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Kapitel 2 – Was er will, bekommt er auch!

Ihr wollt also noch mehr Geschichten von meinem Leben auf der Old Magpie hören? Na gut… Hab ja sowieso gerade Nichts anderes vor… Nun. Die folgenden Ereignisse spielten sich Anno 1812 ab. Zu der Zeit war ich schon einige Zeit an Bord der Old Magpie und ich hab in den ersten paar Jahren schon viel an der Seite von Grim Reaper und den anderen Piraten Erlebt. Aber dieses Jahr war etwas Besonderes, soweit ich das behaupten kann… Aber hört Ihr euch erstmal die Geschichte an.

Ich weiß noch genau, es war ein angenehmer Septembertag und die Sonne stand bereits im Zenit. Die See war ruhig, bis auf die gelegentlichen Schreie eines Mannes, welcher auf Backbordseite aus dem salzigen Wasser auftauchte und kurz darauf wieder versank. Er konnte nicht schwimmen mit den Fesseln um Arme und Rumpf, aber solange Grim das andere Ende des Seils hielt, würde der Mann ohnehin nicht untergehn. Der pechschwarze, Bunte Greifer mit der Totenkopffratze lag quer über dem Achterdeck und amüsierte sich bei seinem Spiel, welches er 'Haifisch-Angeln' nannte. Ich saß ein paar Meter vom Captain entfernt auf der Reling und beobachtete das ganze mit zunehmender Begeisterung. Der besagte Mann, der als Haifischköder diente, war ein französischer Händler und unserer Gefangener. “Grenouille! Ou est autre… Schiffe!? Tu sais Schiffe?” brüllte Grim mit seinem dürftigen Französisch zum Haifischköder hinunter. Dessen Worte waren schwer zu verstehen, da er kaum zu Atem kam und seine Todesangst machte es nicht gerade besser. Ich setzte das Verhör fort, da mein Französisch deutlich besser war. “Wir suchen nach Handelsschiffen. Sag uns gefälligst, wo wir hinsegeln müssen!” “Süd-Westen… ein Schiff ist… von Frankreich nach Brasilien unterwegs… 3 Tage Vorsprung…” Ein Grinsen machte sich auf Grim's Fratze breit und seine Augen begannen leicht zu funkeln. “Ah, merci! Et… Adieu!” Dann ließ er das Seil los und der Franzose versank in den Fluten. Grim drehte sich um, hielt dann jedoch inne und schaute zurück ins Wasser. “Verdammt!!! Das schöne, neue Seil!” “Keine Sorge, Captain Grim. Wir haben noch genug davon da.” versuchte Ham, der gerade mit einigen anderen Kameraden das Achterdeck betrat, den Drachen zu beruhigen. Das, was er mitbrachte, war besser geeignet, Grim zufriedenzustimmen. Ein Fass randvoll mit Rum. “Erfrischung gefällig?” fragte ein junger Schotte, gerademal 16, den der Captain 'Lobster' nannte, wegen seiner roten Haare und weil er ständig Sonnenbrand bekam. Er war bis vor zwei Monaten noch Smutje auf einer englischen Fregatte, bis Grim diese versenkte. Lobster wusste, wie man kocht und Schnaps brennt. Darum nahm ihn der Captain bei uns auf. Beim Anblick des Fasses begann der Bunte Greifer wieder zu strahlen. “Rum! Genau das was ich jetzt brauche!”

Und so segelten wir, endlich mal wieder mit einem klaren Ziel vor Augen, Richtung Südamerika und hofften, dass wir bald auf das erwähnte oder irgendein anderes Handelsschiff stoßen würden, an dem sich Grim Reaper und seine Crew bereichern konnten. Leider blieb unsere Suche für einen halben Monat erfolglos. Weder entdeckten wir ein Handelsschiff, noch ein Kriegsschiff, an dem Grim sich hätte austoben können, wenn ihm langweilig war. Anfang Oktober jedoch, wenige Stunden vor Sonnenuntergang, sollte sich das ändern. An diesen Tag erinnert sich jeder Pirat, der damals zu Grim's Crew gehörte. Ich stand auf dem Bug der Old Magpie und schaute in die Ferne, lauschte dem Rauschen des Meeres sofern Captain Grim's furchtbares Schnarchen es nicht übertönte. Der Drache lag bereits seit Sonnenaufgang auf dem Achterdeck und schlief seinen Rausch vom Vorabend aus. Scarecrow stapfe an meine Seite und fluchte. “Gottverdamm! Ich bin beinahe auf seinem Sabber ausgerutscht. Die Sauerei darfst du wieder aufwischen!” Als ich mich umdrehte, bemerkte ich, dass sich neben Grims Kopf eine große Lache aus Speichel gebildet hatte. Ich seufzte nur und wandte mich wieder der See zu. “Pass bloß auf, Scarecrow! Wenn du hinfällst und dir ein Bein brichst, beißt der Captain es dir ab und rammt dir ein Tischbein in den Stumpf damit du weiterlaufen kannst.” Scarecrow bricht in lautes Gelächter aus. “Das würde ich ihm zutrauen. Was die medizinische Versorgung auf diesem Schiff betrifft… Er brachte den Satz nicht zu Ende, da Monkey's Ruf vom Krähennest uns und alle anderen Piraten auf dem Schiff kurzzeitig erstarren ließ. “Schiff in Sicht! Schiff in Sicht!” Captain Grim war sofort hellwach, erhob sich und brüllte die umstehenden Männer an. “Hört auf zu faulenzen, nichtsnutziges Pack! Alle auf Gefechtsstation!” Er kniff die verschlafenen Augen zusammen und suchte den Horizont nach dem Ziel ab. Anschließend richtete er seinen Blick nach oben. “Monkey! Was für ein Schiff ist das? Ein Handelsschiff?” “Sieht aus wie ein Kriegsschiff. Französische Flagge. Sie segeln auf uns zu… Und sie haben Drachen an Bord!” Grim Reaper streckte seine Flügel aus und fletsche die Zähne. “Drachen? Ho! Die mach ich platt! Und ihr übernehmt währenddessen diese Nussschale.” Der Kampf begann, noch ehe die Franzosen abdrehen und uns eine Breitseite mit ihren Kanonen verpassen konnen. Während wir unsere Enter-Ausrüstung beisammen suchten, hatte Grim sich eine von den 9-Pfündern auf dem Achterdeck geschnappt, zum Bug geschleppt und auf die Galleonsfigur gestellt. Der Drache zielte auf das näherkommende Schiff und Ham gab ihm Feuer. Die Kugel verfehlte zwar ihr Ziel, aber die feindlichen Drachen erhoben sich in die Luft. Es waren zwei rote Mittelgewichte und ein grünes Leichtwicht. Als Grim sie genauer betrachtete, stutze er und legte den Kopf schief. “Federn? Diese fliegenden Landratten haben Federn… Oi! Ich will diesen kleinen, grünen Papagei-Drachen haben!” Ich stürmte zum Bug und überzeugte mich selbst vom Aussehen der Drachen, als Grim sich in die Luft erhob und kampflustig brüllte. Ham rieb sich den Schweiß von der Stirn und schirmte seine Augen gegen die untergehende Sonne. “Das müssen südamerikanische Drachen sein, vielleicht aus Brasilien. Copa… loco… oder so ähnlich…” Goat gesellte sich dazu, steckte sein Entermesser in den Gürtel und kicherte. “Die sehen aus, als hätten Drachen mit Wellensittichen…” Das krachen von Gewehrsalven ließ uns alle kurzzeitig zusammenzucken und hinter der Reling in Deckung gehen. Ich hörte, wie sich ein paar Geschosse ins Holz am Bug bohrten. Das französische Schiff drehte ab und unser Steuermann 'Blindfold' folgte seiner Bewegung, sodass wir bald parallel zum Gegner standen. Kurz darauf folgte das Krachen der Kanonen. Sowohl unser Schiff, als auch das Feindschiff steckten einige Treffer ein und der entstehende Rauch vernebelte die Sicht auf das gegnerische Schiff, doch der Kampf in der Luft war noch deutlich zu erkennen. Grim biss und hieb nach einem der Mittelgewichte. Der zweite Drache näherte sich von der Seite, was sein Verhängnis wurde. Grim verpasste ihm mit dem Schweif einen Volltreffer am Kopf und er fiel, tot oder vielleicht ohnmächtig, hinunter und krachte auf das Achterdeck des Feindes. Wir machten uns das entstandene Chaos zunutze und setzten uns in Bewegung. Monkey ließ einige Seile vom Hauptmast hinunter. Die Schiffe standen nun nahe genug beieinander, dass wir uns hinüberschwingen konnten. Ich rannte zum Achterdeck, schnappte mir ein Seil, holte Anlauf und sprang. Ich landete etwas ungünstig, schaffte es aber mich schnell aufzurappeln und den Degen eines Franzosen mit meinem Entermesser abzuwehren. Ein Tritt zwischen seine Beine und ein Schnitt durch seine Kehle brachten ihn außer Gefecht. Ein weiterer Franzose, der am leblosen Drachenkörper vorbeigeklettert war, wurde von Ham erschlagen, als dieser sich von unserem Schiff hinüberschwang. “Fisheye! Komm mit! Wir sehn uns die Fracht an!” Wir brauchten nicht lange um uns zum Frachtraum durchzukämpfen, da der meiste Trubel auf dem Oberdeck stattfand. Der Raum war regelrecht mit Kisten und Fässern überladen. Ich näherte mich einer der Kisten und brach sie auf, während Ham sich den Fässern zuwandte um deren Inhalt zu inspizieren. Meine Knie wurden weich bei dem, was ich sah. “Ham…bitte sag mir, dass das reines Gold ist…” Er kam näher, sah mit offenem Mund den Inhalt der Kiste und schnappte sich ein Brecheisen mit dem er eine weitere Kiste öffnete. Die Kisten waren randvoll mit geradezu riesigen Goldplatten. Als wir wieder auf dem Deck ankamen war alles ruhig. Captain Grim stand da, wo der feindliche Drache eingeschlagen war, umgeben von jubelnden Piraten und einem Leichtgewicht, der trübseelig auf das Meer hinausschaute. Die beiden Mittelgewichte und einige französische Matrosen trieben leblos im Salzwasser. Als Grim uns bemerkte senkte er seinen Kopf zu Ham und grinste. “Schau mal, Ham! Ich hab jetzt einen Papagei.” Dabei deutete er mit einer Klaue auf den grün gefiederten Drachen mit magentaroten Kamm und gelben Streifen auf den Flügel. “Und, was habt ihr gefunden?” Ham atmete tief ein. “Captain Grim. Im Frachtraum befinden sich 25 Truhen mit massiven Goldplatten. Und außerdem 15 Fässer mit Pökelfleisch, Wasser und Cognac.” Die Bernsteinaugen von Grim weiteten sich, vermutlich vor Unglauben. “Fünf… sagtest du gerade fünf… undzwanzig Truhen, voller Gold?” Ich habe Grim zwar oft vor Freude strahlen sehn, aber noch nie so sehr wie in diesem Monent. “Da… das Gold ist für Na- Napoleon!” stammelte der kleine Drache neben Grim. “Ich… als Botschafter der Inkas… bin dafür verantwortlich…” Der Captain schenkte dem Federvieh nur eine grimmigen Blick. “Halt den Schnabel, Duster! Setz sich auf meine Schulter und mach keinen Blödsinn!” Zu meinem Erstaunen tat der Drache ohne zu zögern, was Grim verlangte und kletterte auf Grims rechte Schulter, wo er schweigend sitzen blieb. Währenddessen hörte ich einen Mann schreien und ging dem auf die Spur. Nach einigen Schritten sah ich Scarecrow, der auf dem Boden lag und sein Bein hielt, welches stark blutete. Goat erläuterte die Sachlage. “Von uns ist kein Mann gefallen, aber einige haben Schnittwunden und Scarecrow hat ein gebrochenes Bein. Sieht übel aus… Eine der Kanonen hat sich gelöst und ihn umgefahren. ” Der Captain drehte sich zu Scarecrow und begann ihn anzufauchen. “Sowas blödes aber auch… Kannst du nicht besser aufpassen, Scarecrow?!” Anschließend wandte er sich an Ham und Lobster. “Holt mir mal ewas Schaps und einen Tisch. Ich bring ihm schon wieder laufen bei…”

Ich schwöre euch. Der Ausdruck auf Scarecrow’s Gesicht wird mir immer im Gedächtnis bleiben.

grim_reaper_kapitel_2.txt · Last modified: 2017/04/01 12:32 by Jside