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drachenkrieg:kapitel_4

Kapitel 4

Der Wind zerrte an seinem Mantel, den Aleksander eng um seinen Körper geschlungen hatte. Es war unnatürlich still und er wusste warum. Er drehte den Kopf nach hinten und sah, wie einige von der Bauchmannschaft hochgeklettert waren und die Rückenmannschaft ersetzten. Aleks knirschte mit den Zähnen und sah wieder nach vorne. Es hätte nur ein ruhiger und sorgloser Flug über Deutschland werden sollen. Als Teimor dann einen Feind gesichtet hatte, offenbar einen Drachen im Wasser, war er seinem Opfer hinterhergejagt. Schon dort hatte er ein mulmiges Gefühl gehabt. Aber er hatte seinen Drachen gewähren lassen, denn auch ihm brannte es in den Fingern, den Feind zu schnappen – wenn auch aus völlig anderen Gründen. Hitler hatte angeordnet, dass kein Späher Deutschland lebend verlassen durfte und bis jetzt hatte das gut geklappt. Als Teimor jedoch Frankreich überquerte und schliesslich den Kanal erreichte, war Aleks froh, dass Teimor endlich zum finalen Schlag ansetzte. Es war zu viel Zeit verstrichen und sie sollten schleunigst zurück zum Stützpunkt! Aleks seufzte. Und dann waren die Engländer aufgetaucht. Eine gesamte Formation. Es war für ihn von Anfang an klar gewesen, dass sie keine Chance hatten. Nicht einmal Teimors Spezialattacke konnte die Überlegenheit der Engländer ausgleichen. Doch statt auf seine Rat zu hören, griff der verfluchte Drache an! Erneut überwältigte Aleks der Frust und er schlug auf Teimors Geschirr ein. Der spürte das natürlich, auch wenn es ihm kaum etwas ausmachte. „Was ist denn Aleks?“, fragte Teimor und sah etwas besorgt nach hinten. Seit dem Kampf waren einige Stunden vergangen und sie flogen nun auf die deutsche Grenze zu. „Nichts“, knurrte Aleks nur. Er wollte seinen Frust nicht an Teimor auslassen. Aber verflucht nochmal, es war nun mal die Schuld des Drachen, dass seine Rückenmannschaft und sein zweiter Leutnant tot sind. Jetzt würde er einen neuen brauchen. Dabei war Wagner ein hervorragender zweiter Leutnant gewesen. Ein Grollen erklang aus Teimors Kehle und der ganze Körper des Drachen vibrierte mit. „Du bist immer noch sauer wegen dem Kampf, oder?“, bohrte er nach und Aleks seufzte. „Ja, Teimor, ich BIN noch sauer. Warum hörst du auch nie auf mich? Ich kann dir tausendmal sagen, dass wir verlieren werden, aber du glaubst mir erst, wenn du es vor Augen hast“, fuhr er ihn an, „Jetzt haben wir die gesamte Rückenmannschaft verloren und der Späher konnte entkommen!“ Teimor senkte betrübt den Kopf. „Es tut mir Leid, Aleks. Ich habe nicht nachgedacht.“ „Allerdings, hast du nicht“, wies er Teimor zurecht, „Aber was passiert ist, ist passiert. Jetzt fliegen wir erst zurück zum Stützpunkt.“ Aleks raufte sich die Haare. „Du meine Güte, wie erkläre ich bloß diesen Verlust?“ Wie würde Hitler darauf reagieren? Im schlimmsten Fall würde er ihn kurzerhand hinrichten lassen, ohne mit der Wimper zu zucken. Er war ein Russe aus der Sowjetunion, kein Deutsche. Aleks vergrub sein Gesicht in den Händen. Es tat ihm um all seine Leute leid, aber er konnte nicht nachvollziehen, wie all die Familien darüber trauern mussten. „So viele Briefe zu schreiben“, murmelte er und ihm wurde beinahe schlecht von der Vorstellung. Teimor flog still weiter. Er machte sich vermutlich Vorwürfe. Es tat ihm weh, Teimor so zu sehen, aber bei Gott, diese Lektion hatte er wirklich gebraucht. Sein erster Leutnant Schiller kletterte zu ihm hin. Der einzige Grund, warum er noch lebte, war, weil er die Bauchbesatzung hatte zurechtweisen müssen. Seine Sorgfalt hatte ihm das Leben gerettet. „Kapitän?“, fragte er vorsichtig. „Ich will gar nicht wissen, wie hoch die Verluste sind, Schiller“, meinte Aleks erschöpft, „Das weiß ich selbst. Versprechen Sie mir nur, dass Sie mit mir zusammen dafür gerade stehen.“ Schiller nickte. Einen treueren Leutnant hätte er nicht haben können, wofür Aleks dankbar war. „Aleks?“, fragte Teimor. Seine Stimme war nicht mehr ganz so betrübt. „Was ist?“ „Was machen wir jetzt wegen den Büchern?“ Aleks stöhnte. „Ach Teimor, diese Bücher sind mir gerade so egal! Und du solltest dir auch nicht darüber Sorgen machen. Du brauchst eine komplett neue Rückenmannschaft, ein neues Geschirr, weil dieses fast auseinander geht und vielleicht solltest du dir eine Ausrede einfallen lassen, warum du nicht auf mich gehört hast!“ Teimor knurrte. „Es war richtig, den Feind zu verfolgen!“, widersprach er. Aleks kniff die Augen zusammen. „Teimor, wie viel deutlicher muss ich es dir noch vor Augen führen? Deine Rückenmannschaft ist tot, wegen deiner überstürzten Handlung! Tot! Es tut mir leid, dir das zu sagen, aber es ist so. Das hat viele Menschenleben gekostet und der Späher konnte trotzdem entkommen.“ Teimor rutschte ein seltsames Knurren hervor, doch er ließ erneut den Kopf hängen. Ein Knoten erschwerte Aleks das Atmen und er streichelte Teimors Schulter. „Es tut mir auch weh, Teimor, es tut mir auch weh“, flüsterte er und versuchte seinen Drachen trotz all der Vorwürfe zu trösten. „Komm. Wir fliegen jetzt zurück, du gönnst dir eine saftige Kuh und dann lese ich dir aus einem Buch was vor. Wie hört sich das an?“ Teimor hob den Kopf nickte. „Danke Aleks“, flüsterte er und sah ihn dankbar aus seinen hellgrünen Augen an. „Was würde ich nur ohne dich machen?“, fragte Aleks. Ein Lächeln glitt über seine Züge und sie flogen über die Grenze. Das Einzige, das ihm noch Sorgen bereitete, war eine Frage: Was für Informationen hatte der Wasserdrache in Deutschland aufgeschnappt?

“Was hast du entdeckt?” Der Fähnrich atmete tief durch und sagte dann:“ Sir, der Wasserdrache ist stabil, und sie scheint zu schlafen.” Will sah den Jungen überrascht an:“Sie?” Der Fähnrich sah ihn an und grinste dabei leicht:“Der Wasserdrache ist ein Weibchen.” Will sah überrascht zu dem Drachen herüber.“Woher weißt du das, ich dachte nur Drachenärzte….” Der Junge sah ihn an und unterbrach ihn:“Und Leute die mit Drachen aufgewachsen sind. Ich bin schon in einem Alter geflogen, als ihr noch nicht mal wagtet Drachenkapitän zu werden, nur das ich eher ein Freund als ein Kapitän war…Bitte versteht mich nicht falsch, aber ein Kapitän ist für Drachen etwas anderes als ein Freund. Nemesis schnaubte zustimmend.” Will nickte nur und bedeutete dem Junge fortzufahren.“Gut, außerdem konnte ich etwas vom Feind sicherstellen. “Er hob einen Beutel hoch und griff herein. Als er die Hand wieder hervorzog hatte er ein Buch in der Hand, auf dem groß das Hakenkreuz prangte. Er legte es Zur Seite und holte ein weiteres Buch heraus, diesmal in Weiß, mit chinesischen Schriftzeichen bedeckt. “Drachen” lautete der Titel laut dem Jungen. Ein weiterer Griff förderte ein paar Trainingshandbücher zutage und der letzte Griff eine Zeitung, aufgeschlagen auf der dritten Seite. “Das Deutsche Reich hat gestern laut offiziellen Angaben den achthundertsten Kampfdrachen fertig trainiert.” Er blätterte einige Seiten zurück und sah dann auf. “Bereit zum Angriff, unser Führer inspiziert die wartenden Truppen an der Ostfront.” Dann hielt er Will die Zeitung hin. Auf einem Bild waren der Führer und ein schneeweißer Himmelsdrache zu sehen. „Hey!“, Nemesis beugte sich so nahe an die Zeitung, dass sich die Ränder des vergilbten Papieres bereits gefährlich kräuselten und eine schwarze Färbung annahmen. „Ist das nicht die Feindin meines Vaters? Diese…wie hieß sie nochmal?“ Nemesis legte nachdenklich den Kopf schief, doch er schien viel zu aufgeregt zu sein, um nachdenken zu können. Sein Schweif peitschte hinter ihm durch die Luft, ehe er ihn wieder eng an den Körper zog und doch wieder auspeitschen ließ. Der Junge überflog kurz den Text:“Lien heißt sie, so steht es hier.” Dann steckte er die Zeitung wieder weg:“Bald marschiert der in Polen ein, es ist für morgen oder so geplant…..” Will nickte und lief zum Funkgerät, darüber musste sofort Meldung erstattet werden…….die Deutschen mussten eine Nachrichtensperre verhängt haben. Der Funker, der sonst immer an seinem Gerät rum schweißte, sah auf, doch als er die Nachricht hörte, die ihm Will etwas außer Atem zu funken auftrug, kam Leben in ihn. Schnell war die Nachricht abgesetzt. Die Antwort kam schnell.”Befehle kommen mit nächsten Kurierdrachen. Wir sind den Spionen zu dank verpflichtet.” Zwei Sätze nicht mehr und nicht weniger. Aber Will setzte schnell das Lager darüber in Kenntnis. „Ich dachte, wir hätten keinen Krieg.“, Mills Stimme war laut genug um von den Anwesenden gehört zu werden, jedoch auch gleichzeitig gedämpft genug, um es nicht als Schreien zu bezeichnen. Venenum setzte sich auf die Hinterbeine, legte elegant den Schweif um sich herum und giftete: „ Ganz wie der Drache.“ Will sah ihn an:“ Wir haben auch keinen Krieg, noch nicht, aber wir sollten vorbereitet sein.” Als auf einmal ein recht blauer Drachen vom Himmel fiel. Seine Flügel schienen etwas groß, wie die eines Langflüglers. Der Körper jedoch - er schien ein Mittelgewicht zu sein. Der Kapitän, ein hagerer Mann, nicht älter als dreißig, sprang von dem Drachen und salutierte.“Walker auf Akito. Melde mich einsatztbereit. Und ich soll Ihnen vom Londoner Stützpunkt sagen, dass eine Inspektion ansteht.”

drachenkrieg/kapitel_4.txt · Last modified: 2013/05/09 09:17 by Terminator