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fan_fiction_zum_weiterschreiben:kapitel_1

DISCLAIMER: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und stammen aus dem Temeraire-Universum.

Kapitel 1

Laurence klopfte sanft auf Temeraires Hals. “Wir können starten, wenn du willst”, sagte er leise. “Das will ich hoffen!”, grollte der Drache voller Eifer, “Die Allegiance hat erst vor kurzer Zeit abgelegt! Wenn wir uns ein bisschen beeilen, kann ich sie noch einholen!”

Mit einem gewaltigen Satz schwang er sich in die Luft und gewann schnell an Höhe. Sydney schmolz zu einem kleinem Punkt zusammen und vor ihnen breitete sich das blau funkelnde Meer aus. Während der Wind auffrischte, verschwand Sydney langsam in der Ferne.

Laurence zog einen Kompass aus seiner Tasche. “Ich würde dir raten, ein wenig mehr nach Osten zu halten, mein Lieber!”, rief er, nachdem er bemerken musste, dass Temeraire vom vereinbarten Kurs abgewichen war.

“Aber der Drachentransporter driftet doch sicher auch ab?”

“Ja Temeraire, aber du wiegst im Vergleich zu diesem Schiff doch ein paar Tonnen weniger! Und Riley ist ein fähiger Kapitän. Auch wenn er erst seit ein paar Jahren im Dienst ist, wird er doch die richtigen Anweisungen gegeben haben!”

“Das wollen wir doch mal hoffen. Wenn Iskierka in den drei Tagen unserer Abwesenheit mehr als verkohlte Planken zurückgelassen hat”, fügte er leise grollend hinzu. “Sie wird wohl aus den letzten Geschehnissen gelernt haben, dass man sich besser nicht mit Offizieren der Marine anlegt!”, antwortete er, und erinnerte sich an das Tribunal, das ihn in England verurteilt hatte. Die aktuelle Situation in England und das Aufbegehren der Drachen würden es für die Admiralität nur noch verlockender erscheinen lassen, ein zweites Exempel zu statuieren. Zumal der Feuerspucker nicht gerade für seine Zuverlässigkeit bekannt war.

“Ich glaube, ich sehe etwas!”, Temeraire überschlug sich förmlich. “Ich kann die Allegiance sehen, und sie wird von einem Drachen angegriffen!” Laurence bewunderte einmal wieder die scharfen Augen seines Tieres, konnte er selber auf diese Entfernung wenig mehr als einen kleinen Punkt am Horizont ausmachen. Zumindest soviel konnte Laurence beurteilen: In einer Viertelstunde wäre Temeraire in Reichweite, und er wollte hoffen, dass es sich bei dem Angreifer nicht um ein chinesisches Tier handelte. “Ein Franzose!”, brüllte Temeraire, “Ich wünschte wir wären schon da, dann könnte ich diesen Feigling mit eingezogenem Schwanz und einem lieben Gruß an Lien zurücksenden!” Die Dreistigkeit, an diesem Ende der Welt mit einem voll ausgerüsteten Drachen anzugreifen, hätte er auch niemandem sonst zugetraut.

“Jetzt beruhige dich doch erstmal! Woher weißt du überhaupt, dass es ein französisches Tier ist?” , versuchte Laurence ihn zu beschwichtigen. “Es ist ein Flamme-de-Gloire, vielleicht sogar Accendare. Und ich denke, der schafft es , die Allegiance abzufackeln, bevor Iskierka das zustande bringt”, fügte der Drache hinzu, der Schlachteifer in seiner Stimme war nur schwer zu überhören. Laurence merkte, wie sich die Muskeln unter ihm anspannten und Temeraire sein Tempo beinahe verdoppelte. Die darauffolgenden Minuten zogen sich zäh hin. Nach kurzer Zeit konnte sogar Laurence die brennenden Masten ausmachen und der Geruch von nassem, verkohltem Segeltuch zog in Schwaden herüber. Die Allegiance, ein riesiger Transporter mit modernsten Kanonen und Schrappnellwaffen, müsste einem solchen Angriff doch standhalten können? Oder nicht? Laurence war sich nicht sicher. Außerdem war doch auch noch Iskierka an Bord, und die konnte es mit einem französischen Mittelgewicht locker aufnehmen, auch wenn es darauf zweifelsfrei mit heftigen Feuerstößen reagieren würde. Endlich war Temeraire in Reichweite. Der französische Drache hatte den herannahenden Kontrahenten mittlerweile wohl auch erkannt. “Que voulez-vous?”, doch auf diese Anfrage folgte nur ein lautes Brüllen. Zweifelsfrei war der Flamme-de-Gloire Accendare. Der Anblick des Veteranen jagte selbst dem gewaltigen Himmelsdrachen einen Schauer über den Rücken.

“Bleib ruhig, Temeraire, halte Abstand!” Laurence konnte sich zwar vorstellen, dass seine gut gemeinten Ratschläge für das Tier keine große Hilfe waren, aber immerhin meinte er zu spüren, dass die Anspannung seines Drachen ein wenig nachließ.

Plötzlich blieb Temeraire in der Luft stehen, stellte seine Halskrause auf und atmete tief ein. Laurence konnte sich gut vorstellen, welches Szenario jetzt folgen würde. In einem widerhallenden Grollen entlud sich der Göttliche Wind in Richtung des Feuerspuckers. Fetzen französischer Schreie drangen herüber, der Flamme-de-Gloire wurde wie ein Blatt im Sturm herumgewirbelt, verlor an Höhe, versank im Meer. Als Temeraire die Stelle überflog, sah er nur noch Teile der feindlichen Mannschaft, die sich verzweifelt an Teile der Fliegerausrüstung klammerten. Unten zeichnete sich noch die Silhouette des feindlichen Mittelgewichtes ab, die langsam dem Meeresgrund entgegensank; die Umrisse verschwammen, es breitete sich eine gespenstische Stille aus, aller Schlachtlärm verstummte. Das Wasser färbte sich rot. Laurence wurde schlecht. Den sonst ihm gegenüber so sanften und verständnisvollen Gefährten im Blutrausch zu erleben, war einfach zu viel und entsetzte ihn. “Er war ein Feind, wir hatten keine Mannschaft, ich konnte nicht anders! Wären Enterkommandos übergesprungen, Laurence, dann hätten wir verloren!” “Du brauchst dich nicht zu rechtfertigen, nicht mir gegenüber. Wir werden gleich die Allegiance erreichen, dann können wir über alles reden!” Wenige Augenblicke später fauchte Temeraire erbost auf. “Das kann doch nicht wahr sein!” “Was ist los?”, wollte Laurence sofort wissen.

“Da war nicht nur der Franzose, sondern auch Iskierka!” Er zuckte unwillkürlich zusammen. Dies überstieg sogar seine schlimmsten Befürchtungen, aber was wollte die Drachin damit bezwecken. Es gab für sie keinen Grund, sich plötzlich gegen ihre eigenen Leute zu wenden. Es sei denn… Nein, daran wollte er überhaupt nicht denken. Sie war doch nicht etwa übergelaufen? Dies würde Granby doch auf keinen Fall zulassen. “Temeraire, kannst du Einzelheiten erkennen?”

“Ja, die Allegiance ist komplett wehrlos! Die meisten Kanonen sind zerstört und Caesar liegt mit einem gebrochenem Flügel auf dem Deck.” In einer Wolke aus Dampf und Feuer erhob sich Iskierka vom Deck des Drachentransporters und wandte sich in Temeraires Richtung. “Was hast du denn hier zu suchen” fragte sie schnippisch. “Und warum hast du Accendare umgebracht?” “Das fragst du noch!”, fauchte Temeraire empört, “er ist unser Feind und hat die Allegiance attackiert! Und wenn du mir nicht eine sehr gute Erklärung lieferst, warum du tatenlos zugeschaut hast, dann…” “Was?! Du traust diesem Franzosen zu, dass er alleine dieses Schiff unter seine Kontrolle gebracht und Caesar besiegt hat? Ohne mich hätte er dies nie geschafft.” Iskierka warf sich in Pose und sah unheimlich blasiert aus.

“Dir werde ich zeigen, was es bedeutet, die eigenen Freunde zu verraten”, Temeraire holte tief Luft, ein Zittern lief durch seinen Körper. “Hey, warte”, rief das Kazilik-Weibchen dazwischen, “ich will dir noch ein Angebot machen!”

“Nun gut” ,grollte er, “ich höre.” “Wo ist Granby? Temeraire, frag sie, wo Granby ist.”, flüsterte Laurence Temeraire ins Ohr. Iskierka trug kein Geschirr und war ohne Besatzung. Temeraire stand über dem Schiff in der Luft, der Feuerspucker flatterte dampfend vor ihm herum. “Wir könnten viel Gold bekommen und jede Menge Prisen!”, kreischte sie und stieß bei jeder Bewegung Dampfwolken aus. “Was interessiert uns Napoleon oder England. Wer so dumm ist wie Caesar, wird schon sehen, was er davon hat. Und Lien ist auch auf unserer Seite.” “Das wundert mich wenig”, grollte Temeraire. “Ich kämpfe nicht für England, weil ich mir Gold davon erhoffe. Wir Drachen, das Korps, die Navy, die Armee, wir stehen für Millionen von Menschen ein! Laurence hat sein Vermögen aufs Spiel gesetzt, wäre fast hingerichtet worden, nur um die Treue zu diesem Staat zu halten! Bald werden sogar unsere Rechte anerkannt.” Der Himmelsdrache explodierte förmlich: “ Und was tust du? Es ist dir ein paar Säcke Gold wert, alles das, wofür ich gekämpft und gelitten habe, einfach so aufs Spiel zu setzen? Denkst du dabei eigentlich auch an Granby?” “Was kümmern mich Ehre und Anerkennung in einem Staat, der bis Ende des Jahres eine Provinz der Franzosen ist?” Iskierka wich Temeraires Blick aus. “Damals, in der Gefangenschaft, habe ich lange mit Lien gesprochen. Vielleicht zu lange. Du würdest dich wundern, wie ähnlich sie dir ist.” “Dieser Drache hat nicht einen Deut mit mir gemeinsam!” Temeraires Pupillen verengten sich zu Schlitzen. “Ihre Verbündeten in China haben veranlasst, dass einige ganz spezielle Züchtungen nach Europa verschifft werden.”, fuhr Iskierka fort, “Und Napoleon wird seine Verluste in kürzester Zeit ausgeglichen haben. Dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis ihm die Welt zu Füßen liegt.”

“Lien ist ein Feigling! Sie schickt immer nur andere vor, sie selber traut sich nicht, mir in offenem Kampf entgegenzutreten.” Temeraire sog unwillkürlich Luft ein und fixierte seine Kontrahentin. “Das sieht dir ähnlich, dich für ein paar lumpige Penny vor ihren Karren spannen zu lassen.” “Du irrst dich, du irrst dich gewaltig. So gesehen hast du ihren Triumph erst ermöglicht, und das wird dir Lien auch niemals vergessen. Dich in ihr riesiges Imperium aufzunehmen, ist doch das mindeste, was sie noch für dich tun kann.”

Temeraire fiel es schwer, die Fassung zu behalten. In ihm brodelte es heftig und es verlangte ihn danach, seiner angestauten Wut freien Lauf zu lassen. Nur Laurences beruhigende Hand auf seinem Hals hielt ihn noch davon ab, sich sofort auf die Verräterin zu stürzen und mit dem Feuerspucker kurzen Prozess zu machen. “Es gibt da einen Punkt, an dem es nur noch darum geht, auf der richtigen Seite zu stehen!” Iskierka funkelte ihren früheren Verbündeten herausfordernd an. “Das wird auch Granby einsehen müssen.” “Das wirst du ihm nicht antun!” Der Himmelsdrache verfluchte leise den Tag, an dem sein erster Leutnant zum Kapitän dieses Untiers geworden war. Er erinnerte sich nur noch allzu gut an den Prozess gegen Laurence und eines war klar: In diesem Fall würde es keine Gnade geben, Granbys Leben fände sein Ende mit einem englischen Strick. Iskierka war für die britische Krone verloren und somit auch kein Hemmschuh mehr, ihren Lenker vor ein Militärgericht zu zerren.

“Die Allegiance für sich ist schon eine beeindruckende Prise”, stichelte sie weiter. “Aber wie sieht erst die Belohnung für einen ganzen Kontinent aus?” “Es reicht! Ich werde nicht zusehen, wie du uns beide ins Verderben stürzt!” Granby war mit einem Sprachrohr auf dem Deck der Allegiance erschienen. “Nimm Vernunft an, Iskierka, mach doch alles nicht noch schlimmer!”

Temeraire entspannte sich bei diesen Worten ein wenig. Iskierka schien auf diesen Moment nur gewartet zu haben, sie umrundete die Allegiance ein letztes Mal, stieß dann herab, packte sich Granby und steckte mit einem Feuerstoß die kläglichen Überreste der Takelage in Brand. Mit ein paar kräftigen Flügelschlägen entfernte sie sich von dem englischen Transporter. Hektisch flatternd nahm sie wieder Kurs auf Australien. Laurence spürte, wie die Muskeln seines Drachen unter ihm erschlafften. “Es ist vorbei!” Er flüsterte fast schon. “Lass Iskierka ziehen, um sie kannst du dich später kümmern!” Temeraire fühlte sich einfach nur noch elend, als er zur Landung auf dem ramponierten Deck ansetzte. Es blieb ihm nur noch wenig mehr übrig, als ermattet seine Flügel zusammenzufalten und den Matrosen träge bei ihren Löschversuchen zuzusehen. JAXOM, TERMINATOR, SIMON (User von Temeraire.net)

fan_fiction_zum_weiterschreiben/kapitel_1.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)