen von wem und zu wem dieser Brief geschrieben wurde. Alles andere war leicht. Ich musste nur 1 und 1 zusammenzählen. Ach und wenn wir schon beim Thema sind: Jag mir niemals wieder so einen Schrecken ein! Du kannst dir gar nicht vorstellen, was ich mir für Sorgen gemacht habe. Es herrscht Krieg da draußen und für uns ist die Situation noch viel gefährlicher. Wir stehen zwischen den Fronten. England und Frankreich wollen unseren Kopf sehen. Ich weiß, dass du nicht dumm bist, also tu bitte niemals wieder etwas so pubertäres und unüberlegtes, wie diese bescheuerte Flucht.” Louis hatte sich in Rage geredet und schrie mittlerweile fast. Leonardo hörte ihm mit gesenkten Kopf zu. Er hat dies wirklich verdient. Nach einiger Zeit begann er trotz der ernsten Situation Interessiert zu beobachteten wie Louis immer weiter vor sich her wütete, bis er irgendwann anscheinend bemerkte, dass Leonardo ihm gar nicht mehr richtig zuhörte. Er warf ihm einen irritierten Blick zu: „Hey, das ist an dich gerichtet.“ „Ja, ich weiß, dass ich die ganze Sache falsch gehandhabt habe. Aber komm langsam wieder runter, es ist nichts passiert. Außerdem kann ich mittlerweile wirklich auf mich selber aufpassen. Ist ja nicht so, dass ich noch nie gekämpft hätte.“ Louis warf ihm noch einen verärgerten Blick zu und entschied sich dann offenbar die Angelegenheit auf sich beruhen zu lassen. „Komm lass uns zu den anderen gehen und sie über deine Rückkehr informieren. Ich glaub sie wissen noch nichts davon. Außerdem will ich mit euch die Details über weitere Flucht besprechen. Ich hab mittlerweile einiges vorbereitet.“

Die nächsten paar Minuten verbrachte Louis damit im Lager her umzurennen und die allgemeine Aufregung wegen Leonardos Verschwinden wieder zu glätten. Maitre lächelte ihm nur zu und sagte: „Ich wusste, dass er nicht einfach verschwinden würde. Dafür ist zu verantwortungsbewusst.“ Louis schnaubte verärgert. „Besonders verantwortungsbewusst kam mir das wirklich nicht vor.“ „Versuch ein bisschen seinen Gedankengang nachzuvollziehen. Das waren quasi seine Wurzeln, die er für uns gekappt hat. Er ist jetzt im Gegensatz zu uns, ebenfalls in China geächtet.“ Louis nickte nachdenklich. Irgendwie hatte er in seiner Sorge um Leonardo diesen Aspekt komplett vergessen. Es musste wirklich schmerzhaft für ihn sein. „Ich werde mir ihm über dieses Thema auf jeden Fall noch ein Mal sprechen müssen. Ich hoffe, dass er darunter nicht zu sehr leidet. Und vielleicht…“, er stoppte einen Moment, „sollte ich mich bei ihm entschuldigen. Ich hätte ihn wirklich nicht anschreien sollen.“ Maitre lächelte nur wissend und ein winziges bisschen belustigt und sagte: „Das überlasse ich dann euch beiden. Auf mich wartet leider noch ein wenig Papierkram als bis später.“ Und er verschwand in Richtung des Hauptgebäudes. Louis hatte sich derweilen überlegt, dass vielleicht ganz klug wäre seine Freunde in die Pläne, die er gemacht hatte einzuweihen. „Hey, alle mal her hören“, er winkte mit seinen Hände um die Aufmerksamkeit, der um ihn herumstehenden Leute zu erlangen, „wir müssen einiges besprechen.“

Nach und nach fanden sich alle in einen Kreis um ihn und Leonardo herum ein. Louis begann sofort sein Anliegen zu erklären: „Ihr wisst ja, dass ich den letzten Tagen mich damit beschäftigt habe, alles für die Flucht von Leonardo, Hope, Jade und mir vorzubereiten. Ich warte nur noch auf wenige Antworten von ein paar Freunden, deswegen möchte ich euch jetzt zeigen, wo wir lang fliegen und von welchem Hafen, wir dann abreisen werden.“ „Wie wollt ihr denn über die Grenze kommen“, fragte Raphael skeptisch, „ich habe gehört, dass man sie komplett dich gemacht hat.“ „Das ist kein Problem“, sagte Louis selbstsicher, „ich habe ein paar Kontakte spielen lassen, deshalb wird 3. Januar die Grenze geöffnet sein. Zumindest an einer Stelle.“ Er sah sich kurz suchend um: „Kann einer von euch vielleicht eine Karte oder so etwas besorgen. Ich muss irgendwo unsere Route aufzeichnen.“ Jade kletterte kurz auf Hope herum und zog dann aus einer ihrer Satteltaschen ein zusammengefaltetes Stück Papier hervor. Vorsichtig sprang sie von ihrem Drachen wieder herunter und überreichte mit einer spöttischen Verbeugung ihm die Karte. Er lächelte ihr kurz belustigt zu und breitete das Dokument vor sich auf dem Boden aus. „Wir befinden uns im Moment hier. Er deutete auf einen kleinen Punkt im Herzen von Frankreich.“ Vorsichtig begann er eine Route einzuzeichnen. „Auf unserem Weg zu Grenze umfliegen wir alle größeren Ansiedlungen und versuchen keinerlei Aufmerksamkeit zu erregen. Wenn wir es dann bis zu Grenze geschafft haben, wird es einfacher: Von dort aus können wir nämlich direkt zu unserer Zielstadt fliegen. Dort wartet dann bereits ein Schiff auf uns, dass bereits bezahlt ist und uns direkt nach Amerika bringt.“ Leonardo nickte anerkennend: „Das hört sich ziemlich gut an. Die Frage ist nur: Was machen wir im Worstcase Szenario? Es ist nicht allzu unwahrscheinlich, dass Imbecile oder Densens irgendetwas mitbekommen und dann bei der Grenze auf uns warten.“ „Das wäre dann unser Part“, sprang Raphael Louis zur Hilfe, „ihr bekommt natürlich einen Geleitschutz von Limoges bis zur Grenze. Es ist zwar schade, dass ihr das Land verlassen müsst, aber selbst Maitre hat eingesehen, dass das Risiko nicht tragbar für euch ist.“ Jade nickte bekümmert: „Man hat uns keine andere Wahl gelassen. Ich komme mir ein wenig schuldig vor, euch hier so im Stich zu lassen.“ Der Kapitän winkte ab, „dass ist kein Problem. Ihr habt schon genug getan und sicherlich einige hier und in England gerettet. Es ist quasi unsere Pflicht, euch eine sichere Abreise zu garantieren. Und vielleicht ändert sich das politische Klima in ein paar Jahren und ihr könnt zurückkehren. Es herrscht immerhin Krieg, da werden schnell mal die ein oder andere Regierung umgeworfen.“ Leonardo wand sich ein wenig unbehaglich. Er zweifelte daran, dass er jemals zurückkehren wollte bzw. konnte. Das Gedächtnis von chinesischen Regenten war eindeutig beständiger als von europäischen. Man würde ihn wahrscheinlich dort noch sehr lange als Verräter ansehen und seinen Kopf haben wollen. Er ließ das Thema erst einmal auf sich beruhen. Es stimmte schon es waren wirklich unruhige Zeit und er würde im Moment wirklich auf kein Ereignis sein Geld verwetten. Des halb begnügte er sich darauf, nur leicht den Kopf zu neigen und freundlich zu erwidern: „Ich schätze eure Hilfe wirklich sehr. Mir ist durchaus bewusst welches Risiko ihr auf euch nehmt.“ Enzo, der dazu gekommen war und den letzten Teil des Gespräches mitbekommen hatte, winkte ab: „Das ist kein Problem. Wir sind eh in Gefahr, da Densens und Imbecile uns am liebsten loswerden würden. Ich begrüße jede Gelegenheiten, wo wir ihm einen Strich durch die Rechnung machen können.“ Er lächelte einen Moment versonnen: „Ah, vielleicht schaffen wir es sogar Imbecile gefangen zu nehmen.“ Leonardo verzog das Gesicht. Er war wirklich kein Feigling, aber man musste wirklich keinen Kampf heraufbeschwören: „Wenn wir Glück haben ist Imbecile gar nicht da, weil er nicht weiß, dass wir das Land verlassen wollen. Wie schon gesagt, dass wäre nur das Worst Case Szenario.“ Da Merlot, der neben seinem Reiter stand, ein wenig enttäuscht aus sah, fügte er noch hinzu: „Aber man kann nie wissen, vielleicht ist er ja wirklich da. Und Ärger bekommen die beiden auf jeden Fall, wenn wir wieder entwischen.“ „Trotzdem ein Kampf wäre lustiger“; beharrte Merlot, „aber wir werden ja sehen, was passiert.“ Louis schüttelte nur resignierend den Kopf. Und er dachte Leonardo wäre schon das Schlimmste, was einem unter übertriebenem Kampfesswut unterkommen konnte. Einige Stunden später saß er noch einmal mit seinen Freunden zusammen vor einen der Baracken. In wenigen Stunden ging es los. Es war wahrscheinlich der letzte Moment in dem sie noch einmal in Ruhe sprechen konnten. Und trotzdem fehlten ihm irgendwie Worte. In Gedanken verfolgte er noch einmal ihre Reise. Sie hatten wirklich verdammt viel erlebt und gesehen. Und für seinen Geschmack viel zu viel Glück gehabt. Der Gefängnisausbruch, die Schlacht über dem Kanal, ihre zweite Überquerung von ihm und letztendlich Imbeciles Versuch sie gefangen zu nehmen. Bei all diesen Ereignissen hätten sie es ohne eine ziemlich dicke Portion Glück niemals geschafft. Sie konnten nicht immer darauf vertrauen, dass zufällig irgendetwas passierte, was in irgendeiner Form ihre Aktionen unterstützte. Okay, sie waren alle besser geworden, besonders Leonardo und Hope, aber der Feind war stärker und ein einziges Mal Unglück würde reichen, damit sie alle verloren waren. Genervt seufzte er, dass alles brachte überhaupt nichts, Sie waren gut vorbereitet, zumindest dieses Mal, und vielleicht lief ja alles nach Plan. Er hoffte wirklich, dass dieses Mal seine Fähigkeiten als Heiler nicht gebraucht werden würden.

„Hat einer von euch vielleicht eine Idee, wie wir ihnen das je zurück zahlen können“, fragte auf ein Mal Hope in die Runde. Leonardo schüttelte nur stumm den Kopf. Ihm waren die gleichen Gedanken durch den Kopf gegangen. Obwohl Enzo, Merlot und die anderen es abstritten, die Eskorte war wirklich keine Selbstverständlichkeit. Sie opferten ihren Ruf, ihren Rang und am wichtigsten ihr Leben nur um ihnen eine Flucht in eine hoffentlich bessere Welt zu ermöglichen. „Vielleicht können wir aus Amerika irgendetwas bewirken, dass ihre Lage hier verbessert“, machte Jade einen schwachen Versuch sich aus der Misere zu befreien. Louis machte mit seiner Hand eine wegwerfende Handbewegung: „Das ist viel zu schwammig. Wir wissen noch nicht einmal, was wir dort machen sollen, geschweige denn, ob wir überhaupt ankommen. Wenn wir den Leuten aus Limoges helfen wollen, müssen wir irgendetwas in Europa bewerkstelligen.“ Leonardo fing plötzlich an hinterlistig zu grinsen. Wenn er so recht überlegt, sie konnten einigen Druck auf die Regierung ausüben. Und da sie eh weg flogen machte es keinen Unterschied, ob sie noch unbeliebter wurden. Er wechselte einen Blick mit Louis und sie sagten gleichzeitig: „Lien.“

Einige Stunden später hatten sie alles für ihren letzten politischen Schachzug vorbereitet. Ein kleiner Stapel Brief lag ordentlich geordnet mit verschieden Adressaten beschriftet auf dem Schreibtisch von Louis. In ihnen befanden sich diverse Geheimdienstinformationen, die Louis über die Jahre gesammelt hatte und die Dinge, über die sie mehr oder weniger bei ihrer Reise nach England gestolpert waren. Man konnte mit Sicherheit sagen, dass die französische Regierung jeden einzelnen dieser Brief nicht an die Öffentlichkeit und vor allem nicht an die Ohren des Kriegsgegners dringen lassen wollte. Aber diese waren nicht einmal das wichtigste auf dem Tisch. Das eigentliche Herzstück ihres Planes, die Forderungen und Drohungen lagen vor Louis auf dem Tisch und er verfasste gerade die letzten paar Zeilen..

… wenn nun dieser Brief vor Ihnen liegen sollte, dann können sie mich und meinen Gefährten nicht mehr zur Rechenschaft ziehen. Ich begehe nicht den törichten Fehler Ihnen mitzuteilen wo wir hingehen werden, aber seien Sie versichert: Es liegt weit außerhalb der Reichweite jeder europäischen Macht. Sollten Sie die oben genannten Forderungen nicht einhalten, werden eine Reihe an Brief an bestimmte Personen geschickt und diese werden sie weiter verbreiten. Sie wissen ja, wie das läuft!… In diesem Sinne empfehle ich ihnen darauf einzugehen.

Ihr ehemals treu ergebener Diener

Louis Salubre

Zufrieden lehnte sich Louis zurück und blies vorsichtig über die feuchte Tinte.. Ein wenig melancholisch schaute er zu, wie sie langsam trocknete. Von Blau zu Schwarz wechselte und ihren Glanz verlor. Er bereute seine Entscheidungen nicht und hoffte so wenigsten ein bisschen von dem Guten, was ihm und Leonardo von Freunden zu teil geworden war, zurückzuzahlen zu können. Ein wenig musste er, als er noch einmal über den Brief las wirklich schmunzeln, nein zu den Leuten, die ein Problem damit hatten ihre Regierung zu verraten gehörte er wirklich nicht. Warum auch? Bisher war ihm noch keine einzige wirklich gerechte oder gute über den Weg laufen. Und ernst nehmen, würden sie diesen Brief auf jeden Fall. Zumindest sobald sein Plan in Aktion treten würde. Er hatte alles so ausgelegt, dass einzelnen Briefe, die er gerade auch noch geschrieben hatte, zu bestimmenden Zeitpunkten nach seiner Abreise losgeschickt würden. Er hoffte nur, dass die Leute denen er die Briefe geben wollte, die Zeichen erkennen würden. Darauf basierte sein ganzer Plan. Für jeden Schritt den die Regierung machen konnten, wurde einer seiner Drohungen wahr gemacht. Ganz einfach indem einige seiner Freunde die aktuelle politische Lage mitverfolgten und passend auf die entstehenden Situationen mit seinen Informationen reagieren würden. Es war irgendwie, wie ein böser Daemon, der auch noch nach seiner Flucht weiterhin seine Ideen und Ideale vertrat und hoffentlich die Welt wenigsten ein bisschen zum guten verändern würde. Nein, wenn er es so Recht überdachte, war dieser Brief wirklich ein würdiger Abschluss, ein finaler Paukenschlag, der noch einmal all diese Politiker und Opportunisten wachrütteln würde.

Es war ziemlich beeindruckend, was alleine Limoges an Luftwaffe auf die Füße stellen konnte: Beinahe drei Formationen begleiten sie auf ihrem Weg zu französischen Grenzen , Leonardo war sich ziemlich sicher, dass weder Imbecile noch Densens mit einer Truppe von dieser Gruppe rechnen konnten. Nach außen hin war Limoges ein ziemlich schwacher Stützpunkt … zumindest offiziell. Schade, dass er nicht mehr die Gelegenheit haben würden, Maitre zu fragen, wir dieses Kunststück auf die Beine gebracht hatte. Naja, er würde sich sicherlich nicht drüber beschweren. Unter ihnen flog die verschneite Landschaft vorbei, irgendwie fand Leonardo den Sommer eindeutig angenehmer. Lag wahrscheinlich an seiner eher südlicheren Abstammung. Aber so weit er wusste, gab es auch in Amerika einige wirklich angenehme Flecken. Wobei, das brachte ihn auf einen anderen Gedanken: „Louis?“ „ja“, sein Kapitän verlagerte leicht sein Gewicht auf seinem Rücken, um sich besser herab neigen zu können. „Welches Startkapital haben wir eigentlich in Amerika.“ „Nicht wirklich viel“, Louis zuckte mit den Schultern, „Ich vertraue einfach mal darauf, dass unsere Fähigkeiten in Amerika gut gebraucht werden können. Der Staat ist noch im Wachsen und wird erfahrene Soldaten brauchen. Und zu Not können wir uns auch bei dem Bau neuer Städte beteiligen oder vom Kriegsdienst in die Diplomatie wechseln.“ Hm, daran hatte Leonardo noch überhaupt nicht gedacht. Botschafter, das eröffnete vollkommen neue Möglichkeiten: Der Job war auf jeden Fall nicht langweilig, aber bei weitem nicht so gefährlich wie ihre aktuelle Beschäftigung. Außerdem konnten sie dann irgendwann wirklich unter diplomatischen Schutz nach Europa zurückkommen. „Die Idee gefällt mir wirklich gut. Außerdem Jade meinte doch, dass sie so was auch gemacht hätte, bevor sie mit Hope nach Limoges gekommen ist, oder?“ Louis nickte kurz: „Ja, sie hat von ihrer Arbeit ziemlich geschwärmt. Kommt mir nur teilweise auch ein wenig wie Spionage vor. Zum mindestens, was manche Botschafter machen.“ „Damit habe ich kein Problem“, antwortete Leonardo ihm sorglos, „nur weil ich nicht in ständiger Lebensgefahr schweben möchte, heißt das noch lange nicht, dass ich keine Lust auf ein wenig Action hätte.“ „Kein Sorge, ich wäre geschockt, wenn du plötzlich Lust auf einen ruhigen Lebenswandel hättest. Du hast es schon geschafft, mein Leben, um einiges spannender zu machen, als du gerade mal zwei Wochen aus der Schale warst.“ „Hey, das stimmt nicht“, erwiderte der Drache entrüstet und flog einen Schlenker, der Louis kräftig durchschüttelte. Dieser grinste nur unbeeindruckt: „Erinnerst du dich an diesen Typen, der mich überfallen hat auf dem Weg zum Flugfeld in Paris?“ Leonardo nickte kurz. „Das war das erste Mal, dass irgendwer auf die Idee gekommen wäre mich zu überfallen.“ Der Drache tat immer noch gelangweilt: „Glaub mir, ich wurde vorher auch noch nicht überfallen. Und ich muss dich doch nicht daran erinnern, wer dich aus dieser prekären Lage gerettet hat, oder?“ „Das hätte ich auch alleine geschafft.“ Louis schnaubte ein wenig herablassend, „Außerdem musste ich den Typ danach bis zum Hospital schleifen, weil du ihn ausgeknockt hast.“ „Das war doch wohl ein Zufall. Ich wusste ja vorher noch nichts von dieser Fertigkeit.“, erwiderte Leonardo ein wenig eingeschnappt. Er spielte noch einen Moment mit dem Gedanken etwas zu erwidern, entschied sich dann aber dagegen. Diesen Kampf konnte er nicht gewinnen. Also schnell Thema wechseln. Es gab im Moment wirklich genug Dinge, die wichtiger waren, als sich über Kleinigkeiten zu kabeln, „Hast du schon irgendeinen Plan, was wir machen können, sollte wirklich Imbecile auftauchen?“ „Ja, hab ich. Ich denke mal, wir sind uns einig, dass wir nicht sang und klanglos abhauen werden, oder?“ Entrüstet schüttelte der Drache seinen Kopf: „Auf keinen Fall. Und die anderen zum Kämpfen zurücklassen? Nein, wenn dann stehen wir das auch gemeinsam durch.“ Louis lächelte leicht, so eine Reaktion hatte er von Leonardo erwartet. Alles andere würde einfach nicht zu ihm passen: „Gut. Ich bin nicht überrascht,. Wir haben nur ein riesiges Problem. Wir können im Voraus nicht großartig etwas planen. Sollte er uns finden , setzt Imbecile die Spielregeln für diesen Kampf. Letztendlich wissen wir weder wo nach wann man uns angreifen könnte.“ „Ich sehe keine Möglichkeit wie wir diese Situation zu unseren Gunsten wenden könnten.“, gab Leonardo zu. „Wir haben nicht die Zeit die Gegend auszukundschaften. Aber ein bisschen können wir uns schon vorbereiten.“ Interessiert beobachtete Louis, wie Leonardo sich aus der Formation ausklinkte und nach vorne zu Maitre und Grenache flog, er wechselte einige rasche Sätze mit ihnen und gliederte sich wieder zwischen Hope und Merlot ein. Gespannt wartete er darauf, dass irgendetwas passierte. Kaum merklich erst begann sich die Formation der Limoges Drachen zu verschieben. Die leichten Drachen bekamen Posten an den Flanken zugewiesen und die schweren Drachen sammelten sich in der Mitte. Louis glaubte eine leicht variierte Variante der Formation zu erkennen, die sie letztes Jahr im Sommer entwickelt hatte. Trotzdem wirkte sie irgendwie feiner und ausgereifter, er vermutete das wahrscheinlich ihre Ausbilder noch einige Verbesserungen vorgenommen hatten, „Gute Idee“, sagte er anerkennend zu seinem Drachen, „in dieser Reiseformation waren wir viel zu leicht angreifbar.“ „jep, das war auch mein Gedankengang. Wir kommen jetzt zwar ein bisschen langsamer voran, aber wir reisen ja eh nur noch ein paar Stunden.“

Ein angenehmes Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus und sie genossen einfach nur die Gesellschaft des anderen. Nach einer Zeit wurde Leonardo langsam und er wandte sich an Hope, um ein Gespräch zu beginnen. „Hope?“, er stupste sie leicht an, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, „Ja?“, ihr Kopf schnellte zu ihm herum. Sie war anscheinend auch etwas schreckhafter, als normal. Aber wer konnte es ihr verdenken, wenn sie ehrlich waren, dann bestand eine ziemlich hohe Chance, dass man ihnen irgendwo auflauern würde: „Weißt du irgendetwas über Jades Zeit als Botschafterin? Louis und Ich haben überlegt, dass es ziemlich cool wäre, irgendetwas in die Richtung in Amerika zu machen.“ Die Drachin legte den Kopf schief und dachte einen Moment nach: „Jetzt, wo du es sagst, die Idee hört sich wirklich verlockend an. Aber wegen deiner Frage, ja, sie hat ein wenig erzählt. Man ist eben ständig unterwegs und bleibt nie länger als ein paar Jahre in einem Land bevor man zum nächsten muss. Außer man lässt sich in der Botschaft in irgendeinem Land nieder. In China Beispielsweise hat sich ein ziemlich erfolgreicher englischer Botschafter namens Hammond niedergelassen. Aber dafür sollte man dann schon ein bisschen vorzeigen können. .Naja, ganz abgesehen davon, sieht man natürlich viel von der Welt. Asien, Europa, Afrika und alle möglichen Teile Amerikas. Und gut bezahlt wird man auch noch dafür.“ „Weißt du wie man sich für den Job bewirbt bzw. qualifiziert?“ „Keine Ahnung“, sie zuckte mit den Achseln, „Hope hat über die Verbindungen ihrer Familie die richtigen Leute kennengelernt und die haben dann ihre Kontakte spielen lassen.“ Auf Leonardos erstaunten Blick hin, erwiderte sie, „du weißt doch Politiker lassen ich mit den richtigen Argumenten leicht überzeugen.“ „Und ich habe gehofft, so etwas mit Europa zurückzulassen zu können.“ Hope schmunzelte leicht: „Die Menschen ändern sich nicht großartig, ein paar tausend Kilometer machen da leider auch nichts.“

Langsam fühlte Leonardo, wie sich die Nervosität in ihm ausbreitete. Die Grenze war nicht mehr weit entfernt und wenn Imbecile Wind von ihrer Aktion bekommen hatte, dann hatte er nicht mehr viel Zeit sie anzugreifen. Aufmerksam ließ er seinen Blick über den Horizont wandern, ein einzige glitzernde Schuppe in der Wintersonne konnte heute über Leben und Tod entscheiden. Maitre hatte die Formation noch näher zusammenrücken lassen, die Grenze schien immer langsamer näher zu rücken. Wobei sich diese als klar definierte Linie vorzustellen eh Blödsinn war. Es gab eine Art Grenzgebiet, dass sowohl von Spanien, wie auch von Frankreich besetzt in unregelmäßigen Abständen mit Grenzposten besetzt war. Ein Funkeln in seinem Augenwinkel ließ Leonardos Kopf herumfahren. Verdammt, er durfte nicht soviel nachdenken und mit seinen Gedanken abschweifen. War das gerade eben eine Reflexion oder einfach nur ein Lichtspiel der Sonne gewesen? Er konnte es nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen. Am liebsten würde er sich selber einen Tritt verpassen. Aber das war wirklich keine gute Idee… Jetzt aus der Formation auszubrechen wäre desaströs. „Hast du dieses Glitzern auch gerade gesehen“, fragte er Louis leiser Stimme. Dieser schüttelte den Kopf: „Ich hab nichts mitbekommen, aber das heißt nicht viel, du hast viel bessere Augen als ich.“ Vielleicht war es wirklich nur ein Lichtspiel gewesen. Trotzdem ließ er seine Augen nicht mehr von der Hügelkette ablenken. Dieser Platz wäre einfach zu perfekt für einen Hinterhalt. Man konnte erst wenige Meile vor ihm feststellen, wer oder was sich hinter dem Hügel versteckte. Wieder blitzte etwas auf. Und diesmal sah Leonardo genau, dass ein roter Funken war. „Louis?“, fragte er mit einen alarmierten Unterton in der Stimme. „ich hab es diesmal auch gesehen“, kam die rasche Antwort zurück. „Hinter dem Hügel auf 3 Uhr verbergen sich feindlich Ziele.“, rief Leonardo in ihre Formation herein. Grenache hörte ihn und begann hastig seinerseits Befehle zu brüllen: „Alle auf Kampfstellung. Schützen bereitet eure Waffen vor! Schwergewichte nach innen! Bewegt euch verdammt nochmal, Formationsmuster 9alpha.“ Eine eigentümliche Ruhe begann sich in ihm auszubreiten. Es war wirklich angenehm einmal jemand erfahrenes die Führung übernehmen zu lassen. Sie waren hervorragend vorbereitet, also eine vollkommen andere Situation als die letzten Male, wo sie in den Kampf gezogen waren. „Verhaltet euch so normal, wie möglich“, fügte Grenache noch mit duetlich leiserer Stimme hinzu, „wir haben ein Vorteil, wenn sie nicht wissen, dass ihr Überraschungsmoment zerstört wurde.“ Die Formation verfiel in angespanntes Schweigen. Leonardo fühlte sich, als wäre er gerade dabei, wissentlich seinen Fuß in eine Bärenfalle zu halten. Nur noch noch 500 Fuß, dann konnten sie hinter den Hügel blicken. 400, man konnte die ersten Spitzen von Drachenschwänzen erkennen. 300 Fuß, jetzt erschienen die ersten Drachen komplett in ihrem Sichtfeld. Es brach heftige Aktivität unter den Gegner auf. 200 Fuß Wie ein übergroßer Schwarm erhoben sich die anderen Drachen und stiegen zum Himmel auf, um sich schnell ihren Formationen zu ordnen. Leonardo schluckte. Das waren verdammt viele Gegner. 4 oder 5 Formationen wahrscheinlich. Nun standen sich die beiden Gruppen gegenüber. Rasch ließ er seinen Blick über die Reihen der Gegner wandern, wo war Imbecile. Ah, da war er ja, der fette riesenhafte Drache von seinem Nemesis hatte länger gebraucht vom Boden aufzusteigen und erreichte jetzt erst die Flughöhe der anderen. Die ganze Szene schien einen Moment, wie eingefroren, keiner der Drachen bewegte auch nur eine Kralle. Leonardo konnte beinahe spüren, wie sich immer mehr Spannung zwischen den beiden Parteien aufbaute. Und in wenigen Sekunden würde diese sich entladen müssen. Die Frage war nur, wer gab den ersten Auslöser?

SIMON

leonardo/kapitel_17.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)