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leonardo:kapitel_11

Wie geht es weiter?

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

Folgte man den Straßen, die von Dover aus fortführten. Gelangt man irgendwann an eine große Kreuzung. Folgt man den geradeaus sollte man irgendwann zur der Stadt der Städte gelangen. Zumindest aus der Sicht des durchschnittlichen Engländers. Irgendwo in der Mitte von London fand ein Bankett statt, aber zu sagen die Stimmung würde zu dem Anlass passen, wäre vermessen ja gerade zu gezielt zynisch. Genauer gesagt hatte eigentlich nur eine Person Spaß an der Veranstaltung und diese war offiziell noch nicht einmal eingeladen worden. Jane Roland, Kommandeur der englischen Luftstreitmächte hatte allen ihren Einfluss sich zu nutze gemacht, um an dem für die Admiralität, Bankett vorbehaltenen – irgendwer hatte vergessen, dass sie auch dazu gehörte – teilzunehmen zu können. Gerade in diesem Moment fragte sie sich, was wohl Perscitia gerade macht. Einen Drachen konnte und vor allem wollte man an einem zivilisierten Treffen der militärischen Spitze von England nicht teilnehmen lassen. Da sie aber irgendwie ein Alibi brauchte hing sie jetzt wahrscheinlich mit ein paar der dämlichen, aber vorzeigbaren Korpsdrachen Rum, die Die immer noch nicht kapiert hatten, worum es bei den Reibereien zwischen den „Rebellen“ und der Regierung wirklich ging. Aber naja der Abend war auch so gut. Das Essen war wirklich gut und sie fand es sehr lustig zu betrachten, wie die Admiräle – ohne Erfolg – versuchte, irgendwelche Pläne zu schmieden, ohne das es ihr auffiel. Man hätte wahrscheinlich auch sie in dieser trauten Runde ordentlich schlecht gemacht, wenn sie zufällig nicht anwesend gewesen wäre. In diesem Moment wurde sie von der Seite her angesprochen: „Kommandeur Roland, was denke Sie kann man gegen diese auf-ständigen Drachen unternehmen?“ Offensichtlich war sie in irgendein Gespräch reingeruscht, wo man ihre fachliche Meinung verlangt. Mittlerweile schaute der gesamte Tisch zu ihr: „Nichts“, sagte Jane. „Was nichts?“, wurde sie wenig einfallsreich gefragt. Sie seufzte: „Wir können nichts dagegen tun. Die Rebellen sind mittlerweile stärker von der Truppenzahl, wie wir, haben bessere Taktiken und auch mehr Eier, die bald schlüpfen werden.“ „Aber, wir haben doch immer noch Soldaten, Atellerie.“, wandte einer der Landgeneräle ein wenig verärgert ein. Jane sah ihn ein wenig mitleidig an. Wie konnte man nur so doof sein? „Was bringt Ihnen diese, wenn die Armeen überflogen und dann in einem Guerilla Krieg vernichtet werden. Außerdem können wir uns in der aktuellen Situation eh nicht leisten in irgendeiner Form gegen sie vorzugehen. Ein Bürgerkrieg, ein paar der Admiräle schnaubten, wäre das Ende der Allianz gegen Napoleon. In diesem Moment kam ein Bote durch die Tür gehastet und verkündete: „Es gab einen Angriff auf das Korpslager in Dover, Franzosen sind in die Festung eingedrungen und haben 3 Gefangene befreit .“ Entsetzte Stille breitete sich aus und nach wenigen Momenten, war der gesamte Saal in Stille erstarrt. Jetzt kam ihr Auftritt dachte Jane belustigt und sprang gespielt wütend auf: „Was hat das zu bedeuten meine Herren? Ich habe keinerlei Informationen über irgendwelche Gefangenen erhalten. Ist Ihnen eigentlich klar, was für Informationen von diesen Personen hätten bekommen können. Strategien Napoleons, Truppenstärken, nahe Angriffspläne und sie s´verschweigen mir so ein ausschlaggebendes Detail und lassen die Leute dann auch noch entkommen?“ Jane ließ den Admiräle ein paar Momente, um das sacken zu lassen und schob dann nach: „Ich verlange eine Antwort. Und zwar sofort.“ Amüsiert betrachtete sie, wie sich die Männer wanden, um bloß keine Antwort geben zu müssen. Letztendlich raffte sich einer der jüngeren zusammen und brachte heraus: „Wir haben sie natürlich informiert und sind davon ausgegangen, dass die Nachricht sie auch erreicht hat. Woher sollten wir wissen, dass dem nicht so ist?“ Jade nickte anerkennenden eine gute Reaktion, so konnte man Ihnen nichts nachweisen. Aber sie hatte noch keine Lust mit diesem Spiel aufzuhören und sagte:„Hm, vielleicht weil keine Antwort zurückgekommen ist ?“ Der Mann nun sichtlich mutiger geworden erwiderte: „Es hätte sonst was dazwischen kommen können und da in diesem Zeitpunkt noch keine Gefahr bestand,war unsere Handlung vollkommen legitim.“ Jane wandte sich dem Boten zu: „Was genau ist denn passiert?“ „Die Festung in denen wir die Gefangen festgehalten haben wurde infiltriert. Irgendwie ist es diesen verfluchten Franzosen gelungen sämtliche Lager für Leuchtakten zu zerstören. Sie müssen von irgendwem Pläne über die Anlage bekommen haben.“ Roland blickte ihn forschend an: „Gibt es irgendwelche Hinweise darauf, wer diese Daten durchsickern gelassen hat.“ Nein überhaupt nichts.“ Mittlerweile hatten sich die Admiräle aus ihrer Schockstarre gelöst und einer Männer, Lord Winston schaute sie mit einem fiesen Blick an. Er gehört zu den Konservativsten aus dieser Runde. Felsenfest war er davon überzeugt, dass Drachen nur hirnlose Tiere wären und wenn es nach liefe, dann würde man gegen Perscitia einfach mit der Armee ausrücken. Kurzum also ein vollkommener Idiot. „Sie scheinen Drachen ja schon zu mögen, wer weiß vielleicht haben sie ja auch ein Bündnis mit den Franzosen.“ Im Saal wurde scharf die Luft eingesogen. Wegen solch einem Vorwurf konnte Jane ihn ohne Probleme zum Duell herausfordern. Normalerweise hätte sie es getan, aber es würde in den Augen mancher den Vorwurf zur Gewissheit werden lassen, deswegen antwortete sie nur: „Man könnte genauso annehmen, dass es Ihnen gegenüber eines Spions versehentlich herausgerutscht ist, sie vergessen ja offensichtlich sogar schon, wer einen entscheidenden Beitrag in der Schlacht von ………… beigetragen hat.“ Sie wechselten noch einige Gemeinheit aus, aber nach einiger Zeit wurden auch diese weniger. Als die Gesellschaft dann auch noch von dem ungeklärten Überfall zu den normalen politischen Gesprächen überging, war der Abend vollkommen gelaufen. Die Atmosphäre wanderte von langweilig zu sterbenslangweilig bis Jane irgendwann einfach nur den Kopf auf die Armee sinken ließ und überlegte, was Exidium gerade machte. Wahrscheinlich gemütlich in dem beheizten Pavillon liegen und irgendeines der vielen Bücher lesend, die sie über die Jahre zusammen gekauft hatten.

Unwillig öffnete er Augen, warum musste er jetzt schon aufwachen. Die letzten Monate waren wirklich nicht erholsam gewesen. In Gedanken schüttelte er den Kopf über sich selber. Was für eine Untertreibung. Louis reckte sich und stieg langsam aus dem Feldbett. Gestern Abend war es noch sehr spät geworden und jetzt war es gerade erst 5 oder 6 Uhr. Er blickte sich suchend um, gestern im Dunkeln hatte er nicht mehr wirklich mitbekommen, wo sie ihn und Jade hingebracht hatten. Er befand sich offenbar in einem relativ großen Zelt, eingerichtet mit zwei Betten, in dem zweiten lag Jade und schlief noch immer friedlich, einem kleinem gefülltem Bücherbord, einem Tisch und mehreren Stühlen. Louis trat näher an Jade heran. Die Zeit in Dover hatte ihr wirklich nicht gut getan. Sie sah abgemagert aus, ihre Haut hatte ein blässliche Farbe angenommen und ihr sonst so seidiges Haar, stand wirr in alle Richtungen ab. Er seufzte. Wahrscheinlich sah er auch nicht viel besser aus. Louis trat aus dem Zelt und erzitterte unwillkürlich in der eisigen Kälte des englischen Winters, er sollte sich bei Perscitia erkundigen, ob man sich irgendwo im Lager mit besserer Kleidung ausstatten konnte, aber das war erst einmal nebensächlich. Er hatte sich gestern Nacht schon schreckliche Sorgen um Leonardo gemacht und als erster Punkt auf seiner Prioritätenliste für den Morgen stand, nach Leonardo zu suchen. Während er im Lager umherwanderte, fiel im auf, dass er offensichtlich keineswegs der einzige war, der um diese Uhrzeit schon aufgewacht war. Überall herrschte emsige Aktivität, Drachen flogen hin und her, einige Männer hielt offensichtlich eine Waffenübung ab und in einiger Entfernung erklärte ein Mann einigen Zuhörern, wie ein Kanone bedient werden musste. Kurz bevor er das Zentrum des Lagers erreicht hatte, sprang ihm noch etwas ins Auge: Einige Jungen, die gerade das Teenager Alter erreichten und einige junge Drachenkinder saßen geschützt durch mehrerer Zelte vor einer Art Tafel und ein Lehrer schrieb gerade mathematische Formeln an. Perscitia versuchte anscheinenden den Kindern möglichst früh die Angst vor den Drachen zu nehmen und sorgte gleichzeitig für ein hohes allgemeines Bildungsniveau. Wirklich bewundernswert. In diesem Punkt war man sogar schon weiter als in Frankreich. Aber er blieb nur einige Momente stehen um zuzuschauen bevor er sich weiter auf den Weg zu Perscitia machte. Auf dem großen Platz fand er sie zwar nicht direkt an, aber dafür sagte ihm einer der anwesenden Drachen, wo er nach ihr suchen musste. Fünf Minuten später stand er dann vor ihr: „Wirklich beeindruckend, was Sie hier aufgebaut haben“, begann er das Gespräch. Perscitia kicherte kurz: „Genau das Selbe hat Leonardo auch gesagt, als wir uns vor wenigen Tagen das erste Mal getroffen haben. Ach, falls Sie ihn suchen sollte. Er befindet sich gerade bei unseren Ärzten, die noch einmal ihren Verband, den sie gestern angelegt haben, überprüfen. Keine Sorge, er hat Glück gehabt lange und breite Wunden, aber nichts tieferes. Komisch eigentlich, Vivamus hätte ihn viel stärker verletzten können. Sie muss irgendeinen Grund gehabt haben ihn nur mit einer in Anführungszeichen blutigen Nase davon kommen zulassen.“ Louis nickte kurz, noch eine Sache mehr über die er sich Gedanken machen musste, aber erst einmal hatten andere Dinge Vorrang: „Vielen Dank für die Auskunft. In der Tat habe ich ihn gerade gesucht. Ich muss mich übrigens auch noch bei Ihnen bedanken für meine Rettung, glauben Sie mir diese Langeweile bringt einen langsam aber sicher um den Verstand. Sollten Sie jemals meine Hilfe benötigen, können Sie sich darauf verlassen, dass ich zur Stelle bin.“ Perscitia schaute ihn ernst mit schräg gelegtem Kopf an: „Ich werde mir ihre Worte merken. Irgendwann werde ich Ihnen sicherlich eine Gelegenheit geben diese Schuld einzulösen.“ Von einem Moment zum andern wechselte Perscitia das Thema: „Wenn Sie wollen, bringe ich sie zu Leonardo, er wartet sicherlich schon sehnsüchtig darauf Sie zu treffen. Für ihn waren die Zeit ihrer Gefangenschaft mindestens genauso schwer, wenn für Sie. Er wurde vom Korps gnadenlos gejagt und musste immer wieder entkommen. Bis er dann irgendwann von Arkady eingefangen wurde. Und das was er gemacht hat, als er bemerkte, wohin er gebracht wurde, war mich um Unterstützung zu fragen. Leonardo hat mich beeindruckt. Seine Loyalität kann mir von großem Nutzen sein, deshalb habe ich ihm geholfen. Sie fragen sich jetzt sicherlich, warum ich ihnen das sage, oder?“ Sie ließ ihn gar nicht erst zu Antwort kommen: „Ich möchte Ihnen zeigen, was für ein getreuer Gefährte Leonardo ist. Er würde alles für Sie. Missbrauche sie dies bitte nicht.“ Während ihres Gespräches waren die beiden innerhalb des Lagers umhergewandert und gelangte jetzt zu einem etwas kleineren Platz, der von mehreren klinisch weißen Zelten umgeben war. In der Mitte von diesem stand ein sichtbar genervter Leonardo und sprach mit einem Heiler, der gerade kritisch den dicken weißen Verband um seine Flanke begutachtete. “Hey, das tut weh! Können Sie nicht bitte ein wenig vorsichtiger sein?” “Ich bin vorsichtig, verhalten Sie sich nicht wie eine übergroße Memme und seinen sie einen Moment lang bitte ruhig. So dauert das Ganze nämlich nur noch länger: Außerdem Sie wollen doch sicherlich nicht, dass ihr Reiter Sie so sieht, oder?” Louis kicherte leise: “Das ist glaub ich leider schon zu spät.”, er lächelte: “Ich freue mich wirklich dich zu sehen Leonardo.” In diesem Moment bemerkte der Drache auch ihn und kam herüber gestürmt. Der Heiler schüttelte nur resignierend den Kopf und setzte sich auf eine der Boxen vor den Zelten und holte ein Buch aus seinen überlebensgroßen Manteltaschen. „Ich hoffe doch es geht dir gut?“, erkundigte Leonardo sich besorgt bei seinem Reiter. Er nickte beunruhigend: „Keine Sorge, dank dir geht’s mir erheblich besser als gestern um die selbe Uhrzeit.“ Er schlang kurz die Arme um den schuppigen Hals seines Freundes: „Danke, das werde ich dir nie vergessen. Und ich denke auch Jade und Hope werden sich, sobald sie aufgewacht sind bei dir bedanken wollen . Ohne ich hätten wir sicherlich noch Ewigkeiten dort verbringen müssen. Ich bin wirklich zutiefst dankbar.“ Leonardo senkte ein wenig beschämt den Kopf: „Du stehst nicht in meiner Schuld, ich weiß das jeder von uns Vieren das Selbe in meiner Situation getan hätte.“ Louis sah ihn ein wenig skeptisch an: „Das was du geleistete hast, erforderte eine Menge Mut. Glaub mir ich kenne nur wenige, die den Willen oder die Fähigkeit haben, so etwas durchzuziehen. Aber lass uns nicht streiten. Ich hoffe doch das du weißt, wo Hope gerade ist.“ Der Drache warf dem gerade lesenden Arzt ein verärgerten Blick zu: „Sobald er damit fertig ist mit angeblich medizinischen Werkzeugen an mir herumzuwerklen, können wir gehen.“ Der Angesprochene schnaubte spöttisch: „Ich habe das Ganze schon einmal einem chinesischen Drachen gesagt. Es wird ohne Behandlung garantiert nicht besser. Aber wenn Sie sich selber schaden wollen, dann, bitteschön, gehen Sie!“ Murrend ergab sich Leonardo seinem Schicksal, aber eine gute Viertelstunde später konnte er mit Louis und Perscitia den Platz verlassen. Hope und Jade fanden sie vor dem Zelt in dem er zuvor aufgewacht war.

Sobald Jade ihn zusammen mit Leonardo in ihr Sichtfeld treten sah, wurde sie von den verschiedensten Gefühlen übermannt: Freude, dass dieser Albtraum endlich ein Ende gefunden hatte, Sorge wegen der Verletzung des Sternendrachens und ein für sie immer noch verwirrendes Gefühl der Zuneigung für ihren Freund, Es war als wären in dem Monat, indem sie gefangen gewesen war, alle ihre Emotionen unter einen Watteschicht vergraben gewesen. Nun wo sie sich wieder an ihrer Freiheit erfreuen konnte, kamen sie wieder mit unverminderter Stärke zurück In diesem Moment dachte sie an das Alles aber nicht, sie sprang einfach nur auf und umarmte Louis. Zuerst spürte sie, wie er unter der Berührung zusammenzuckte, sie dann aber leicht erwiderte. Sie wurde von einer Wärme und Zufriedenheit erfüllt, die sie sonst nur in der Gesellschaft von Hope verspüre. Nach einigen Momenten in denen sie die Situation einfach nur genoss, löste sie sich errötend wieder von ihm, sie versuchte ihre Verlegenheit zu verbergen, indem die Reitern sich zu Perscitia wandte und ihr ebenfalls für die Rettung dankte.

Leonardo gönnte seinem Reiter diesen Moment der Entspannung und Freunde und wandte sich für den Moment lieber an Hope: „Und wie ist es dir ergangen?“, fragte er sanft. Die Drachin seufzte leicht: „Die Gefangenschaft war wirklich sehr unangenehm, ich wurde zwar eigentlich gut behandelt, in dem Sinne, dass ich immer regelmäßig Essen und zu Trinken bekommen habe, aber die Ungewissheit wegen Jade und Louis war wirklich schrecklich. Ich war vollkommen abgeschottet und dann diese Befragungen, als ob ich ein hirnloses Tier wäre. Einmal haben sie sogar versucht mir einen anderen Reiter aufzudrängen. Als ob ich Jemals jemand andern als Jade freiwillig akzeptieren würde.“ „Ja, das kann ich mir vorstellen. Ich würde auch niemals Louis hintergehen. Komm lass uns zu den Beiden hinübergehen. Wir müssen immer noch zusammen mit Perscitia entscheiden, wie es jetzt weitergeht.“

Die beiden Drachen näherten sich langsam wieder der andern Gruppe und als alle ihre Aufmerksamkeit auf sie gerichtete hatten, begann er: „Da wir nun, mit mehr oder weniger großen Schwierigkeiten, alle hier an unserem Bestimmungsort angekommen sind, muss ich fragen, wie soll es weitergehen. Wir werden ja sicherlich noch eine längere Zeit hier in England verbringen.“ „Ich hätte absolut nichts dagegen, wenn ihr mich zurück nach Schottland begleitet. Dort könnt ihr euch erst einmal ein wenig erholen und vielleicht später mir mit bei dem Aufbau meiner Allianz zu helfen.“ Louis wandte sich mit einem fragenden Blick zu ihnen um, Leonardo nickte ihm kurz zu, Jade und Hope brachten ebenfalls stumm ihre Zustimmung zum Ausdruck. „Ich denke, dass wir das Angebot annehmen. Ohne Wissen über eure politischen Ziele kann ich zu zweitem nichts sagen.“ Perscitia lächelte unmerklich triumphierend: „Perfekt, euer zweites Problem lässt sich sicherlich schnell lösen. Ich werde dann, sobald wir angekommen, einen der Drache, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, zu euch schicken. Ich habe noch nie jemanden getroffen, der so viel und so gerne redet. Aber keine Sorge ihr werdet ihn mögen.“ Mit diesen Worten wandte sie sich ab und verschwand Louis wandte sich mit einem fragenden Blick zu Leonardo: „Ich dachte wir wären schon im Hauptlager.“ Der schüttelte belustigt den Kopf: „Das hier ist offensichtlich eines der kleineren Lager. Wir sind gestern noch hierhin gebracht worden. Der Ort an dem wir den Angriff geplant haben, wurde dem Erdboden gleich gemacht und ein paar französische Flaggen zurückgelassen. Das Korps ist zu nachlässig, um wirklich zu überprüfen, wer angegriffen hat. Sie werden die einfachste Lösung akzeptieren und nicht weiter suchen.“ „Das heißt, es geht nach Schottland“, sagte Jade mit einem fröhlichen Blitzen in den Augen, „ich freue mich darauf endlich mal wieder etwas sinnvolles zu machen.“ Louis ertappte sich dabei, wie er sie bewundernd anschaute. Das sie nach wochenlanger Gefangenschaft und den damit verbundenen Strapazen sich immer noch ihre gute Laune erhalten hatten, war wirklich beeindruckend. Er brachte auch ein leises Lächeln zu Stande: „Leonardo, würde es mir nie verzeihen, wenn wir eine Gelegenheit, bei einer Verschwörung solch gigantischen Ausmaßes nicht mitmachen würden. Ich bin mir sicher,“ er suchte einen Moment nach dem passendem Wort, „die nächsten Wochen werden sehr interessant.“ Einige Stunden wartete ein kleines Geschwader nur wenige Meter von der Begrenzung des Lagers entfernt darauf, dass die letzten Mitreisenden ankamen. Jade schlotterte in der Kälte des englischen Winters und dachte fröstelnd daran, dass in Schottland wahrscheinlich noch kälter sein würde. Louis betrachtete sie von der Seite besorgt: In diesem Zustand wäre es wirklich nicht gesund, wenn sie sich zusätzlich auch noch eine Grippe oder ähnliches einfangen würde. Er trat ein paar Schritte an Leonardo heran, um aus seinem Gepäck eine der Jacken zu holen, die er von Perscitia geschenkt bekommen hatte. Für Jade war nicht wirklich viel Auswahl übrig geblieben und so hatte sie nur das Nötigste finden können. Im Hauptlager gab es wahrscheinlich mehr Auswahl. Er trat zu ihr heran und legte vorsichtig den Mantel, um ihre Schultern. Die Reiterin schenkte ihm ein dankbares Lächeln.

Einen Moment lang erlaubte Louis sich, sie einfach nur einige Sekunden lang anzusehen. Wenn Jade lächelte, erstrahlte ihr ganzes Gesicht, ihre Augen blitzten förmlich auf und wie jedes Mal, wenn er sie betrachtete blieb sein Blick an ihnen hängen. Er versank in ihnen und blieb an diesem außergewöhnlichem Grün. Man sagte zwar die Augen wären die Spiegel zur Seele, aber bei den meisten Leute stimmte es nicht. Deren Augen warn ausdruckslos und leblos, nur belebt von Schadenfreude oder Boshaftigkeit. Bei Jade hingegen spiegelte sich jede Emotionen in den Augen wieder. Bei Trauer oder Schmerz verblassten sie. Während ihrer Gefangenschaft war jegliches Funkeln aus ihnen verschwunden gewesen und erst erstrahlten sie wieder in gewohnter Fröhlichkeit. Wenn er eins gelernt hatte, dann dies körperliche Strapazen oder Ähnliches hielt diese Frau ohne jeglichen Beschwerden stand, aber wenn man ihr die Freiheit raubte, dann entzog die Gefangenschaft ihr langsam Stück für Stück jeden Lebenswillen. Für Louis stand auf jeden Fall fest, dass er es nicht noch einmal so weit kommen lassen würde. Nicht immer wäre ein treuer Gefährte , wie Leonardo da, um sie zu retten. Deshalb hatte für ihn jetzt auch die höchste Priorität herausfinden, wer die ominösen Informanten aus England waren. Louis hatte zwar schon einen relativ realistischen Verdacht, aber keinerlei Beweise. Würde er es der betreffenden Person nachweisen können, ja dann würden in Frankreich wahrlich Köpfe rollen.

Leonardo bereitete es endlich wieder Freude durch die Wolken zu brechen und die Erde unter zu betrachten. Während seiner Flucht hatte er sich immer in den nassen und kalten Wolken verbergen müssen, damit ihn kein übereifriger Bauer oder noch schlimmer ein Soldat des Britisch Empire entdecken konnten. Sein Blick war immer nach hinten gerichtet gewesen und er war nur mit einem wirren Plan im Kopf, wo er hin musste, über die Insel gehetzt. Jetzt, wo er in Begleitung von Hope, Perscitia und ein paar anderen Drachen den gleichen Weg jetzt bereits zum dritten Mal zurücklegte, merkte er erst überhaupt, was er für einen Umweg geflogen. Glich diese Route einer schnurgraden Linie, hatte seine überstürzte Flucht einer Zickzack Linie geglichen. Er dankte immer noch seinem Schicksal, dass die etwas übereifrige Helfer von der Anführerin der Rebellen ihn gefunden und er ärgerte sich immer noch über diese Peinlichkeit, ihn gefangen genommen hatten. In diesem Moment tauchte sie in eine besonders große Wolke ein. Unbewusst bedauerte er Louis und Hope, die der Kälte und der klammen Feuchtigkeit noch ungeschützter ausgesetzt waren. Die Wolke riss auf und in der Ferne konnte man die ersten Konturen der Lagergrenze erblicken. Perscitia neben ihm seufzte übertrieben aus. „Puh, es steht tatsächlich noch, so unfähig ist meine Verwaltung, dann doch nicht. Ich habe mir schon angefangen Sorgen zu machen.“ Leonardo warf ihr einen fragenden Blick zu, über was redete sie jetzt schon wieder? Sie bemerkte offensichtlichen seinen verwirrten Gesichtsausdruck und sagte: „Das letzte Mal, als ich länger als einen Tag weg war, ist Requiescat auf die absolut bescheuerte Idee gekommen eine Regel festzulegen, die besagt, dass alle Drachen aus der Führungsschicht doppelt so viel Essen bekommen.“ Sie verdrehte die Augen bei dieser Erinnerung: „Das war ein Chaos, sobald ich wieder da war, hat sich ein Mob aus wütenden Leuten auf mich geworfen. Es hat tagelang gedauert bis wieder alles beim alten war. Seitdem gibt es hier auch die Postion des Taktikers.“ Sie schob diese mal eine Erklärung direkt nach: „Drachen, wie Requiescat, sind zwar treue und loyale Freunde, aber sie sind nicht im Geringsten dafür geeignet Verantwortung zu übernehmen. Deshalb habe ich lieber ein paar intelligente Leute mit strukturiertem Gedankengängen an der Führungsspitze, wenn ich mal nicht selber da bin.“ Er nickte zustimmend: „Du sorgst damit außerdem auch dafür, dass der ganze Widerstand nicht mit dir fällt und steigt, würdest du gefangen genommen, sind Leute da die eine Rettung organisieren können.“ „Ja der Gedanken ist mir auch gekommen und sollte ich einmal sterben haben wir keine Alexander der Große – Situation..“ Leonardo kicherte leise: „Ja wahrschlich sinnvoll, denkst du, ich könnte während der Zeit wo wir in England sind , ein wenig bei euren Denkern mithelfen.“ Sie schien einen Moment nachzudenken. „Es ginge durchaus. Aber wir haben zuerst ein paar Tests, um deine Eignung zu erproben. Außerdem würde ich eine eine geteilte Arbeit für dich vorschlagen. Wir können nur unschwer auf deine Kampfkraft verzichten, weshalb ich dich auf jeden Fall einem Geschwader zuordnen werde.“ Er nickte kurz: „Ich denke, dass wird so gut funktionieren.“

Wenig später landete die Reisegruppe vor den Haupttoren des Lagers, wo sie schon von einer Gruppe von Drachen und Menschen erwartet wurden. Einer der Menschen trat lächelnd auf sie zu und sagte: „Ah, wie ich sehe, war eure Mission ein voller Erfolg.“ Er deutete eine kurze Verbeugung in Richtung von Louis und Jade an: „Ich freue mich, sie willkommen heißen zu dürfen. Mein Name ist Smith. John Smith.“ „Äh, ja, vielen Dank Mr. Smith,“ sagte Louis nach einigen Moment leicht verwirrtem Schweigens. Der Mann hatte seine Vorgesetzte und sämtlich anderen Anwesenden schlichtweg übergangen. Wenigen Sekunden hatten sich die anderen auch wieder unter Kontrolle und eine Welle aus freundlichen Begrüßungen und neugierigen Fragen überrollt sie. Als sie es geschafft sich aus dem Trubel zu befreien, murmelte Perscitia Leonardo heimlich zu: „Teilweise ist es wirklich nervig, wie neugierig die Leute hier sind. Besonders viele von den Drachen entwickeln mit der Zeit einen nahezu unstillbaren Wissensdurst.“ „Das stört mich eigentlich weniger“, antwortete Leonardo ihr; „Es ist doch irgendwie auch verständlich. Sie werden einen Großteil ihres Lebens klein gehalten und haben keine Chance sich selber weiterzuentwickeln . Jetzt, wo du ihnen die Möglichkeit zum freien Denken und Leben gibst, werden sie versuchen alles zu verstehen und zu hinterfragen.“ „Ja, es stimmt schon, die Entwicklung ist wirklich wünschenswert. Aber genug von diesem Thema. Wir treffen uns später bei mir im Zelt und besprechen, wie es weitergeht. Alle Fragen können bis dahin warten.“ Sie wandte sich an Louis und Jade, „sehen Sie sich bitte um, das gesamte Lager steht für sie offen und es gibt sicherlich einige Leute, die gerne mit Ihnen reden wollen.“ „Vielen Danke, wir werden die Zeit sicher sinnvoll nutzen.“

Jade betrachtete aufmerksam, wie eines von Perscitias Geschwader über dem Lager kreiste und offensichtlich versuchte einige neuen Flugformationen zu meistern. Nach einigen Minuten wandte sie den Blick ab und entschied sich dazu noch das ein oder andere Buch zu lesen. Sie hatte lange über die Gefangenschaft nachgedacht und war mittlerweile zu dem Schluss gekommen, dass sie diesen Abschnitt ihres Lebens als unliebsames Erlebnis abstempeln und weit in die hinteren Ecken ihres Gedächtnisses. Lieber im Hier und Jetzt leben, als zuzulassen, dass die Vergangenheit einen einholte und endlos zurückhielt. Genau in diesem Moment betrat Louis den Raum und sie wandte sich lächelnd ihm zu. „Hi, wir müssen gleich zu Perscitia. Auf meinem Weg durch das Lager hat mir einer ihrer Angestellten Bescheid gegeben.“ „Kein Problem, ich hatte eh noch nichts festes vor. Was kannst du so über das Lager sagen.“ Er runzelte für einen Moment die Stirn: „Eigentlich nur das bestätigen, was Leonardo uns schon berichtet hat. Sie sind hier in Themen wie Gleichberechtigung und Ähnlichem viel weiter als das Restengland und auch militärisch scheint Perscitia ziemlich mächtig geworden zu sein.“ „Ich habe eben ein paar von ihren Übungen betrachtet, sie sind sogar weiter als wir in Frankreich. Das einzige was hier heran reicht, sind die Übungen, die wir vor unserem Aufbruch entwickeln haben.“ Louis dachte daran, dass er hier etwas miterleben durfte, dass nur selten in der Geschichte passierte: „Wenn wir es richtig anpacken, können wir Teil von dieser Bewegung sein. Das Britisch Empire wird von innen heraus aufgelöst und von einer neuen Gewalt reformiert werden.“ „Ja, die Gelegenheit ist wirklich einmalig. Vielleicht findet Perscitia ja auch eine Möglichkeit den Krieg zu beenden. Wenn Napoleon nur einen stark genügenden Gegenspieler bekommt, wird er früher oder später einsehen müssen, dass er genug erreicht hat, denn sonst wird er in absehbarer Zukunft besiegt werden.“ Louis reichte ihr einen Mantel, sie hatte jetzt endlich vernünftige Kleidung – Leonardo hattet es irgendwie geschafft das gesamte Gepäck zu retten, mit dem er geflohen war, einschließlich seines wertvollen Schuhkartons – und hielt die Öffnung des Zeltes für sie auf.

Wenige Minuten später standen sie wieder auf dem großen Platz, nur diesmal stand eine Art übergroßes Rednerpult in der Mitte und rund um dieses herum drängte sich ein buntes Gemisch aus Drachen und Menschen jeder Art. Louis sah, Leonardo, wie er aufgeregt mit einem der Menschen irgendetwas am diskutieren war und so heftig gestikulierte, dass die Frau sich ab und zu unter einer Schwinge oder ähnlichem wegducken musste. Als sie näher kamen, hörten sie auch worüber sie diskutierten: „Es macht überhaupt keinen Sinn einen Dialog mit der Admiralität zu suchen. Ihnen wurde so oft schon die Möglichkeit gegeben, irgendwie mit Perscitia ins Gespräch zu kommen, aber viele von diesen Deppen haben sie als Tier abgestempelt und sich geweigert auch nur ein Wort mit ihr zu wechseln.“

„Trotzdem, allein damit ihr nachher sagen könnte, dass ihr es auf jedem möglichen Weg versucht habt, müsst ihr einen offiziellen Antrag einreichen lassen. Und wer weiß vielleicht bringt es etwas. Nach dem“, Leonardos unterdrückte ein Kichern, was aber nur Louis auffiel, „französischen Angriff auf Dover werden einige vielleicht denken, dass ein Bündnis sinnvoll wäre.“ In diesem Moment bemerkt Leonardo sie und fragte besorgt: „Und wie geht es euch, konnte ihr euch ein wenig erholen?“ Jade winkte ab: „Schon viel besser, in ein paar Tagen werden wir wieder komplett einsatzbereit sein.“ „Das ist gut. Ich habe mir wirklich Sorgen gemacht. Er wandte wieder zu seiner Gesprächspartnerin um: „Das hier ist Louis, mein Reiter und meine Freunden Jade und Hope.“ Die Frau tart einen Schritt auf sie zu und streckte die Hand aus. Louis und Jade schüttelten sie: „Herzlich Willkommen hier im Lager. Mein Name ist Manon Bonnet und ich habe den Rang eines Taktikers:“ „Eine Ehre Sie zu treffen“, erwiderte Louis und lächelte ihr kurz zu. „Ebenfalls“, fügte Jade noch hinzu. „Was genau machen Sie eigentlich in dieser Postion?“ Bonnet dachte einen Momnet nach und antwortete dann: „Das ist sehr unterschiedlich. Perscitia hat mehrere Aufgabenbereich für uns Taktiker erstellt und wie wechseln immer wieder hin und her. Im Moment bin ich für politische Beziehungen zuständig. Sehr interessant und wegen der Admiralität wird es auch nie langweilig. Was die sich teilweise für politische Klöpse leisten.“ Sie schüttelte gespielt verzweifelt den Kopf: „Letztendlich bleibt immer nur eine Möglichkeit übrig: Die Holzhammermethode.“

Langsam ebbten die Gespräche ab und Perscita trat vor, um anscheinend die Beratung zu eröffnen. „Herzlich willkommen, wir haben heute nur wenige aber sehr wichtige Punkte auf unserer Gesprächsagenda. Erstes, wer noch nichts davon erfahren oder er es sich selber zusammengereimt hat: Der Angriff auf Dover wurde von uns durchgeführt und geplant.“ In der Menge erhob sich teilweise leises Gemurmel und einer der Anwesenden hob ein Hand. Perscitia nickte ihm zu: „Aus welchem Anlass? Es macht im Moment überhaupt keinen Sinn, so etwas zu machen:“ Leonrdo meldete sich ebenfalls: „Es war eine Rettungsmission, die aufgrund meiner Bitte stattgefunden hat. Ich gehöre zu einem Team aus Diplomaten, die vom englischen Korps unrechtmäßig festgehalten wurden. Ich konnte fliehen und bin daraufhin über Umwege hierhin gelangt.“ Der Fragesteller nickte und Perscitia fuhr mit ihrem kleinen Vortrag fort: „Zudem würde sich diese vier Personen gerne, während ihres restlichen Aufenthalts in Englands, bei uns praktisch betätigen.“ Sie grinste unheilverkündend: „Produktive Vorschläge sind jetzt erwünscht.“ Bonnet hob ihren Arm: „Wir teilen sie einfach ein paar unseren Aufgabengebieten zu und gucken, wie sie sich machen. Mr. Salubre vielleicht Lagerverwaltung, Miss Ledoux Innenpolitik und unseren beiden Drachen Taktik und Kämpferausbildung.“ „Wenn Sie nichts dagegen hätten, würde ich diesen Vorschlag gerne annehmen.“ „Ich für meinen Teil habe nichts dagegen.“ Die anderen gaben ebenfalls ihre Zustimmung. Eine weiterer Taktiker ergriff das Wort: „Woher wissen wir, dass unsere Gäste vertrauenswürdig sind. Im Laufe ihres Aufenthaltes werden sie teilweise wirklich wichtige Informationen mitbekommen und es wäre wirklich schrecklich, wenn auch nur ein Bruchteil von unseren Militärtaktiken an den Gegner gelangen.“ Jade antwortete ihm mit einem wütenden Funkeln in den Augen: „Wir sind die letzten die dem Korps in auch nur irgendeiner Form helfen würden . Wir wurden einen Monat lang gefangen gehalten und Leonardo sogar gejagt und verwundet. Und außerdem besteht diese Gefahr für jeden der bei euch mitmachen will.“ „Hat mich eh schon gewundert, dass das Korps noch nichts in diese Richtung versuch hat. Selbst wenn sie uns nicht als gleichwertig betrachten ist es idiotisch uns nicht als Gefahr einzuschätzen. Ich vertraue euch und glaubt mir: Ihr wollt euch nicht meinen Zorn zuziehen.“ Nach diesem Teil der Besprechung trugen die jeweiligen Verantwortlichen, alles Neue aus den Teilen ihrer Verwaltung vor. Wie viele neue Menschen und Drachen sich angeschlossen hatte, die Lage des napoleonischen Krieges und allgemein ein wenig über Veränderung in den Kolonien und China. Louis fragte sich wirklich woher sie alle diese Informationen bezogen. Perscitia musste wirklich in jedem wichtigen Amt der Admiralität Informanten haben.

Am nächsten Tag stand Louis schon früh auf und machte sich fertig, um pünktlich zu dem Treffen seiner neuen „Mitarbeiter zu kommen. Bevor er das Zelt verließ, weckte er noch vorsichtig Jade auf. „Mhm, was ist los?“, verschlafen kämpfte sie sich aus den Laken und blickte ihn leicht verwirrt an. Louis lächelte ihr warm zu und antwortete leise: „Du musst in einer halben Stunden zu deinem Arbeitszirkel.“ „Hm, okay“ Wenige Minuten später stand sie noch ein wenig schwankend neben ihm: „Wo gibt es denn hier Frühstück?“ „Ich glaube Bonnet hat gestern erwähnt, dass wenn wir pünktlich aufkreuzen auch direkt etwas zu essen bekommen.“ Sie umarmte ihn und verschwand in der Dämmerung des frühen Morgens. Louis wartete noch einige Momente strich Leonardo, der vor dem Zelt schlief und in regelmäßigen Abständen, die Luft mit seinen Atemwölkchen erwärmte, über die Flanke. Dann endlich ging er auch in Richtung des Zentrums davon. Es versprach ein interessanter Tag zu werden. Hinter ihm färbte sich langsam der Horizont golden und die ersten Drachen erhoben sich und flogen zu ihren jeweiligen Aufgabe.

Als Louis den Platz erreichte, war dieser menschenleer und er suchte einige Minuten bis er am Rand des Kreises ein halb offenes Zelt aus dem ein Lichtschein fiel fand. Er trat vorsichtig ein und blickte sich suchend um. An einem Tisch saßen bereits einige Männer und Frauen und unterhielten sich bei einem einfachem, aber lecker aussehendem Frühstück. „Guten Morgen“, grüßte er in die Runde und setzte sich an einen freien Platz. „Ebenfalls, Sie sollen hier heute eingewiesen werden?“, fragte einer der Männer ihm. „Ja, ich werde den nächsten Monat so gut es geht versuchen Sie zu unterstützen. „Seht gut, wir fangen in einer Viertelstunde an, also nehmen Sie sich etwas zu essen, wir haben genug da und“, er lächelte kurz, „teilen es auch ein.“ „Vielen Danke“, er nahm sich eine Scheibe Brot. Nach und nach trudelten noch einige Männer und Frauen ein, Louis wunderte es nur, dass er bis jetzt keinen Drachen gesehen hatte. „Gut lasst uns beginnen. Ich denke es ist sinnlos, wenn Mr. Salubre hier nicht unsere Namen kennt. Deshalb fange ich am Besten mal mit meinen eigenen an.“ Er deutete eine leichte Verbeugung an „Charly Wedson.“ Nach und nach stellten sich auch die anderen vor. Positiv überrascht bemerkte er, dass die meisten ihn etwa misstrauisch oder ablehnend ansahen, sondern ihm eher mit Neugierde begegneten. Und dann startete Wedson mit dem Tagesplan und ließ sich von jedem einzelnen der Anwesenden einen genauen Bericht darüber gehen, was in ihren jeweiligen Ressorten passiert war. Louis hörte aufmerksam zu und versuchte sich mit gelegentlichen Zwischenfragen ein Bild vom Aufgabengebiet seiner neuen Mitarbeiter zu machen. Anscheinend kümmerten sie sich um alles, was für die Versorgung und Instandhaltung des Lagers wichtig war. „Warum arbeiten hier eigentlich nur Menschen“, fragte er mit leisen Erstaunen, „ich habe überall Drachen gesehen, die mithelfen und mitplanen, nur hier nicht.“ Wedson zog eine Grimasse: „Man könnte es so ausdrücken: Den Drachen ist diese Aufgabe zu langweilig und sie arbeiten lieber, wenn wenigstens ab und zu ein wenig Action stattfindet. Deshalb haben wir irgendwann gesagt, wir machen die Planung komplett ohne sie. Besser sie können sich wo anders austoben.“ „Als hier Chaos anzurichten“, vollendete Louis seinen Satz. „Ja so in etwa“, nickte Wedson amüsiert. Louis musste nach einigen Stunden wirklich zugeben, dass die Aufgaben dieses Teams sehr langweilig waren, aber was sollte es. Er konnte ja später immer noch wechseln.

In diesem Moment flog Leonardo schon mit einer Formation einige Manöver, die sie ausprobieren sollten. Nach wenigen komplizierten Ausweich- und Angriffsmanövern konnte er sagen, dass Perscitia wirklich andere Herausforderungen an ihre Drachen stellte, als die Trainingslager in Frankreich. „Kommt wieder runter.“ Als Leonardo gelandet war, sah er sich suchend nach den anderen Drachen um, die eben noch neben ihm geflogen war. Sie sahen alle ziemlich erschöpft aus und waren ein gutes Stück hinter ihm zurückgeblieben, anscheinend war er nicht der einzige der diese Übungen ziemlich happig fand. „Also alles in allem war das ziemlich gute Arbeit. Ihr müsst euch nur noch an dieses Leistungspensum gewöhnen, aber das gibt sich in ein paar Wochen.“ Leonardo seufzte. Was für ein Sklaventreiber. Sobald er wieder in Frankreich war, würde er über das Programm von Maitre nur müde lächeln können. Es war gerade mal 8 Uhr und er fühlte sich, als hätte ihn ein Drache wie Requiescat verprügelt. „So, jetzt das ganze noch mal.“ Kollektives Aufstöhnen ertönte und einer seiner Trainingskameraden Honoratus setzte sich demonstrativ wieder auf den Boden: „Ich mache sicherlich nicht noch einmal solch einen Höllenflug. Morgen vielleicht, aber heute garantiert nicht.“ „Als ob wir nicht schon genug machen würden.“, setzte ein zweiter noch hinzu. Aulus schüttelte verärgert den Kopf: „Es geht nicht darum, was ihr machen wollt, sondern was ihr könnt und wie ihr mit Situationen umgeht bei denen ihr eh schon am Ende eurer Kräfte seid. Ihr könnt bei einem echten Kampf auch nicht sagen 'Tut mir Leid, ich habe gerade keine Lust mehr weiterzumachen.'“ Er machte eine scheuchende Bewegung mit den Flügeln: „Los los, sonst gibt es für euch eine Beschwerde bei Perscitia. Und damit ihr euch nicht ungerecht behandelt fühlt fliege ich diesmal mit.“ Leonardo warf ihm einen skeptischen Blick zu. Aulus war ein schon ziemlich alter Graukupfer und so mager, dass man jeden Moment befürchtete, er könnte zusammen brechen. In der nächsten halben Stunde bemerkte Leonardo, wie sehr das Äußere ihres Trainers täuschte. Er führte ohne Probleme die Formation an, führte alle Bewegungen perfekt aus und schien nicht einmal wirklich erschöpft, als sie endlich fertig waren. Einer der anderen Drachen hatte ihm während einer kleinen Pause zu geraunt: „Er hat zeitweise mal ein Trainingscamp geleitet, wurde aber abgesetzt als er Kritik an dem Admiral der Station geäußert hat. Kurz darauf ist er bei Perscitia aufgetaucht. Sie hat ihn natürlich mit Freuden aufgenommen.“

Silbernes Licht brach sich in seinen Schuppen, als Leonardo spät abends vom Training zurückkam. Er ächzte. Die Wunden hatten sich wieder geöffnet und ein schmales Blutrinnsal lief über seine Flanken. Innerlich schüttelte er über sich selber den Kopf. Es war wirklich sehr intelligent mit noch nicht ganz geheilten Wunden einen Tag gefüllt mit mörderischen Training zu bestreiten. Morgen sollte er es ein wenig ruhiger angehen lassen. Aulus würde sicherlich Verständnis haben. Trotz allem erfüllte ihn eine gewisse Zufriedenheit. Am Ende dieses Monates, würde auch ein Drache wie Vivamus ihn nicht mehr so leicht verwunden können. Für ihn begann wieder einmal ein neuer Abschnitt der Entwicklung, er war gespannt, wie viel man in maximal zwei Monaten dazulernen konnte. Noch einmal wollte er keinen Kampf verlieren.

SIMON

leonardo/kapitel_11.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)