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Eine Zukunftsvision

von Golol

8. Juli im Jahr 2034 Es klingelte und die Schulstunde endete. Während die Klasse den Raum verließ gingen Mike und Thomas auf das Lehrerpult zu. “Willst du wirklich fragen?” Thomas zuckte mit den Achseln. “Wieso nicht? Es interessiert mich sehr.” “Ach, das ist doch eh nur Humbug was dein Opa erzählt hat.”, gab Mike skeptisch zurück Thomas schaute beleidigt: “Und wenn? Dann stimmt es halt nicht. jetzt halt die Klappe.” “Du hättest ja erstmal deine Eltern fragen können-” “Klappe jetzt! Ja…. Entschuldigung Herr Dr. Tacker, ich habe da so etwas von meinem Opa gehört.” Dr. Tacker schaute interessiert. “Was ist es denn?” “Nunja, er meinte dass Drachen früher ganz anders waren… Das sie gesprochen haben und so. Nicht wie die, die man im Zoo sieht.” “Ja… das stimmt. Das ist ein sehr wichtiges Thema und eigentlich würdet ihr das erst lernen wenn ihr in der 6. Klasse seid. Aber wenn es euch interessiert, kann ich euch erzählen wie es dazu gekommen ist. Wir haben die ganze Pause zeit. Wo seid ihr gerade in Geschichte?” “Bei der französischen Revolution.”, gab Mike zurück “Ah okay. Und ihr wisst wer Napoleon Bonaparte ist?” “Ja klar.”, meinte Thomas Stolz “Er war der Präsident von Frankreich nach der Revolution!” “Nicht so ganz, aber das sollte ausreichen. Nun, es begann alles 1818 als Napoleon ermordet wurde. Frankreich hatte immer noch eine solide Chance den Krieg zu gewinnen, wodurch es umso überraschender war ihn so abrupt enden zu sehen. Wie es dazu kam? Naja, er wurde auf dem Schlachtfeld von einem Blindgänger getroffen und starb ein paar Wochen später an den Verletzungen. Ein etwas unspektakulärer Tod aber umso relevanter waren seine Folgen. Wie es bei einer Diktatur nun so ist, endete die Französische Vorherrschaft in Europa mit dem Tod des Diktators relativ schnell. Frankreich selbst wurde zwischen England, Preußen und Russland aufgeteilt und die Sache war fürs erste gegessen. Doch jetzt kommen wir schon zu einem der Gründe, die dazu führten wonach ihr gefragt habt. Innerhalb der Kriegsjahre hatten die damaligen Supermächte unglaubliche Zahlen an Drachen gezüchtet mit denen man nun etwas anfangen musste. Da es keine Schlachten mehr zu schlagen gab, wurden die Drachen als Arbeitstiere eingestellt. Viele der Jungdrachen die für den Krieg gezüchtet worden waren erlebten seit ihrer Geburt nichts als harte Arbeit und das Gefühl irrelevant zu sein. Natürlich wurden die Drachen nicht für ihre Leistungen entschädigt, das kam den Siegermächten damals nicht in den Sinn. Die internationale Lage war nach dieser Zeit entspannt. England, Preußen und Russland verstanden sich gut und führten starke Handelsbeziehungen. China war trotz des kurzen Konflikts mit England immer noch friedlich und die japanischen sowie englischen Kolonien auf dem amerikanischen Kontinent wuchsen mit erschreckender Geschwindigkeit. Die einzigen Störenfriede dieser Zeit waren die Inka, die wiederholt ihr Missfallen über besagte Kolonien kundtaten und die Tswana die sich aggressiv in Südafrika ausbreiteten. Erst als der Putschist Xun Jiang den chinesischen Kaiserthron raubte und die Kontrolle über das Land ergriff, gab es wieder Spannungen in der Welt. Innerhalb von einem Jahr bildeten sich zwei internationale Blöcke: Die Nationen die für die Freiheit der Drachen kämpften, darunter China selbst, die Tswana, die Inka sowie das asiatische Japan. Die andere Seite bestand aus den europäischen Staaten, also England, Preußen, Russland, Spanien, Österreich etc. und Japan. Ja, ich weiß, ich habe eben Japan zu dem Südblock gezählt. Der Grund ist, dass sich die Kolonie Japans in Amerika abgespalten hat und sich zusammen mit der Kolonie Englands zur NFA - der Neuen Förderation Amerikas zusammengeschlossen hat. Die Abspaltung der Kolonie von England hat natürlich erst für negative Beziehungen zwischen der NFA und England geführt, aber in den folgenden Jahren wurde dieser vergleichsweise kleine Konflikt irrelevant. Denn nun begann die Zeit der Aufrüstung. 50 Jahre lang wurden Kriegsschiffe gebaut und Kanonen geschmiedet. fünf Jahrzehnte lang wurden Rekruten über Trainingsfelder und unter Stacheldraht durch gejagt. Und ein halbes Jahrhundert land wurden - Drachen gezüchtet. Doch die nördlichen Nationen, die große Angst vor den Drachen Chinas hatten, hatten nun Zeit und Geld. Innerhalb dieser Aufrüstungsphase wurde viel über die Vererbung, die Gene und die Biologie von Drachen gelernt sowie angewendet. Als es los ging wurden Drachen auf die Schlachtfelder geschickt, die den Exemplaren zur Zeit Napoleons weit überlegen waren. Durch geplante Untersuchung und Kreuzung wurden größere stärkere und teuflischere Drachen geschaffen als je zuvor. 10 Jahre vor dem Ausbruch präsentierten die Briten stolz ihren ersten “Mustard Breath” in London, in den USA sorgten Exemplare der “Hellfire” an denen zu viele Emotionen steuernde Drogen getestet worden waren für Großbrände und in Preußen brachten im Flieger Jargon lediglich als “Bollwerk” bezeichnete Giganten den Putz an der Decke zum bröseln. Doch trotz der Aufmerksamkeit, der den Drachen geschenkt wurde, ging es ihnen nicht besser. Dementsprechend wurden diese Methoden hauptsächlich von den Nordländeren verwendet, während die drachenfreundlichen Länder bloß die Anzahl ihrer Drachen erhöhten. Schließlich begann es alles 1871 mit der Annexion des Südasiatischen Indischen Reiches von China. Man weiß nicht ob dieser Idiot Xun Jiang, der damals schon knapp siebzig war, den Krieg gewollt hatte, denn er hatte nicht erwarten können das der Anschluss eines Staates mit Zugang zum Mittelmeer unbeachtet geblieben wäre. Der Krieg brach nur 5 Monate später aus und währte nur 5 Jahre - aber diese Jahre waren verheerend. In Westasien drangen die vereinten Kräfte unaufhaltsam Richtung Delhi vor, in Sibirien wurden kilometerlange Schützen gegraben nur um Stunden später wieder auf Flucht vor dem gas verlassen zu werden, in Südafrika wurden Wälder dem Erdboden gleichgemacht als die Drachen der Tswana auf die 3. Drachendivision Englands unter der Führung von General Verlough stoßen. Man sagt auf der Landenge zwischen Nord- und Südamerika wäre der Boden voll mit Blut gesogen gewesen und an den Küstengeschützen der NFA wären Hunderte Japanischer Drachen gestorben. Nach zweieinhalb Jahren des Krieges war das Ende absehbar. Trotz der großen Zahl konnten die Drachen die für ihre Freiheit kämpften nicht gegen Die Kreaturen bestehen die die Nordstaaten erschaffen hatten. Am 2 Februar 1874 meldete gGeneral Verlough das keine Tswanischen Truppen mehr aufzufinden seien. 3 Monate später gegen Ende des Frühlings maschierten die vereinigten Truppen Europas in Delhi ein. Kurz danach erklärte Russland seine östlichen Grenzen für zurückerobert und verkündete den Start der Invasion Chinas. Sogar die riskante Landung der NFA in Japan, die von Hawaii aus durchgeführt worden war, glückte und ermöglichte einen transpazifischen Nachschubweg. Nachdem China seine kompletten Kapazitäten an allen Fronten aufgebraucht hatte verlor schnell und widerstandslos Land an die Nordmächte bis Xun Jiang eine Brand zünden lies der ganz Peking verzehrte und sich die Kehle durchschnitt. Doch der Krieg war nicht um. Es gab noch einen Ort wo die Hölle heerschte, und das war Südamerika. Die letzten Streitkräfte der Inka hatten sich in den Anden verbarrikadiert und wollten nicht aufgeben. Anstatt jedoch Verhandlungen zu beginnen oder durch gezielte Schläge die Blockaden zu durchbrechen schickte die NFA wie verrückt mehr und mehr Drachen In den Tod - die Geschütze und Klauen der Inkas. Irgendwann hatten die Drachen dann keine Lust mehr. Ihre von Chemikalien verzerrten Verstande die nichts als Tod und Gewalt erlebten und je gekannt hatten gaben auf, oder drehten durch. Niemand weiß genau ob es einen Auslöser gab aber die Drachen der NFA und der Inkas begannen bald alles und jeden anzugreifen. Die Überreste der Inkas verfielen bald in völliges Chaos und die Militärbasen der NFA in Südamerika ebenfalls, als die Luft von Drachen erfüllt war die nur darauf aus waren zu töten. Bald verlor man die Kontrolle über Südamerika und erklärte den Kontinent vorerst für Niemandsland, doch die Rage der Drachen denen das Kämpfen und Leiden für Menschen überdrüssig war entwickelte sich bald zu einem Aufstand in ganz Amerika. So begannen die Drachenaufstände - obwohl man sie eher als Abschlachten bezeichnen sollte. In Amerika, wo man viele Drachen zum schnellen aufbau der Kolonien verwendet hatte und die Bevölkerung im vergleich dazu klein war, hatten die Menschen keine Chance gegen die plötzlichen Angriffe der Drachen und obwohl es noch kleine Überlebensgemeinschaften gab war nach zwei Jahren praktisch jeder Mensch auf dem amerikanischen Kontinent Tod. Doch die Drachenaufstände fanden auch im Rest der Welt statt - hier verlief das Schlachten jedoch anders. Als man erfuhr, was in Amerika und der NFA passierte, begannen die Regierungen sofort mit der strategischen “Abschaffung” dieser “Monster” und obwohl viele Drachen Widerstand leisteten hatten sie keine Chance so nahe an menschlichen Ballungszentren zu überleben - also flohen sie. Die meisten versuchten über den Atlantik zu fliegen und der Großteil von ihnen versagte. Der Rest, der sich in Zentralasien oder Afrika versteckte überlebte nur wenige Jahrzehnte bis er durch fortgeschrittene Technologie gefunden und getötet wurde. Nun verging eine lange Zeit mit einer derartigen Spaltung der Welt. In Amerika lebten die Drachen, und in Eurasien, Afrika und Australien die Menschen. Selbstverständlich gab es tollkühne Abenteurer die nach Amerika aufbrachen und sobald sie in Küstenreichweite waren starben, aber zu wirklichen Konflikten zwischen den menschen und den Drachen kam es nie. Bis der Exodus kam. Exodus ist der Begriff für eine rapide Auswanderung auf einem Gebiet, und das war genau das, was die Drachen taten. Zu dem Zeitpunkt als es passierte - 1974 - wusste man noch nicht wieso, aber Tatsache war das überall an der Westküste Afrikas, der Ostküste Russlands und der Westküste Europas Drachen angeflogen kamen. Die Menschlichen Völker hatten sich mit der Zeit mehr und mehr Demilitarisiert und so sehr an den Status quo gewöhnt, dass der Anblick von Drachen seit so langer Zeit ein großer Schock war. Hätte man mehr Vorbereitungszeit gehabt, wäre es vielleicht anders gelaufen, aber die Plötzlichkeit mit der die Drachen über die menschen hineinbrachen und ihre unglaubliche Anzahl war zuviel für die schwachen Militäre. Obwohl die Drachen erst einen Bruchteil der von Menschen bewohnten Landmasse kontrollierten, war den Regierungen vieler Nationen das unausweichliche Ende schon klar und nach mehreren Krisensitzungen entschied man sich, eine Expedition nach Amerika zu schicken. Am 6. August 1975 verließen 6 U-Boote den Hafen von Tokio und steuerten zu verschiedenen Anlegeplätzen in Nord- und Südamerika. Sie alle berichteten nach kurzer Zeit dasselbe: Überall waren Leichen von Drachen. Als die Wissenschaftler die Körper untersuchten fanden sie ein hochpathogenes Virus, das innerhalb von wenigen Tagen zu schwerem Organversagen führte. Der Rest ging schnell. Man nahm eine Probe des Virus, brachte es in ein Genlabor, veränderte es mit modernster Technik und verbreitete das Virus unter den Drachen. Das ist die größte Sünde der Menschheit…” “Und… was hat man an dem Virus verändert?” “Neben der Tatsache dass er permanente Veränderungen an den Genen der Drachen durchführte, wodurch er Vererbbar war und eine Immunisierung gegen ihn praktisch unmöglich machte, führte er zu rapidem Absterben von Gehirnzellen und neuralen Verbindungen. “Also starben die Drachen?” Dr. Tacker schaute aus dem Fenster und dachte einen Moment über diese Frage nach “Nein, schlimmer. Man nahm ihnen ihre Intelligenz.”

eine_zukunftsvision.txt · Last modified: 2014/06/06 07:18 by Terminator