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drachengefluester:kapitel_2

Kapitel 2

Ich schreckte hoch und öffnete meine Augen, mein Brustkorb hob und senkte sich schnell. Ich versuchte meinen Arm anzuheben, doch es wollte mir einfach nicht gelingen. Wie lange habe ich geschlafen? Warum tut mein Kopf so weh? Und warum habe ich so viele Wunden an meinem Körper? Die Fragen häuften sich immer mehr an. Mein Kopf pochte, der Druck wurde immer größer und größer. Ich schrie laut auf. Da öffnete sich die Zimmertür, es kam ein Dienstmädchen zu mir ins Zimmer. Und brachte, auf einem silbernen Tablett, etwas zu essen und zu trinken. Sie stellte es auf meinen Nachttisch. Ich wollte „danke“ sagen, doch es gelang mir noch immer nicht zu reden. Sie nickte und sagte: „Ist schon in Ordnung, wenn du noch was brauchst, dann klopfe an die rechte Nebenwand. Ich bin im Nebenzimmer“. Sie verbeugte sich und ging dann langsam wieder aus dem Zimmer und schloss hinter sich die Tür. Warum nicht? Warum konnte ich nichts sagen. Eine weitere Frage, die sich in meinem Fragenberg auftürmte. Wer würde mir die Antworten auf all meine Fragen geben? Meine Augen schlossen sich wieder und ich schlief ein. Am nächsten Morgen wachte ich auf. Es regnete in Strömen, der Himmel war grau bedeckt. Ich guckte auf die Uhr, die über der Zimmertür hing. Es war zwölf Uhr mittags. Draußen hörte ich, wie die Pferde über den nassen Pflasterstein hinweg galoppierten. Hinter her zogen sie anmutige Kutschen von den reichen Handelskaufleuten. Die geizig waren und für Brot viel zu viel verlangten. Und selber sich daran voll fraßen und sehr dick aussahen. Die, die Geld hatten, hatten automatisch in der Gesellschaft auch das Sagen. So gilt die Rangordnung in dieser Welt. Die Armen hatten nie was zu essen und hatten auch kein Anrecht auf irgendwelche Besitztümer. Deswegen mussten sie sich um ein Stück Brot, oder nur ein ganz kleines Körnchen prügeln. Dadurch, dass die Nahrungsmittel immer knapper wurden, starben immer als erste die Armen, dann die, die etwas mehr Besitztümer hatten. Und dann, ganz zum Schluss in der Rangordnung, die Reichen, die wohlgenährt waren. Und viel Geld hatten. Ich versuchte mich aufzusetzen, ganz langsam spannte ich meine Muskeln an. Und es gelang mir tatsächlich. Ich hob meinen Arm und umschloss mit meinen Fingern das Wasserglas. Ich nahm einen Schluck. Das tat gut, mein Körper brannte. Ich spürte, wie das Wasser sich seinen Weg durch die Speiseröhre bahnte, und dann klatsch im Magen machte. Neben dem Wasser stand auch etwas zu essen, was ich mir natürlich auch sofort in den Magen stopfte. Dann beobachtete ich das geschäftige Treiben auf den Straßen, die sich wie ein Kreuz ausbreiteten und quer durch die ganze Stadt liefen. Manche Wege gingen auch bis hin zu der großen Mauer, die ca. fünfzig Meter hoch war. So verging eine Stunde, bis jemand an der Tür klopfte. Ich sagte: “Du kannst rein kommen”. Darauf öffnete sich die Tür langsam. Es war Mikassa, sie war seit zwei Tagen nicht mehr dagewesen. Und wollte sicherlich nur vorbeischauen, ob es mir gut ging. Sie fragte mich: “Geht es dir gut? Kann ich irgendwas für dich tun?” “Mikassa, danke, dass du mich besuchen kommst, mir geht es ein bisschen besser. Ich habe tierischen Hunger, könntest du bitte dem Dienstmädchen Bescheid sagen, das ich noch ein wenig zu essen haben möchte? Dankeschön”. Mikassa stand auf und ging kurz zum Nebenzimmer und sprach kurz mit dem Dienstmädchen. Und sagte, dass Armin noch etwas zu essen wünschte. Das Dienstmädchen nickte und ging los, runter zur Küche. Mikassa kam wieder in mein zimmer und setzte sich hin. Sie sagte: “Ich muss dir jetzt etwas sehr Wichtiges anvertrauen. Bitte erzähle das keinem weiter. Bitte versprich mir das.”

“Armin, in deinem Kopf schwirren zehntausend Fragen, oder? Ich sehe es doch auf deinem Gesichtsausdruck. Nun denn, in den zwei Tagen, wo ich nicht da war, habe ich etwas herausgefunden. Etwas sehr Wichtiges, was du nie in deinem Leben vergessen darfst. Ich werde es dir auch nur ein Mal erzählen, also hör gut zu! Vor etwa zwei Jahren wurde ein Experiment gestartet, um den Riesen Einhalt zu gebieten. Doch es war ein totales Disaster, zehn Jugendliche, darunter du. Fünf Monate wurden täglich Experimente an euch gemacht. Dann, eines Tages lief ein Experiment schief. Neun der Testobejekte starben, der, der überlebte, bist du! Ich wusste nicht, dass du dabei warst. Unser Vater hatte nie was davon erzählt. Ich habe immer an dich gedacht, und mich gefragt, wo du wohl hin sein könntest. Ich habe dich verzweifelt gesucht. Und dann fand ich dich. Dreckig, mit Blut überströmt, in einer Gasse liegend. Darauf habe ich dich hierher ins Krankenhaus gebracht. Dann bin ich zu unserem Vater gelaufen und habe ihn gefragt. Darauf hat er mir alles erzählt.” “Armin, bitte nimm es deinem Vater nicht übel, er hat gedacht, dass es ein Erfolg werden würde. Aber es war nicht so. Er hat sich, als er gehört hat, dass ein Experiment fehlgeschlagen ist, sehr viele Sorgen um dich gemacht. Er ist jetzt außerhalb der Mauer, und macht eine Expedition, um die Riesen genauer zu erforschen.”

Vor meinem Auge kam langsam wieder ein Bild zum Vorschein. Ich saß auf einen Stuhl, Kerzen flackerten in den Ecken des Zimmers. An der vorderen Wand hing ein Wandteppich, wo ein Löwe und im Hintergrund ein Kreuz, verziert mit Gold darauf waren. Vor mir saßen der Professor und sein Assistent. Auf dem Tisch lag eine Spritze gefüllt mit silber glänzendem Inhalt. Der Professeor sagte: “Nun Armin, du bist an der Reihe”. Darauf hin kritzelte der Assistent etwas auf seinem Blatt Papier, was vor ihm lag. Doch ich konnte nicht sehn, was er schrieb. Dann fing der Professor an zu erzählen, was er vorhabe in den Experimenten. “Mit dieser Spritze hoffen wir auf ein Wunder, wir hoffen darauf, dass diese Spritze die Gene so verändert, dass es möglich ist, Magie zu benutzen. Eine so tödliche Magie, dass es kaum vorstellbar ist, was man damit alles anrichten könnte. Deswegen ist es nur sehr reichen Familien gestattet, ihre Söhne zu diesem Experiement anzumelden.” Der Professor nahm die Spritze in die Hand, er stand auf und kam nun langsam auf mich zu. Ich versuchte etwas zu sagen, doch ich konnte nicht. Denn mein Mund war zugedeckt, und erst jetzt realisierte ich die Fesseln an meiner Hand. Ich versuchte laut aufzuschreien, ich wand mich hin und her. Ich versuchte der Spritze auszuweichen. Der Professor sagte zu seinem Assistenten: “Dorono kommst du mal kurz zu mir und hältst diesen Bengel fest.” Dorono stand auf und kam nun auch noch auf mich zu. Ich brülte aus Leibeskräften. “Nein hört auf! Bitte lasst mich in Ruhe, ich will das alles garnicht!” Dann hielt Dorono meine linke Schulter fest. Da spürte ich auch schon, wie sich die Nadel von der Spritze in die Haut bohrte. Ich spürte, sogar wie sich die Flüssigkeit in den Adern ganz langsam ausbreitete. Ich fiel in einen tiefen Schlaf. Darauf bin ich dann fünf Monate später blutüberströmt in der Gasse aufgewacht.

Ich stand auf und sagte: “Jetzt wird mir einiges klar, anscheinend kann ich jetzt Magie verwenden, aber das Dumme ist, ich weiß nicht, wie.” Darauf sagte Mikassa: “Ja, das sind alles nur Vermutungen, die die Wissenschaftler nur angenommen haben. Es ist aber nicht ganz sicher, ob es den Wissenschaftlern gelungen ist.” “Das ist mir schon bewusst, aber wenn meine Wunden wieder abgeheilt sind, was erstaunlicher Weise sehr schnell geht, kann ich es hoffentlich ausprobieren. Es muss doch irgendeinen Weg geben, und diesen werde ich herausfinden. Egal was auch passieren mag, denn ich will Riesen töten!” “Ja Armin, ich verstehe ja, dass du Riesen töten willst, aber bitte gedulde dich noch ein wenig. Wir machen uns sehr viele Sorgen um dich!” “Das mag schon sein, aber in Moment kann ich doch sowieso nur rumliegen und nichts tun.” “Armin, ich muss los, denn dein Vater hat mir einen Auftrag gegeben, den ich noch zu erledigen habe. Ich bin in circa zwei Monaten wieder da. Er wird mich außerhalb der Mauern bringen”. Darauf hin stand Mikassa auf und schritt langsam zur Zimmertür. “Armin ich verlasse mich auf dich und bitte dich, dass du ja keinen Unsinn anstellst, während ich weg bin! Hast du mich verstanden! “Ja, Mikassa ich habe dich laut und deutlich verstanden. Ich werde, versprochen, keinen Unsinn anstellen!” Mikassa nickte und öffnete die Zimmertür und schritt mit eleganten schritten aus dem Zimmer. Und schloss hinter sich die Tür.

Fortsetzung folgt….

drachengefluester/kapitel_2.txt · Last modified: 2013/12/28 20:35 by Terminator