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Der Hinterhalt

Disclaimer: Alle verwendeten Figuren sind geistiges Eigentum von Naomi Novik und entstammen der Serie Temeraire

„Warum wolltest du eigentlich mitkommen?“, fragte Temeraire Perscitia am 3.Tag ihrer Reise in die Türkei. Sie flogen nun über das Mittelmeer hinweg und die Drachen waren nach drei Tagen der Reise, bei denen sie sich nur kurze Aufenthalte zum Schlafen in britischen Außenposten erlaubt hatten, ermattet und freuten sich trotz der sicher anstrengenden Verhandlungen auf ihre Ankunft beim Sultan. Fressen mussten sie unterwegs und auch die Besatzung nahm ihr Essen (sehr zu Temeraires Unwillen) in der Luft ein. Die Zeit drängte, jederzeit konnte die Türkei ihre Haltung ändern und endgültig zu Napoleon überlaufen, dann würde sich bald ganz Asien zu Frankreich bekennen und die britische Regierung müsste das Handtuch werfen!

„Nun, zum Einen wollte ich einmal aus England hinauskommen und andere Länder kennenlernen, dann dachte ich, dass ich bei diplomatischen Beziehungen vielleicht hilfreich sein könnte, aber voralldingen wollte ich wieder mit dir über Mathematik diskutieren, so wie früher immer. Ich hoffe doch, dass du deine ignorante Haltung, was den 6. Abschnitt im 3. Lehrsatz des Thales angeht, inzwischen abgelegt hast!“, antwortete Perscitia. Über dieses Problem diskutierten sie noch eine Weile, weil Temeraire seine „ignorante“ Haltung selbstverständlich beibehalten hatte. Laurence lächelte in sich hinein: „Er freute sich für Temeraire, dass dieser wieder mit Perscitia fachsimpeln konnte, dabei wirkte er lebendiger als sonst.“

Er selber unterhielt sich mit Berkley, der auf Temeraires Rücken neben ihm Platz genommen hatte. Auch alle anderen Menschen, die an ihrer Delegation teilnahmen, waren mit ihren Karabinerhaken irgendwo an Temeraires Körper befestigt, da die Wilddrachen und auch die Mitglieder der Drachenmiliz sich weigerten, Menschen zu transportieren. Lediglich Perscitia hatte sich bereit erklärt, Tharkay auf ihrem Rücken mitzunehmen. Die beiden verstanden sich gut, Tharkay berichtete Perscitia andauernd von seinen Reisen in Asien, der Landschaft und der Kultur der dort lebenden Wesen. Auch Tharkay war erfreut, denn in Perscitia hatte er eine interessierte und aufmerksame Zuhörerin gefunden. So wurde der sonst so wortkarge Tharkay auf einmal sehr gesprächig.

Es war mittlerweile Mittag geworden und alle hatten Durst. Arkady schlug vor eine Pause zu machen und sich etwas zu erholen. Die anderen 4 Wilddrachen und auch 4 der 7 Drachen aus dem Zuchtgehege waren ebenfalls dafür, sich ein wenig auszuruhen, deshalb schlug Laurence vor, sobald sie das griechische Festland, das noch etwa fünf Meilen entfernt lag, eine Pause zu machen. Er wusste, dass Temeraire sich schon sehr auf Griechenland freute, denn neben der „Principiae Mathematika“ waren die Odyssee, die Ilias und die Argonauten sage seine Lieblingsbücher. Nun wollte er herausfinden, wie die dort beschriebenen Orte wie Delphi oder Athen heute aussahen. Temeraire war deshalb sehr betrübt gewesen, als Laurence ihn über das heutige Griechenland aufklärte. Seit dem Jahre 150 v.Chr. bis heute stand Griechenland erst unter römischer, dann unter byzantinischer und zum Schluss unter osmanischer Herrschaft. Doch man hörte bereits Proteste in der griechischen Bevölkerung aufkommen und es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis die Griechen sich auflehnen würden. Doch noch waren sie Osmanen und deshalb rief Laurence alle zur Vorsicht auf und verbot den Drachen strengstens, eine Kuh auch nur anzugucken!

Über diese Erklärungen verging die Zeit und man konnte die Küste von oben bereits ausmachen, als Tharkay Laurence plötzlich zurief: „Sieh mal da unten, Laurence!“ Laurence sah auf das blaue Meer unter ihnen und konnte nichts Ungewöhnliches erkennen. Sie flogen nun bereits ziemlich tief und auf einmal meinte auch Laurence etwas zu bemerken. Er machte Temeraire darauf aufmerksam und der meinte: Das Meer sieht dort etwas höher aus, wahrscheinlich brechen sich die Wellen an der Küste.“ Die anderen glaubten ihm und flogen unbekümmert weiter.

Doch als sie nur noch zwanzig Meter vom Land und zehn vom Meeresspiegel trennten, passierte es: Laurence wurde von hinten von einem Stoß getroffen, der ihn kopfüber von Temeraire hinunter geworfen hätte, wäre er nicht an Temeraires Geschirr eingehakt gewesen! Temeraire drehte sich um und sah gerade noch, wie einer der Wilddrachen, ein Leichtgewicht, ins Meer fiel und verschwand. Als Laurence nach der Ursache dieses Sturzes suchte, bemerkte er sie. Mindestens 15 Wasserspeierflogen über, unter und neben ihnen. Sie alle waren schwergewichtig und vollkommen blau, so blau, dass man sie nur mit größter Mühe vom Meer unterscheiden konnte. „Das also waren die Erhebungen im Meer, die wir für Wellen gehalten haben!“, dachte er noch, ehe ein blauer Drache Temeraire von hinten herankam und Wasser auf sie spuckte. Die Japaner verfolgten eine geschickte Taktik, während Temeraire das Wasser ins Gesicht und in die Augen bekam, schnitten die Besatzungsmitglieder des Drachen an Temeraires Geschirr herum, um den Karabiner und damit auch den Männern keinen Halt mehr zu geben.

Es war ein perfekt geplanter Hinterhalt gewesen, die Drachen waren überrascht worden und wie benommen von der ersten Salve Meerwasser, die ihnen noch in den Augen brannte.

Nun stießen die Wasserspeier die leichtgewichtigen Drachen einfach ins Wasser oder bissen sie, während ihre Opfer versuchten, in Panik zu fliehen, was ihnen allerdings nicht gelang. Laurence wurde erneut von einer Welle getroffen und hin- und hergeworfen, nur in letzter Not konnte er sich an Temeraires Halskrause festhalten. Die anderen Mitglieder von Temeraires und Maximus Besatzung hatten weniger Glück, sie wurden ins Meer geschleudert! Auch Temeraire hatte große Schwierigkeiten, da Laurence sich an seinem Kopf festhielt, konnte er diesen nicht ungehindert bewegen und wurde immer wieder getroffen, sodass er sich gegen die Ramm- Stich- und Stoßattacken von der Seite nicht wehren konnte.

So ging es eine ganze Weile hin und her, Männer stürzten schreiend über Bord, Drachen flogen gegeneinander, weil sie nichts sehen konnten, einige knallten gar gegen die Felsenküste Griechenlands!

Doch schließlich schaffte Temeraire es doch noch, sich umzudrehen, er holte tief Luft, seine Halskrause zog sich zusammen, sodass Laurence tüchtig durchgeschüttelt wurde und er ließ dem göttlichen Wind freien Lauf. Damit hätten die Japanischen Drachen nicht gerechnet, sie wurden zurückgeworfen, Geschirre brachen, ihre Besatzungen fielen ins Meer und die, die noch fliegen konnten, zogen sich in Richtung Frankreich zurück!

Außer Atem, erschöpft und aus mehreren Wunden blutend, wandte Temeraire sich um, um nach seinen Begleitern zu sehen. Der Wilddrache, der ins Meer gefallen war, war ertrunken, alle waren außer Atem und viele verletzt. Auch Perscitia war verletzt, in ihrem Flügel waren böse aussehende Kratzer und ihre Augen tränten, doch im Gegensatz zu den anderen schien sie nicht erleichtert zu sein, dass die Gefahr gebannt war.

Während die Wilddrachen ihren toten Gefährten aus dem Meer bargen, rief sie Temeraire. Doch der hörte nicht auf sie sondern erkundigte sich gerade äußerst besorgt nach Laurence. Als er dann schließlich zu Perscitia blickte, war es bereits zu spät! Von oben ertönte ein gellender Kampfschrei, der die Drachen zusammenfahren ließ. Auf Grund ihrer angeborenen Schwäche vor Angriffen von oben, waren sie alle kurzzeitig gelähmt. Dann krachte es und Laurence hörte Temeraire aufschreien. Er sah nach oben und begriff, dass der Hinterhalt der Wasserspeier nur ein Manöver gewesen war, um von den sich von hinten nähernden Grand Chevaliers, denn um Drachen dieser Art handelte es sich bei dem erneuten Angriff, abzulenken, was fabelhaft gelungen war. Nur Perscitia war etwas aufgefallen, doch sie war nicht mehr dazu gekommen, die anderen zu warnen! Die Drachen ergriffen verzweifelt die Flucht, sodass die zweite Bombensalve sie nicht traf. Auch Temeraire suchte sein Heil in der Flucht, doch er war langsamer als sonst und bewegte sich schwerfällig.

Laurence stöhnte entsetzt auf, als er den riesigen Riss in Temeraires Flügel betrachtete. Auch die anderen Drachen waren verletzt, doch aufgrund ihrer Wendigkeit und ihrer Schnelligkeit gelang ihnen die Flucht. Als die französischen Schwergewichte bemerkten, dass ihre Beute zu schnell für sie war, schrien sie zornig auf und flogen Temeraire hinterher. Dieser flog über das Festland und suchte verzweifelt nach einem Versteck, doch die Grand Chevaliers kamen immer näher.

Da verließen Temeraire die Kräfte, er konnte sich nicht mehr halten und stürzte ab. Als Laurence das merkte, gab er das Signal, hinter ihnen alle verfügbaren Leuchtbomben zu zünden. Durch das grelle Licht wurden die Drachen der Franzosen geblendet und verloren die Orientierung. Gleichzeitig merkte Laurence, wie Temeraire fiel. Verzweifelt klammerte er sich an Temeraires Körper fest, dann wurde alles schwarz.

Euer KRONOS (User von temeraire.net)

drachenmacht/kapitel_2_der_hinterhalt.txt · Last modified: 2013/03/20 21:20 (external edit)